Full text : 3.1930/31 (0003)

Südwestdeutsche Heimatblätter.
Zrenze vorstellt, ist aus seiner Abhandlung nicht zu er. »iner Karte nachweist, daß das flachgeneigte Dach das
sehen da die Karte, auf die auf S. 92 verwiefen wird, Rhône-Saônetal beherrscht und dann wieder in Loth—
ehlt. Tatsache ist, daß innerhalb der großen »ber ringen auftritt. In Lothringen haben avber nicht nur
deutschen Gruppe sich zwischen den 3 Sondergruprein wie im Süden die Witterungsverhältnisse zu der An—
Hrenzen nicht so bestimmt ziehen lassen. wie es bei der wendung des klachen Daches geführt, sondern die be—
Bestimmung der Grenze zwischen dem niederdeutschen deutende Tiefe der Gebäude, die bei stetlen Dächern zu
uind oberdeutschen Hausgebiet möglich ist Denn der imn dedeutenden Höhen und daher zu einem recht hohen
ZSaargebiet vorherrschende Einbau kommt umgekehrt: Bedarf an Holz geführt hätten. Der flachen Neigung
auch in deutschen Landesteilen vor. in denen das frön. des Daches entsprechend wurde das Deckmaterial ge—
aische Gehöft vorherrscht. so z. B. in der Prosinz vählt. Die Dächer sind mit Hohlziegeln (tuiles creuses)
Zessen-Nafsau und zwar im Westerwald, ferner im Ne- ꝛingedeckt. Mit Hohlziegeln sind übrigens im Mittel—
gierungsbezirk Kassel. im Jagstkreis in Württemberg alter auch steile Dächer eingedeckt worden. zedoch waren
ind in Bayern in den Bezirken Unterfranken. Ober. die Hohlziegel wie die Flachziegel (Biberschwänze) mit
franken und Oberpfalz ja selbst der westfälische Regie— NRasen versehen Solche Hohlziegel wurden bei der
rungsbezirk Arnsberg hat Einbauten aufzuweisen Pas testaurieruns der aus dem Ende' des 12 Jahrhunderts
ind Gebiete, die ich mit Rücksicht auf die Dissertafion ktammenden Kirche der Benediktiner-Abte“ Gorze bei
don Klein besonders anführe, da sie weit außerhalb dezs Metz in dem Schutt der Gewölbezwickel gefunden. In der
don den Römern okkupierten Gebietes fiegen. Es ist Altertumssammlung des Staatlichen Museums befinden
aAso nicht angängig. in dem Bauernhaus im Zaargebiet ich Hohlziegel mit Nasen von den Burgruinen Siersburg
einen außerhälb des Saargebietes nicht vorkommenden uand Kirkel. Man hat bei flachen Dächern der Nasen
Typus innerhalb der großen oberdeutschen Bruppe zu nicht mehr bedurft. Die Ziegel mit Nasen beweijsen
erblichen und mit Keufh behaupten zu wollen, daß auf aber daß es vor den flachen Dächern euch steile go⸗—
»as Bauernhaus unserer Heimat kulturelle Strömungen geben hat, die mit Hohlziegeldechung versehen waren,
hon Mitteldeutschland ausgegangen seien Den Aus- waas ia auch Klein im Gespräch mit älteren Bewohnern
ührungen von Keuth daß im 18 Jahrhundert die des Dorfes festgestellt hat. Andererseits aber hat
rüher vorherrschende Giebelstellung infelge westlicher ich die römische Dachdeckung mit Leisten- und
kFinflüsse durch die Traufenstellung verdrängt worden sei. 5Sohlziegeln nicht erhalten. Diese Tatsache spricht
muß die Tatsache entgegen gehalten werden, daß iich u edenfalls eher für einen Abbruch als für
1. auch in den Dörfern des Maintales in der HFaupt- ine Fortdauer der römischen Bautechnik. womit
traße vielfach die geschlossene Bebauung mit der Trauf- natürlich nicht bestritten sein soll. daß die Germanen
lsinie an der Straße findet (Das Bauernhaus im den Steinbau von den Römern erlernt haben. wie ja
deutschen Reiche S 316). Also auch hier keine dem die aus lateinischen Wörtern hergeleiteten deutschen hou⸗
Zaargebiet anhaftende Sondererscheinung. Auch '»on technischen Bezeichnungen zeigen. D'ie ursprüngliche
ömischem Einfluß auf das Bauernhaus des Saorge- dermanische Bauart, der Holzbau, war bekanntlich his
ietes. den Klein annimmt. kann nicht gesprochen in das 11. Jahrhundert vorherrschend Schon Meringer
verden wenigstens nicht in dem von Klein angengzn- hat in soinen „Studien azur germanischen Volkskumde“
venen Umfanq. 2unäckst trifft es nicht zu. daßk häuer- das Entstehen des oherdeutschen Hauses cçuf römischen
iche Siedelungen in geschlossener Anlage sonst nirgende Tultureinfluß. zurückgeführt Hierzu bemerkt aber
ꝛokannt sind ols im rämischen Okkupationsgebiet Ge- Steinhausen in seiner .Geschichte der deutschen Kultur“
schlaffene bäuerliche Siedelunden befinden sich z. ßn 3.Aufl. S. 49: „Wonn man das Unboeinflußte des
Jor banerischen Obervpfalz aukorholb des Limes Sodapn Bauernhauses gegenüber spnäteren Epochen er böheren
zat es zur Rämerzaeit im okkupierften Gebiet Dorfan- Baukunst, etwa der Gotik bedenkt wird man voypn
sagen in unserem Sinno üherhaupt nicht gegeben Doer Anfang an eine welöentlich selbständige Entwicklung dos—
Betrieb der Landwirtschaft gina von dem isoliert le- elben annehmen müssen“ 21 dieser Auffassung zwinger
zenden Me'erhof. der villa ustiea, aus von der wan. Mne Zweifel auch die Tatsachen dak die Bewirtschaftunec
wie schon gesoat noch am ehesten einen Einfluß auf 2es Landes zur Römerzeit eine ganz andere war als in
inser Bauexnhaus und zwar auf das fränkische an- der nachrömischen Zeit und daß Ruinen oder Fando—
rehmen könnte, Klein beruft sich daher auf die nente aus nachrömischer Zeit. die »jne MRleitung de—s
zmischen Einstraßensiedelungen. Aber in der von ihm perdeutschen Hauses vom römischen rechtfertigen
itierton Abhandsung von Franz Oelwann wird ous- üönnten bis heute nicht bekannt sind Im weu
dücklich darauf hingewiesen. daß diese Viceus-GSärrfer zwangen aber zum Bauen in die Tiefe ohne
die Canaboe wegon ihrer Kleinheit und engen Rau 3weifel die geringe Breite und große Tiefe der Grimd—
neise für einer landwirtschaftlichen Betrieb völliga uß- fücksvarzellen, und so ist in dieser Varzellierung moh'
reeianet sind Sie trugen wie Oelmann neuerd'nes der Grund Zu der eigenartigen Bauweise zu erblicken
in Das Bürgerkonc in der Rheinpropinz“ ausfüßrt Es ist ja bekannt, daß in Frankreich der Vrundbesit
mmer rein gewerblichen Charaktor und baben zweifel. weit mehr zersplittert ist als in Deutschland In Frank—
los ouf die Goestaltuna der dem Kleinhandel dienendey Leich wie überhaupt in den romanischen Ländern herrscht
mittelaltersichen Bürderhäuser und damit auf die die Dismembration. während in einem großen Teil von
Stodtansagen eingewirkt. nicht gaber auf die Dorkrar- Deutschland auch heute noch das bäuerlichz Erbrecht
dgen Es ist daher doch wohl koum anzunehmen daß desteht wonach nur einer der Erben den Haf über
sie nach der Landnahm⸗ durch die Franuken »der gar Jehmen kann und eine Teilung nicht stattfinden darf
n fväterer Teit als Vorbilder für landwirtschaftleche Veniastens nicht über ein Mindestmaß hinaus. Daß
Gebäudeanlagen benutzt worden sind Zudem zeigen Vorschriften über die Teilung von Grundbesitz die Ge—
Aefse Einftraßensiedelungen zumeift gar nicht einmal die altung der Siedelungen beeinflussen müssen, ist klar.
reschloffene Bauweisee Die Häufer find vielmehr. wie Slein bat seiner Dissertation eine Uebersichtskarte des
ZDelmann hervorhebt, durch einen schmafen ambisus Spargebietes beigegeben. in die er die einzelnen Hri—
getrenni einen Gang on dem offenbar die Traufen cbaften mit Kennzeichen nach der Art der in, denselhen
daen. da die Häuses ouf schmolen. aber tiefen Grund. ?cerberrschenden Bauweise und außerdem die Grenze
fückon standen während das Einhaus im Soargehiet zwischen dem Fürstentum Nassau-Saarbrlichen und dem
nit Längsseite und Traufe an der Straße fteht Ge damaligen, kgl. franzäsischen Herzogatum Lothrinoen ein—
chlossene Bauweise auf schmolen und kiefen Grund- Letragen hat. Es ergibt sich aus dieser Karte. daß alle
tüchen bei denen also dos Breitenmoß des FGauses von Dxtschaften mit geschlossener Flachdachbauweise wie
einem Tiefenmaß erheblich übertroffen wird, gibt es Fünwerler. Gerlfangen. Großhemmersdorf, gervrich—
m Saargebiet nur im Gau. Aber auch hier halte ich demmersdorf. Niedaltdorf, Ihn, Leidingen. Rammel.
2s nicht für angängig, die Entstehung dieser Bauweise angen. Gisingen Kerlingen, Ittersdorf. Düren. Beders—
zuf römischen Einfluhß zurüchkzuführen Eine befrie- dorf. Oberesch. Eimersdorf. Siersdorf und Büren zu dem
digende Erklärung über die Häuser und Dorfanlage im genannten Herzogtum und mithin zur frangösischen Ver—
Bau vermißt man in beiden Abhandlungen Keuth füh:.“ valtung gehört haben. Es liegt also näher vach nan—
Algemein die Eigentümlichkeiten diefer Bauten cu! zösischem als nach römischem oder südlichem Einfluß zu
füdliche Einflüsse zurüch, während Klein an der Hand suchen. Zur weiteren Klärung der ohne Zweifel auf—.

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