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Südwestdeutsche Heimatblätter.
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Glücklicher war ein dem privaten Unternehmungsgeist
entsprungenes Werk das den natürlichen Wirtschaftsver—
jältnissen Rechnung tragend. aus bescheidenen Anfängen
sich zu einem Organismus entwickelte, der weit über die
engere Heimat hinausragte und sogar internationale Be—
deutung errang.
Diese Unternehmung ist nicht willkürlich hineingetra—
gen worden in die Saarwirtschaft. Sie ist vorhandenen
iatürlichen Bedürfnissen entsprungen. Sie ist vorsichtig
uind langsam fortgeschritten, immer unter genauem Stu—
dium der jeweiligen Bedarfs- und Absatzverhältnisse.
Es war der Lothringer Jean François Boch,
der die keramische Industrie im Saargebiet begründete.
Sein Vater Pierre Josephe Boch hatte im Jahre
748 in Andun le Tiche eine kleine Töpferei er—
richtet, die er allerdings bald aufgeben mußte. Danach
hatte er sich in Septfontaines (Luxemburg) nieder—
gelassen, wo im Jahre 1767 eine neue Töpferei entstand
die es auch bald zu ansehnlicher Bedeutung brachte.
Im Jahre 1809 ⸗»rwarb Jean Fran«çois
Boch die prächtigen Gebäude der ehemali—
gen Benediktiner-Abtei in Mettlach und
richtete in ihnen cine eigene Fayence—
Nanufaktursein—
nuisse. Die erhöhte Festigkeit erreichte die englische In—
zustrie durch die Berwendung von Feldspat, der
damals in der deutschen Keramik noch völlig unbekannt
war. Außerdem standen der englischen Industrie auch
noch andere Vorteile zur Verfügung. Vor allen Dingen
war sie technisch, wirtschaftlich und organisatorisch viel
tärker durchgebildet. Ihr hohes Alter hatte ihr bereits
zu Verbreitung und Ansehen geholfen, als die saarlän—
dische Keram-Industrie noch nicht über die gröbsten An—
änge hinausgekommen war. Die englische Industrie
»esaß zudem bessere und leichter erreichbare Rohstoff—
ager, während die Saarindustrie ihre Rohstoffe vielfach
on weit her, z. B. aus dem Westerwald bezog. Letzten
Endes war die englische Industrie auch technisch über—
egen. Die Dampfmaschine hatte bei ihr Eingang gefun—
den. Auch war die Arbeitsteilung weiter fortgeschritten.
In gewisser Weise wurde die Läge der
rzeramischen Industrie des Saargebiets
dadurch erleichtert, daß sich die Fabriken
on Septfontaines, Mettlach und Waller—
fjangen in der richtigen Erkenntnis, daß
es für fie vorteilhafter war, statt sich
gegenseitig zu befehden und durch Unter—
bietung zu schädigen, gemeinsam gegen
die mächtige englische Konkurrenz vorzu—
gehen im Jahre 1836 zu einer öoffenen
Handelsgesellschaft zusammenschlossen.
Diese Verbindung bedeutete natürlicherweise eine er—
jebliche Stärkung der saarländischen Industrie, die jetzt
den inneren Zwistigkeiten entrücht und zu einem eiñ—
zeitlichen Unternehmen geworden war und nun auck
daran denken konnte, ihren Absatzkreis auszudehnen
Diesem Verlangen standen jedoch beträchtliche Hinder—
risse im Wege. Die VBPerkehrsverhältnisse waren
derart unzulänglich, daß schon kurze Transporte
zine Verteuerung verursachten, die jeden Nutzen in Frage
tellte. Als Beispiel mag aus dem nur als Manuskripi
»orhandenen Werke von P. Brack: Die Firma Villeroy
IBoch-Mettlach (1915), Seite 77. angeführt werden,
daß ein Zentner Speicherer Ton, der an Ort und Stelle
m Jahre 1862 etwa 12 bis 15 Pfg. kostete, infolge der
cuexren Landtransvorte bis zur nächsten Ladestelle an
der Mosel bis auf 4 Silbergroschen im Preise hinauf—
zletterte, Zu diesen Kosten fraten noch die hohen Berg
rachten.
Trotz dieser Hemmnisse entwickelte sich die
fsaarländische Keramindustrie gradlinig
and stetig. .Die Zahl der beschäftigten Ärbeiter stieg
tändig an. Sie betrug in der Mettlacher Fabrik: 1813
34. 1819: 45, 18223 71, 1825: 69, 1828. 100 und 1837: 175
Der Absatz erstreckte sich bis nach Trier, Koblenz und
Köln. Wir sehen schon hieraus daß der billige Was—
serweg bevorzugt wurde Da Saar und Mosel
im Jahr nur kurze Zeit hindurch schiffbar waren und
dann ein derart starker Andrang herrschte, daß die
Transportpreise in beträchtliche Höhen heraufgeschraubt
werden konnten oder gar Störungen und Hemmungen
im Verkehr infolge übergroßer Belastung eintraten, war
auch dieses Verkehrsmittel keinesweos ideal.
Die Entwicklung bis zur Verkehrsumwälzung.
Es war von besonderem Wert, daß Jean Francçois
Boch sofort zur VPerwendung der Steinkohle
als Brennstoff schritt. Er erkannte, daß die Rolile
des Holzes als Brennmaterial ausgespielt war, daß es
doch nur eine Frage von wenig Jahren sein würde, bis
es durch die billigere und leichter heranschaffbare Kohle
herdrängt sein müßte. Aus diesem Grunde wurden sämt—
iche Oesen von vornherein auf die Kohlenfeuerung ein
gestellt. Eine zweite Erfindung, die besonders arbeiter—
Pparend und damit produktionsverbilligend wirkte, be—
tand darin, daß Jean François Boch die Wasser-—
kräfte eines in der Nähe vorbeifließenden Baches zum
Betreiben der Drehscheiben benutzte
Trotz dieser wichtigen Neuerungen hatte die Mettlacher
Fabrik mit großen Schwierigkeiten und Hemmnissen zu
zämpfen. Im Saargebit wurde ihr der Ab—
jatz vor allen Dingenstreitiggemacht durch
die von Villeroy begründete Fayencerie
zu Wallerfangen. Dieses Unternehmen war zwar
noch bei der alten Holzfeuerung stehen geblieben
die allmählich bei der raschen Verminderung der Wälder
und dem dadurch ansteigenden Holzpreie sehr teuer
vurde: es hatte auch infolge des mangelhaften Zustandes
der Straßen unter schlechten Verkehrsverhältnissen
empfindlich zu leiden, war aber durch die Güte seiner
Frzeugnisse zu einem gefährlichen Konkur—
denten für die Mettlacher Fabrik geworden.
Diese vermochte nämlich nur ziemlich geringe Quali—
äten herzustellen und kam überdies noch in eine be—
'onders kritische Lage durch das Eindringen der
vesentlich festeren englischen Erzeug—
Ein kürkijther Oberjt aus Trier und jein Freund aus Guarbrütken.
Nachdruck verboten.
Schluß.)
Als am 2. Juni 1854 der Kommandeur der Festung.
Mussa Pascha, an der Seite Grachs gefallen war und das
Kommando damit automatisch auf den Generalmajor
Hussein Pascha überging, notierte Grach: „Wo ist die alte
Uebersicht. Rhe und Ordnung? Schon am ersten Tage
nach Mussa Paschas Tode fehlt sie.“ — „Latif Bey will
wieder Arab tabia (ein Hauptaußenwerk der Festung)
berlassen sehen. Ich gab ihm zur Antwort, daß er es mir
schriftlich einreichen solle: dies that er natürlich nicht.
Arab tobia mußk gehalten werden.“ — Sehr trefflich wird
die soldatisch ehrenhafte Entschiedenheit Grachs durch
ene Tagebucheintragung vom 4. Juni bezeugt: „.. . Heute
bestürmten mich die verschiedenen Obersten der Infan—
terie (Katif Bey, Mustapha Bey), Arabh tabia aufzugeben.
Ich ging hinauf und richtete mich an die Soldaten, ob
sie den Miskow (Russen) ihre Ehre verkaufen wollten;
man antwortete. daß jeder dort sterben, aber nicht ab—
ziehen würde und wollte. — Ich gab den Obersten keine
Antwort als — zeigte auf die Soldaten.“ Dienstag, den
3. Juni, schreibt Grach entrüstet: „Mehmed Pascha Be—
iehl. daß von unsern 2 Bataillone der inneren Festung
nach Gilanli gehen sollten; — bei solchen Dummheiten
muß der Teufel die Festung holen: — es scheint wirklich.
als ob man alle Esel hierher geschicht hätte — Wo ist
die Ordnung und der éesprit d'ensemble von Musso
Pascha?“ —
Die hohe Auszeichnung durch Verleihung des Med—
schiddie Ordens mit Brillanten vom 2. Juni 1854 ver—
merkt Grach kurz mit der Notiz: „.. Auch ich habe