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Südwestdeutsche Heimatblatter

Yir. 4

den 6. Januar 1814 verließen die letzten französischen
Truppen Ottweiler, in das am 7. Januar die preußischen
chwarzen Husaren einrückten. Das Land wurde einer
ästerreichischbayerischen Landes-Administration unter—
tellt, welcher der spätere Kreis Ottweiler bis zum 30. 6.
1816 unterstand. Am 1. 7. 1816 wurde der Kreis in
preußische Verwaltung genommen
Durch Verordnung vom 11. 4. 1817 wurde die allge—
meine Schulpflicht eingeführt und am 24 4. 1817 wurde
die Einschränkung des Forst Eigentums der Gemeinden
und öffentlichen Anstalten aufgehoben. Die Forstlände—
reien wurden von den Gemeinden unter Oberaufsicht der
Regierung selbst verwaltet. Prozentgelder und Abliefe—
rung der besten Stämme für öffentliche Zwecke fallen
veg. Zur Besserung des Verkehrs wurde am 1. Mai 1817
in Ottweiler ein Postwärteramt errichtet. Zwecks Aus—
rottung der zahlreich vorhandenen Wölfe wurden Jagden
abgehalten. Die gesamte Ackerbau treibende Bevölkerung
var verpflichtet, fich an diesen Jagden zu beteiligen. Im
Jahre 1817 wurden im Kreise Ottweiler Prämien für
sechs und 1823 für zwei erlegte Wölfe bezahlt.
Die Seelenzahl der Pfarrei, welche 1809 nur 732 be—
trug, war im Jahre 1822 bereits auf 1400 angewaächsen
und im Jahre 1819 verlegte man den Friedhof, bisher
um die Kirche gelegen, außerhalb des Ortes (heutiger
alter Friedhof).

Wegen Unrentabilität wurde 1823 der Betrieb der
dohlwaldgrube eingestellt. Doch allenthalben schürften
irme Leute nach Kohlen und verkauften sie korbweise
ür 2 Silbergroschen. Selbst hohe Strafen scheinen nicht
von der Schwarzgräberei abgeschreckht zu haben. Im
dahre 1833 wurden 18 Einwohner von Spiesen wegen
inberechtigtem Kohlenschürfen zu insgesamt 133 Tagen
Hefängnis verurteilt und 1834 wurde allgemein die Be—
vaffnung der Grubenwärter angeordnet, da es an ver—
chiedenen Orten zu Tätlichkeiten zwischen diesen und
zchwarzgräbern gekommen war. Eine Anzahl Ortsein—
esessene fand in dieser Zeit ihren Verdienst in der Glas—
zütte zu Friedrichsthal.
Stetig wächst die Bevölkercung und 1840 sind bereits
wei Lehrer angestellt. Die Zahl der unterrichteten Kin—
er betrug 1842 107, 1848 100 1845 119.
Im Jahre 1844 wurde das Schulhaus in der Kloster—
traße gebaut, jedoch erst 18859 von der Gemeinde ange—
zauft und eingereicht. Auf Grund der Landgemeinde—
Irdnung von 1845 wurde 1846 der erste Gemeinderat
zewählt, welcher am 29. 11. 1846 zur ersten Sitzung
usammentrat und dem als Mitglieder angehörten:
christian Peter, Jabob Tornes, Johann Trapp, Peter
Fischer, Franz Spaniol, Jakob Schoneberger, Seb. Er—
jard, Matth. Jochum, Jakob Rixecker, Johann N. Schulz,
ßeorg Schmidt, Peter Jochum.
sFortsetzuncg solgt

Von der Kaufkraft des Geldes früherer Zeiten.

Von Schreinermeister C. Schumann.

Unserer heutigen Generation kommt es nicht in den agen derowegen Dank vor wohlempfangener Summe
Sinn zu glauben, daß noch unsere Großmütter be- derer 3 Reichsthaler, versprechen auch künftigen März
schwörend dreimal auf ein Fünfgroschenstück gespuckt, »xmeldetes Kapital samt ländlicher Interessen (landsüb—
s dann, ebenso oft mit der Hand über den rechten ichen Zinsen) abzutragen. Es wäre denn, daß sie uns
dinterbacken gerieben und ausgerufen haben: Au, groß' erner wollte geliehen werden, wir weiteres verpensio—
Zeld! Das darf man nicht anbrechen, — wie mans an- tieren wollen, wie vorhin, nämlich vom Gulden ein
zricht, gehts fort! — Was man dafür aber auch kaufen Froschen (Zinsen) (der Gulden betruqg, damals etwa
zonnte! Z. B. 25 Heringe, oder ein 6pfündig Gemischt- 8 Taler, genauer: 7 Gulden waren 4 Taler rheinisch).
rot, beindhe einen halben Zentner Kartoffeln, 2 Pfund Wollen auch unsere Kreditorin in göngliche Sicherheit
Zammelfleifch, 118 Pfund Wurft, „Blunsert“ sogat 233 vingen und geben zum Unterpfand unfer eigen Stück,
pfund usw. jse nach Geschmach und Bedürfnis. Und wer velches frei und sonst niemand verpfändet ist im Säumnisa
 leichtsinnig mit dem Geid ümging dem wurde gesagt. all der Sinfen, oder da das Capital wollte aufgehoben
venn dir ein Pfennig fehll am Geld' zu irgendwas beim verden und keine Zahlung erfolge, wolle sie sich daran
Zaufmaunn, belomimst du's nicht? Was 'ift heute ein dalten und bezahlt machen nach eigenem Belieben, dawider
ßfennig?! Wer fragt danach? Ganz früher war's aber ns wedber ieen Gerichtshülfe schützen soll. NRäm—
och viel schummer“ Dar war zBdas Chepaar Mühl- ich ein Stück Acker, in den Palmsnäckern genannt, zu
5 7 * *8 a 8 dorf gefurgt (angelehnt) oben an Peter Schmitt, unten
soff, dem fehlten 1758 zu irgendwas drei Reichsthaler. iliphSdmite n arte bieses en dichte
älso gingen fie, wie man hier so treffend, umschreibend hilipp Schmitt. Und sollte dieses nterpfan nicht zu⸗
dazu sagt zur „Bas Lehn“, d. h. fie gingen zur Base änglich sein, was wir zwar nicht hoffen, so geben wir
echnen, d leihen. Boute ist das eine danz einsache hr Vollmacht, auch sonst noch in unser Vermögen ein—
Zache Wenn ich heute gerade gut fitze in einem Wirte, uugreifen, bis zur pölligen Bezahlung. Zu diesem Zweck
Zache: uteg i j jaben wir diese Obligation durch den Gerichtsschreiber
jaus und mein Zaster geht zur Neige, sag ich einfach ferti g 3
neinem Freund uͤnd Nachbar: Du, leih mir mal einen 88 eneit Ahr ienem ehrsamen Gericht.
Fufziger! und dann greift der in die hintere Hosentasche, Zeugen unterschre nu sen.
solt einen Hunderter, den er mit Welen —83 vhnee Dirmingen d. 15t. Xbris 1758.
dort stechen hat, hervor, wirft ihn mir hin und sagt: 9 *
Zier!“ Fufziger hab ich nicht! Ich steche den Hunderter oud — Minbe
gerollt durch meinen Ehering in der Westentasche, sage: udwign Edinger als ürge.
danke! und die Sache ist erledigt; d. h. wir gehen nicht Johann Phil. Zepp, Gerichtsschreiber
rher heim, bis das letzte Stück Messing, das ich darauf Johann Adam Schmiitt, desgl.
noch anerennee durch 8 rhee or ne F Anna Chatarina Wollnauer.
Wir Künstler am Leben von heute! 1758 war das noch J
etwas schwieriger. Da wurde folgender Aktus auf— A Was müssen die inee sich nach giesen
Jgenommen: (Der besseren Lesbarkeit“ überfetze ich ihn in rapaziösen Pumpgeschäft gefren haben. endlich die drei
nfere heutige Schriftsprache) daler in der Tasche zu haben! Hoffentlich haben sie her—
ach beim Winkoff mit den Bürgen, Zeugen und der
Ich, Johannes Mühlhoff, Einwohner allhier, und mit Heldgeberin, der noch getrunken und von shnen bezahlt
nir meine eheliche Hausfrau Anna Catharina urkunde verden mußte, nicht am Ende alles versoffen! Aber
und bekenne hiermit, demnach wir Eheleute haben an- gein, das ging ja nicht: Das Maaß Wein, etwa 13 Siter.
Jesprochen, daß Simon Wollnauers hinterlassene Tochter zostete 2 Pfennige. Da konnte man fich schon für einen
Anna, Catharing Elisabetha. noch ledigen Standes uns guten Groschen“ (12 Pfennige heute) einen anständigen
»orzuleihen 8 Reichsthaler, dieselbe das uns aicht abe Jacken antudeln! Aber was würde dieser Akt heute ngeschlagen,
 sondern ermeldete 3 Reichsthaler gütlich vor- efähr kosten, wenn er beim Rodär“ angefertigt würde?
zeliehen in guter gangbarer Münz rheinischer Währung, du lieber Himmel! Fragen wir lieber nicht!
Verantwortlich für die Schriftleitung: Dr August Hellbrück Druck und Verlag von Eebr Hofer AGB Saarbrücken
            
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