Saurbrücher Gewerbeblutt
für Industrie, Handel und Verkehr.
GratisBeilage für die Abonnenten der „Saarbrücker Zeitung.
Erscheint Sonntags. Vierteljährlicher Extra-Abonnementspreis 75 Mfg. bei der Ervedition, 1,80 Mark bei Franco-Zusendung per Post. Mit der „Saarbräcker
Zeitung“ zusammen 3 Mark hier und 3.40 Mark bei allen NReanteaAten Anßerote wordan die viergespaltene Petitzeile mit 20 Pfennia berechnet.
Nachdrux »
FR 2.
I Vereins-Nachrichten.
Vorstandssitzung des Vereins zur Wahrung
der gemeinsamen wirtschaftlichen Juteressen
der Saar⸗Industrie und der Südwestlichen
Bruppe des Vereins deutscher Eisen- und
Stahl⸗-Industrieller.
Am 3. d. M. fand in den Geschäftsräumen
obiger Vereine unter dem Vorsitz von Herrn
Beheimrat Stumm eine Vorstandssitzung statt,
in welcher zunächst vertrauliche und interne An—
gelegenheiten erörtert wurden. Außerdem be—
schäftigten die Vorstände sich mit dem Normal—
tatut, welches der Bonner Ausschuß der Knapp—
chaftsvereine unter Berücksichtigung des Er—
asses des Herrn Ministers der öffentlichen Ar—
deiten vom 1. Oktober v. J. ausgearbeitet hat.
Die Versammlung kam dabei zu der Ueber—
zeugung, daß das Statut in einer Reihe von
Punkten sogar noch weiter als jener Erlaß gehe
und daß es deshalb, nachdem der Verein sich
bereits gegen die Konsequenzen des letzteren
ausgesprochen“*), angezeigt sei, daß die Vertreter
der Knappschaftsvereine hiesigen Bezirks sich auf
der demnächst stattfindenden Versaämmlung in
Bonn gegen dieses Statut erklären. Hierbei
wurde auch beschlossen, ein Normalstatut für
Betriebs⸗ (Fabrik⸗) Krankenkassen auszuarbeiten,
damit dasselbe den Vereinsmitgliedern als An—
halt bei Errichtung neuer oder Umänderung
alter Kassen auf Grund des Gesetzes vom
15. Juni v. J. dienen könne.
Zur Beratung des neuen Aktiengesetzes war
seitens des Vorstandes des Ceniral-Vereins
deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller eine
Lommission gewählt worden, darunter als Ver
treter der südwestlichen Gruppe Herr General—
direktor Seebohm; letzterer gab in der Ver—
sammlung die Erklärung ab. die Wahl annehmen
zu wollen.
Ueber die bisherigen Verhandlungen des
Landes-Eisenbahnrats machte der Vor—
sitzende einige Mitteilungen, wobei er nament⸗
lich auf sein Eintreten“ für die gleichmäßige
Behandlung der Glastarife einerseits nach den
Seehäfen, andererseits nach Basel hinwies und
uinter der Zustimmung der Versammlung be—
tonte, daß hier eine Frage vorliege, welche für
unsere gesamte Industrie von der höchsten Be—
deutung sei, da es sich um Anerkennung des
Prinzips handele, daß die binnenländischen Ex—⸗
portstationen z. B. Süddeutschlands gleichmäßig
mit den Exporthäfen behandelt würden, — ein
Prinzip, welches übrigens in seiner Anwendung
auf diesen einzelnen Fall seitens der Regierung
teinen Widerspruch wahrend der Verhandlungen
es Landes-Eisen bahnrats gefunden habe. —
Anwesend waren außer dem Vorsitzenden
jeitens des Wirtschaftlichen Vereins die Herren:
E. Wagner, R. Boch und C. Roth; seitens des
Fifenvereins die Herren: Reichsrat G. Krämer
h. R. Seebobm und Rexroth
Ein Mahnwort an die Industrie.
Zum Jahresschluß richtet die, Deutsche Volks—
virtschaftliche Korrespondenz“ ein ernstes Mahn⸗
vort an die Industrie, welche ebenso wenig
) Vergl. hierzu die Resolution des Wirtschaftlichen
Vereins vom 11. Oktober v. J. mitgdeteilt in86
So
Jahrgang 2.
Berständnis wie Eifer bezeuge, in der Wahrung 'Lage zu thun, daß ihr sonst etwas zu thun,
hrer dringendsten Interessen der rastlosen keine Zeit noch Muße verbleibt.
Thätigkeit der Freihandelsmänner auch nur
leichzukommen. Im besonderen macht sie den
industriellen die Vernachlässigung der Vertretung
hrer Interessen in der Presse zum Vorwuri
udem sie schreibt:
„Es läßt sich gar nicht bestreiten, daß die
Freihandelspartei im laufenden Jahre bedeutend
in Terrain gewonnen hat, und dies ging inso—
ern ganz natürlich zu, als derselben zur Pro—
»agierung ihrer Thedrien die reichsten Mittel
ur Verfügung gestellt wurden, während die von
hnen hochbedrohten Industriellen geglaubt haben,
eine weitere Unterstützung ihrer eigenen Presse
intbehren zu können, da ja die Hauptarbeit ge
han sei, so daß der Mohr, der seine Schuldig—
eit gethan — nun gehen könne. Aber noch
nehr; sie kümmern sich nicht einmal darum, die
IArgane, die ihre Sache führen, mit Informa—
ionen zu versorgen, um die zahllosen Entstel—
ungen, Verdrehungen und lügnerischen Be—
jauptungen, welche die freihändlerische Presse
äglich in die Welt setzt, mit Ziffern und ein—
chneidenden Gegenbeweisen noch kräftiger ad
ibsurdum zu führen.
„Diese Vernachlässigung ihrer eigenen Organe
»ezüglich wirksamer finanzieller und informativer
Unterstützung wird für die des Schutzzolles be
dürftigen Industriellen um so verhängnisvoller
verden, als sich im deutschen Reichstage all—
nälig wieder eine freihändlerische Majorilät ge
dildet hat, und weil noch von Zeiten der Mi
nister Delbrück, Camphausen ꝛec. her eine statt
iche Reihe sehr hoher Stellen in den Reichs
imtern mit entschiedenen Anhängern der Frei—
jandelstheorie besetzt ist.
„Viele Industrielle klammern sich an das —
rügerischerweise auch von der Freihandelspartei
icceptierte Schlagwort von der Notwendigkeit
»er „Stabilität“ der gegenwärtigen Zustände.
Ddiese „Armen im Geiste“ haben eben noch
mmer nicht begriffen, daß Stabilität einen
ztillstand bedeutet und daß jeder Stillstand
inen Rückschritt im Gefolge führt; sie über—
ahen dabei noch die Hauptfache, nämlich, daf
ꝛie Manchesterpartei um keinen Preis die sog
Ztabilität der gegenwärtigen Zollsätze will, soñ
dern daß sie mit größter Ungeniertheit daran
üttelt und zerrt, ja daß sie sogar aus jeder
rgendwo ausftauchenden widrigen Ecrscheinung
Pfeile gegen den Reichskanzler und seine Zoll
„olitik schuitzt und sie unter der Anklage ver—
endet, alles soziale Elend, aller Rückschritt im
veschäfte ꝛc. habe einzig und allein seinen Aus—
angspunkt in der gegenwärtigen Wirtschafts
»olitik, folglich müsse diese von Grund aus im
Zinne der Freihandelstheorie geändert werden.“
Die „Nordd. Allg. Ztg.“ knüpft daran einige
Bemerkungen, in welchen sie diesen Auslassungen
urchaus beipflichtet. Auch wir müssen dem
Berfasser im allgemeinen recht geben, nament
ich so weit es sich um die Thatsache einer Ver—
iachlässigung der Presse handelt; aber anderer—
eits wissen wir, da wir in weit innigerer Be—
üührung mit der Industrie stehen, die Gründe
ür ein solches Verhalten zu würdigen. Was
er Theorie nach sehr ersprießlich wäre, läß
ich in Wirklichkeit nicht in dieser Weise durch
ühren. Die Industrie hat übrigens im Augen
licke ĩd viel mit sich seibst, d. hGibrer schlecktep
Ein Urteil über das Submissions⸗
wesen.
Schon zum öfteren wurde an dieser Stelle
nuf die Schäden hingewiesen, welche das über⸗
handnehmende Submissionswesen dem
wirtschaftlichen Leben des deutschen Volkes zu—
ügt. Die „Baugewerks-Zeitung“ erwirbt sich
das Verdienst, in einer Reihe aphoristischer Be—
merkungen zu der Frage nach Verbesserung des
Submissionswesens weiteres Material zusammen—
zutragen. Die interessanten Bemerkungen lauten
wie nachstehend; wir bemerken jedoch im vorn—
—V—
lich was die Ansichten über das Baubeamten—
tum betrifft) nicht in allen Punkten mit diesen
Urteilen in Uebereinstimmung befinden, daß wir
dieselben vielmehr hauptsächlich als Ausdruck
der gegen das Submissionswesen herrschenden
Verstimmung bemerkenswert halten.
„Die Submission ist das böseste Samenkorn,
velches der Teufel jemals in den Weizen des
Gewerbes hineingesäet hat; es kennzeichnet sich
auch dadurch als ein echtes Unkraut, daß es in
den Hungerjahren am üppigsten aufschießt und
die gute Frucht im Keime erstickt.
„Submission ist für Reiche und Starke ein
Wechsel auf etwas lange Sicht; in diesem Kampfe
des Einen gegen den Andern siegt zuletzt die
materielle Gewalt. Der glückliche Besitzer des
letzten übrig bleibenden Markstückes drückt mit
diesem einen letzten Markstück die Wagschale zu
einen Gunsten nieder. Die Armen und Schwachen
in diesem Kampfe gleichen den Löwen der Fabel:
iie fressen sich gegenseitig auf, so daß nur ein
zaar elende Haarbüschel uͤbrig bleiben.
„Die Submission erniedrigt das Handwerk
zum Handwerk im schlechtesten Sinne, soweit die
böse Welt mit dem Handwerk den Gedanken
ines öden, geistlosen, nur auf die dürftige
Eristenz gerichteten Beixiebes verbindet. Woher
soll unter der Herrschaft des Submissions Un—
vesens eigener Antrieb kommen? Die Sub—
nission kennt unter der Herrschaft der allgemein
zültigen und im formellsten Sinne ausgedeuteten
Submissionsbedingungen nur ein bewegendes
Agens: den niedrigsten Preis. Siege ich unter
diesem Zeichen, so kann nur ein böser Thor er—
warten, daß ich mehr leiste, als ich durchaus
muß. Da sollen dann die armen geplagten
Beamten durch ihre Aufsicht ersetzen, was den
Zubmittenten an eigenem Antriebe fehlt. Denn
ein Submittent hat den Sporn, für kärgliche
Bezahlung anständige Arbeit zu liefern, auch
einen Trieb, auf seine Empfehlung zu denken;
»enn nicht die Güte der Arbeit ist das
Entscheidende in dieser Submission gewesen,
ondern der Preis allein. Und so wird es auch
in allen nächstfolgenden Submissionen sein! —
Wozu also gute eventuell die beste Arbeit lie—
sern? Das ist gar keine Empfehlung mehr,
ondern der nächste Weg zum Bankerott!
„Und die Aussicht der geplagten Beamten?
Welche thörichten Ansprüche erhebt doch der
veise Staat in diesem Falle? Daß der Beamte
eichnen kann, auch Veranschlagen, Feldmessen,
ingehende Rechnungen revidieren und nebenbei
inch künstliche Veränsaauns besitken muß un