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Landes, der Teuerung und Hungersnot, die in der
Bettlexplage ihre Schatten fast schon vorauswarfen —
diese Zeit des Provisoriums doppelt unangenehm zu
empfinden; zu der wirtschaftlichen Not aber trat die
Zorge um die politische Zukunft des Landes.
Wie im Aprilwettersturm wirbelten da die Gerüchte
durchs Land: sollte heute das Gebiet badisch werden. so
vwac es morgen schon wieder österreichisch oder gar —
preußisch. Da plötzlich im Frühjahr 18150 war Napoleon
wieder erschienen. Emissäre hefteten ihre Aufrufe an
die Grenzpfähle des Bezirks. Die Franzosenfreunde
reckten das Haupt; manchex gute Deutsche, so der
Pfarrer Ph. C. Heintz in Zweibrücken, fürchtete für
ein Schicksal, weil er das Jahr zuvor in der Sieges—
freude über den ersten Einmarsch der Verbündeten zu
Paris sich allzu deutsch ausgesprochen hatte; von Frank—
furt aus, wo Baron Rothschild zuerst von Napoleons
Landung Kenntnis erhielt, bis an die Mosel und Saar
leuchtete manchem Glücksfsäger lockend und verheißungs—
»oll Napoleons wieder aufgegangener Stern, der, ein
jlüchtiges Meteor, rasch wie er gekommen war. auch
wieder verschwand. Als der jugendliche Graf Platen.
»er in deutscher Begeisterung unter Wredes 60000
Bayern mit über den Rhein gezogen war, am 24. Juni
1815 „vor den kahlen Mauern und hohlen Fenstern“ des
Zweibrücker Herzogsschlosses stand, war die Entscheidung
dei Belle-Alliance und Waterloo bereits gefallen; am
28. Juni konnte der achtzehnjährige Prinz Wilhelm, als
Kaiser Wilhelm der exste Träger der neuen deutschen
Kaiserkrone, gaus des alten Reiches Totenstadt Speyer.
nom Kaisergrab in dem in Schutt und Asche liegenden
Ddom seinem Bruder PVrinzen Karl schreiben: „Wie
höchst unerwartet kam dieser große, so überaus bedeu—
ende Schleog! Es ist möglich, daß er den Anfang und
das Ende macht und gemacht hat.“ Kronprinz Ludwig
aber, der deutsche Kronprinz von Bayern. rief den alten
Kaisern in Speyer zu:
.. Züuürnt nicht mehr ihx Geister!
Fuer Grab mit Deutschland ist vereint
Wieder ist's es wird vereinigt bleiben,
Und auf deutscher Erde Speyers Dom
MNag die Zeit zerstören und zerreiben:
Immer bleibt der Rhein ein deutscher Strom!“
Sommer und Herbst vergingen über den Verhand—
rungen zu Varis; und „Paris war wohl noch besser zum
sangsam Unterhandeln gemacht als Wien“ Doch am 30.
Oktober 1815 brachte ein Brief des Herrn v. Knopp,
der als Chef der Administration der K.ß mobilen Armee
m Gefolge des Fürsten Wrede nach Frankreich ge—
zogen war, im Auftrag des Feldmarschalls Zwackh die
erste bestimmte, noch vertrauliche Nachricht, daß „der
zanze bayerische Rayon, wesentlich Germersheim, Zwei—
hrücken usw. ohne Zweifel bayerisch werden, und daß
Exzellenz darnach schon jetzt die nötigen Maßregeln
ehmen möchten, um alles was möglich zur Schonung
ind Erhaltung dieses Teiles ohne Blößen zu zeigen,
beizutragen.“ Das Protokoll der, Konferenz vom 3
Novembert 1815 bestätigte diese Nachricht und deckte sich in
Südwestdeutsche Heimatblätter.
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enen vorläufigen Abmachungen zwischen Oesterreich und
ßsayern fast völlig mit dem Inhalt des Vertrages vom
4. April 1816, der nach weiteren sechs Monaten des
Vartens endlich Gewißheit schuf.
Inzwischen waren in „lavierender, zeitgewinnender“
ßolitißk von Worms aus schon Vorbereitungen zur Neu—
7dnung der Regierungsverhältnisse getroffen worden.
Zatte sich Fürst Wrede auch überzeugt, daß „Unmöglich—
eiten nicht möglich gemacht werden können“, so
ünschte er doch sehr, daß die „Steuerrückstände noch
ir Bayern eingenommen werden“, ehe das Gebiet des
Idministrationsbezirks sich um Rheinhessen und andere
keile verringerte; die Zeit der herbstlichen Ernte wurde
esonders benützt, einer von Zwackh geschaffenen
deservekasse im Einvernehmen mit Oesterreich Mittel
uzuführen die „gleich beim Einzug der K. Regierung in
hrer neuen Hauptstadt die Umzugskosten, Ankauf oder
zau eines Hauses für die Regierung und die Hof—
ommission, die erste Möblierung dieser Gebäude, die
zesitznahmefeste, dringende Ausgaben für die Her—
tellung der ganz ruinierten Straßen, zur Betreibung
er Soline in Dürkheim nötige Reparaturen, Er—
auung und Einrichtung von Kasernen und andere
dosten bestreiten ließen“. In der Nennung dieser zu
rwartenden Ausgaben spiegelt sich etwas von der
rätigkeit. die Twackh während des Winters 1815/16
ntfaltete. Während die aus Frankreich zurückflutenden
kruppen in endlosen Zügen durchs Land marschierten
ind die Gutmütigkeit der schon so schwer bedrückten
zewohner nochmals auf die Probe stellten, entwarf
zwackh in der Regiexungskanzlei zu Worms die „künsf—
ige bayerische Organisation des Ueberrheins““ immer
ioch ohne die letzte bindende Gewikheit, daß die in
Laris nur vorläufig getroffenen Vereinbarungen bei
hrer Neuberatung in Frankfurt die endeültige Billigung
»rführen und Bayern, das in der deutschen wie der
erritorialen Froge noch nicht zufrieden gestellt war
richt wieder zurückgesetzt werden sollte. Fragen der
diquidation mit Oefterreich, zu deren Leitung v Knopp
»erufen wurde, Wahrung der bohyerischen Interessen.
Rottung“ der Revenuen, schonende Einziehung der
Finkünfte von den künftigen bayerischen Landeskindern
ind Versonalangelegenheiten sind Hauptpunkte im Brief—
vechsel zwischen Zwackh und Montgelas zu Beginn des
Jdahres 1816. Ende Februar endlich lauteten die Nach
ichten bestimmter, doch konnte Montgelas am 9 Märaz
816 den „termin der Extradition des Ueberrheins“ noch
ucht angeben, wenn es auch „nicht mehr so lange zu
sauern“ schien, „bis die Verhältnisse sich vollkommen
ntwickeln würden“. Als am 14. April durch einen
hertrauten in Worms die Nachricht eintraf, „daß die
ibgebrochenen Unterhandlungen in München fortgesetz
vorden wären, und daß man über die 26 Artikel des
VLertrages bis auf drei sich bereits vereinigt habe und
nan hoffen könnte, daß auch diese drei den Abschluß
richt verhindern würden“, — da war der Vertrag bereits
interzeichnet, der unsere heutige Pfalz unter Wittels—
zachs Zepters hrachte Dr A. BR
Eingegangene saarländische Siedlungen.
Von
Dr Carl Schnur-Köln.
ndustriellen Lebens. Die übrigen Rãäume des Saar—
gebietes blieben von dieser neuzeitlichen Siedlungsperiode
inberührt. Nur an der Saar und Oster haben wir zu
zerselben Zeit einige Neugründungen zu verzeichnen.
diese Siedsungen waren aber keineswegs das Ergebnis
atürlicher Wachssstumsvorgänge. sondern nur Folge—
»rscheinungen französischer Expansionspolitik auf saar—
ändischem Boden. Als nämlich im Nymweger Frieden
1678/79) die deutschen Bistümer Metz Toul und Verdun
Frankreich zugesprochen wurden, suchte Ludwig XIV.
eine „Eroberungen“ durch einen befestigten Ort an der
Zaar gegen deutsche Angriffe zu sichern Als die strategisch
ünstigfte Stelle erkannte Vaubon, der Festungserbauer
Ein Beitrag zur Wüstungsfrage.
Durch das Einströmen industrieller Kräfte wurden mit
dem beginnenden 16. Jahrhundert die saarländischen
Waldgebiete der bisher verkehrs— und siedlungsfeind
sichen Zonen der wirtschaftlichen Nutzung erschlossen, Die
ufkommenden Industriezweige, die Eisenverhüttung, die
Hlas- und Kohlenindustrie, brachten nun in diese Räume
Verdienstmöglichkeiten. die der karge Buntsandstein- und
Karbonboden nie hätte geben können. Neue Siedlungen
vie Ludweiler (Ludwißgsweiler), Naßweiler (Nassau—⸗
veilers, Klarenthal, Lauterbach, Karlsbrunn, Krughütte,
Rußhütite, Friedrichsthal, Fischbach und Jägersfreude
urchfetzten bald das Waldland und wurden Mittelpunkte