Full text : 2.1884 (0002)

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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr

Ir.«

Geheimmittel. Seit das Reichsgericht in
der Straffache ea. Becker GBronchialpastillen)
das Gesetz vom 21. Germ. XI für rechtsgültig
im Bezirk des rheinischen Oberlandesgerichts
erklärt hat, verfolgt die Kölner Staatsanwalt-⸗
schaft jede Ankündigung von Geheimmitteln.
Am 2. März v. J. mußte der Kaufmann Jos.
Rieß aus Berlin vor dem Schöffengerichte er—
icheinen unter der Beschuldigung, in der „Kol—
nischen Zeitung“: „Professor Dr. Walberer's
Thee“ als Heilmittel gegen Blasenleiden ꝛc.
angezeigt zu haben. Nach dem Gutachten des
Sachverständigen besteht der Thee aus Harnkraut
Herniaria glabra). Das Urteil lautete auf 20
Mark Geldbuße. Die hiergegen eingelegte
Berufung wurde am 10 d. M. von der Straf—
kammer des Landgerichts verworfen und dem
Beschuldigte die Gerichtskosten auferlegt.
Indianische Töpferwaren in Berlin.
Das königliche Museum in Berlin hat in St.
Louis, wie wir in amerikanischen Blättern lesen,
eine wertvolle Semmlung von Töpferwaren
der Pueblo-Indiadner ankaufen lassen.
In der alten, echten Töpferfabrikation der
Pueblos ist die Form orginell ausgeprägt. Form
sowohl wie Verzierungen derselben haben eine
traditionelle symbolische Bedeutung, welche sich
auf religiöse und soziale Einrichtungen des
Stammes beziehen. Vergleicht man dieseiben mit
einzelnen Funden, welche gelegentlich in Missouri
und Arkansas gemacht werden, so wird man
durch die Aehnlichkeit dieser mit jenen überrascht;
eine Aehnlichkeit, die unwillkürlich zu der Ver—
mutung führt, daß die Pueblos von New-Mexico
und die Urbewohner von Missouri und Arkansas
einem und demselben Volksstamm angehört haben
müssen. Das königl. Museum der Reichshaupt-—
stadt dürfte durch den Erwerb dieser Sammlung
ohne Zweifel eine wertvolle Bereicherung er—
fahren; denn die Originalprodukte des Pueblo—
stammes werden immer seltener, da die rasch
in jenen Gegenden vorschreitende Civdilisation
diese Ueberbleibsel zerstört.
Glasfätzung. Um die bei den bisherigen
Verfahren, Glas mittelst Fluorwasserstoffsäure
zu ätzen, auftretenden sehr nachteiligen Einflüsse
auf die Gesundheit der damit beschäftigten Ar—
heiter zu vermeiden, werden bei dem dem Herrn
D. Lenz in Berlin patentierten Verfahren statt
der freien Säure deren trockne Natrium-, Kalium-,
Ammonium- und dergl. Salze in der folgenden
Weise angewandt:
Die Fluorsalze werden mittelst eines Kleb—
mittels, wie z. B. Gummiarabikum, Dextrin,
Stärke, Glycerin, Firnis mit dem Glase in Ver—
bindung gebracht, indem die Glasfläche, die der
Aetzung unterzogen werden soll, entweder zuerst
mit dem Klebmittel überzogen und darauf das
gepulverte Salz durch Einstäuben aufgetragen
wird, oder indem das Fluorsalz mit dem Kleb—
mittel, vor dem Auftragen des Letzteren auf das
Blas, fein gerieben und dieses Gemisch als
Zeichen⸗ oder Druckfarbe angewandt wird. In
Folge der hygroskopischen Eigenschaften dieser
Fluorsalze ziehen dieselben Feuchtigkeit ans der
Atmosphäre und werden zugleich zersetzt, wodurch
die Aetzung des Glases bewirkt wird.
Man kann auf diese Weise durch Anwendung
don Typendruck-Uebertragung, durch die ver—
schiedenen Druckverfahren, durch Gummistempel,
durch Freihandzeichnung, Schablonen aller Art
u. s. w. die verschiedenartigsten Verzierungen
auf Glas darstellen und wie vorbeschrieben ätzen.
Nähere Auskunft, auch über Lizenzen und Pa—
rentabgaben, erteilt auf Anfragen Herr J. Fahdt
in Dresden. (N d. Mitteilungen für d. Ge—
werbe⸗Verein in Nassau 1883. Nr. 4.)
Statistix des Wasserverkehrs. Die An—
ordnungen des Bundesrats, welche während der
Jahre 1872 bis 1881 bei der Aufnahme und
Bearbeitung des Verkehrs auf den deut—
schen Wasserstraßen in gleichmäßiger Aus—
übung standen, haben durch den Bundesrats—
heschluß vom 30. Juni 1881 in mehrfacher
Hinsicht nicht unwesentliche Aenderüngen
rfahren. In dem soeben zur Ausgabe gelangten
33. Bande der „Statistik des Deutschen Reichs“,
voscher den hotroffonden Nerkehr für 1882 bhe—

handelt, ist zum ersten Male den neuen Be—
timmungen gemäß verfahren worden. Die
gegebenen Nachweise zerfallen zwar, wie in den
Lorjahren, in die drei größeren Abschnitte:
1. der Verkehr von Schiffen und Flößen auf
den deutschen Wasserstraßen im Jahre 1882
2. der Verkehr von Gütern einschüeßlich Floß
holz auf denselben, und 3. die an einer Anzahl
Pegel der deutschen Wasserstraßen 1882 beob—
achteten Wasserstände. Die abändernden Be—
timmungen aber machen sich geltend: 1. in Bezug
iuf die Notierungsstellen, indem die bisherigen
Erhebungen über den Verkehr an einiger
»reußischen Erhebungsstellen von geringer Be—
deutung, sowie in den oldenburgischen Haͤfen der
unteren Weser und Jahde eingestellt und die
otierungen an den dadischen Wasserstraßen auf
Mannheim beschränkt wurden; 2. in Bezug aui
die Nachweisungen für die einzelnen Erhebüngs
zrte selbst, indem beim Schiffsverkehr die Her—
tunfts- und Bestimmungsorte fortgefallen, der
nonatliche Verkehr dagegen eingehender behandel
st, und beim Güterverkehr statt des älteren
rus 141 Nummern bestehenden Warenverzeich
anisses ein solches aus 62 Nummern bestehendes
zu Grunde gelegt wurde.
Sicherheitsvorkehrungen gegen Dach
ibstürze. Manche Unglücksfälle, die durck
derabstürzen von den Dächern auf die Straß⸗
»der den Hof verursacht werden, wären zu ver
neiden, wenn eine Sicherheitsvorrichtung, wi
ie jetzt bei den Pariser Neubauten angebrach
vird, in allgemeinen Gebrauch käme, Es sind
zies 80 Centimeter breite Laufbrücken mit Hand
seländer an einer Seite, welche auf allen Dach—
irsten vorgeschrieben sind, um den Schornstein
egern, Handwerkern und Hausbeamten das Be—
teigen des Daches zu erleichtern, bei Reparaturer
zum Niederlegen von Materialien zu dienen
ind endlich bei Bränden im Dachgeschoß die
Rettung nach anderen Grundstücken zu ermög—
ichen. Wenn auch das zu letzterem Zweck ir
Frankreich übliche und auch in England empfohlen
Anbringen von Steigeisen an den Giebelmauern
»ei uns aus mancherlei Rücksichten nicht rech
hunlich sein mag, so dürfte doch die Anbringung
yon jenen Laufbrücken auf alle Fälle empfehlens
vert sein. Um einen größeren Nutzen zu er
ielen, empfiehlt es sich noch, anzuordnen, daß
zie Treppenhäuser massiv über das Dach hinaus
zeführt werden, wodurch etwaiges Feuer aus
»em Dachgeschoß abgehalten und die Rettung
»ei einem Brande in den unteren Geschossen
her nach oben bewerkstelligt werden kann.
—AD
Anter der Oberleitung ihres Organisators, des
Zerrn Hofrats Dr. Coch, haben sich nunmehr
iuch in Oesterreich die Post-Sparkassen rasch
ind erfolgreich eingebürgert, wie das erste, eben
ibgelaufene Jahr ihrer Thätigkeit bezeugt. Es
ind im Ganzen 1802 756 fl. Einlagen miit
3176883 fl. angenommen, 2946050 fl. zurück
jezahlt und demnach 5 280838 fl. aufgespar!
vorden — ein Ergebnis, welches weniger durch
die Beträge, als durch die Zahl der Einlagen
mponiert und nach dieser Richtung hin die
Erfolge aller übrigen Sparkassen weit über—
roffen hat. In Oesterreich fehlte es bisher an
virklichen Volks-Sparkassen und jetzt endlick
st diese Lücke glücklich und befriedigend ausge
üllt worden.
Die Gründungen von Zeitungen und
zeitschriften in Deutschland sind noch nie
o zahlreich gewesen, wie im letzten Monat v. Is
Zeit dem Erscheinen der amtlichen Preisliste
»er durch das kaiserliche Postzeitungsamt zu
zeziehenden Zeitungen und Zeitschriften, am
O. Vez. v. J, haben bis jetzt drei Nachträge zr
zenanntem Werk herausgegeben werden müssen
ind aus diesen geht hervor, daß inzwischer
vieder 134 neue deutsche Zeitungen und Zeit
chriften für das Jahr 1884 angemeldet und
ingetragen worden sind, während allerdings
uuch von den am 10. Dezember v. Irs. noch
ils bestehend aufgeführten Organen 33 seither
hre Existenz aufgegeben haben. Es bleibt aber
mmerhin noch eine Zunahme von 81 Blättern,
nnerhalb der letzten vier Wochen: darunter

finden wir ein Witzblatt mit dem pikanten
Namen „Mixed Pickles“, ferner eine „Zeitung
'ür Nichtjuden“ mit dem Namen „Aliancè
antisemite“, eine, Dichterwiege“, eine „Huxaria“,
zinen „Briefportoanzeiger“, kurzum, wir sehen,
daß wieder einer Menge von sogenanuten dringen⸗
den Bedürfnissen abgeholfen worden ist. Ein
zroßer Teil dieser vielen neuen Erscheinungen
indet aber fsicher ein ergiebiges Feld. Was gut
st, wird jederzeit begehrt, abgenommen und vbe—
zahlt, wenn auch noch so viel Konkurrenz da ist.
Eine internationale Ausstellung von
Kraft- und Arbeitsmaschinen für das
Kleingewerbe. Mit der großen ungarischen
Landes-Ausstellung zu Budapest im Jahre 1885
wird eine internaßonale Ausstellung von Kraft—
und Arbeitsmaschinen und Werkzeugen für das
dleingewerbe, ferner von landwirtschaftlichen
Maschinen neuerer Konstruktion und von wich⸗
igeren Entdeckungen und Erfindungen verbunden
ein.
Die Berliner technische Hochschule zählt
im laufenden Winterhalbjahr 596 Studierende
in ihren fünf Abteilungen und 307 Hospitanten,
zusammen 993. Neu immatrikuliert wurden
37, darunter 30 mit Reifezeugnissen von
humanistischen Gymnasien, 38 mit solchen von
Realgymnasien, von Oberrealschulen 20. Gewerbe
schulen 10 und Realschulen 4.
Der Präparator Wickersheimer hat in
den letzten Tagen die Leiche eines im Maison
de santé in Schöneberg befindlich gewesenen
jungen Griechen mit seiner Konservierungsflüssig⸗
keit injizirt. Die Leiche wird nunmehr von
einigen Landsleuten des Verstorbenen über Trieß
nach Athen geschofft.
Französische Schutzzöllner. In einem
Butachten über die schwebenden österreichisch⸗
französischen Handels-Vertrags-Verhandlungen
hat die Handelstammer von Bar:le Duc zwei
Grundsätze aufgestellt: 1) Unter keiner Bedingung
sind die bestehenden Tarifsätze zu erniedrigen.
2) Für, alle Handelsverträge ist der gleiche
Fälligkeits-Termin festzustellen und die Klausel
der meistbegünstigten Nationen möglichst zu
unterdrücken. Ebenso wenig wie bei den anderen
Nachbarn Deutschlands, haben in Frankreich
freibündserische Adeen Roden gefunden

Bücher und Zeitschriften.
Glasers Annalen für Gewerbe und Bau—
wesen. Nr. 18 vom 15. Januar 1884, Bd. XiV
deft I1 enthielt: Normalien für Betriebsmittel der
Preußischen Staatsbahnen und unter Staatsverwaltung
stehenden Privatbahnen. Betriebsmittel für Bahnen
untergeordneter Bedeutung mit normaler Spurweite.
Mit 1 Blatt Zeichnungen. Das Leben und die Lohn—
derhältnisse in Paris. Mit vergleichenden statistischen
Rachweisungen über Berliner Lohnverhältnisse. Nach
Oth. d'Haussonville. Verein für Eisenbahnkunde. Rück
zlick auf die Vereinsthatigkeit 1888 von dem Geh. Ober—
Reg.-Rat Streckert. Ueber elektrische Vorrichtungen fur
Feuersignale und Feuermeldungen Vortrag von dem
Fabrikbesitzer Naglo. Instrument zur Ermittelung der
Abnutzung von Eisenbahnschienen. Mit 3 Abbildungen
don dem Reg.⸗Maschinenmeister Brüggemann. Neuere
)eutsche nautische Literatur, bearbeitet von dem literanischen
Zertr. des Vereins deutsch. Masch -Ing. Getemperter
Stahlguß. Mit 2 Abbild. Marktberichte. Elektrotech⸗
uischer Verein. Statistik der Königl. Techn. Hochschule
in Berlin. Zirkular-Erlaß, betr. die regelmäßige Un⸗
ersuchung eis. Straßenbrücken. Stipendium für einen
Bau⸗Ingenieur. Ist der Phosphorgehalt der Minette
in das Eisen oder an den Kalk gebunden? Versonalf—
Nachrichten. Patentliste. Literaturblatt.
Nr. 4des Berliner Centralblatt für die Textil⸗
Industrie, Organ für die Gesamt-Interessen der
Wollen⸗, Baumwollen⸗, Flachs-⸗ und Seiden⸗Industrie
nthätt: Ein Verband der Berliner Textilinteressenten.
Vorträge auf dem Gebiete der Textil-Industrie. Apparat
und Methode der Behandlung (Waschen, Färben ꝛc.)
von Gespinnstfasern und Geweben Mustervorrichtungen
'ür Strickmaschinen. Webschühen für Scheibenspulen.
Damastmaschine. Neuerungen an Walkmaschinen für Ge⸗
webe aller Art. Flortheiler für Vorspinnkrempeln Woll⸗
waschmaschine. Umhüllung des Volants an Krempeln.
Maschine zum Einblen und Brechen von Hanf und an—
deren Spinnfasern. Sprechsaal. Rundschau Unter—
cicht und Literatur. Patent-Anmeldungen. Patent-Er—
eilungen. Ausländische Patente. Reu eingetragene
Firmen. Concurse. Submissionen. Anfragen über Be⸗
ugs⸗ und Absatzauellen. Murltberichte. Berliner Course.
Unzeigen.

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