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Beitrãqe ʒur heimatforsciung in ber sibmestoeusthen Srenzmav⸗
VNummer 5
Saarbruͤcken, Oktober 1930.
4. Jahrg.
Aus der Zeit des Werdens der heutigen Rheinpfalz
(1814- 1816).
Als die heutige Pfalz durch den österreichisch-baye—
cischen Vertrag vom 14. April 1816 unter das witteils—
dachische Zepter kam, da wurde nur endlich Ereignis,
vas man lange, wenn auch nicht ohne Bangen, erwartet
und in gut genutzten Jahren des Uebergangs nach
Kräften vorbereitet hatte. Die K.K. Oesterreichische und
K. Bayerische Gemeinschaftliche“ Landesadministration,
die nach einer im Gefolge des Ersten Pariser Friedens
39. Mai 1814) von den Verbündeten getroffenen Ueber—
einkunft vom 16. Juni 1814 an die vorläufige oberste
Verwaltungsbehörde für das Gebiet zwischen Rhein,
Mosel, Saar und der französischen Grenze
zarstellte, wurde eben im Verlaufe ihres Wirkens von
Kreuznach (bis 1. Juni 1815) und später von
Worms aus immer mehr eine Vorbereitungsschule der
ayerisch-pfälzischen Regierung. Stand auch mit dem
zayerischen ein österreichischer Präsident an der Spitze,
zder im vierzehntätigen Wechsel mit seinem Kollegen
das Präsidium führte, so trat doch der schüchterne, ängst—
liche und kraftlose Wiener Hermann Franz Freiherr
o Heß nicht minder wie seine Räte, Hofrat Regierungs—
cat Wilhelm v. Droßdick, Kreiskommissar v. Sonnleithner
und Bankalassessor v. Moshardt in dem
Maße zurück, wie die Vertreter Bayerns in der Ad—
ministrationskommission das Ruder der Regierung
führten, an ihrer Spitze als Präsident der bisherige
haherische Gesandte an den Nassauer Höfen und dem des
Broßherzogs von Frankfurt zu Frankfurt a. M., Franz
Xaver Ritter v. Zwackh. Es schied nicht gern aus der
wohl angenehmeren Stellung in einer schönen, alten,
großen Stadt und es bedurfte besonders eindringlicher
Bitten und Zusicherungen seines Königs und Mont—
gelas‘, bis er die ihm zugedachte Stellung antrat, ohne
dabei seine Frankfurter völlig aufzugeben. Aber wer
war auch nach Anlage, Vorbildung, Auftreten, Erfahrung,
Kenntnis von Land und Leuten wie Stellung zu Fürft
und Regierung so befähigt zu diesem schwierigen Amt
wie Zwackh? Durch persönliche Erfahrung in der Zei!
der Illuminatenverfolgung gewitzigt, hatte er am
Reichskammergericht zu Wetzlar den Blick für die Rechts—
Zzerhältnisse geschärft, hatte als politischer Agent und
später als Gesandter das Getriebe der hohen und
niederen Politik durchschaut, hatte in stetem Verkehr
mit Max Joseph und Montgelas Gelegenheit genug zum
Studium der Persönlichkeit gehabt; so trat er wohlvor—
bereitet ein Amt an, das an sein diplomatisches Geschick
wie an sein Organisationstalent hohe Anforderungen
stellte, dessen Führung ihm aber auch seines Freundes
Montgelas ganz besonderes Lob stets eingebracht hat.
Unterstützt von menigen vortrefflichen Räten, dem
Kriegsökonomierat G.eod. Knopp, dem ausgezeichneten
Feldintendanten, dem Kreisxrat Karl Freiherrn v.
Stengel, dem Leiter der Verwaltung, dem Kämmerer
Ludwig Grafen v. Armansperg, Vorstand des
Finanzbüros, im ständigen Verkehr mit dem König und
Montgelas. doch nicht diesem, sondern fast nur Fürst
Wrede als Oberadministrator des von bayerischen
Truppen besetzten Gebietes verpflichtet, verstand es
3wackh unter eigentümlichen Verhältnissen. bei denen
zolitische und militärische, administrative und gesetz—
eberisce Maßnahmen sich fast ständig kreuzten, das
zaherische Interesse mit Nachdruck zu wahren und hier
in der heutigen Pfalz schon zwei Jahre vor dem 1. Mai
1816 eine wohlgeordnete bayerische Regierung zu be—
gründen. Von Kreuznach und dann von Worms
aus liefen die Fäden der Regierung durchs Land, das bis
Juni 1815 so groß wie drei altbayerische General—
ommissariatsbezirke zusammen, die neun ungleich
zroßen Kreise Alzey, Birkenfeld, Kaisers—
autern, Koblenz, Ottweiler, Simmern,
—5peyer, Trier und Zweibrücken, zusammen 71
dantone umfaßte. Besonderen Dank erntete Zwackh—
Armanspergs Finanzpolitik, die den bayerischen Inte—
essen diente, ohne die beschränkten Verhältnisse eines
zurch den Krieg ausgesogenen Landes völlig zu über—
ehen; an Stelle finanzieller Mißwirtschaft und selbst—
üchtiger Spekulation, die damals schon den Witz vom
Zuviel-Verdienstorden“ (statt Zivilverdienstorden) auf—
ommen ließ, trat eine doch wenigstens geordnete
Finanzverwaltung, die dem Namen Armansperg schon
etzt alle Ehre machte als „ein neuer Beweis jener
eltenen und sachverständigen Tätigkeit, mit welcher sich
derfelbe seinem Bexufsgeschäfte widmet“. Nicht minder
erdienstvoll arbeitete Stengel auf dem Gebiet der
aneren Verwaltung, vor allem von dem Grundsatz ge—
eitet, daß das eroberte, an großer Erschöpfung leidende
rand in strenger Rechtlichkeit und in sorgsamer Milde
zu verwalten sei. Das einsichtsvolle, beruhigende, ord—
iende, belehrende und belebende Wirken des späteren
zpeyerer Regierungspräsidenten v. Stengel begann sich
n Kreuznach und Worms schon ebenso zu entfalten wie
ßraf Armansperg sich dort schon als den klugen Haus—
salter bewährte, der er bald auf dem schwierigen Posten
ines bayerischen Finanzministers blieb. Das geschickte
gindeglied zwischen der Zivil- und Militärverwaltung
var der gewandte Knopp, wie Stengel und Armansperg
ein treuergebener Mitarbeiter Zwackhs. Es war mehr
als bloße Höflichkeit, wenn der ehemalige zweibrückische
ßesandte in Paris, Freiherr v. Cetto Zwackh beim
fintritt seines Präsidiums nicht so sehr selbst Glück
dünschte als vielmehr seinem Zweibrücker „Urvater—
and“; wenn Graf Armansperg von Wien aus, wo er im
ßefolge Wredes weilte, am 17. März 1815 Zwackh mit—
eilen konnte, daß Montgelas in einem eben von
Nünchen eingetrofsenen Schreiben sich „über die Admini—
tration zu Kreuznach in den schmeichelhaftesten Aus—
rücken äußerte, quasi exemplificierte“. In zielbewußter.
orausschauender, offen, aber wenn nötig, auch im ver—
zorgenen arbeitender Politik wahrte Zwackh als treuer
Diener seines königlichen Herrn dessen Rechte, damals,
als zu Wien der Kongreß in tatenlosem Leben „tanzte“:
als man im Feilschen und Handeln um das linke Rhein—
ifer wahren Seelenschacher trieb; als das überraschende
ẽrscheinen Napoleons die entzweiten Deutschen einte;
als der Beginn der Hundert Tage unsere Pfalz wieder
zum Kriegsschauplatz zu machen drohte; als Preußen
en ihm abgetretenen Teil des Adminstrationsbezirks
wischen Mosel und Nahe nicht rasch genug besetzen
zonnte; als es später ebenso hurtig von dem Saar—
»rücker Gebiiet Besitz ergriff; als Landau an die
Desterreicher kam und — für Bayern noch bestimmt
chien, was „man ihm übriglassen wollter. Das durch
Wredes schroffe Art nicht besser gewordene Verhältnis
zu Preußen, das in Wien so sehr mißfiel, spielte auch
madie Regierungskanzleien zu Kreuznach und Worms
zjinein, verschärfte bestehende Gegensätze oder schuf neue.
Durch die Not der Stunde dem gemeinsamen Feind
jegenüber geeint, nach innen aber voll gegenseitigen
MNißtrauens. das sich bis zum erbitterten Haß der
Freunde Görres und seines „Rheinischen Merkurs“
jgegen Montgelas' bayerische „Französlinge“ steigerte:
o standen sich die Männer der bayerischen Regierung zu