Südwestdeutsche Heimatblätter.
Nr. 6
Emmersweiler: 715 Ermenberto villare (7).
hdanweiler: 992 Hanenvilare.
dinxweiler: 863 Linchisi villare
Schiffweiler: 893 Seufines villare.
Willere (Wüstung bei Bliesransbach): 796 Wilarum.
Von diesen genannten Namen scheint mir die reichlich
pät genannte Form für Berschweiler gar nicht das ur—
prüngliche villare zu enthalten, sondern eine Rücküber—
etzung der Endung „weiler“ ins Lateinische zu sein, die
vohl auf die lateinifche Kanzleisprache zurückgeht. Aehn—
ich haben die Mönche des Klosters Wörschweiler noch in
päterer Zeit den Namen ihrer Kultstätte lateinisch, Verni
Killerium statt Werneswilre geschrieben. Auch die Form
Billaris für Düppenweiler scheint mir auf eine ähnliche
dateinisierung zu weisen.
Wir hätten also im ganzen sieben alte Weilernamen,
»enen etwa 100 jüngere Weilernamen (Ortsnamen, Flux—
ramen und Wüftungen) gegenüberstehen. Es ist auf—
sallend, daß von den vielen Weilernamen nur wenige
atsächlich alt sind; und diese wenigen liegen auch noch
nicht einmal alle innerhalb der großen Weilergebiete
Dudweiler und Emmersweiler, auch Hanweiler, Blies—
zersweiler und Willere stehen nicht in direkter Verbin—
zung mit den großen Weilergebieten Dudweiler und Em—
mersweiler liegen in der Nähe der Burg Saarbrücken,
uinter deren Schutz sie auch wohl entstanden sein werden,
Fmmersweiler als Siedelung im Bannforste der fränki—
chen Könige, dem Warndt. Die drei Weilerorte an der
Bliesmündung liegen in fruchtbarer Umgebung und sind
als frühe landwirtschaftliche Gründungen anzusehen. Die
Drte Schiffweiler und Linxweiler gehen wohl auf die
Rodungstätigkeit des Klosters Tholey zurück. Die Mönche
egten einige Siedelungen an, von denen wieder langsam
die Besiedelung der Umgebung ausging. Natürlich wurden
alle diese alten Orte dort angelegt, wo die Lebens—
hedingungen für die Kolonisten günstig waren, wo es sich
eicht ermöglichen ließ, ausreichende und sichere Wohn—
plätze zu erstellen. Wo etwa noch die Trümmer eines
römischen Landhauses standen, dort wurden sie zu Fun—
damenten für neue Bauten benutzt. So sind wohl die
Funde römischer Mauerreste an den genannten alten
WKeilerorten zu erklären. Aber daß die Einwohner dieser
fArte Romanen gewesen wären, ist dadurch nicht be—
viefen. Vielleicht hat hier und da ein Romane noch ge—
vohnt, doch wird er sich dann den Germanen bei der
Anlage neuer Orte angeschlossen haben und in ihrer Masse
rufgegangen sein.
Die große Masse der jüngeren Weilernamen liegen in
erschieden fruchtbaren Gegenden Ein, Teil liegt, wie
chon oben gesagt wurde, in dem fruchtbaren Muschel⸗
zalkgebiet um die untere Blies, neben den Namen auf
ingen und heim. Obwohl das betreffende Gebiet schon
rüh besiedelt wurde, insolge seiner relativen Offenheit
ind seiner Fruchtbarkeit, sind doch die meisten hier lie—
genden Weiserorte erst spät erwähnt, während die da—
ieben liegenden Orte auf ziingen und -heim schon älter
ind; die Namen auf ⸗ingen und -heim gehören der Zeit
„er ersten Besiedelung durch die Germanen an. Hier also
ind die Weilerorte offensichtlich jünger als die Orte aus
er ersten Besiedelung, hier sind sie der Ausbauzeit zuzu—
beisen. Die jüngeren Weilerorte der Kreise St. Wendel
ind Ottweiler sind ebenfalls erst in dieser späteren Pe—
iode der Siedelungsgeschichte entstanden. Die Orte wer—
en alle erst spät erwähnt, die Namen zeigen die späten
formen der Endung. Typisch ist, daß eine ganze Reihe
son ihnen ursprünglich ohne Bestimmungsort stehen. Es
eißt also zuerst einfach „beim Weiler“, erst allmählich
ritt eine nähere Ortsbestimmung oder ein Personenname
inzu. Das lateinische „villaris“ war eben zu einem Lehn—
vort geworden, ähnlich wie verschiedene andere auf das
gauwesen sich beziehende Ausdrücke. Das Wort „Weiler“
vurde gebraucht wie jedes andere rein deutsche Wort,
»hne daß man sich seines undeutschen Ursprungs bewußt
vurde. Auch bei den älteren Weilernamen ist anzuneh—
nen, daß das Lehnwort weiler schon damals deutsches
S„prachgut war; nuͤr wurde von den Kanzleien noch die
ateinische Form niedergeschrieben, jedenfalls in Erinne—
uung an den lateinischen Ursprung des Wortes. Weder
prachlich noch geschichtlich erscheint also der romanische
ürsprung der Weilerorte gerechtfertigt. Sie entstammen der
jsermanischen Zeit, ein geringer Teil der Zeit der ersten
ßesiedelung durch die Germanen, die Hauptmasse da—
zegen der viel späteren Ausbauzeit
Neue Literatur über das Saargebiet.
Wer das Saargebiet kennt, der weiß, daß die wissen—
chaftliche Erforschung bis vor kurzem noch in den An—
ängen stand. Allerdings auf historischem Gebiete waren
durch die Arbeiten von Köllner, Krohn, Jungh und Rup—
persberg und durch die wertvollen Publikationen des
„Historischen Vereins für die Saargegend“ Grundlagen
gelegt worden, auf denen die Erforschung der Vergangen—
heit aufbauen kann und muß. Aber auf anderen wichtigen
Bebieten, z. B. der Geographie, der Wirtschaft, der Sozio—
ogie, der Sprachforschung, der Kulturentwicklung liegen
auch nur einigermaßen abschließende Werke bis heute
nicht vor.
Das Saargebiet hat seit 1919 als Grengzland, als be—
»rohtes Grenzland, erhöhte Beachtung gefunden, und
war von seiten Deutschlands wie von seiten Frankreichs
ßerade Franzosen, unter anderen Allot, Cadoux, Capot—
Rey, Cousier, Marraud, Priou, Vidal de la Blache und
Hallois, haben zum Teil recht beachtliche Studien geogra—
ohischen, geschichtlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen
Inhaltes veröffentlicht, wenn darin auch manches unter
einem politischen Gesichtswinkel gesehen ist und wissen—
chaftlich abgelehnt werden muß. Auch deutscherseits er⸗
schienen nach 1919 eine Reihe von Aufsätzen und Abhand—
ungen über das Saargebiet und die Saarfrage, aber es
teckte in diesen Arbeiken zu wenig System.
Es war daher von großer Bedeutung, daß vor einigen
Jahren unter Staatsminister Schmitt-Ott eine Forschungs—
zjemeinde ins Leben gerufen wurde, die es sich unter Füh—
rung von Professor Dr. Aubin zur Aufgabe gemacht hat,
das Saargebiet nach allen Seiten und Richtungen wissen—
chaftlich zu durchforschen. Die von der Saarforschungs—
zemeinde eingeleiteten wissenschaftlichen Arbeiten sind in
zuten Händen, und ihre Früchte fangen an zu reisen.
Innerhalb eines Jahres werden mehrere wertvolle
Arbeiten im Druck vorliegen.
Nun schließt die überaus wertvolle Arbeit der Saar—
orschungsgemeinde natürlich nicht die wissenschaftliche
ßeschäftigung mit Problemen des Saargebiets von andere
zeite aus. Es ist dankenswert, daß immer mehr Fragen,
zie das Saargebiet und die Saargegend betreffen, auf—
gjegriffen und behandelt werden. So liegen wieder aus
der jüngsten Zeit einige Arbeiten über Einzelfragen des
Zaargebiets vor. Da ist in erster Linie des nachgelasse—
ien Werkes von Professor Dr. h.c. Ruppersberg
zu gedenken, das eine umfangreiche Geschichte des
dorfes und des Stiftes St. Arnual enthält.
Wir berichten darüber an anderer Stelle)
Die geschichtliche Forschung an der Saar hat deshalb
nit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen, weil das
Zuellenmaterial aus allen Richtungen zusammenzuholen
st. Die territoriale Zersplitterung der Saargegend hat es
nit sich gebracht, daß man als Forscher sich nicht damit
»egnügen kann, das archivalische Material in der Saar—
zegend, in Trier, Koblenz, Wiesbaden und Speyer durch—
usehen, sehr oft enthalten die Archive in Metz und
daney wichtige Akten aus vergangenen Jahrhunderten
Jede wissenschaftliche Arbeit muß ganz selbstverständlich
arauf ausgehen, alles irgendwie auffindbare und erfaß—
»are urkundliche Material zu durchforschen. Das scheint
nicht der Fall zu sein bei einer vor kurzem erschienenen
gublikation, die die geschichtliche Entwicklung eines be—
eutsamen adligen Frauenklosters in der Saargegend dar—