Südwestdeutsche Heimatblätter.
Wendel 206, Wittlich 2833. Hinzu kommen 647 ohne Vässe
Ausgewanderte
Im Jahre 1852,583 waren 2434 Personen von der
Statistik erfaßt mit 279 038 Taler Vermögen. An der
Spitze steht Trier-SRand mit 560 Seelen, dann folgten
St. Wendei mit 510, Merzig mit 306, Daun 213. Saar—
burg 199 u. s.f
Erheblich ist die Zunahme im folgenden Jahr: Es ver—
assen 4094 Menschen die Heimat mit bald Million
Taler. Nach Kreisen: Bernkastel 466, Bitburg 307. Daun
261, Merzig 454, Ottweiler 157, Prüm 316, Saarbrücken
209, Saarburg 359,. Saarlouis 189, Trier-Stadt 107,
Trier-Land 431, St. Wendel 497, Wittlich 326. Wie stark
der wirtschaftliche Rückschlag, der offensichtlich ZBamals
unsere Heimat erfaßte, beweist die hohe Zahl der aus
der Stadt Trier Ausgewanderten. Merkwürdigerweise
jgeben 16 Leute aus dem Kreis Daun Enaland als
Z3tel an.
Auch die Trierer Regierungspräsidenten wandlen der
Auswanderungsbewegung innerhalb ihres Bezirkes dau—
ernd ernste Aufmerksamkeit zu, wie laufend aus den an
den Innenminister erstatteten Berichten zu ersehen ist.
So heißt es im Januar 1833 daselbst: Die Auswan—
derungsgesuche nach Nordamerika häufen sich an der
ofälzisch-rothringischen Grenze, und zwar nicht aus Not,
fondern aus Anstechung. Die Ortsbehörden fahren fort
zu bitten, daß man den Auswanderungen durchaus kein
Hindernis in den Weg legen möge, indem die Ent—
ternung derjenigen Familien, welche ein überseeisches
VBaterland suchen, durchaus erwünscht sei Im März 1838
neldet der Regierungspräfident, zu Saarbrücken sei der
Agent einer angeblich französischen Gesellschaft zur Be—
örderung der Auswanderung nach Mittelameriks fest—
gestellt worden. Der Auswanderungs-,Schwindel“ — so
henennt der Berichterstatter diese Wanderbewegung —
am Rande der Pfalz und Lothringens gehe weiter.
Im folgenden Frühjahr hat die Auswanderungs—
»ewegung bereits von den Kreisen Ottweiler und Saar—
»rücken, wo sie im Vorjahr in Erscheinung trat, auf den
Kreis Saarlouis übergegriffen. Die Regierung erließ
noch im Herbste des gleichen Jahres eine Warnung vor
dem Auswandern in der Zeitung und im Amtshlatt.
Viel genützt hat dieser Versuch, durch die Presse der
Abwanderung entgegenzuwirken, nicht. Denn im März
1836 beobachtet der Regierungspräsident eine Zunahme
der Auswanderung gerade aus dem Saargebiet, die ver—
anlaßt sei durch die Geldüberweisungen von vorher Aus—
gewanderten und durch die Erzählungen von Heim—
zehrenden. Wieder ließ die Regierung Warnungen er—
gehen. Um die nämliche Zeit stellte sie ein wahres „Aus—
vanderungsfieber“ fest. Bei der Rückkehr aus dem
ernen Lande in die Heimat seien freklich manche dieser
Leute oft Bettler und sittlich und politisch verderbt. Als
zuch im Sommer 1836 die Auswanderungen ihren Fort—
gang. nahmen, versprach sich die Regierung wieder eine
nützliche Gegenwirkung durch „Verlautbarung“ (Bekannt-⸗
gabe) fehlgeschlagener Auswanderungspläne.
Auch das Nachbarland Frankreich sah sich angesichts
der starken Auswanderung ous dem südlichen Rheinland,
die naturgemäß über französische Häfen ging, zu gewissen
Vorsorgemaßnohmen veranlaßt. Der Polizeibericht des
Trierer Regierungspräsidenten erwähnt nämlich im Juli
1836, daß die französische Regierung fortab außer einem
»rdnungsgemäßen Paß ouch 400 Fl Barbesitz vro Aus—
vanderung und die Sicherung der Ueberfahrt verlange.
Man wollte offenbar in dieser Weise jenseits der Grenze
oor etwaigen Aufwendungen für unbemittelte Aus—
vanderer gesichert sein. Längere Zeit werden keine An—
raben über das Auswanderungswesen gemacht, bis dann
m März 1840 wieder eine A2unahme der Auswanderung,
romentlich im Saorgebiet. berichtet wird. Unter den
Auswanderern. heißt es, befänden sich selbst Leute mit
mehreren tausend Talern Vermögen. Neuerdings ver—
anlasse freilich auch manchen die Notlage zum Verlassen
der Heimat. Ein Speditionsbüro in dem lothringischen
Forbach verlonge für die Beförderung bis nach Amerika
115 Fr. einschließlich und 95 Fr. ausschließlich der Ver—
2fleagung. Diese verhältnismäßiag günstige Ueberfahrts—
gesegenheit dürften wohl gleichfalls manchem den Ent—
schluß zur Auswanderung erleichtert haben.
Nr. 3
Einen bemerkenswerten Rückschluß auf den Wandel in
der behördlichen Einstellung zur Auswanderung läßt der
Präsidialbericht vom Januar 1841 erkennen: Angesichts
der Bevölkerungszunahme sei dies Auswandern ohne
Hefahr. Die Behörde werde das Abwandern nicht gerade
»egünstigen, ihm aber auch andererseits nicht entgegen—
reten. Der Februarbericht 1842 bringt dann wieder eine
recht interessante Angabe. Der preußische Konsul in Le
3»avre teilt nämlich mit, eine Saarbrücker Firma bereite
eichtgläubigen Auswanderern große Ungelegenheiten.
Andererseits hegten die Auswanderer ein starkes Miß—
rauen gegen die heimische Regierung, daß diese lediglich
zus Egoismus gegen das Auswandern eingestellt sei.
NRicht minder belangreich ist, was in dem Märzbericht
nitgeteilt wird, daß nämlich die Auswanderungslust von
jerissenen Spekulanten scheinbar teilnahmslos gefördert
verde, die die Immobilien (der Auswanderer) billig auf—⸗
ukaufen beabsichtigten. Im Mai 1842 wird vermerkt,
»aß bei dem Auszug der Dauner Auswanderer diesen
ichtlich die Trennung sehr schwer gefallen sei. Ab—
nahnende Eindrücke — wohl von Rückwanderern —
zjemmten die Neigung zum Verlassen der Heimat, wenn
indererseits auch die Berichte von Leuten, die es drüben
zesonders günstig angetroffen hatten, nicht ohne Eindruck
»lieben. Im Dezember 1842 ward gar von einem Lehrer
rus einem kleinen Hochwalddörfchen berichtet, daß er im
Zolde einer Le Havrer Auswanderungsagentur Ein—
vohner zum Verlassen der Heimat zu veranlassen suche.
der Regierungspräsident fügt freilich die Bemerkung an,
s sei ein Gewinn, wenn alle die betreffenden Leute ab—
vanderten, da sie durch den von ihnen hetriebenen Forst—
revel den Nachbargemeinden unliebsam seien.
Die letzte Nachricht über die Auswanderungen aus dem
Trierer Land zur Zeit des Vormärz finden wir im Früh—
ahr 1843: Nichtreligiöse Motive — offenbar sind Aus—
virkungen des Kölner Erzgbischofsstreits gemeint —,
ondern aus Unbehaglichkeit mit den jetzigen Verhält—
rnissen, vielleicht auch als Auswirkung des steigenden,
icht immer zu befriedigenden Luxus seien die Aus—
oanderungen zu erklären. Ein Beweis für diese An—
ahme sei, daß nur Leute sich zur Reise nach Uebersee
intschlössen, die so viel besäßen, daß sie außer dem Ueber—
ahrtsgeld auch noch etwas übrig behielten. Mithin
zäme nie wirkliche Bedrängnis als Anlaß in Frage.
zgriefe von vorher Ausgewanderten erweckten dazu die
Zoffnung auf goldene Berge und betörten den Sinn, so
»aß die Warnungen der Behörden umsonst seien. Ein
sewisser Mayer aus Wiesbaum sei jüngst „geheilt“ zurück—
jekehrt von dem Ziele seiner weiten Reise. —
Die Verwaltungsstellen im Trierer Land haben also in
interschiedlicher Einstellung die Auswanderungsbewegung
der Z0er und her Jahre des vorigen Jahrhunderts be—
»bachtet. Die tieferen sozialen und wirtschaftlichen Zu—
ammenhänge zu ermitteln und ihnen gar entgegen—
uwirken, war ihnen freilich nicht möglich Recht nahe—
iegend ist der Gedanke. daß einmal über das Schicksal
zieser Söhne des Trierer Gebiets, die in Nord- und Süd—
imerika sowie in Algier eine neue Heimat suchten, For—
chungen angestellt werden. Es wäre möglich, daß doch die
zine oder andere Spur sich noch ermitteln ließe Dr L.
Das älteste Denkmal für den Namen Speyer
Das Berliner Münzkabinett kam neuerdings, worauf
uinser Landsmann Universitätsprofessor Dr. Georg Stuhl—
auth in Berlin hinweist, in den Besitz einer vorzüglich
»rhaltenen kleinen Goldmünze. Sie ist im sechsten Jahr—
sundert in Speyer geprägt und das einzigartige Beweis—
tück dafür. daß die spätere Kaiserstadt bereits in mero—
vingisch-fränkischer Zeit Münzstätte war; noch mehr aber
nteressiert uns die Tatsache, daß die Münze das älteste
nonumentale Zeugnis für den Namen Spira-Speyer dar—
tellt. Während wir bisher den Stadtnamen Spira nur
dis zum Jahre 680, das davon abgeleitete Eigenschaftsvort
30 Jahre weiter zurück in der Literatur verfolgen
zonnten, weist nun die neue Speyerer Goldmünze den
Namen Speyer bereits ein Jahrhundert früher auf. Wir
»xfahren auch Name und Titel des Münzmeisters Badu,
»er die Münze prägen ließ. So gewinnt die Behauptung
»es Geographen von Ravenna Glaube, daß er die rheini—
chen Stadtnamen Altripe, Sphira, Porza dem Goten
Ithanarit entnommen habe.