Nr. 21
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
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ehr vorhanden ist, die bisher von der Finanz⸗stätten wurde mit Freuden begrüßt und bei damal⸗
8— dehen — bei den Gerichten I hiesiger Werkstätte stattfindenden Erweite.
Geliung zu bringen, so mag in Zukunft auch von den rungsbauten wurde nunmehr für Anlage eines
Verwaltungsbehörden nach der dem Erkenntnis des hefonderen Raumes gesorgt, in welchem die
Reichsgerichts vom 25. Dunn en w eee Dehrlinge unter Aufsicht eines Meisters gemein—
Auffass en werden. 7
dr Dae wdee ahee — — * on im praktischen Arbeiten unterrichte!
s ä ieser Art, auch über die Lieferung n. J
AI oder Baumaterialien, — „Die beschränkende Bestimmung, daß der Lehr—
Slempel von' hochflens 1,50 Mtk. unterworfen, welcher ing, bereits das 18. Jahr erreicht haben und
wegen der Stempelfreiheit des Fiskus nur in der dar Hereits bei einem Meister in Arbeit gestanden
flelbbaren Halfte von 1 Mt. zu verwenden ist. haben sollte, fiel fort, da es sich zweckmaͤßiger er
Die Jinangvermalcung ist Ve rerut durch di wies, die jungen Leute bereits mit 14 Jahren auf
scheidung des vormaligen Obertribuna 7
e uee gehmen andemheuiticherunceregem vrdwgrre
Justizministerialblatt S. 148), bisher von der Annahme ehrer au n 4 sch lenso dar es ur Vr—
ausgegangen, daß die nach Allgem. Landrecht zu beur⸗ linge schon übers hritten, ar es z
eeee er lo rbin dunga berr ä ge in welchen meidung großen Zeitverlustes dienlicher, stat
der Uebernehmer zugleich zur Hergebe der Matexialien Besuchs der Handwerkerfortbildungsschule durch
sich verpflichtet, zum Zweck der Stempelberechnung in besondere Lehrer in den Räumen der Werkstätte
zwei getrennte Verträge — einen Vertrag über Liefe— uinterrichten zu lassen, und so erhalten dieselber
rung der Materialien und einen Arbeitsvertrag, zu zer⸗ Unterricht von zwei Lehrern des Gymnasiumsẽ
wegen Fien. und daß daber zu sotchen Vertragen eben und einem Technsker der Hauptwerkstätte im Deut
dem allgemeinen Vertragsstempel zu dem Arbeitsvertrage R 6 trie den Anfangen der Physik
der Lieferungsstempel von n!/8 Prozent von dem Wert schen, Rechnen, Geometrie, g Pyy
der Materialien zu verwenden sei. Dagegen hat das Paterialienkunde, Freihand⸗ und Linearzeichnen
Reichsgericht wiederholt entschieden, daß der Werkoer. Wie segensreich diese Ausbildung auf die Lehr
dingungsverwendung, auch wenn der. Uebernehmer danach linge gewirkt hat, wurde in der 1881 stattgefun—
die Maͤterialien herzugeben hat, inbezug auf die Stem- denen Handwerker- und Gewerbeausstellung vor
pelvertrag als ein einheitlicher Vertrag anzusehen und St. Johann⸗Saarbrücken nachgewiesen, wo ein
demnach nur dem ailgemaͤnen Vertragsstempel. von gropßze' Anzahl durch die Lehrlnge angefertigte—
150 Mt. zu unterwerfen sei. Die Frage hat fur die Irbeiten dem größern Publikum vorgelegt wer
Finanzverwaltung ihre wesentliche Bedeutung verloren, intene die ausgefielten Zeichnunger
nachdem im obigen der Auffassung des Reichsgerichts den konnten. uch ie ausg ge
inbezug auf die Auslegung der Allerhöchsten Kabinets zeben beredtes Zeugnis von dem regen Fleiß
Ordre vom 30. April'1847 hat Folge gegeben werden und der richtigen Anleitung der Lehrlinge.“ —
müssen. Von den Verwaltungsbehörden mag daher in
Zukunft auch inbetreff der erwähnten ferneren Frage,
nach der Auffassung des Reichsgerichts verfahren wer—
den, wodurch zugleich eine Gleichmäßigkeit in der Be—
steuerung zwischen dem Geltungsgebiet des Allgemeinen
Landrechts und demjenigen des rheinischen und gemeiner
Rechts andererseits hergestellt wird.
Der Finanz-Minister.
Zur Entwickelung
der Eisenbahn-Lehrlings-Werkstätte
in St. Johann-Saarbrücken.
Es liegen uns hierüber Mitteilungen vor
welche uns allerdings bereits vor etwa zwei
Jahren gemacht wurden, die aber auch heute
noch zutreffen. Diese Mitteilungen lauten:
„Mit Eröffnung der alten Saarbrücker Eisen—
bahn im November 1852 wurde gleichzeitig der
Grundstein zu einer für den Betrieb notwen—
digen Reparaturwerkstätte auf dem Bahnhofe
Saarbrücken gelegt. Infolge der raschen Ent—
wickelung des Verkehrs zählte diese Werkstätte im
Jahre 1864 bereits 365 Arbeiter. Schon da—⸗
mals machte sich öfter der Mangel von gut ge—
schulten Arbeitern fühlbar, es wurde deshalb
seit dem Jahre 1864 zugelassen, daß Söhne von
in der Werkstätte beschäftigten Arbeitern, welche
das 15. Jahr erreicht hatten, unter spezieller
Aufsicht des Vaters und der betreffenden Vor
männer als Lehrlinge zur Ausbildung zugelassen
wurden. Da mit den auf diese Weise vorge—
bisdeten Arbeitern gute Resultate zu verzeichnen
waren und im Jahre 1852 infolge des großen
Aufschwunges der Industrie eine große Anzahl
Arbeiter die Werkstätten verließ und gute Arbeiter
schlecht zu haben waren, wurde, um den Ausfall
an Arbeitern zu decken, die Lehrlingsfrage dahin
geregelt, daß die Zahl der jährlich aufzunehmen
den Lehrlinge auf 12 festgesetzt wurde, daf
dieselben das 15. Lebensjahr erreicht haben
müßten, daß auch Söhne von Beamten als
Lehrlinge eingestellt wurden und die Lehrzeit
3 Jahre dauern solle. Diese Zeit wurde aus
dem Grunde auf 3 Jahre festgesetzt, weil gleich—
zeitig an die Aufnahme die Bedingung geknüpft
wurde, daß der Einzutretende schon anderwärts
die ersten Anfänge des Handwerks gelernt haben
sollte. Die auf diese Weise neu eingestellten
Lehrlinge zeigten jedoch große Lücken inbezug
auf, ihre elementare Ausbisdung und um hierbei
nachzuhelfen, wurde mit der Virektion der hie—
sigen Gewerbeschule eine Vereinbarung dahin ge—
troffen, daß die Lehrlinge die von der Gewerbe
schule aus geleitete Handwerkerfortbildungsschule
besuchen mußten.
„Das im Jahre 1878 erfolgende Vorgehen des
Ministeriums zur allgemeinen Regelung des Lehr—⸗
lingswesens bei allen staatlichen Rebaraturwerk
dieses dunkle Bild, indem er des Längeren dar—
legt, daß das Anpflanzen amerikanischer Reb—
stoͤcke die besten und glücklichsten Resultate er—
geben haben und daß heute schon 20000 Hec⸗
tar derartig mit größtem Erfolg neu ange—
pflanzt seien. Herr Lallande dringt daher mit
Energie auf die Anpflanzung amerikanischer
Rebsiöcke und um den Weinbauern, die durch
den Ausfall der letzten Jahre so schwer geschädigt
sind und denen es daher vielfach an den Mitteln
jehlt, diese Wiederanpflanzung vorzunehmen, zu
jelfen, schlägt er vor, daß eine Million in das
Budget von 1884 eingeschrieben werde, als Zins⸗
garantie für die Darlehen an Weinbauern zur
Wiederanpflanzung ihrer Weinberge mit ameri—
kanischen Rebstöcken. Allerdings hat der Finanzminister
angesichts der Lage des Budgets seine
Bedenken gegen diesen Antrag geltend gemacht,
doch ließ sich die Initiativ-Kommission dadurch
nicht abhalten, denselben einstimmig zu befür—
worten, da sie mit Recht das Wiederaufhelfen
des Weinbaus als eine Lebensfrage für Frank—
reich ansieht.
Deutschlands Ausfuhr im ersten
Semester 1883.
Die jetzt bis Ende Juni vorliegenden Aus—
veise über den Warenverkehr Deutschlands mit
dem Auslande zeigeun auf jeder Seite einen sehr
erfreulichen Aufschwung des Verkehrs, der durch
das ganze Semester angehalten hat. Während
Frankreich und auch ein Teil der englischen In—
dustrie über Stockungen im Export klagt, haben
wir nunmehr schon seit drei Jahren unsere
Warenausfuhr unausgesetzt zu steigern vermocht.
An dieser Steigerung sind zwar so ziemlich alle
Industrieen, insbesondere auch die kleineren,
heteiligt, den Löwenanteil hat aber doch die
Montanindustrie, für welche die Vermehrung
der Exportgelegenheiten eine Lebensfrage ist.
Die Einfuhr ist in den meisten Industriezweigen
eils infolge der Zollerhöhungen, teils weil
insere heimische Industrie selber leistungsfähig
zenug ist, auf ein sehr niedriges Niveau ge—
sunken, höchstens in Garnen und Roheisen sind
vir in gewissem Sinne noch vom Auslande ab—
hängig. Um den Forftschritt in den letzten drei
Jahren zu veranschaulichen, stellen wir hier die
Exportziffern in den wichtigsten Industrieen für
das erste Semester 1880 und 1883 gegenüber:
Erstes Semester—
1880. 1883.
Mt. Mt.
Eisen und Eisenwaren 521700 557230
Kohlen und Ko 670284 429200
Baumwoͤllwa 11682 11405
Wollenwar 96 302 10477
Leinenwa 2076 1663
Zucker 39503 208474
Bier 49843 62693
Blaswaren 27669 38022
Papierwarei. 21806 41703
Lederwaren 1911 2641
Thonwaren 11478 14639
* Der Weinbau in Frankreich.
Ueber die Lage des Weinbaus in Frank
reich hat der Deputierte der Gironde, Herr
Lallande, Präsident der Handelskammer von
Bordeaux, letzthin der parlamentarischen Ini—
tiativ-Kommission einen sehr instruktiven Bericht
verlesen, welcher zugleich einen Antrag auf Ge—
vährung eines Staatskredites zur Anpflanzung
amerikanischer Rebstöcke empfiehlt. Der Berich
zibt eine Reihe noch unbekannter Ziffern, aus
zenen man sich eine genaue Vorstellung von
den Verheerungrn der Phylloxera machen
tann. Das Bild stellt sich hiernach folgender
maßen dar:
Durch die Phylloxer
Flächeninh. der Wein— vollständig zer⸗
pflanzungen vor der störte Flächen bis zu⸗
Departements. Phyuorera. i. Sttober 1882.
Bouches⸗-du-Rhöne 46691 hoa 45 248 ha
Vaucluse 32 000, 31000,
Fard —J 98781
Droͤme as 257 29 607,
Ardeche 171, 25 515,
Herault 8 000, 168 095,
Lar. 90 327, 54 086,
Lot .. 65817, 38128,
Tharente.. 116206, 49 829,
„⸗Inférieure 168 945 72340
Total .. 871 755 ha 612 629 ha
weitere von der Phylloxcra
leilweise ergriffene Departements:
1544 231 ha 151 170 ha
Summa. 2415 986 ha 763 799 ha
Die Departements, in denen die Phylloxera
bisher noch nicht aufgetreten, sind hier nicht mit
einbegriffen. Es ergibt sich hieraus, daß vier
der wichtigsten Wein⸗Departements ihre Wein—
berge fast vollständig verloren haben und mehrere
andere zwei Drittel oder die Hälfte. Zu jener
763 799 vollständig zerstörten Hectaren kommen
dann noch 642 978 Hectar, die gleichfalls von
der Phylloxera schon angegriffen sind, so daß
man eine Gesamtsumme von 1406777 Hectaren
erhält, in denen die Phylloxera bereits aufge
treten ist, also mehr als die Hälfte des ganzer.
Flächeninhalts der französischen Weinberge. Die
dadurch für Frankreich erwachsenden Verluste
sowohl durch die Zerstörung, als durch die Ver
schlechterung der Weinberge, sowie durch den
Wegfall oder die Verminderung der Weinernten
sind auf über fünf Milliarden zu schätzen. Die
ökonomischen Folgen dieser traurigen Lage der
französischen Weinkultur haben auch bereits da—
hin geführt, daß Frankreich heute genötigt ist,
für 500 Millionen Franken Wein und andere
Betränke einzuführen. Der Bericht des Herrn
Lallande gibt jedoch auch einigen Trost für
*—
Aufschwung des Schmiedegewerbes
in Berlin.
Merkwürdig und erfreulich ist in Berlin
die Liebhaberei der Privatleute für Schmiede—
eissen. Soviel auch die öffentlichen Anlagen
zu wünschen lassen, an Privatbauten in Berlin
hat mehr schmiedeiserner Zierrat moderner Ar—
beit seinen Platz gefunden als in einer andern
deutschen Stadt. Thore, Gitter, Rampen, Schutz⸗
dächer, sogar eiserne Treppen im Innern lassen
ich fast an jedem soliden neuen Hause nachweisen.
Infolge dessen hat das Schmiedehandwerk in
Herlin einen Aufschwung genommen, wie nirgend
sonst. Von Berlin aus werden für die ganze
Welt die größten und schwierigsten Werke aus—
Jeführt. Kirchen-Ausstattungen für
Newyork, Einfahrtsthore fürLondon,
für die Türkei kommen unter den Arbeiten
er großen Berliner Werkstätten neben umfang—
reichen Arbeiten für die deutschen Städte.
ramentlich des Nordens vor