Full text : 2.1884 (0002)

Saurbrützer Gewerbeblatt

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Mamdu-NMb.


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ittei ü i 1882 zurückzuführen sein. Unter diesen Um—
un Mitielluugen Iber die Gotthard tänden war es möglich, die Konkurrenz gegen
c. Saarbrücken mit verstärkter Macht, soweit das
8 preußische Inland in betracht kommt, aufzu—
Der Sotthardvertehr im preußischen nehmen. M. H., wenn ich Ihre Aufmerksam—
Abgeordnetenhause. keit auf den Absatz in den verschiedenen Gebieten
In den Verhandlungen des Abgeordneten. I richten mir gestatle, so thue ich es vornehm
hauses am 24. Jan. wurde bei dem, Etat der sch dus dem Grunde, weil unter diesen der—
Berg-, Hütten⸗ und Salinen⸗Verwaltung das chiedenen Absatzgebieien für den Saar—
Thema der Gotthardbahn berührt. rücker Bezirk zum ersten Mal ein neues
Abg. Dr. Natorp-Essen fübrte nämlich Ubsatzgebiet aufgetreten ist, und zwar das
Folgendes aus: wönigreich Italien. Es figuriert für das
Die Frage, ob die Berechnung der Einnahmen zahr 1882/83 mit 32370 T., allerdings mit
aus den fiskalischen Werken in der Eisen- einem sehr bescheidenen Quanium. Die Gott—
industrie, mit der nötigen Voraussicht und jardbahn ist im Jahre 1882 eröffnet worden
unter Abschätzung der thatsächlichen Verhältnisse ind der Absatz von Steinkohlen aus dem Saar—
borgenommen, ist, wie Sie eben von dem Herrn drücker Bezirt nach Italien, der sich auf einen
Berichterstatter gehört haben, seitens Ihrer Bud- Zeitraum von dreiviertel Jahren erstreckte, be
zetkommission bejaht worden, und ich kann mich ziffert sich auf ein Quantum von 32 000 T
im großen und ganzen diesem Urteil nur an- zieraus geht schon hervor, daß die großen Er—
schließen. Allerdings ist der Etat in einer Zeit dartungen, welche die Industriebezirke Deutschaufgestellt
 worden, in der die Situation nament- lands an die Eröffnung dieses direkten Weges
lich auf dem Eisenmarkt eine wesentliche andere gach Italien geknüpft haben, bis dahin nicht in
war als in diesem Augenblick. Es ist schon in Erfüllung gegangen waren, und ich muß leider
diesen Tagen darauf hingewiesen worden, daß sinzufügen, daß das auch bis heute noch nicht
fich die Situation der Eisenindustrie inzwischen der Fall ist. Allerdings hat sich der Absatz an
wesentlich verändert hat, und man könnte aller- Mineralprodukten nach JIlalien etwas erhöht
dings wohl deshalb die Frage aufwerfen, da ja s gehen heute im Monat etwa 34000
die Steinkohlen den wesentlichsten Faktor bei jach Italien, zum größten Teil auch aus dem
den Einnahmen der fiskalischen Werke bilden, Saarbrücker Bezirk, zum kleinen Teil auch aus
ob gegenüber der verschlechterten Lage der Eisen- dem westfälischen Bezirk, obgleich für diesen
industrie, die den Hauptkonsumenten der Stein- die Konkurrenz mit dem Saarbrücker Bezirf
kohlen bildet, auch der gegenwärtige Voranschlag uüßerordentlich schwer ist, da es sich um eine
noch zutreffend sei. M. H., es ist schon seitens Entfernung von 300 Kilom. handelt. M. H,
des Herrn Berichterstatters darauf hingewiesen dieses Quantum von 3—4000 Tonnen für den
worden, daß die eigentliche Industriekohle, die Monat, also etwa 3—400 Doppelwagen, ist ein
sohle, welche bei dem Hüttenprozeß zur Ver- zeringes. Abhülfe kann dagegen nur bis zu
wendung kommt, namentlich die Kokeskohle üinem gewissen Grade durch eine weitere Reduk
und Koks, bei den fiskalischen Werken eine ion der Frachtsätze geschaffen werden. Die
berhältnismäßig untergeordnete Rolle spielt. deutschen Bahnverwältungen, zunächst die preußi—
Aber auch abgesehen davon, dürfen wir den chen und auch die süddeutschen, haben von dem
Voranschlag im großen und ganzen als zutref- ersten Tage der Eröffnung der Gotthardbahn
fend erachten, und zwar unter dem Gesichts- in die größten Anstrengungen gemacht, die bei
punkt, daß der Kohlenkonsum trotz des Rück dem Transport mitbeteiligten schweizerischen
ganges der Eisenindustrie unausgesetzt eine Tentralbahnen zu niedrigeren Frachtsaätzen zu
außerordentliche Steigerung erfahren hat und ewegen. Indesjen sind die Bemühungen un—
trotz des weitern ungünstigen Umstandes, daß erer deutschen Bohnverwaltungen dabei aber
wir ja, wie Sie wissen, schon seit 228 Jahren mf schweizerischer Seite, wenigstens soweit die
eigentlich keine Winterperiode gehabt haben und chweizerische Centralbahn dabei in Frage kommt,
also das große Quantum, welches für Haus- nuf entschiedenen Widerstand gestoßen. Es wirt
brandzwecke verwendet wird, auf ein geringeres iber dabei die Anmerkung zugefügt, daß es zu
Quantum reduziert worden ist. Gleichwohl hat erwarten stehe, daß weitere Frachtermäßigungen
sortwährend der Konsum an Steinkohlen muf schweizerischem und italienischem Geblete die
in unsern sämtlichen Steinkohlenbecken eine Verhältnisse befriedigender gestalten werden
außerordentlich große Zunahme erfahren, und Ich möchte mir die Frage an den Herrn Mi—
noch in den leßten Monaten war der Absatz tister erlauben, ob die Aussichten heute noch
sowohl im Saarbrücker Revier, als in dem dieselben sfind, und ob auf eine weitere Redut
oberschlefischen und westfälischen ein so großer, idn der Frachtsähe im iialienischen Verkehr zu
wie nie zuvor, und das läßt mit Recht die An⸗ echnen ist? Wir dürfen uns bei der ganzen
aahme zu, daß der Voranschlag im großen und Angelegenheit, was den Absatz der Rohprodukte
zanzen gleichwohl trotz mancher ungünstiger Um- jach Jialien betrifft nicht so großen Juufionen
tände auch wirklich erreicht werden wird. M. zingeben; die Konkurrenz der englischen Kohle
H. die Absa tzrichtung und der Absatzmarkt der st eine sehr starke und schwer zu bekämpfende
Saarbrücker Werke hat in dem Etatsjahr 1882/83, Hleichwohl unterliegt es keinein Zweisei, daß
wie sich aus der vorgelegten Uebersicht ergiebt vir immerhin ein sehr erhebliches Absahquantum
nach fast allen Richtungen hin eine erhebliche m Innern und in Oberitalien aus unseren
Vermehrung erfahren, mit alleiniger Ausnahme deutschen Bergwerken gewinnen könnten, wenn
des preußischen Inlandes, in welchem der Absatz es uns gelingt, etwa die gegenwärtigen Fracht
mit dem vorigen Jahre in gleicher Höhe geblie- ätze um 10 dis 20 pCt. zu ermäßigen“
ben ist. Das dürfte auf den verhältnismäßig Darauf erwiderte der Minisler iur üffentlich
ebr qünstigen Wasserstand des Rbeina im Bahr⸗ Arbeiten Mü3063

ta rtifes ur ν Quossen-Anaabe gestattet.
Jahrgang 2.

„Ich bin überzeugt, daß bei der Antwort auf
die Frage des Herrn Natorp weitere Kreise in—
eressiert sind, und will deshalb nicht damit zu—
rückhalten. Der Herr Abgeordnete hat richtig
die Hindernisse angedeutet, welche einer raschen
Entwickluug unseres Absatzes nach Italien
jinderlich sind; diese Hindernisse liegen zum
Teil in den überspannten Erwartungen, indem
nan annahm, daß mit der Eröffnung der Gott—
hardbahn der deutsche Absatz sich wie ein Strom
in ein neues Land ergießen würde. Man hat
nicht im geringsten darauf gerechnet, daß dieses
Land bereits seine Materialien aus bestimmten
Quellen bezog, und daß es sich jetzt haupt—
ächlich darum haudelt, die Wege zu finden,
vo wir mit unseren eigenen Produkten und
Fabrikaten die fremden Produkte ersetzen kön—
ren. Das ist eine mühsame und zeitraubende
Aufgabe, aber es wird auf die Dauer, wie ich
joffe, gelingen. Namentlich bereitete die meiner
Auffassung nach unrichtige Auffassung der
Schweizer Centralbahn inbezug auf die Behand—⸗
ung des internationalen Verkehrs und die Er—⸗
jebung eines Zuschlages auf der Gotthardbahn
Schwierigkeiten. Ich habe schon bei frühern
Belegenheiten darauf aufmerksam gemacht, daß
nach meiner Auffassung ein gewisser Teil Ober—
taliens eigentlich von Rechtswegen unser Absatz⸗
ebiet sein solle, und auf die Befriedigung dieses
Teiles Oberitaliens sind unsere Bemühungen
zerichtet. Wir sind unausgesetzt thätig, in der
Schweiz und in Italien für unsere Anschau—
ungen Bundesgenossen zu finden, auch bei den
Regierungen, und ich darf nach der jetzigen Lage
der Sache die Hoffnung aussprechen, daß es uns
gelingen wird, in nicht zu langer Frist für un—
ern Export das nötige Feld zu schaffen.“
Diese Ausführungen des Ministers wurden
nit allseitigem Beifall aufgenommen. Es scheint
uns jedoch, daß beide Redner mit Unrecht ge—
rade den Verkehr von Kohlen und Koks so stark
hetonten, während sie auf den eigentlichen indu—
triellen Verkehr keine Rücksicht nahmen. Aller⸗
dings knüpfte sich die ganze Erörterung an den
Etat für Berg⸗, Hütten- und Salinenwesen; es
väre aber immerhin auch hier Gelegenheit ge—
wesen, auf die mannigfachen anderen Uebel—
tände hinzuweisen, unter denen der Gotthard⸗
oerkehr zu leiden hat. Oder sollte man in dem
hdause darüber nicht unterrichtet sein? Das ist
nach den wiederholten und lebhaften Erörterun—
gen des Gegenstandes in anderen Körperschaften
ind in der Presse doch kaum anzunehmen
Gewerbliche Mißstände in Paris.
(Schluß.)
Auf Grund einer ihnen von Pariser Arbeiter⸗
Delegierten übergebenen Petition haben radikale
Mitglieder der Deputiertenkammer den An—⸗
rag gestellt, es sollten sämtliche in den Pariser
deihhäusern versetzten kleineren Pfänder (bis
zum Wert von 10 Francs — 8 Mark) auf Staats⸗
kosten eingelöost und den Verpfändern zurück⸗
gjegeben werden; von anderer Seite wurde die
Ausdehnung dieser Maßregel auf das gesamte
Staatsgebiet, d. h. eine vezügliche Geldbewil⸗
igung im Betrage von mehr als 80 Millionen
re
Begreiflicherweise sind diese Vorschläge aul
—Midersyruch der prattis
            
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