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Asche neimaiblãtter
Boifrãge ʒur heimatforschunq w der sudmelstoeutschen Gren zmar⸗
NJummer7
ZSaarbrücken, Dezember 19541.
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5 Jahrg.
Beilrüge zur Wirtstchaftsgeschichte des Gaurgebiets.
Von
Dr. Werner Lehmann.
(Schluß.)
Die Glasindustrie.
Fühlungnahme infolge stärkster politischer Gegensätze, hef⸗
igster innerer Reibungen und wirtschaftspolitischer Un—
oernunft nur schwer gegenseitige Beziehungen wieder
aufnehmen konnten.
Eine vollständige Neuorientierung
mußte die Saarwirtschaft darchführen. Auf
der einen Seite machte ihr die Umstellung auf
Friedensverhältnifse zu schaffen, auf der andern
Seite mußte sie mit der wirtschaftlichen Los—
ösung von Deutschland rechnen. Es war also
eine doppelte Frontänderung nötig. Brachte
chon die erstgenannte Wandlung schwere Erschütterungen
mit sich, so war doch bei weitem die Gefahr des
wirtschaftlichen Anschlusses an Frank—
ce ich größer und weitragender.
In ganz besonderer Weise mußte dies die Glasindustrie
reffen. Diese war schon vor dem Kriege in ein bedenk—
iches Stadium der Stagnation getreten, das schon da—
nals die ernstesten Besorgnisse für ihr Entwicklung her—
uufbeschworen hatte. Wir haben gefehen, daß sie den
AUuslandsmarkt in bedeutendem Maße nur in solchen
Jahren beliefert hatte, in denen wirtschaftliche Krisen den
nländischen Absatz einengten. Die Glasindustrie
hatte vor dem Kriege fast stets nur den
Ueberschuß an das Ausland abgegeben. Die
Produktion war vollkommen auf die Verforgung des
nneren Marktes eingestellt. Der Auslandsmarkt wurde
nur dann herangezogen, wenn das Inland gesättigt war,
denn das Auslandsgeschäft versprach nur geringen Nutzen,
a wurde zeitweise mit Verlust betrieben. Infolgedessen
vurde es immer als Notbehelf herangezogen, denn ein
zroßer Umsatz mit geringerem Gesamtnutzen schien immer
noch vorteilhafter, als ein kleiner Umsatz mit größerem
Rutzen, weil bei jenem die unrationelle Vorrätbildung
und bedenkliche Betriebseinschränkungen vermieden
vurden.
Wir mußten nochmals näher auf diese bereits berühr—
en Fragen eingehen, da sie für die Entwicklung der
Blasindustrie in der Nachkriegszeit von großer Wichtig—
keit sind. Der wirtschaftliche Anschluß an
Frankreich, der die Gefahr der Unterbin—
dung des Absatzes nach Deuitschland in sich
schloß, und der Uebergang der Saargru—
den in französisches Staatseigentum,
wriefen den Wunsch nach einer Aufnahme
ranzösischen Kapitals hervor. War dieses
Vorgehen auch vom Standpunkt der Erhal—
tung des Deutschtums an der Saar gefähr—
hich, so ist es doch verständlich, wenn wir uns die
wvirtschaftliche Notlage der Glasindustrie
»or Augen halten. Sie glaubte, nur noch bestehen zu
zönnen, wenn sie es verständ, die französische Wirtschaft
für sich zu interessieren. Dies konnte nur auf dem Wege
der Einverleibung französischen Kapitals geschehen. Man
soffte auf diese Weise auf ein Entgegenkommen der fran—
zösischen Grubenverwaltung hinsichtlich der Kohlenbelie—
erung und auf eine Absatzmöglichkeit nach Frankreich,
da der deutfsche Markt verschlossen sein würde. Diese
Irgumentation hat sich für die Folge durchaus nicht als
ichhaltig erwiesen. Die rigorose, lediglich auf die Er—
zielung möglichst großer Gewinne bedachte Preispolitik
her Grubenverwaltung hat die Wünsche der Glasindustrie
zeineswegs befriedigt; und auch der französische Markt
ieß sich nicht in dem Maße öffnen, wie die Glasindu—⸗
trie gehofft hatte, nachdem die Mehrheit des Aktienkapi—
als in französische Hände übergegangen war
Die saarländische Glasindustrie im Weltkriege.
Der Weltkrieg brochte notürlich einen empfind—
ichen Produktionsrückgang Der Manßgel
an Arbeitskräften zwang den größten Teil der
Anternehmungen bei Kriegsausbruch, ihre Hütten zu
schließen. Erst Ansang 1910 wurde der Betrieb in den
neisten Fällen wieder aufgenommen. Stillgelegt blieben
Alerdings die Hütten zu Quierschied und am Bahnhof
Sulzbach. Im November 1918 stellten auch die drei alten
Friedrichsthaler Hütten ihren Betrieb ein.
Mangel an Rohstoffen und Brennmate—
rial, nahezu vollständiges Aufhören der Bau—
zätigkeit usw. beeinträchtigten die Glasindustrie
rußerordentlich. In der Tafelglasindustrie sank die
Produktion von 3960000 qm im Jahre 1918 auf
760 000 qm im Jahre 1918. Die Produktion in der
Flaschenglasindustrsie, die 1913 18090 000 kg betragen
satte, erreichte im Jahre 1915 ihren tiessten Stand mit
650 000 kg. Im Jahre 1918 belief sie fich auf 7760 000
Kilogramm. In ähnlichem Maße ging die Erzeugung der
Weißhohlglasindustrie zurück (1913: 3600 000 kg; 1915:
240 000 kæ; 1918: 1400 000 kg).
Die saarländische Glasindustrie in der Nachkriegszeit.
) Bis zum Inkrafttreten des Versailler
Vertrags.
Das Jahr 1919 brachte einen Aufschwung wenig—
tens in der Flaschen- und Weißhohlglas—
industrie. Es galt, die während des Krieges ver—
achlässigten Ansprüche der Wirtschaft zu befriedigen.
Das Loch, das der Kriegsbedarf durch nahezu vollständige
Inanspruͤchnahme sämtlicher Kräfte für seine Zwecke in
die private Wirtschaft gerissen hatte, wollte schnellstens
vieder aufgefüllt werden, drohten doch empfindliche Ge—
fsahren für eine Wiederbelebung der Betriebe bei einer
selbst geringen Verzögerung in der Umstellung auf
den Friedensbedarf und in der Ergänzung der
durch den Krieg gefressenen Produktionslücken.
Diese in gewisser Weise fieberhafte und vielfach bereits
über das notwendige Maß hinausschießende Wieder-—
rufbautätigkeinder Wirtschaft kam natür—
lich auch der Glasindustrie zugute. Der Aufstieg nahm
indessen insofern doch nicht ein allzu bedeutendes Aus—
mnaß an, als die Produktion durch Shhwierigkeiten
nder Rohftoffversorgung und Streiks
empfindlich gestört wurde. — Auch muß daran
erinnert werden, daß das gesamte Gefüge der Weltwirt—
schaft durch den Krieg völsig zerstört worden war,. An
die Stelle eines bereits in mehe als einer Hinsicht ein—
Jeitlichen Organismus, wie ihn die Weltwirtschalt durch
hdie vielfältigen Verflechtungen der einzelnen Staaten
darstellte, war eine gewaltsame Trennung in eine Fülle
on Gliedern getreten, die ihrerseits erst durch bedeut—
ame Wandlungen in ihrer Struktur zu selbständigem
rdeben gelangten. Bei Kriegsende standen sich also eine
Reihe unabhängiger Wirtschaftsgebilde gegenüber, die
vohl an einer mangelnden Lebensfähigkeit krankten und
urch die lediglich auf Zerstörung und Vernichtung von
Werten eingeflellte Zielfetzung des Krieges blutleer ge—
vorden waren. aber troßk des Bedürfnissfes gegenseitiger