Full text : 3.1930/31 (0003)

Südwestdeutsche Heimatblättert
einzuführen. Außerdem brauchte er für die auszuführen—
den Fertigfabrikate nur den gewöhnlichen Lande, bzw.
Wasserzoll zu entrichten. „Soll Beständer nur schuldig
seyn, von denen außer Land führenden Glaß-Waaren.,
den Zoll einmal denenjenigen, welche per Axt durch das
Saarbrückische oder Ottweilerische exportieret werden,
der gewöhnliche Landzoll, von denen der Saar
hinuntergehenden aber der Waßer-Zoll abgeführet
werde, wogegen die zum Werk erforderlichen Mate—
rialien zollfrei eingebracht werden dürfen.“)
Auch im unteren Fischbachtal haben die Saar—
bdrücker Grafen durch die Genehmigung zur Anlegung
eziner Glashütte den Grundstock zu einer neuen Wald—
siedlung gelegt. Diese Hütte wurde auf dem Bann der
Bemeinde Malstatt errichtet und führte den Namen
Kohlglashütte“, weil sie die erste auf saarländischem
Boden war, die mit Kohlenfeuerung betrieben wurde.
Aus dieser Niederlassung wuchs dann der Ort Ruß—
hütte heran. In der Gründungsurkunde vom 28 Juli
1721 ist der Name der neuen Siedlung noch nicht zu
finden. Graf Karl Ludwig zu Nassau-Saarbrücken be—
kundet in diesem Bestands-Brief,““) daß er „wegen einer
reu aufzurichtenden Glaßhütte auf der Fischbach mit
Augustin Guthmann Unserem Unterthan zu Wilhelms—
brunn folgenden accord geschlossen habe: Erstlich er—
louben Wir Ihm eine Glashütte in dem Gewäldt auf
der Fischbach aufzurichten, welche allein mit Sttein—
kohlen getrieben werden solle und wollen Ihm den
Platz und das Bauholtz dazu, außer dem gewöhnlichen
Stockgeld gratis anweißen lassen. doch. daß dazu
kommende Bauholtz nach dem hiesigen Tax taxiert, aber
anderst nicht begahlt werden solle als wann die Hütte
vieder Verhoffen nicht zum Stand kommen oder nich!
ortgetrieben werden solte Auf solcher neuen Glaßhütte
sollen acht Haußgesaße, den Beständer mit eingerechnet,
zu wohnen kommen, denen man Plätze vor Häußer und
zinem jeden zwey Morgen vor Gärten mithin zusammen
sechszehn Morgen Landts angewießen wird. Achtens
erlauben wir dem Beständer und seinen Leuthen auf der
Hlaßhütte bis aufs höchste fünfzig Stück Rindvieh groß
und klein, an Schweinen aber soviel sie am Trog erziehen
können zu halten, doch daß Sie den herkömmlichen
Demuth davon entrichten: mit welchem Rindvieh und
Schweinen Sie in hernach beschriebenem Canton-Landt
den Weydstrich und langhalm zu suchen haben sollen.
nemlich von der Kohlgrub die Fischbach hinauf bis an
Wagners Wieß. von der Wieß den tiefen Graben hinter
dem Blochersberg, hinauf bis auf den Neuhäußerweg. den
Weg hinunter bis auf die Fischbach. von der Fischbach
die Steinbach hinauf bis auf die Cöllerthaler Straß, die
Straß herunter bis auf den ersten Weg, allwo der Dachß—
bau ist, und dann herunter biß wieder an die Fisch—
dach bey der Kohlgrub. Dreizehntens soll dießer Be—
standt zwantzig Jahr währen welcher von Zeit, da der
Dfen das erste mahl gehet oder allenfalls auf nechste
Ostern angehen, doch daß nack Verfließung solcher dem
Beständer die präferenz zu kommen solle.“ Leider ging
diese Glashütte nach einigen Jahren ein und wurde im
Jahre 1729 wieder in Betrieb gesetzt durch die
Friedrichsthaler Glasmacher Eberhard und Gebr. Wentzel.
Aber auch diese Beständer zogen nach Ablauf ihres letzten
Bestands-Briefes vom 9 August 1741, der auf sechs
Jahre datiert war. auf ihre alte Glashütte nach
Friedrichsthal zurück. Ein Jahr später wurde dann die
ehemalige Glashütte zu einer Rußhütte umgebaut.“s), die
dann der heutigen Siedlung Rußhütte den Namen
zegeben hat.
Im Sulzbachtal hat ungefähr gleichzeitig Graf
Friedrich Ludwig von Nassau-Saarbrücken laut Urkunde
bom 17 April 1723 durch die Erlaubnis zur Errichtung
einer Glashütte den Grund zu einer neuen Siedlung ge—
legt. Als nämlich die Hütte mit den dazu gehörigen

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Nr.e

Wohnungen fertiggestellt war, gab ihr der Graf den
Namen „Friedrichsthal“. Ueber den genaueren Or—
der Niederlassung und die ersten Bewohner sagt die Ur—
zunde folgendes: „Demnach wir von Zweyen Glaß—
neistern, namentlich Ludwig Adolph Eberhard und Martin
Wentzel von Breydenborn aus der Grafschaft Isenburg—
Marienburg Jurisdiction unterthänigst und gehorsamst
zebetten worden, Ihnen gnädigst zu erlauben, Eine neue
Glaßhütte, in unserem Gewälde an der sogenannten
Stockbach im Hochwald zu erbauen .. . erlauben wir
Ihnen an gedachtem orth an der Stockbach eine Neue
GBlaßhütte, welche mit Holtz solle getrieben werden.
auf Ihre Kosten aufzurichten und zu erbauen, Fünftens
'oll Ihnen an besagter Stockbach ein gewisser Distriet
»or Ihre nöthige garten und dann auch etwas in dem
Thal vor Wiesen zu machen gegeben werden, keines—
vegs aber Ihnen oder Ihren Leuthen einig — sowohl
Rott — als Ackerland im Gewalde mit Frucht oder Rapp
zu besahmen erlaubet seyen. Dreyzehndens soll dießer
Bestand dreyßig Jahre währen, welche von Zeit da der
Dfen das erste mahl gehet, oder allenfalls auf nechste
Martini angehen.“ Das in dieser Urkunde den erster
Beständern überlassene Land wurde 1730 zum ersten
VYale aufgezeichnet und vermessen. Bis zur französischen
Revolution führte der ganze Distrikt den Namen
Friedrichsthaler Erbbestandsgut. Dieses
Bebiet umfaßte nach dem Vermessungsprotokoll von 1780
etwa 245 Morgen Land, und zwar entfielen 182 Morgen
auf Ackerland, 41223 Morgen auf Wiesen, 141/3 Morgen
auf Gärten und außerhalb des Friedrichsthaler Distriktes
zehörten noch 102/13 Morgen Wiesen und 468 Morgen
ausgehauene Waldungen und Ackerland dazu.““) Die
Blashütte selbst lag mitten im Walde und konnte sich
wvegen der starken Konkurrenz der Hütten zu Lauter—
dach und Karlsbrunn einerseits. und der schlechten Ver—
kehrsverhältnisse andererseits. niht recht entwickeln. Da
zudem der Hüttenbetrieb auf Holzfeuerung einge—
tellt war, muß der Raubbau in den Waldungen derart
tark gewesen sein, daß das Oberforstamt im Herbst 1729
ich veranlaßt sah die Nassau-Saarbrückischen Glashütten
zu Friedrichsthal, Lauterbach und Karlsbrunn außer Be—
trieb zu setzen. Erst 1747 wurde auf dem alten Friedrichs—
haler Erbbestandsgut eine neue Glashütte angelegt, die
im Gegensatz zu der alten Holzglashütte vom Jahre 1729
mit Kohlen betrieben werden mußte Diese Kohl—
alashütte wurde nun für die spätere Entwicklung der
Orte Friedrichsthal und Bildstock grundlegend.
Auf saorländisch-pfälzischem Gebiet schei
ien die Glashütten bei Wörschweiler. Ober
würzbach und Rohrbach niemals größere wirtschaft
iche siedlungsgeographische Bedeutung besessen zu haben
Die Gewannbezeichnung Glashütfterhof für einen
dandkomplex in unmittelbarer Nähe der Klosterruine
Wörschweiler erinnert heute noch daran, daß hier
ehemals eine Glashütte gestanden haben muß. Nähere
Aufzeichnungen fehlen leider. Auch von einer alten Glas—
hütte bei Oberwürzbach zeugt nur noch der Ngame
Blashütterhof. Im ausgehenden 18 Jahrhundert
muß die ganze Anlage schon, der Familienüberlieferung
nach, in ein Hofgut umgewandelt gewesen sein. Von
der Existenz einer Hütte scheint außer dem Namen
Glashütterhof“ für das Gehöft nordöstlich von Ober—
vürzbach auch die Tatsache von Bedeutung zu sein. daß
auf dem Speicher des alten Gutshauses Rechnungen über
hergestellte ‚Bouteillen“ gefunden worden sind.s) Auck
der Glashütterhof bei Rohrbach liegt auf ehe—
mnaligem Pfalz-Zweibrückischem Gebiet und hatte sicher
ich noch um die Mitte des 18 Jahrhunderts eine Glas—
hütte. In den Jahren 1747 und 1748 werden nämlich
nach Ausweis der Kirchenbücher zu Neunkirchen .Meister
Wolfgang Nikolaus Eberhardt. Glasmacher auf der Rohr—
bacher Glashütte und Glasmacher Nikolaus Niebling,
ebendort genannt.“s) Einige Jahre später muß die Hütte,
die auf Holzfeuerung angewiesen war infolge der starken
Konkurrenz der Nassau-Saarbrückischen Kohlglashütten
'hren Betrieb eingestellt haben, Im Jahre 1757 wird be

) Bestandsbrief der Quierschieder Glashütte vom 7 Juli
779
15) Bestands-Brief der Fischbacher Glashütte vom 28. Juli
721. Koblenz, Staatsarchiv, Abt. 22, Nre 2612.
is) Lauer. We, Glasindustrie. S. 40

17) Lauer. Glasindustrie. S. 34
i8) Lauer. Glasindustrie S. 59
            
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