Full text : 3.1930/31 (0003)

38 Südwestdeutsche Heimatblätter.
mit keinerlei Gesetzmäßigkeiten er—
kennen, die mit dem Aufkommen und
Smporblühen der saarländischen Städte
in Beziehung gesetzt werdenkönnen.
Vielleicht sind die tieferen Ursachen dieser siedlungs
geographischen Rückbildungsprozesse vornehmlich in einer
zroßen agrarischen Krisis zu suchen, wenn man
iberhaupt von einer Hauptursache ausgehen will Zur
Erhärtung dieser Annahme wäre es unbedingt notwendig.
eine eingehende Untersuchung über die damalige Güte
ind Ertragsfähigkeit des Bodens, die Unterschiede in
der Volksdichte und die Beziehungen zu hydrographischen
und klimatischen Bedingungen vorzunehmen. Ich denke
zierbei an eine ähnliche Untersuchung Grunds, dem es
gelungen ist den Ortschaftsverlust Niederösterreichs im
vesentlichen auf eine im ausgehenden Mittelalter einge—
retene landwirtschaftliche Krisis zurückzuführen.) So
ange eine ähnliche Untersuchung der saarländischen
Agrarverhältnisse des 15. und 16, Jahrhunderts fehlt
nuß daran festgehalten werden, daß die ziemlich gleich—
näßige Verteilung der Wüstungen über die urkundlich
m allgemeinen gut erhellten Räume keinerlei Anhalts—
punkte gewährt, um die kausalen Zusammenhänge und
die Summe der Vorgänge, die jedenfalls den ganzen
Wüstungserscheinungen zugrunde liegen, heute schon im
iinzelnen völlig befriedigend erkennen zu lassen
Nur die Räume, innerhalb deren das Einströmen der
ndustriellen Kräfte zu einer neuen Siedlungsperiode
ührten, blieben von den siedlungsgeographischen Rück—
»ildungen unberührt. Wohl kann auch in diesen Ge—
ieten eine Rückentwicklung im Laufe des 18.
Fahrhunderts festgestellt werden, nur mit dem Unter—
schied, daß die Rückbildung nicht in dem Eingehen dörf—
icher Siedlungen bestand sondern lediglich in du—sö
ttrieller Natur war und daher mehr wirtschafts—
neographische Bedeutung hat Zudem fallen diese Rück—
zildungsprozesse zeitlich erst in das ausgehende 18 Jahr—
hundert und reichen bis ins 19. Jahrhundert
hinein. Wegen dieser zeitlich näherliegenden Pe—
ciode ist uns auch zugleich heute noch leichter die Mög—
iichkeit geboten Umfang und Beweggründe dieser Rück—
1) Grund, A., Die Veränderungen der Topographie im
Wiener Wald und Wiener Becken. Geographische Abhand—
ungen. Leipzig 1901

Nr. 8

entwicklungsphase zu erkennen. Was den Umfang be—
rifft, so muß gleich vorausgeschicht werden, daß nur die
Blasindustrie von den hier in Frage stehenden Rück—
zildungen betroffen worden ist. Das Ausmaß der ein—
gegangenen Unternehmungen war gegen Ende des 18.
Jahrhunderts ein recht beträchtliches. Auf Nassau—
aarbrückischem Gebiet waren damals schon in Abgang
geraten die Glashütten zu Klarenthal. Werbeln, Lauterdach
 und Karlsbrunn; ferner die alten Hütten im
döllertal bei Engelfangen und die Kohlglashütte auf der
Fischbach. Auf pfälzischem Gebiet waren eingegangen die
alten Holzglashütten bei Wörschweiler Oberwürzbach und
Rohrbach.)
Daß trotz der weitgehenden Privilegien, die die Glas—
ndustrie im Saargebiet von jeher besaß, so zahlreiche
Rückbildungen möglich waren, hat seine Ursache
durchweg in betriebstechnischen Gründen. Als
iämlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr
die Steinkohle als Energiequelle an Stelle der Holzkohle
n der Glasfabrikation Verwendung fand, wurden die
Lebensbedingungen zahlreicher Hütten äußerst schwierig.
Ddie Umstellung der Werke auf Steinkohlenfeuerung war
nämlich mit großen Unkosten verbunden und mußle vor
illem den nicht in unmittelbarer Nähe der Kohlenselder
zclegenen Hütten verhängnisvoll werden. Sie waren nun
gegenüber den Glashütten, die von Anfang an in den
dälern der Kohlenschichten angelegt worden waren, be—
eutend im Nachteil. Diese hatten den Brennstoff in un—
nittelbarer Nähe, während die auf den Buntsandstein—
chichten des Warndt und der Pfalz errichteten Hütten
nit großen Unkosten die Kohlen herbeischaffen mußten.
Die Warndthütten und jene auf den Sandsteingebieten
zer Pfalz gelegenen wurden daher bald konkurrenz—
infähig und gingen allmählich ein. Mit dem Eingehen
zieser Holzglashütten ging aber kein Wüstwerden der
»urch die Hütten ins Leben gerufenen Siedlungen
»arallel. Die Glasmacher übten nämlich nicht nur ihr Ge—
verbe auf saarländischem Boden aus, sondern bebauten
auch das ihnen von den Saarbrücker Grafen reichlich
iberlassene Land. Ihre Siedlungen waren somit ganz
und gar nährbodenständig und blieben oaher auch lebens
zräftig, als die bisherigen industriellen Erwerbsquellen
m Versiegen begriffen waren
1) Lauer, W, Die Glasindustrie im Saargebiet Tübingen
1921

Der Lachs der Hunsrück⸗ und Eifelflüsse.

Von
Th. Schmidt-Saarbrücken,

Fortsetzung.)
Wie die frühen Trierer Erzbischöfe und Kurfürsten als
Inhaber des Fischbannes die Fischerei und vornehmlich
auch den Fang des edien Salm betreiben ließen, gehl
daraus hervor, daß sie in ihrem Ergzstift hofhörige
Fischerinnungen unterhielten, denen die Ausbeutung der
Territorialgewässer zustand und oblag, Mitglieder dieser
Innungen mußten noch im 13. Jahrhundert den Erz—
hischof auf seinen Reisen zwischen Trier und Koblenz zum
zwecke des Fischfanges für den Hofhalt ihres hohen
derrn begleiten Solche „Piscatores“ fanden sich im
3. Jahrhundert an der Saar zu Merzgig, Serrig und
Saarburg im Erzbischöflichen Forstamt an der Ruwer,
an der Mosel zu Pfalzel. Ehrang und Koblenz, im Nahe—
gebiet zu Birkenfeld-Brombach (K. Lamprecht), — Auf
Brund des Wildbannrechtes mußten in den Ergstift
Trierischen Bannbezirken um dem Salm den Aufstieg
nöglich zu machen, die Mühlendeiche für die Zeit oom
Odbtober bis Epiphanias gebrochen werden oder doch
venigstens alle Mühlen von Lambertitag (17. September)
»is Dreikönigen zur Nachtgzeit stillestehen. Und die
Wald-. Forst., Jagd-, Weydwerks- und Fischerey-Ordiung“
 des Kurfursten Franz Ludwig zu Trier vom Jahre
1720 führt Beschwerde darüber. wie allzu hoch gebaute
Wehre den Salmen und Forellen den Aufstieg sperre und
»erfügt die Beseitigung dieser Hindernisse,

In der Neuzeit sind es dann älteste naturgeschichtliche
Werke unserer engeren Heimatgebiete, die mit der übrigen
Fischfauna der Mosel auch den Lachs behandeln,. Als
olche seien genannt: Fournel „Faune de la Moselle“,
8363 Holandre „Faune du Departement de la
Aoselle“ 1826 und 1836, MeSchäfer Moselfauna“,
krier 1844, sowie de la Fontaine „Faune on Pays
se Luxembourg“. 1866 Holandre erwähnt den Fang des
salmo salar, der im französischen Saumon benannt ist,
im Wadrineau-Wehr der Obermosel bei Metz. Und der
Trierer Heimatforscher M. Schäfer sagt vom Salm der
Mittelmosel:; .. . . Er steigt regelmäßig während der
chönen Jahresgzeit in die Mosel und verschiedene Zuflüsse
eehen (Drͤne Ruwer, Saar und Sauer), um zu
aichen“

Im Gebiet der mittleren Saar nahmen nach urkund—
ichen Berichten des 13 —16 Jahrhunderts die Herren
»on Dillingen zu Schloß Dillingen den Salmenfang
n der Prims als Regal für sich in Anspruch. Eine
Uarktordnung der Stadt Saarlouis vom 22 November
696 gibt ein Verzgeichnis der amtlich festgesetzten Fisch—
»reise In diesem steht der Salm mit einer Bewertung
on 10 sols für das Pfund an der Spitze, — In der alten
Fischerzunft von Saarburg., Mettlach uͤnd Merzgig ist der
ßzalmfang in der unteren Saar aus den letzten
dahrzehnten des vorigen Jahrhunderts noch in lebendiger
            
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