Full text : 1.1883 (0001)

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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verlkehr.
Daß letzterer sein Hauptgewicht auf die Wurst⸗
macherei (Chareüterie) richtet, ist natürlich und
zegreiflich ist es auch, daß er besseres und vom
Publikum begehrteres liefern kann, als der
Metzger, der Großvieh schlachtet.
Der jetzige Zustand der Wurstfabrikation be
unseren Metzgern ist veraltet; er muß ihnen
da er faktisch das Bedürfnis des Publikums
nicht befriedigt, auch noch den letzten Rest der
Kundschaft entziehen. Es dürften deshalb zur
Hebung der Metzgerei im allgemeinen und der
Wurstfabrikation im besonderen folgendes zu
empfehlen sein:
1) Größere Arbeitsteilung;
2) Bessere, gefälligere ünd mannigfachere
hübschere und saubere Auslage im Schau—
fenster;
Anfertigung der Fleischwaren nach guten
Rezepten, mit stets frischer Schnittfläche
und öfteres Wurstmachen in der Woche, und
4) Verkauf des Fleisches nach der Qualität
Es müßte sonderbar zugehen, wenn nach diesen
Vorschlägen nicht der Fleisch- und Wurstkonsum
bei den hiesigen Metzgern zunehmen und die
beklagenswerte Einfuhr der auswärtigen Waren
sich vermindern würde.

Nr. 22
salso auf die Klasse der Handel- und Verkehr⸗
treibenden.
Frauenarbeit. Der letzten Zählung zu—⸗
folge gibt es in den Vereinigten Staaten
2647 157 Frauen, welche für ihren Lebens,
unterhalt arbeiten. Diese Anzahl verteilt sich
auf 222 Berufsklassen. Es gibt mehrere weib—
liche Bankpräsidenten und einen weiblichen In—
genieur. Diese einzige Repräsentantin des In—
genieurwesens ist keine andere, als die Frau
des jungen Röbling, unter dessen Leitung die
East⸗River-Brücke gebaut wurde. 22000 Frauen
beschäftigen sich mit Herstellung von Damen—
kleidern und an der Fabrikation von Herren⸗
kleidern sind 80000 beteiligt. Die Korsetfabri—
tation gibt 7000 Frauen Beschäftigung, und in
Tuchfabriken arbeiten 10000. Tausende von
Frauen erwerben ihren Lebensunterhalt mit Ko—
pieren, Buchhalten, Stenographieren und Tele—
zraphieren. Die Anzahl der Lehrerinnen ist
eine bedeutende und auch mit Landbau geben
sich viele Frauen ab. Man sieht, fast kein Er—
werbszweig ist den Frauen verschlossen, aber das
zroße zu lösende Problem ist die Lohnfrage.
Trotzdem es erwiesen ist, daß Frauen gewisse
Arbeiten genau so gut verrichten, wie die Männer,
wird ihnen dennoch ein viel geringerer Lohn
bezahlt.
(8) Bücherschätye. Man zählt gegenwärtig
noch 14 Bibeln, die von Gutenberg gedruckit
worden sind. Dieselben haben für Stadt—
bibliotheken und Antiquare einen Wert von
10 000 bis 100 000 Mark. Professor Faulmann
veröffentlich das Facsimile dieser Bibeln in
einer Illustrierten Geschichte der Buchdrucker—
kunst Wer weiß, welchen Schatz der Wand—
chrank eines Bauernhauses oder die Sakristei
einer Dorfkirche noch bergen maag.

*Etwas für Fleischer.
Wer Metz, Straßburg, Trier, Köln, Mann—
heim und aͤndere Städte besucht hat, dem sind
bort gewiß schon die Schaufenster der Metzger
und Charcütiers aufgefallen. In sauberer Aus—
lage zwischen Blattgrün und Blumen sind da
treffliche und delikaie Wurstwaren der mannig—
fachsten Art, Cotellets, Klops, gehacktes Fleisch,
Fisbeine, Gelee und Sülzen ausgestellt; vor
der Ladenthüre hängen maäͤchtige Rinderkeulen,
halbe Schweine, fette Hammelseiten und frisch
abgehäutete Kälber, und nicht nur das schöne
Fleisch, die propre Zubereitung, sondern auch
die peinliche Sauberkeit und Mannigfaltigkeit
eines solchen Metzgerladens gefallen und reizen
zum kaufen.
Man vergleiche demgegenüber den primitiven
Zustand der meisten Mietzgereien der Saar—
gegend. An den Fenstern derselben hängen in
der Regel mehrere Tage alte Leber- und Blut
würste, die schwarz geworden sind, verschrumpfte
Cervelat- und gelbgewordene Lyonerwurst, das
ist das ganze Inventar, dem höchstens noch ein
grob aussehender Schwartenmagen sich zugesellt
Ünordentlich, mit schwarzgewordener Schnitt—
fläche liegen Wurst- und Fleischwaren da, den
Käufer nicht einladend, sondern abschreckend. —
Und doch ließe sich so leicht hier Wandlung
ene rn Mort F Rotizen.
Für hunderttausende von ark verkaufen
Krämer und Kaufleute von auswärts, nament der eri dstgenhe ereree
daaetsetenta ee vaneaeetene eht velder dor Kurzem in Nenstadt Dberschlennen
nan dier eingeführie Fleisch und Wurstwaren abgehalten wurde, beschloß u. A. die Einführung
Ktönnte dieses nach auswärts gezahlte Geld nicht obligatorischer Innungen, Einführung von Legi
den hiesigen Metzgern zugute kommen? Wir imationsbücher für Gesellen und Lehrlinge und
meinen ganz gewiß könnte es dies. Wir glau— sprach cic 8316e In ebin w ghen
ben ferner, daß Fleisch-⸗ und Wurstverkauf sei— bg p 3 Wunenh Ioe en
tens der hiesigen Mezzger bei rationellem Betrieb zum letzten Beschlusse heiß —— stellungen
noch viel mehr gehoͤben werden könnten, und demorelisieren die Lehrlinge, Widersetzlichteit
daß dies namentlich in unseren mit trefflichen gegen die Meister seitens der Prämiierten, Reid
Schlachthäusern versehenen Städten Saarbrücker her Nichtprämiierten gegen die ilbrigen seien die
nn Ei Johenn der Fall sein konnte Folgen. In Breslau wie in Neustadt habe
We die Auslagen am Schaufenster anbe— man traurige Erfahrungen gemacht. Der Zwed
laug so wonen wle hier gleich zugeben, doß der betriebenen Ausstellungen sei lediglich der
y* 4 der Regierung zu beweisen, daß das Handwer!
es in unseren Städten einige recht proper ge⸗5 Wefi —59 doh
haltene Metzgereien gibt, welche mäßigen An— ih gan wohl befinde und w——
forderungen entsprechen, ein anderer Punkt aber angegee en —D w nnen
ist die Veschaffenheil der verkauften Wurst- und a n . i⸗ 8 F w —— p dn
Fleischwaren. Um von ersteren zu sprechen, sei zrtige Zusstellungen könnten keinen Andatt zun
due ahnt, daß in den meisten Meßgereien Beurteilung der Leistungen des Lehrlingsstandes
nur einmal in der Woche Leber- und Blutwurst hieten
gemacht wird — während dies anderwärts zwei— Die neuen vpatentierten Dampflei
mal bis dreimal geschieht. Hat bei uns am tungs-Schlauche von Wendt, Buchholtz u. Co
Freitag ein Metger Leber- und Blutwurst gee in Gelnhausen bei Frankfurt a. M. haben sich
macht, so wird soͤlche am Fenster oder an Stan- zur Verbindung der Dampfleitungen der Eisen⸗
gen aufgehängt und sie können bis zum nächsten ahn-⸗Waggons überaus günstig bewährt. Der
Freitag schwarz und schimmlig werden. Mit den Schlauch ist in jeder Beziehung solid: die aus
Znaaürflen geht es ähnlich zu; der Schwarten. Hanf- und Messingdraht bestehenden Einspin—
magen und die Fleisch (Lyouer-⸗) Wurst sind nungen genügen selbst den größten Anfordernicht
 viel besser daran. Aufbewahrung von Fleisch ingen; der dazu verwendete Gummi,ist aus
und Wurst in Eis scheint man nur in wenigen iner den Einwirkungen des Dampfes hin
Metzgereien zu kennen. Ist es da ein Wunder, länglich widerstehenden Mischung zusammengeyetz
wenhe die Wursiwaren sauer, verschimmelt, un und der Umstand, daß der Schlauch in Jeinen
angenehm fchmeckend und migenießbar werden? danzen Länge gleichheitlich hergestellt ist, ge
Wer mag von solchem Zeug kausen oder essen währleistet eine Verbindung mit den Röhren
das Tage lang im Schaufeuster von der Sonn⸗ tutzen in so verläßlicher Weise, wie sie bei den
beschienen wird und halbverwest aussieht? ewöhnlich zur Anwendung kommenden Spiral
Wer wünschle danicht, daß unsere Meister Schläuchen niemals zu erreichen ist.
auf frischere Ware nach besserem Rezepte sehen, Wie viel Dienstboten gibt es in
daß sie auf proprere Auslagen halten und dem Deutschland? Die Berufszählung im Jahre
kaufenden Hublikum mehr Entgegenkommen 1882 ermittelte u. A. die Anzahl der in Deutsch
zeigen würden? land beschäftigten, nicht gewerblichen häuslichen
Betreffs des frischen Fleisches wird noch zu Dienstboten. Dieselbe stellt sich nach der
wenig Unterschied in der Qualität gemacht. Wer Zählung auf zusammen 1324728 Personen, und
ein Schsenfilet oder von dito Keule kauft, zahlt war 1282 414 weibliche und 42514 männliche
gewiß gern einige Pfennige mehr, als der von Dem Lebens alter nach wird der größte
Bruft, Bauch und Beinen Fleischkaufende. Dem Prozentsatz der Dienstboten aus der Zeit von
armen Manne könnte so billigeres Fleisch geliefert 20. bis 30. Lebensjahr genommen. Auffallend
werden, daß er nicht zu dem haͤßlichen Fleisch ist die große Zahl der verheirateten Frauen, die
abgetriebener Pferde zu greifen brauchte. In ich im Gesindestand befinden, nämlich 1230367
Frankreich, Belgien und am Rhein verkauft gegen 16422 ledige und 35 609 verwittwete
man schon lange das Fleisch nach Qualität und Nach den einzelnen Berufsklassen der Dienst
die dortigen Metzger stehen sich dabei wahr- herrschaften entfallen auf die 8 Mill. Personen,
haftig nicht schlechter als die hiesigen. welche selbstständig Kand wirtschaft betreiben,
Die auswärtigen Metzger verstehen sich aber 120000 Dienstboten, auf die 612 Mill. In—
auch besser auf die Arbeitsteilung. Einer schlachtet ustriellen 300000, auf die 12/3 Mill
nur Ochsen, ein anderer nur Kühe, der dritte Zandel- und Verkehrtreibenden 300000
Kälber und der vierte sogar nur Schweine Hienstboten. Der größte Prozentsatz (18.8) kommt
ür pi⸗e Redaktion verantwortlich: C. Hofer Druck und Verlaa von Gohr Hof

Bücher und Zeitschriften.
Glaser's Annalen für Gewerbe und Bau—⸗
wesen Nr. 148 vom 15. August 1883. Bd. 13 Heft 4
enthält: Allg. deutsche Ausstellung aus dem Gebiete der
Hygiene und des Rettungswesens in Berlin 1883. Bericht
über Bergbau und Hüttenwesen von Bergrat Haßlacher
in Berlin. — Berein deutscher Maschinen-Ingenieure;
Exkursionsbericht; Hardy: Zweiwagen-Bremse; Apparate
zur Kontrolle der Fahrgeschwindigkeiten der Eisenbahn—
züge. — Die Schiffsmaschine, ihre Konstruktion, Wir⸗
rungsweise und Bedienung von Busley. (Referat der
itterarischen Vertretung des Vereins deutscher Maschinen—
Ingenieure.) — Deutsche Normalprofile für Walzeisen
zu Schiffsbauzwecken. Nach Aufftellung des Verbandes
deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine und der
Vereinigung deutscher Ingenieure. — Ueber Förderung
deim Bau des Arlberg-Tunnels vom Inspektor der
Staats-Eisenbahn G. Plate in Wien. — Reinigung des
Wassers für Dampfkesselspeisung ꝛc. — Berichte aus
Fachvereinen. — Deuischer Marktbericht. — Englischer
Wochenbericht von Ingenieur H. Simon in Manchester.
— Technische Prüfungskommissionen. — Personal⸗Nachrichten.
 — Patentliste. — Litteraturblatt.
Die Gewerbeordnung des Deutschen Reichs
hat bekanntlich durch die kürzlich emanierte Gewerbe—
Novelle eine durchgreifende Veränderung eriahren,
und es stellt fich in gewerblichen Kreisen allgemein das
Bedürfnis heraus, die gesamte Gewerbegesetzgebung ge—
sammelt vor sich zu haben. Wir sind in der Lage,
mitteilen zu können, daß man amtlicherseits diesem Be—
dürfnis vorgesorgt, denn der Geheime Negierungsrat und
vortragende Rat im Reichsamt des Innern, Herr T.
Bödiker, hat im amtlichen Auftrage das „Gewer be—
recht des Deutschen Reichs“ in einem starken
Bande bearbeitet, der im Herbst d. J. in R. v. Deckers
Verlag Marquardt u. Schenck in Berlin erscheinen wird.
Dieses Werk wird in der Einleitung die Entstehungsund
 Entwicklungsgeschichte der Gewerbeordnung dar⸗
stellen und sich dann in verschiedenen Kapiteln über die
Reichsverfassung, den Zollvereinigungsvertrag, das Frei—⸗
ügigkeitsgesetz, die Postz, Zoll- und Steuergesetze, das
Sirafgesetzbuch, soweit diese Gesetze in die Materie einzreifen,
 auslassen. Es folgen dann die Ausführungs-Verordnungen
 über Verkehr und Anlagen verschiedener
Bewerbszweige, das Krankenkassen- und Haftypflichtgesetz,
Preß-, Nahrungsmittel- und Viehseuchengesetze, Patent⸗,
Markenschuß⸗ und Urheberrechtsgesetze, Maß— und Ge—
wichtsordnung, Münz- und Bantgesetz, Beschlagnahme
des Dienstlohnes, Wucher, Inhaberpapiere, Erwerbs⸗ und
Wirtschaftsgenossenschaften, Handelsverträge, Litteratur⸗
konventionen ꝛc. Das Werk wird sonach in erschöpfen⸗
der Weise alles Material inbezug auf das Gewerberecht
zusammenfassen und selbstverftändlich jede Garantie der
Zunerlässiakeit bieten
            
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