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Südwestdeutsche Heimatblätter.
Nr. 5
Kreuznach und die um Görres gescharten Franzosen—
hasser zumal in der Zeit der größten Spannung
Dezember 1814) gegenüber; hie Stein und Görres, hie
Montgelas und Twackh, diese fast noch im Banne
römisch-napoleonischen Denkens, jene umweht vom be—
geisternden Hauch der griechisch-deutschen Freiheitsidee;
jier das Abendrot der zentralisierenden, imperialistischen
Kheinbundpolitik, dort der Frührotschein der — erhofften
deutschen Freiheit. Dazu kam die hemmende Neben—
zuhlerschaft zwischen Oesterreich und Preußen; das
vohlbegründete ängstlich-ehrgeigige Festhalten Bayerns
an seiner im Bunde mit Frankreich gewonnenen
Souveränität; sein Bemühen, sie aus dem Schiffbruch
des Napoleonischen Weltreichs zu retten und würdige
politische Zustände zu erhalten; Wredes mehr auf dem
Schlachtfeld als in der Hofburg bewährte, mehr schwung⸗—
volle als diplomatisch kluge Art; ein Gegensatz wohl
auch zwischen Bayern und Oesterreichern, den der witzige
hayerische General v. Braunn zu Mainz einmal in die
Vorte kleidete: „Es mag keins das andere, aber artig
ind wir zusammen“, Ueber dem allem und mitten
nnen stand Zwackh: von übertriebener Deutschtümelei
vie maßlosem Franzosenhaß gleichweit entfernt, das
Auge offen gegen Preußen, Stein und seinen Tugend—
»und gerichtet, zur Abwehr gegen Görres und seinen
Merecurialstil“ immer bereit, so wußte er einen Stamm
rcuer Freunde Bayerns und des Herrscherhauses zu
sammeln und ihre Liebe sich zu sichern, ein Deutschtum
ohne die Echen und Kanten der Görresschen wohlgemein—
en „Mereurialdeutschheit“ zu begründen.
Kurz nachdem man den ersten Jahrestag der Schlacht
zei Leipgig in Arndts Geist jubelnd auch in „Deux-Ponts“
Mauern begangen, begab sich eine Abordnung aus dem
Administrationsbezirßk nach Wien, um auf dem Wege da—
din Graf Montgelas in München, dann aber in Wien
zem dort mit seinen beiden Söhnen weilenden König
vie dem Feldmarschall Wrede „die Wünsche des Volkes,
»ayerisch zu werden, ans Herz zu legen“ und „im Namen
des Laudes bei den hohen alliierten Mächten den
Bunsch auszudrücken, daß das Land zwischen der Mosel,
dem Rhein und der frangzösischen Grenze ungeteilt an
des Königs Majestät abgegeben und von Allerhöchstdemselbigen
nicht vertauscht werden solle.“ Das war im
Dezember 1814; abgeordnet aber hatte die eben in
Kreuznach tagende“ Landesdeputation neben Graf
Kesfelftadt aus Trier den Freiheren v. Hofenfels
aus Zweibrücken, des Ministers Sohn, den späteren
3zweihrücker Landkommissar, und der Prälidenten
Seneralsekretät Ruppenthal der Landesdeputation.
Wenige Wochen später, zum ersten Jahrestag der
Schlacht von Brienne, erschien chne Nennung des Ver—
fasfers, „Germanien 1815* die Schrift „Baiern vor
Teutschlands Richterstuhle mit besonderer Beziehung auf
»ie Schrift: Die Generalverwaltung der Verbündeten
inter dem Freiherrn v. Stein;'; es war ebenso eine
wvarmherzige Verteidigung der bisherigen Politik
Bayerns wie ein Angriff auf die Reaktion, die sich von
Wien aus in ganz Deutschland zu verbreiten drohte. Der
Verfasser der Schrift aber war kein anderer als der alte
Republikaner und nun königstreu gewordene baldige
ersie Präsident des Zweibrücker Appellationsgerichtes
Andreas Georg Friedrich Rebmann, eben noch in
Trier in gleicher Stellung tätig. Typisch beobachten wir
an ihm die Wandlung, die so mancher rheinische Repu—
blikaner — nicht Görres allein — durchgemacht hat, von
einer lodernden Begeisterung für die Ideen der Revo—
lution und seinem weltbürgerlich-unpolitischen, mora—
istischen Patriotismus zu einer nationalen Staatsauf—
assung, die bei aller Franzosensreundlichkeit nichts da—
»on wissen wollte. daß „Deutschlands Paradies, die
chönen Berge am Rhein, zu Provinzen eines von seinen
exften Grundsätzen abgewichenen Freistaates würden.“
Auf der Scheide zwischen Revolution und bayerischem
Zönigstum stand eben für Rebmann wie für viele andere
die abschreckende Zwingherrschaft des Korsen. Rebmann,
der dem Tyrannenhaß der Revolution zugejubelt, der
den General Bonaparte freudig begrüßt, der den ersten
Konsul noch geschätzt, — er fügte sich stumm nur dem
Kaiser Napoleon,. dessen „Regierung auch immer dem
Lande fremd blieb; und als seine Sache im Sinken war,
'ond sie hier niemand, der sich darum kümmerte.“ Gab
Rebmann gegenüber der „despotischen Monarchie“ Napo—
eons, vor allem dessen Zwangsmaßregeln in der
Sprachenfrage und politischen Kabinettsjustiz seiner
Neinung unverhohlen Ausdruck, so verfocht er ebenso
varm das treffliche französische Recht und verteidigte
s nach dem Sturz der französischen Herrschaft, wie er
802 schon an den französischen Einrichtungen auf dem
inken Rheinufer Kritik geübt oder 1805 „die weisen,
den Grundsätzen der Neufranken entsprechenden Maß—
eegeln“ der bayerischen Minister gerühmt hatte. Diese
zanze Entwicklung sichert Rebmann darum auch vor dem
Kerdacht, als habe er mit seiner warmen Sympathie für
bayern im Februar 1815 selbstsüchtige Ziele verfolgt und
zielleicht seiner schon im September 1814 an den König
zerichteten Bitte um Uebernahme in bayerische Dienste
Rachdruck verleihen wollen. Ein „Monarchomachus“, wie
er fich früher einmal genannt hatte, wurde er auch
etzt wieder, wo er offen bekennt, „durch seine auf⸗
lärenden Reformen habe der König von Bayern die
riebe seiner Untertanen gewonnen; auch seine neuen
ntertanen. die Bewohner des linken Rheinufers,
riesen sich glücklich, unter die Herrschaft eines so milden
ind aufgeklärten Fürsten gekommen zu sein“, Offener
och und völlig frei von dem Verdacht der Schmeichelei
lingt eine briefliche Aeußerung an seinen Freund den
ächüschen Journalisten Laun vom 27. Dezember 1816
us Zweibrücken: „Bei uns in Rheinbayern, haben wir
inen guten König, eine liberale und vernünftige Regie—
rung, welche das Beste will und uns die Güter gesichert
jat, welche uns nicht Napoleon, aber die Grundlagen der
herfassung, die selbst unter diesem noch bestanden, ge—
vährten. die wenigstens für uns hierzulande die beste
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Wie Rebmann so entschieden bayerischen Standpunkt
erfritt, so atmet gut deutschen Geist auch ein in der
Zeit der Hundert Tage, jener Zeit der noch hochge⸗
hywellten Publizistixx zu Zweibrücken gedruckter
Franzosen-Spiegel für deutsche Patrioten“, dessen Ver—
afser, der Norddeutsche Marcard, der vom Druckort
entfernt zu sein vorgibt, den Franzosen aller Zeiten mit
zuten gefschichtlichen Kenntnissen recht offen die Wahr—
jeit zu sagen versteht; gar manches, was in diesem
eltenen Büchlein gesagt wurde, mutet uns heute nicht
rinder frisch und zZeitgemäß an als unveraltete Wahr⸗
eit. Gar viele gule deutsche Patrioten hofften auf die
aldige Rückkehr beständiger Verhältnisse unter dem als
beral bekannten, aufgeklärten Königtum Max
Josephs J. Und wenn auch der, oder jener Pfälzer,
en der billige Erwerb der als „Nationalgüter“ ver—
teigerten adeligen und kirchlichen Besitzungen reich ge⸗
nacht hatte, vielleicht dankbar mit Frankreich sympathi⸗
ijerte, fo herrschte doch wohl in weiteren Kreisen jene
Ztimmung vor, von der ein „rechtschaffener Mann“ am
O. März 1815 dem GErafen Montgelas berichtete: „Der
irößere und bessere Teil des Ueberrheins ist weit ent—
ernt sich unter die französische Regierung,, besonders
nter den augenblicklichen Machthaber Frankreichs zu—
ückzuwünschen, allein nur alsdann kann mit Bestand
iuf Treue und Ergebenheit gezählt werden, wenn dem
ingewissen Zustand der Provingen ein Ziel gesetzt und
ie'einen bestimmten Regenten, und zwar Seine König—
iche Majestät von Bayern, für Allerhöchstwelchen die
illgemeine Stimme ist, exhalten würden; zu einer
erneren provisorischen Regierung können und werden
ie kein Zutrauen haben. Derselben vorzügliches Ge—
chäft war und ist noch, mußte es auch unter den vor—
valtenden Verhältnissen sein, diese Bewohner mit ganz
rußerordentlichen Lasten zu beschweren, die in dem
Naäͤße gestiegen, daß viele sonst wohlhabende Familien
zünzlich verärmt sind.“ Es bedurfte ja aber in der Tat
jeiner besonders drückenden Steuerschraube, um bei der
aAllgemeinen Beschränktheit der Verhältnisse, die
zeit charakterisiert, beĩ der wirtschaftlich resignierten,
ntfagenden. unfrischen Stimmung, unter dem Druck der
driegslasten und Kontributionen, den Wunden, die die
dontinentalsperre geschlagen, der Entvölkerunga des