Saarbrücker Gewerbeblatt für Indnustrie, Handel und Verkehr.
VYer
sierend noch stundenlang zusammenfanden. Daran!
konnte man deutlicher als irgendwie erkennen,
daß das Interesse an dem Gegenstand des Vor—⸗
trages ungemein gewachsen ist.
Möge dies nicht nur so bleiben, sendern möge
es noch immer weitere Kreise ergreifen. Denn,
vie in einer jener Disputationen ein Handwerker
sehr richtig sagt, „das Handwerk muß vorwärts
gehen, jeder Stillsiand ist Rückgang“, so sagen
auch wir: Nur nicht still stehen! Man stehe auch
in den einmal angeregten Bestrebungen hin—
sichtlich des Kunstgewerbes nicht still, sondern
fördere sie, soviel nur Kraft und Zeit es zu
lassen. Jetzt, wo dieselben bereits in so gesunder
Weise zu wirken begonnen haben, bedarf es ja
nur verhältnismäßig geringerer Anstrengung, als
uirsprünglich, wo es darauf ankam, überhaupt
einmal Bahn zu brechen, denn der erste
Schritt ist der schwere, die übrigen machen sich
ei einigem Wohlwollen für die Sache von
elbit!—
werbe berührt, bestrebt ist, demselben einiger—
naßen gegenüberzutreten und eine Besserung
jerbeizusühren. In erfreulicher Weise haben
ich dieser Vereinigung 23 dortige Zimmermeister
angeschlossen. Die Vereinigung bezweckt zunächst
da der heutige Reingewinn bei dem Zimmer—
handwerk in gar keinem Verhältnisse steht zu
den Gefahren und Risikos, denen dasselbe aus
gesetzt ist und durch die große allseitige Kon
furrenz ein Reingewinn bei manchen Geschäften
zleich Null ist, sehr oft sogar Verluste zu ver—
zeichnen sind und um nun in dieser Beziehung
eine gewisse Verbesserung herbeizuführen, eine
übersichtliche Klarstellung der besonderen Ar—
heitsleistungen in Vorschlag zu bringen. Um
dies zu ermöglichen, sollen in Zukunft Voran
schläge und Rechnungs-Aufstellungen in zwei
Teile geschieden werden und zwar so, daß der
ine Teil die eigentliche Unlieferung der
Rohmaterialien einschließlich der Transport—
fosten unter Berücksichtigung der Verluste beim
Verschnitt, der andere Teil die Preise für die
Arbeitsleistungen betrifft. Um nun nach
jeder Seite Anhaltspunkte zu geben, wird ein
Preisverzeichniß aufgestellt werden, das den heu—
tigen Holzpreisen und den Arbeitslöhnen ent—
pricht und die Preise für die häusig am Platze
vorkommenden Zimmerarbeiten erteilt. Dieses
oll als Grundlage bei Kostenberechnung zu
— rmo⸗rarheiten verwendet werden
gelangen. Diese einfache, wenig kostspielige und
ich durch Schnelligkeit der Abwickelung und
Sicherheit auszeichnende Art des Verkehrs wird
icherlich in den übrigen größeren Handelsplätzen
baldige Nachahmung finden.
Die Vorteile des Checkverkehrs für den ein—⸗
zelnen sind, außer in dem ohne Kosten zu er—
angenden Zinsgewinne an dem bisher zinslos
liegenden Gelde, darin zu finden, daß ihm Arbeit
und Gefahr der Verwaltung der eigenen Kasse
abgenommen wird, wodurch sowohl Zeit als
Kosten erspart werden. Die Beschaffung eiserner
'euerfester Geldschränke wird nicht mehr zu den
iotwendigen Erfordernissen der Geschäfte ge—
echnet werden. Außerdem ist aber die Be—
ahlung durch Checks bequemer und sicherer, als
ie mit barem Gelde, weil das Ausschreiben,
ushäundigen und Versenden von Checks einfacher
ind schnuetler auszuführen ist, als das Zählen
und Verpacken von Geldsorten, bei welchem Irr—
ümer vorkommen können. Die Gefahr des Ver—
ustes durch falsches Geld, des Diebstahls, der
Vernichtung durch Feuer ꝛc. wird gehoben, und
endlich ist durch die bei der betreffenden Bank
»ingelösten und aufbewahrten Checks noch nach
Jahren der Beweis über eriolgte Zahlung zu
ühren, welchen beizubringen, bei Zahlungen in
barem Gelde, nicht immer möglich ist, weil über
dieselben oft nicht quittiert wird, oder gegebene
Quittungen verloren werden. — Die Vorteile
ür das Geschäftsleben im allgemeinen liegen
neben der einfachen Art der Zahlungsaus—
zleichungen in dem Billigerwerden des Geld—
tandes, welches als eine naturgemäße Folge der
zrößeren Ansammlung von Geldern bei den ver—
valtenden Banken und Bankhäusern sich ergiebt.
Diese Geld Institnte haben es in ihrer Hand,
den Geld-Umlauf zu regeln, den Geld-Ueberfluß
einer Stelle zur Deckung des Bedarfs an an—
deren Orten zu verwenden, und dadurch eine
dauernde Beständigkeit des Zinsfußes herbeizu—
führen. Der im allgemeinen billigere Geldstand
in England ist haupisachlich durch den dort seit
langer Zeit zu hoher Entwickelung und allge—
meiner Anwendung gelangten Checkverkehr ver—
ursacht — Dort hält jeder nur so viel Geld in
einer Kasse, als er für die dringendsten und
leinsten augenblicklichen Bedürfnisse des täg—
ichen Lebens notwendig gebraucht. — Ein mög—
lichst niedriger Zinsfuß ist ein wesentlicher volks—
virtschaftlicher Vorteil, und ein Beweis allae—
neinen natinnalen Wohlstandes.
Zzur Warnung an Auswanderungs⸗
lustige.
Aus Newyork berichtet unser dortiger Ge—
eichtsreporter über einen amerikanischen Truk“,
der indes von einem Deutschen ins Werk gesetzt
vurde. Vor einigen Tagen wurde, so heißt es
in dem Berichte, dem Richter Power im Tombs—
Polizeigericht ein gewisser John Kohfahl vor—
geführt, der sich als der Inhaber eines Privat—
detektiveBüceaus ausgab. Die Spezialität,
velche ihn mit der Polizei und der Justiz in
Zonflikt brachte, besteht in folgenden Ranipu—
lationen: Kohfahl annoncierte in den Zeitungen,
daß er fähige, junge Deutsche suche, um die—
elben zu Detektives heranzubilden, und daß
dieselben schon von Anfang an ein Gehalt von
Dosl. 30 per Monat erhalten würden. Viele
„grüne“ Deutsche, die, bevor sie das alte Vater—
and verließen, gewiß romantische Geschichten
iber amerikanische Detektives gelesen hatten,
ind ein Leben voller Poesie und eine goldene
Zukunft vor sich erblickten, begaben sich nach
dem Büreau, wurden engagiert, mußten aber
zur Sicherung ihrer Verschwiegenheit und ihrer
pflichttreue eine Kaution hinterlegen, welche
enach den Vermögensumständen des Aspirauten
Dosll. 50 bis Doll. 200 betrug Dann bekamen
sie die Photographie irgend eines großen Ver—
hrechers mit dem Auftrag, denselben aufzuspüren,
dabei aber vor jedermann und noch hesonders
vor den Polizeidetektives das Geheimnis zu
hewahren, da letztere aus Handwerksneid an⸗
gzeblich gegen die Pridat-Detektives arbeiteten.
— Von dem Momente der Anstellung und der
xinzahlung der Kaution ab bekamen die neu—⸗
hockenen Notoktipes, mie sie sagen, ihren Kehr—
Beim Schreiner und Buchbinder.
In Bonn ist durch den Wohlthätigkeitssinn
einiger Bürger seit etwa zwei Jahren eine
Einrichtung getroffen, die für die Erziehung der
Jugend von nicht zu unterschätzendem Werte ist
und es deshalb wohl verdient, weiter bekannt
und nachgeahmt zu werden. Den Zöglingen
der dortigen Volksschulen wird Gelegenheit ge—
boten, in den freien Nachmittagsstunden des
Mittwochs und Samstags in der Buchbin—
derei und Schreinerei unterwiesen zu wer—
den. Knaben von 92 13 Jahren arbeiten unter
Leitung eines Buchbinder- und eines Schreiner—
meisters und unter der Oberaufsicht eines Leh—
rers an den genannten Tagen zwei Stunden
lang in den Räumen der alten evangelischen
Schule, und es ist hocherfreulich, zu beobachten,
mit welchem Eifer und mit welchem Geschick die
Kinder diesen Arbeiten obliegen. In der Schrei—
nerei körnen z B. nur 7 Kinder beschäftig!
werden, weil nur 7 Hobelbänke vorhanden sind.
In der Abteilung für die Buchbinderei werden
erwa 30 Schüler unterrichtet. Die Erfolge sind
ticht minder exrfreulich. Es werden einfache
Tische, Küchengestelle, Wandbrettchen, Treppchen
u. dergl. in der ersteren, hübsche Laubsäge—
arbeiten, Büchereinbände, allerlei nützliche Papp—
küstchen und ähnliches in der letztern verfectigt,
und bei verschiedenen öffentlichen Ausstellungen
haben die vollendeten Arbeiten die Anerkennung
des Publikums gefunden und sind von diesem
angekauft worden. Schreiber dieser Zeilen weiß
aus eigener Erfahrung, wie wertvoll es für das
pätere Leben ist, auck den praktischen Bedürf—
nissen desselben nicht völlig unvorbereitet und
uuselbständig sich gegenübergestellt zu sehen, denn
zu seinem Glück hat er, vom Vater dazu an—
gewiesen, selbst ein volles Jahr als Buchbinder—
und Schreinerlehrling gearbeitet und dann erst den
veiteren Schulstudien Obgelegen. Niemand wird
den Segen einer solchen Einrichtung verkennen
und daher den Wunsch teilen, daß solche Ein—
richtungen allerorten getroffen werden. Möchten
die öffentlichen Behörden denselben ihre Auf—
merksamkeit zuwenden, damit derartige Anstalten
ruch in größerem Umfange errichtet und nament—
lich auch den Zöglingen der höhern Schnulen
zugänglich gemacht werden, da bekanntermaßen
zräde in den gebildetern Ständen eine gradezu
lächerliche Unerfahrenheit und Unbehülflichkeit
in diesen einfachsten vraktischen Dingen des
VLebens häufin ist.
Das Checkwesen.
Das Wesen des Checkverkehrs besteht darin,
daß die gewerbtreibenden Geschäftsinhaber und
die Privatleute ihre Gelder, anstatt sie zinslos
nn ihrem Kasten aufzubewahren, bei einer Bank
»der einem Bankhause niederlegen, von diesen
Zinsen dafür empfangen, und die Zahlungen,
velche sie zu leisten haben, durch Anweisungen
Checks) vollziehen, welche auf das Guthaben
nusgestellt sind, das sich durch ihre Einzahlungen
zei der betreffenden Bank gebildet hat. Diese
Thecks sind ohne vorherige Anzeige oder Kün—
digung zahlbar, sie werden jedem Vorzeiger aus
zezahlt und sind deshalb ein bequemes und
en Geldverkehr erleichterndes Zahlungsmittel,
velches keine Kosten verursacht, weil sie weder
einer Stempelsteuee unterliegen, noch eine Pro—
»ision für den Umsatz berechnet wird.
Der Checkverkehr besteht in England, Frankreich
Amerika und anderen Ländern seit einer langen
Reihe von Jahren, und ist dort, weil er dem
inzelnen und der Gesamtheit große wirtschaft—
iche Vorteile bringt, zu allgemeiner Anwendung
ind Verbreitung gelangt. — In Deutschland
st die allgemeine Einführung dieser gemein—
iützigen Einrichtung durch die früher bestehenden
erschiedenen Münzsysteme und Währungsver
zältnisse, welche die Verwendung des in einem
eutschen Kleinstaate ausgestellten Checks in
einem anderen erschwert und oft vielleicht un—
nöglich gemacht hätten, behindert. Seitdem
ieses Hindernis gehoben, wird allseitig durch
zie Geldinstitute dahin gestrebt, dem Checkver—
ehr Verbreitung zu verschaffen. Es ist vor
illem das entschiedene Vorgehen der deutschen
Reichsbank als verdienstvoll anzuerkennen, welche
urch ihre neuerlichen Einrichtungen den Anstoß
jegeben hat, in ihren Verbindungen mit den
zrößeren Handelshäusern und Banken den zeit
parenden und geschäftserleichternden Checkverkehr
ur Anwendung zu bringen. Es wird nun die
Iufgabe der übrigen Banken und Bankhäuser
ein, nach derselben Art und Weise sowohl die
zeschäftlichen Ausgleichungen unter einander zu
‚ewirken, wie auch diesen Verkehr in den mitt—
eren und kleinen Kreisen des Geschäftslebens
zur gedeihlichen Entwickelung zu bringen. Nach
dem Vorbilde der größeren Handelsstädte Eng—
ands, insbesondere des Clearing-house in London,
sJaben denn auch bereits in Berlin, Hamburg
Franktfurt a. M., Köln und anderen Städten
ihnliche Einrichtungen Platz gegriffen. — Unter
Führung der Reichsbank und der Seehandlung
ind in Berlin mehrere der größten Firmen zur
Zildung eines Checksverein und zur Errichtung
iner gemeinsamen Zahlungsstelle zusammenge—
reten, in welcher alle auf diese Häuser ausge—
⸗Iteu Ehecks zur gegenfeitigen Ausaleichung
—A&
meister.
Eine Vereinigung Mannheimer Zimmer—
neister wird demnaͤchst ein Rundschreiben „die
jeutigen Vechältnisse des Zimmerhandwerks in
der Stadt Mannheim und die Mittel zu dessen
Hebung betreffend“, zur Veröffentlichung bringen,
das an die Baumeister, Architekten ꝛc. gerichtet
st. Dieses Vorgehen dürfte auch für außerhalb
vom größten Interesse sein, da die Vereinigung
n richtiger Wuͤrdigung des gegenwärtigen herr—
chenden flauen Geschäftsganges, der nicht allein
48 Aimmergemerhe fondern auch onderoe Ge—