Full text : 2.1884 (0002)

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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Arbeitslöhne in Frankreich.
Das kürzlich erschienene, von dem Ministerium
»es Handels herausgegebene statistische Jahrbuch
ür Frankreich auf das Jahr 1883 enthält einige
ehr interessante Zusammenstellungen über die
in der Kleinindustrie und im Handel ꝛc im Jahre
1880 gezahlten Löhne, denen wir Folgeudes ent⸗
nehmen. Im Allgemeinen ist wahrzunehmen,
)aß die Löhne seit 1877 eine allmähliche Stei—
gerung erfahren haben. Der gewöhnliche Durch—
chnittstagelohn eines in Kost befindlichen Ar—
beiters stieg in Paris von 1,70 auf 1,86 Fr.,
der eines nicht in Kost befindlichen Arbeiters in
Paris von 4,78 (1877) auf 4,79 (1878), 4,81
1879) und 5,15 Fr. (1880). Der Durchschnitts⸗
lohn eines in Kost befindlichen Arbeiters in der
Provinz betrug 1877 ebensoviel, wie 1880
nämlich 1,51 Fr.), während der eines nicht be
köstigten von 2,87 Fr. (1877) auf 2,91 (1878),
208(1879), 307 gfr 880) sfieg.
In Paris erhielten bei Selbstbeköstigung die
jöch sten Durchschnittslöhne die Steinmetzen,
3 Fr. täglich, die Zimmerleute 7,85 Fr., die
Maurer 7,50 Fr., die Dachdecker 7,35, die Gold—⸗
ichmiede, Bäcker, Schmiede, Tischler, Dekorations—
maler, Ofensetzer, Bildhauer, Metalldrechsler,
Fr., die Hutmacher, Buchdrucker, Schlosser
3,50Fr. die Fleischer, Ziegelbrenner, Wagenbauer,
Kupferschmiede, Messerschmiede, Husschmiede,
Uhrmacher und Bleigießer 6 Fr. Die niedrigsten
Durchschnittslöhne erzielten dieFriseure (3Fr.), die
Schuhmacher (3,50 Fr.), die Gärtner (3,75 Fr.),
die Weber (8,85 Fr.), die Steinbrecher, Seiler
und Töpfer (4 Fr.). Es ist hierbei zu beachten,
daß die genannten Lohnsätze Durchschnittssätze
für die einzelnen Berufe sind, daß es Arbeiter
ziebt, die bedeutend über und bedeutend unter
dem angeführten Satz verdient haben.
Von den Pariser Arbeiterinnen wurden
— bei Selbstbeköstigung — bezahlt die Korset—
aäherinnen und Damenschneiderinnen mit 2 Fr.
äglich, die Wäscherinnen, Spitzenmacherinnen,
Blumenmacherinnen und Schuhstepperinnen mit
3 Fr., die Handschuhmacherinnen mit 4 Fr.,
die Stickerinnen mit 4,25 Fr.
Ueber die Bezahtung des Handelspersonals
sei Folgendes hervorgehoben. Commis erhielten
im Jahre 1880 in Paris durchschnittlich 1200
Fr. In der Provinz beträgt der durchschnitt—
liche Gehalt nur 9009 Fr, Comptoirgehülfinnen
erhielten in Paris durchschnittlich jaͤhrlich 800
Fr., in der Provinz durchschnittlich 616 Fr.
Die Ladenmädchen erzielen namentlich in Paris
nur kärgliche Löhne, so daß sich sogar die ge—
wöhnlichen Dienstmädchen besser stehen. 400 Fr
ist der Durchschnittsjahresgehalt (d. ist 320 Mk
ährlich oder 26354 Mt. monatlich!) der Pariser
Ladenmüädchen. Beim männlichen Handelsper—
ional sahen wir, daß die Löhne in der Provinz
sich bedeutend niedriger als in Paris stellten,
bei den Ladenmädchen tritt der umge—
gekehrte Fall ein, sie erhalten in der Pro—
vinz höhere Löhne als in Paris, und zwar
)urchschnittlich 478 Fr.
Die Bezahlung der Dienstboten ist in Paris
zöher, als in der Provinz. Die Löhne der
Diener bewegen sich in Paris zwischen 400
bis 1000 Fr. der Durchschnittsgehalt beträgt
600 FIr., in der Provinz wechseln sie zwischen
322 und 546 Fri, der Durchschnitisgehalt ift
111 Ir Für Kutscher, Stallknechte'ec. sind
ie Löhne, was Paris anlangt, die gleichen wie
für Diener, in der Provinz erhalten sie etwas
mehr wie die Diener. nämlich durchschniulich
141 Fr.
Weibliche Dienstboten, Köchinnen, Dienstmäd—
hen ec. erhalten in Paris 300 600 Fr., durch⸗
chnittlich 800 Fr. In der Provinz bewegen
sich die Löhne für gewöhnliche weibluche Dieuft—
boten zwischen 272 bis 454, der Durchschnitts
lohn beträgt 299 Fr., während die Löhne der
Köchinnen zwischen 261 —437 Fr. varüeren und
der Durchschnittslohn 330 Frheträgt.
) Aus diesen Zahlen darf vielleicht nicht mit Unrecht
oarauf geschloffen werden, daß die Lebensmittel in Paris
illiger geworden oder wenigstens nicht in dem Maße
vie sonstige Artikel gestiegen sind, während sie in der
Provinz fich zwischen 1877 und 1880 entweder auf
eeihen Stufe gebalten baben ador vielleicht noch etwat

Im Großen und Ganzen geht aus diesen
Zahlen hervor, daß Frankreich und Paris nicht
eine Goldgrube der Lohnarbeiter ist, wofür es
mmer gehalten wird, und daß nur die Löhne
pelernter Handwerker dort im Durchschnit!
zöher sind als bei uns. —

bürgerliche und landwirtschaftliche Baukunde
Baumaterialienkunde, Bauführung, Kenntnis der
nuf die Bau⸗ und Feuerpolizei bezüglichen all⸗
zemeinen Vorschriften, Feuerlöschwesen. Der
Gesichtspunkt, von dem aus alle Aufgaben in
den praktischen Fächern gegeben werden, ist der,
daß die zu Prüfenden sich über den Besitz der—
senigen Kenntnisse und Fertigkeiten auszuweisen
haben, welche notwendig sind, um im Gebiete
des bürgerlichen Bauwesens Pläne, Beschreibung
und Kostenvoranschläge in der Ausdehnung auf
ämtliche dabei zusammenwirkende Gewerbe zu
»ntwerfen und die Ausführung derartiger Bauten
m ganzen Umfange zu leiten. Diejenigen, welche
in der Prüfung bestanden haben, erlangen hier⸗
zurch die Bezeichnung „Werkmeister“

—A
für den Kleinbetrieb.
Die Wohlfahrt der Völker wird alljährlich
purch immer neue Entdeckungen und durch eine
mmer bessere Verwendung der Naturkräfte weiter
zjefördert. In dem verflossenen Jahr 1883 hat
amentlich die Elektrizität eine hohe ökonomische
Bedeutung erlangt und auf der elektrischen Aus
tellung in Wien glänzende Siege erstritten.
Die Naturkraft der Elektricität ist nach den im
Telegraphen und im Telephon erzielten Erfolgen
neneuerer Zeit namentlich für die Beleuchtung
ind endlich als Kraftmotor in den verschiedensten
Formen verwendet worden. Noch bedeutungs—
oller als die Ausführung elektrischer Eisenbahnen
rscheinen die Aussichten, welche sich für die
Verwendung der elektrischen Kraft in der In—
zustrie eröffnen.
Die Maschinen haben erst die Großindustrie
nöglich gemacht und allmählich das Handwertk
und die Hausindustrie eingeengt. Die ökono—
nischen und sozialen Consequenzen dieser Ent—
vickelung waren enorm und wir stehen auch
jeute noch inmitten der durch dieselben herbei—
geführten Umwälzungen. Mit Recht hat der
„DOesterr. Oekonomist“ am Schlusse der Wiener
elektrischen Ausstellung darauf aufmerksam ge—
nacht: „daß sich nun die Möglichkeit eröffne,
zurch Verwendung elektrischer Kraftmotoren den
leinen Betrieben wieder einen Aufschwung zu
jeben und eine bedeutsame Wendung in der Pro—
zuktion herbeizuführen. Wir stehen vielleich!
in der Schwelle von Veränderungen, die nicht
aur in ökonomischer, sondern auch in sozialer
ind kultureller Beziehung eine neue Aera er—
iffnen, die der Menschheit zum Nutzen gereicht.“
Es wird vor allem darauf ankommen, die neuen
Verwendungsarten der Elektrizität wirtschaftlich
nöglich, d h. coneurrenzfähig zu machen. Jede
Reuerung hat mit den bestehenden Einrichtungen
inen mehr oder weniger heftigen Kampf zu be
tehen. Die angewandte Elekfrizität wird nur
ann eine neue Epoche bringen, wenn sie eint
illigere Produktion gestattet, als heute möglich
st. Die Chancen sind nicht ungünstig und die
ßütererzeugung hat Aussicht, in eine neue Phase
u treten. Der dadurch herbeigeführte Fort
chritt schließt gewiß eine Vermehrung des Wohl
tandes der Völker und eine günstigere Lebens
ührung auch der unteren Schichten der Gesell
haft in sich.
Prüfungen für Baugewerkmeister
in Baden.
In Baden ist soeben durch landesherrliche
zerordnung eine Werkmeisterprüfung ein—
eführt worden. Diese Prüfung ist dazu be—
timmt, die Befähigung solcher Angehörigen der
Baugewerke darzuthun, denen öffentliche Dienste
»der Funktionen im Gebiete der Staats- und
Bemeindevectretungen übertragen werden sollen
velche Kenntnisse und Fertigkeiten im Hochbau
vesen erfordern und nicht den im Faäche der
Tivilbaukunst Geprüften übertragen werden. Die
Bedingungen für Zulassung zu der Werkmeister—
prüfung bestehen in der Reichssangehörig—
keit, in der Zurücklegung des 21. Lebensjahres,
in Erreichung fachlicher Vorbildung durch Besuch
ämtlicher Kurse der Baugewerkschule oder einer
andern gleichwertigen Anstalt, endlich im Nach
weis praktischer Thätigkeit während dreier Jahre,
zon denen etwa die Hälfte dem Geschäft eines
Poliers oder Bauführers gewidmet gewesen sein
nuß, und genügender Leistungen. Die Prü—
ung (schriftliche, zeichnerische und mündliche
erstreckt sich auf Arithmetik, Elemente der Al
jebra, ebenso Geometrie und Stereometrie, Ele
nente der Trigonometrie, praktische Geometri
Behandlung der Kreuzscheibe und des Nivellier
istruments), Physik und Mechanik, Baukonstruf
IAn in Stein Hosz und Fisen Fouringsfitus

Eine Maschinistenschule.
In dem preußischen Staatshaushalts-Etat pro
884 /85 sind auch die Mittel für die Errich—
ung einer MaschinistenschuleinFlens—
Durg ausgeworfen. Die Eröffnung dieser Un—
errichts-Anstalt wird in den Kreisen unserer
Rhederei und Handelsmarine mit großer Sym—
pathie begrüßt werden. Bei der sietig anwäch⸗
senden Zahl unserer Dampferflotte steigt auch
die Nachfrage nach Maschinisten, namentlich
solchen j. und 2. Klasse, indeß das Angebot
von Ärbeitskräften dieser Urt mit dem hervor—
tretenden Bedarf keineswegs gleichen Schritt
hült. Man wird diesen Mangel an Maschi—
nisten der höheren Klassen dem Umstande zu—
chreiben müssen, daß die große Mehrzahl der
Schiffsmasahinisten sich aus dem gewöhnlichen
Arbeiterstande ergänzt, der in seiner Jugend
fkeine andere Bildung als diejenige ünserer
Volksschulen genossen hat. Bislang fehlte es
nun dieser Kategorie von Schiffspersonal fast
an jeder Gelegenheit, sich durch theoretische Fort⸗
»ildung diejenigen Kenntnisse und Fähigkeiten
inzueignen, welche für die Maschinistenprüfung
der beiden oberen Klassen erfordert werden.
Diesem Mangel abzuhelfen, soll eben die neu—
zrojektierte Maschinistenschule in Flensburg
dienen, und darf man annehmen, daß dem In—
titute seitens der nächstinteressierten Kreise die
utsprechende Förderung zu Teil werden wird.

das „Schwitzen“ der Schaufenster zu
vermeiden.
Um dem „Schwitzen“ der Schaufenster-Ver⸗
zlasung, jenem Uebelstande vorzubeugen, der
namentlich bei plötzlich eintretender Erkaltung
der äußeren atmosphärischen Luft unter Um—
ständen wohl vorkommen kann, ist es notwendig,
den ringsum abgeschlossenen Schaufensterraum
in einer permanenten Verbindung mit der
Außenluft zu erhalten. Es geschieht dies da—
durch, daß man im Glasrahmen (der ganze
Holzrahmen besteht aus dem Glas⸗ und Jalou—
jerahmen und der zwischen beiden befindlichen
Nuth), und zwar unterhalb derjenigen Leiste,
auf der die Spiegelscheibe aufruht, in der ganzen
Breite des Schaufensters eine mit einem durch—
zrochenen Zink⸗Ornament versehene, etwa 6—7
em hohe Oeffnung anbringt und diese mittelst
mehrerer, im sogenannten „Blindbogen“ befind⸗
licher Einschnitte mit dem Schaufensterraum in
direkte Verbindung setzt. Ferner ist es erforder⸗
lich, über derjenigen Holzleiste, welche oben die
Schaufenster-Verglasung horizontal abschließt,
dewegliche, aus mehreren Klappen bestehende
„Luftscheiben“ anzubringen, mittelst deren gleich—
zeitig die durch die Gasflammen entwickelten
Verbrennangsprodukte nach außen abgeführt
verden. Auf diese Weise findet eine ununter—
brochene Circulation der im Schaufensterraum
befindlichen Luft statt, wodurch vor allem eine
durch das Gas erzeugte zu hohe Temperatur,
die das Ansetzen von Schweißmassen begünstigt,
verhütet wird. Durch den Umstand, daß die
atmosphärische Luft einen ungehinderten Zutritt
in das innere des Schaufensterraumes notwen—
digerweise haben muß, wird nun freilich auch
das Eindringen des Straßenstaubes in hohem
vrade gefördert, der in verhältnismäßig kurzer
zeit zum Verderben aller im Schaufensterraum
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