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Südwestdeutsche Heimatblätter
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zommen.“ — Mit dieser Eintragung schließt das Tage—
buch Grachs über die Belagerung von Silistria.
Tief berührend aber ist, was dann (im Dezember 1855)
die Hand seines Freundes Julius Kiefer jenen Tagebuch—
blättern Grachs noch anfügt als Bekundung seines uner—
wartet raschen und tragischen Endes und als Nekrolog
für den teuern Toten. Kiefer berichtet: ‚Am 15. Juli
reiste Grach von Silistria nach Rustschuß ab, wo er am
17. eintraf. Auf Omer Paschas Befehl war er daselbst
mit der Befestigung von Giurgevo beschäftigt Er verlobte
iich dort mit der Nichte des Königlich Preußischen Kon—
ularagenten von Rustschuk Dr. Kalisch. Namens Hera—
zlea. Es überfiel ihn eine heftige Dissenterie. die ihn dem
Tode nahe brachte. Von derselben genesen, sollte er sich
am 27. August mit Heraklea verehelichen, als ihn in der
Nacht vom 23.-24. August die schreckliche Cholerc traf.
velche morgens 9 Uhr den 24 August seine irdische Lauf—
»ahn endete.“ — „Die Briefe. die mir der Verewigte
während seines Aufenthaltes in Silistria hierher (Kon—
tantinopel) geschrieben. können als Ergänzung der Be—
agerungsgeschichte Silistrias dienen.“
zinen erhalten.“ — Und seine Ernennung zum Obersten
»om 14. Juni notiert die Eintragung: „Heute die Nach—
richt durch Rifaat Pascha erhalten, daß ich zum Obersten
ernannt bin.“ — Vermutlich wurde bei diesem Anlaß
ruch Grach vom Sultan jener reiche Ehrensäbel verliehen,
vie er aus Grachs Nachlaß (mit dem Ordenskleinod des
Medschiddieordens) an die lokalhistorische Sammlung der
Ztadt Trier überging.
Als dann die Russen am 28. und 24. Juni die Festung
rufgaben und das Belagerungskorps von Silistria zurück—
jogen, brach die berechtigte Siegesfreude des heldenhaften
Artilleriekommandeurs in Grach durch, wie sie sich in
den Notizen dieser beiden Tage äußert: .. Helalla—
chmak! Es waren die letzten Schüsse!!!' — „Arab tabia!
Zier steht der menschliche Verstand stille, Beschreibung
eicht nicht hin! Die Toten unter den Helden begraben!
döcher, Brustwehren, Transcheen, gesprengte Minen, Grä—
»er Gräben, Granaten- und Bombenstücke. Raketen, Kar—
uschen, Kugeln!! Ein Bild voll Heldenthaten!
Der Kaiser, das Land, die Armee muß hier den Geringsten
der Soldaten als Helden erster Größe bewundern. — Hier
nuß ein Denkstein für ewige Zeiten zur Erinnerung an
zine Verteidigung sich heben, die nie ihres Gleichen in
der Geschichte hat.“ —
Wie bei aller soldatischen Strenge und der harten krie—
zerischen Einstellung dem Offizier Grach keineswegs ein
iefes menschliches und religiöses Empfinden. verloren ge—
zangen war, offenbaren uns wiederum des öfteren Notizen
ener Tagebuchblätter. So die Notiz vom 21 Mai 1854:
2 Kosaken⸗(Tscherkessen-⸗)Offiziere gefangen; einer unter
zem Herzen einen Lanzenstich: ich habe sie nach Tschair
Kape transportieren und für gute Verpflegung sorgen
assen; — die Hälfte meines Thees gab ich ihnen.“ —
knergisch bekämpfte Grach die im türkischen Heere herr—
schende barbarische Sitte, den in Gefangenschaft geratenen
eindlichen Soldaten die Köpfe abauschlagen und diese
dann den Truppenkommandeuren einzuliefern zur Er—
sangung der ausgesetzten Kopfgelder. In mehreren ent⸗
üfteten Notizen nimmt Grach hiergegen Stellung. So
sagt er dazu: .Sollten meine Bemühungen. daß man die
herfluchte Sitte des Kopfabschneidens losse endlich Früchte
tragen?“ — ‚Die abgeschnittenen, Könyfe ließ ich beerdi—
sen Kein Trinkgeld. Ich habe dies als das einzige
Mittel gefunden, um diese Barbaren-Sitte abzuschaffen.“
Der Eidennutz wird über den Fanatismus siegen Der
Pafcha hat für jeden Gefangenen heute, 100 Viaster Trink⸗
seld gegeben. und ich den Truppen für ieden lebenden
ffiaier 200 Niafter versprochen. Es wird seine Früchte
ragen.“ — „Werden die Leichen (geköpfter Russen) von
nfern Leuten beerdigt. so alaube ich etwas die mili—
rische Ehre gerettet zu haben. wenn die Leichen ohne
Zßnfe von den Rufssen nicht gesehen, werden.“ —
Das Faaebuchblott. in dem Grach den Tod des von ihm
ehr gefchäkten und perehrten Mussa Voscha berichtet. be—
Hließt pmit den sombolischen Zeichen des Alnho, und
Omeda. die Notiz über den Tad des enaglischen Kapitäns
hutler mit dem Kreuz. — Von im Kampf, des 29, Mai
ingebrachten Ordenszeichen. Amuletten u. ä. m wie sie
»ei gefallenen Russen gefunden wurden. erbat Grach sich
Hm' Vascha .ein Muttergottesbildchen und eine kleine
isberna Heiligenmedoisse“. — Das auf einem dünnfeinen
Bsfagoblatt niedergeschriebene eigenhändige Testament
wrachs ift datiert: .Geschrieben, in Silistria den 2ten
Noneinber 183530 und verweist darin vielloicht auf ein Ge⸗—
Rnßen des Alserseelentages der Trierer Seimat und sein
mohnendes Memento mori. — Und eine Eintragqung vom
ↄ. Fanuar 1854 sagt: .Traum. Mutter gestorben ...“
Widerwärtigkeiten. die der weit überlegene und von
er fürkischen Heeresleitung sehr geachtete und bevor—
zugte preußische Artillerieoffizier von seiten türkischer
ind anfcheinend auch englifscher Offigiere hinzunehmen
jatte, sind es wohl gewesen, die Grach seine Abberufung
zon Silistria wünschen ließen. So sagt er: „Seit Januar
1854 heute den 6. Mai wieder bei Mussa Pascha um Er—
aubnis zur Abreise eingekommen; heftiger Streit; Ab—
chlag meines Gesuches. — Am 8. Mai dito; — Er will
un an Omer Pascha schreiben; ich habe Aufschub bis
zum 13. Mai gegeben; — dann gehe ich aber unwider—
ruflich.“ — Für Dienstag, den 11. Juli 1854, notiert er
»ann: „Ankuͤnft von 2 mir vorkommandierten englischen
Offizieren. Urlaub nach Stambul von Omer Pascha mir
erteilt, mit dem Befehl, zuerst nach Rustschuk zu ihm zu
Julius Kiefer.
Er war der vierte Sohn des Apothekers Georg Adolf
Kiefer zu Saarbrücken und am 15. Oktober 1820 ge—
»oren. Von 1829 ab besuchte er das Saarbrücker Gym—
rasium. In einer ausgesprochenen Liebe und Neigung zu
allen Zweigen der Naturwissenschaft hegte Kieser den
Wunsch, sich dem Berufe des Vaters zu widmen. Jedoch
zlieb ihm dies versagt, da bereits drei ältere Brüder in
söherem Studium begriffen waren und damit der Vater
schon reichlich belastet war. Julius Kiefer wandte sich so
dem Kaufmaunnsstande zu und absolvierte von 1836—1839
seine Lehrzeit in der Indigo- und Farbwarenhandlung
5. Karcher zu Saarbrücken. Am 1. Februar 1840 trat er
ils Einfährig-Freiwilliger bei dem damals in Sagar—
zrücken garnisonierenden Husarenregiment 9 ein. Nach
einer Dienstzeit führte es Kiefer dann in die Welt und
iber Mannheim und Stuttgart 1845 in das Handelshaus
Dekker und Söhne in Amsterdam. Von diesem wurde der
ewandte und sprachenkundige junge Kaufmann zur
kegelung geschäftlicher Angelegenheiten 1846 nach Kon⸗—
tantinopel gesandt. von dort er nach wenigen Monaten
urückkehrte. Begeistert von dem Zauber des Südens
und den Herrlichkeiten dort am Bosporus nahm Kiefer
nit aller Freude dann eine Vertrauensstelle an wie sie
sich ihm bald danach in Konstantinopel bot. Er wurde
Buchhalter und Korrespondent des weltbekannten Han—
zels und Exvorthauses Matthieu frères & Co dortselbst
Im Herbst 1852 gründete Julius Kiefer mit den beiden
Brüdern Antoniadi ein eigenes HSandelshaus. das er bis
zu seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1860
erfolgreich führte und leitete
Die Freunde in Konstantinopel.
Ueber die Knüpfung ihres Freundschafts—
zandeserzählt Julius Kiefer in seinen Lebens—
erinnerungen: „Im Jahre 1848 lernte ich in Konstanti—
ropel den Artillerieoffizier Friedrich Grach aus Trier
zennen. der schon seit 1841 ungefähr als Instrukteur in
der fürkischen Armee thätig war. Wir wurden aufs
Inniaste befreundet. — Er starb im Auagaust 1854 in Rustchuk
an der Donau nachdem er im TFürkisch-russischen
Krieag als, wenn auch nicht offizieller. doch durch seine
Begabung und Thätigkeit faktischer. Kommandant von
Silistria diese Festung gegen die harte Bekämpfung durch
zie Russen fiegreich behauptet hatte.“ — Und in einer
esselnden ornithologisfchen Schilderung „Erinnerungen
ruus der Vogelwelt der Türkei“, die der warmherzige
Raturfreund und feine Naturkenner Julius Kiefer 1895
als 75jähriger schrieb („Ornithologische Monatsschrift“,
Zeft 11896), sagt er: „. . An den Namen dieses Dorfes
vLittros — knüpfen sich mir gar schöne Erinnerungen
aus der Zeit meines Aufenthaltes in der türkischen
Zauptstadt. Es wohnte mir daselbst ein lieber Freund
nit seiner trefflichen Gattin, der im türkisch-rufsischen
Kriege von 18883—64 durch die tapfere Verteidigung Sili⸗
trias berühmt gewordene., leider bald darauf verstorbene
reußische Offizier und Instrukteur der türkischen Ar—
illerie. Friedrich Grach, in der Nähe einer großen Ar—
illeriekaferne, wo er feinen Wirkungskreis hatte Wie—