Nr. 3
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
wird. Von da an ist die Genealogie der Fa⸗!
milie festgestellt, die uns hier aber nicht weiter
interessiert. Von desto größerer allgemeiner Be⸗
deutung ist aber die Auslassung des Manus kriptes
über die Anlage der ältesten Glashütten und
über die Art und Weise der Glasmacherkunst:
„Die ersten Glashütten“, sagt er, „waren nur
ileine Glashütten, welche man Stützenhütten
nannte, so daß man Bäume in den vier Ecken
gerade aufrichtete und die Wände oder Seiten
nit Holz zumachte, so auch das Dachwerk. Ich
jabe selbst noch Spuren von solchen Glashütten⸗
plätzen in meiner Jugend in den Waldungen
gesehen, nämlich eine in dem sogenannten Hutzel⸗
ihal, obig dem Meisenthal, welches damals noch
ein schöner Buchwald war; ich habe öfters auf
dem Glasofen, welcher noch halb dagestanden,
da ich das Vieh weidete, gesessen. Der Wald
ist Anno 1766 abgehauen und zu Feld und Matten
gemacht worden.“ Spuren von solchen alten
Blockhäusern sind unter anderen von ihm gesehen
vorden bei der Meisenthaler Mühle, bei dem
langen Triesch, im Meisenthal selbst, bei dem
Speckbronnen u. s. w. Er ist der Meinung, daß
die Glasmacher „diese kleinen Hütten allezeit in
die Thäler dem Holze nach bauten und nur so
ange blieben, als sie das Holz dazu wälzen konnten,
alsdann aber weiter gingen.“ So arbeiteten sie
‚seines Erachtens nach“ in den Jahren 1400 und
1500 Dieses Anfangsdatum der Glasmacherei
in der Bitscher Gegend ist aber doch wohl ein
venig zu früh gegriffen. In der im Jahre 1530
‚eröffentlichten Schrift des Georgius Agricola
‚de re metaluca“, wodurch er der Begründer
der neueren Mineralogie geworden ist, werden
zuerst Glasöfen, d. h. eine Hütte mit Ofen und
Utensilien, abgebildet, und die Orte angegeben,
an denen der Verfasser, der große Reisen in
Deutschland unternahm, solche Glashütten ge—
iunden hat. Weder die Pfalz, noch Lothringen
— die Bitscher Grafschaft war 1458 an Loth
ringen gekommen — sind dabei; doch sei erwähnt,
daß die Glashütten bei St. Quirin (Saarburg)
damals schon existierten. Die Ergänzung dieses
Werkes jedoch, des Mathesius „Sarepta oder
Bergpastil“, die 1064 erschien, spricht von der
Blasfabrikation in Hessen und der Pfalz. Da
»s nun erwiesen ist, daß die ersten Glasfabriken
in Frankreich von deutschen Arbeitern gegründet
wurden, wie dies unter anderem auch die deutschen
Familiennamen fast sämmtlicher französischer
Glasmacher und die deutschen Kunstausdrücke
derselben bewiesen, so gewinnt die Vermutung
anseres Chronikschreibers, jener Peter Walter.
ei der erste gewesen, „der in der Sucht Glas
zemacht habe“, sehr an Wahrscheinlichkeit. Er
var vielleicht sogar einer der ersten pfälzischen
Einwanderer, die die Glasmacherkunst überhaupt
erst in die Gegend brachten, nur müßten die
Anfänge derselben dann nicht „um 1400 oder
1500*, sondern mindestens ein Jahrhundert
später angesetzt werden. Damit stimmt auch das
überein, was das Manuskript von den ersten
Blashütten erzählt. Diejenige, von der Walter
„die erste Erfahrung“, d. h. von der er zuter⸗
lässige Kunde hatte, ist eben die zu Sucht, in
der Peter Walter um 1644 gearbeitet, oder wo
er gewohnt haben soll. Sie ist „seines Erachtens
1620 oder 1625“ errichtet. In dem angeführten
Jahre 1644 wurde im Suchter Kirchenbuche die
erste Kindtanfe verzeichnet, bei der „eines Hütten⸗
neisters Christoph Kreiner's eheliche Hausfrau
als Göttel sungirte.“ Dieses Datum wird sicher—
—
abrikation in dortiger Gegend nachweisen läßt
Ob es sich auf Sucht, wo der mehrfach genannte
Peter Walter gewohnt, oder auf Münzthal, wo
er gearbeitet häben soll, bezieht, ist wohl nicht
zu ermitteln; jedenfalls aber waren die ältesten
dütten in diesen beiden Dörfern. Die Urgroß—
mutter des Chronisten führte ncch dem am 2.
Februar 1688 erfolgten Tode ihres Mannes die
Blashütte fort, dann ging sie ein, und es wurde
1702 die erste zu Meisenthal erbaut. Diese
Jahreszahl hat er „noch öfters an der alten
Hütte gesehen“. Ueber die Fabrikationsweise
des Glases um jene Zeit läßt er sich folgender—
maßen aus: „Man arbeitete nicht, wie man heut
zu Tag das Glas auf Stühlen macht, sondern
—X
zwei hölzerne Brettlein auf seinen Beinen an—
geheftet, welche zwei Zoll breit waren, und auf
zen Nebenseiten mit einem schmalen Eisen be—
chlagen; sowohl der Aufbläser als wie der Auf
reiber hat jeder einer zwischen dem andern eine
Stange gegen den Glasofen und seinen Ober—
rog gegen dem Platz, welchen man die Wersi
iannte, durch dieses war ein jeder vom andern
interschieden, und arbeiteten doch allzeit zwei
nit einander, nämlich der Auftreiber und der
Aufbläser.“
Eine andere Glashütte wurde um dieselbe
Zeit im Meyenthal bei Lädenbach (Lettenbach?
erbaut, an dessen Besitzer eine Schwester seines
des Chronisten) Urgroßvaters oder Großvaters,
vas nicht ganz klar ist, verheiratet war. Dieste
hat er in dem Meyenthal als eine alte Frau
zesehen, da er 16 Jahre alt war, und sie hal
hm aus ihrer jungen Zeit von der Sucht und
Meisenthal erzählt“.
Die erste Glashütte in Götzenbrück, das er
Bötterbrück und Gätterbrück nennt, ist 1720 er—
»aut. Der Platz war damals ein dichter Wald
und in der Nähe der Gleshütte war „ein sumpf—
iger nasser Platz, den haben die Bauersleute
gebrückt, mit hölzernen Stangen eine an die
andere, damit sie über diesen Platz fahren konnten
nit ihren Fuhren aus Lothringen in das Elsaß,
sjaben diesem Platz den Namen gegeben Gätter—
brück“. Wie daraus Götzenbrück geworden ist,
veiß er nicht, aber der, wie es scheint, von der
eltomanie der dreißiger Jahre etwas ange—
sjauchte Abschreiber hat am Schluß die Erklaͤr
uing hinzugefügt, Götzenbrück sei „celtischer oder
d)ruidischer Herkunft'. Ob der Chronist unter
Bätterbrück, eine Gitterbrücke meint? Fast scheint
es so; er behauptet nämlich, von diesen „Bruck
jölzern, die lauter buchene Stangen und alle
eine an der anderen, ganz blau waren“, noch
ziele gesehen zu haben, als man „die Funda—
nenter, wo jetzt Häuser stehen“, gegraben hat
Auch über die Erbauung der Kirchen und Ka
»ellen in jenen Ortschaften enthält das Manu
kript einige Andeutungen. Die älteste ist die
u Sucht im Jahre 1659 erbaute und am 8. Juni
ess. Is. eingeweihte Kapelle, wie durch einen
Auszug aus dem Kirchenbuch bewiesen ist. Diese
tapelle stand „außer dem Ort auf dem Hoffeld,
ingefähr 200 Schritt hinter dem Pfarrhaus
»ben an dem Weg gegen das Kammerthal“. Ob
iese Kapelle dieselbe ist, die unter dem Namen
‚Heidenkirche“ oder „alte Kirche“ bekannt ist.
ind zu der man noch heute wallfahrtet und Opfer—
sjaben in den Stamm einer alten Buche legt,
Mündel, die Vogesen), konnte nicht genau er—
nittelt werden, doch in es wahrscheinlich. Die
dapelle wurde dem Manuskript zufolge im Jahre
1770 abgebrochen. Die Kirche zu Götzenbrück
st 1725 als kleine Kapelle für die Glasmacher
rrichtet und 1813 in der heutigen Gestalt er—
veitert worden; damals wurde auch erst die
Pfarrei gänzlich von Sucht, dessen Filiate sie
var, getrennt. Der Gottesacker wurde bereits
802 angelegt und das Götzenbrücker Pfarrhaus
807 vollendet. Meisenthal dagegen erhielt erst
809 eine eigene Kirche und zwar mit Hülfe
erer aus Schieresthal. J. AILA
dern auch die römische Bezeichnung für Sticken
‚mit der Nadel zeichnen und malen' lehrt uns
daß der Gebrauch der Nadel sowohl zum Nähen
als auch zum Sticken damals bereits ein allgemei—
ner war. Durch die verschiedenen Ausgrabungen
altrömischer und griechischer, zum Teil sogar
vorchristlicher Städte sind auch damalige Näh—
radeln auf unsere Zeiten gekommen, und die—
elben geben Zeugnis von einer für die da—
nalige Zeit bereits hohen Entwicklung dieses
leinen Instrumentes, ja die sogenannte Schließ⸗
nadel, die als etwas ganz Neues in England
patentiert wurde und von da auch zu uns kam,
findet sich genau in derselben Form bereits bei
den alten Römern; und wenn wir manche Alter⸗
umssammlung durchwandern, drängt sich uns
bei Betrachtung dieses unscheinbaren Gegen—
standes die Betrachtung auf, daß wir, in Rück—
icht auf Schönheit der Form und Ausführung,
etzt weit hinter der Gewerbsthätigkeit der Alten
zurückstehen. Nachdem im Anfang des 14. Jahr⸗
hunderts das Drahtziehen erfunden worden war,
fiel die frühere mühsame Vorarbeit weg und
die Nadelfabrikation konnte sich nun zu einem
ördersamen Geschäft entwickeln. Bereits gegen
1470 finden wir in Nürnberg eine Zunft der
sadler, welsche, ehe das Durchschlagen des Ohres
aufkam, dasselbe dergestalt bildeten, daß sie das
Ende des Drahtes breit schlugen, einen Spalt
jineinmachten und dann die Enden der beiden
Läppchen sorgfältig wieder zusammenklopften.
Von den Nürnbergern erlernten die Franzosen
uind Engländer die Verfertigung der Nähnadel
ind bei den letzteren gewann schon im 18. Jahr—
zundert die Herstellung der Nähnadel einen fa—
zrikähnlichen Anstrich, heute freilich sind sie von
»en deutschen Fabrikanten in der Güte des Fa—
obrikats völlig erreicht, in der Wohlfeilheit aber
längst überflügelt und nur das noch hier und
da eingewurzelte Vorurteil bevorzugt das fremde
Fabrikzeichen. — Wenn man das einfache, win—
ziige Ding betrachtet, glaubt man schwer daran,
daß dasselbe, ehe es vollständig fertig wird,
30—84 mal durch verschiedene Hände gehen
nuß. und doch ist dem so, denn die Nadel—
adrikation ist einer jener Industriezweige, bei
velchem der Nutzen der Arbeitsteilung am
chlagendsten zu tage tritt. Indem jeder Ar—
eiter nur einen ganz kleinen Abschnitt an der
angen Folgereihe der Herstellungsweise über—
rimmt und immer nur dieselbe Arbeit thut,
»eignet er sich in derselben eine fast wunderbare
SZchnelligkeit und Akkuratesse an, und nur da—
durch wird der billige Preis der Nadel erklär—
ich. — Zu den feineren Sorten Nähnadeln
erwendet man nur Stahldraht, während die
tärkeren aus Eisendraht gefertigt werden, der
erst im Laufe der Arbeit gestählt wird. Auf
Jroßen Cylindern von 17518 Fuß Umfang
yaspelt man zunächst den Draht und nachdem
nan so einen riesigen Drahtring von 50-100
Windungen erhalten hat, wird derselbe auf einer
tarken Schere an zwei entgegengesetzten Stellen
purchgeschniten, durch dieselbe Schere teilt man
nun die Drahtbündel in immer kürzere Enden,
dis dieselben nur noch die doppelte Länge der
zu erzeugenden Nadeln haben. Da die Schere
zurch Maschinenkraft geht, so hat der Arbeiter
hier weiter nichts zu thun, als immer nur den
Draht wieder ein- und nachzuschieben, wobei er
ft Bündel von 100 Drähten auf einmal nimmt.
Während er nun mit der Linken den Draht
einschiebt, hält er mit der Rechten ein Modell
entgegen, welches etwa wie die Hälfte eines der
Länge nach geteilten Bechers gestaltet ist und
vonach sich die Länge der Abschnitte bestimmt.
Indem nun die Schnittenden bis zum Anstoßen
in den Boden des Modells eingeführt werden
und der Anschnitt dicht am oberen Rande des—
selben erfolgt, werden alle Einschnitte gleich
ang. Die Schere schneidet auf diese Weise in
einer Minute 700, per Stunde 40000 Schäfte,
aus denen 80000 Nadeln fabriziert werden
können. In einigen deutschen Fabriken besorgen
aber jetzt schon besondere Maschinen diesen Schaft⸗
schnitt und zwar nicht bloß mathematisch ge⸗
nauer, sondern auch sauberer und viel schneller,
als durch Handarbeit, ein einziger Arbeiter ge⸗
nügt um drei solche Maschinen zu versorgen
ind deren Arbeit au heaufüchtigen Man schiebßt
Die Nähnadel.
Der eigentliche Wert von tausenderlei Kleinig—
eiten liegt für uns nicht in den Anschaffungs—
rreisen derselben, sondern in dem Nutzen, welchen
ins dieselben bringen, und manch kleiner unbe
eutender Gegenstand wird uns geradezu uner—
etzlich, wenn wir denselben entbehren sollten. —
Was wollten wohl jetzt unsere Hausfrauen ohne
sähnadel anfangen und doch ist dieser Gegen
tand an und für sich von geradezu winzigem
Werte. Lesen wir aber in Reisebeschreibungen,
vie glücklich sich eine Eskimofrau durch das Ge—
chenk einer winzigen Nähnadel fühlte, so ist
zies sofort eine lebendige Illustration unserer
bigen Behauptung. In alten Zeiten waren
talürlich die Nähnadeln sehr primitiver Natur,
pitze Dornen und Fischgräten verrichteten die
dienste derselben, die alten Kulturvölker da
egen gebrauchten bereits Nähnadeln in unserem
Zinne, das sagt uns nicht nur der biblische
d⸗»raleich von omoel ujnd d Madolsßhr son,