Full text : 1.1883 (0001)

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wohl imstande sein, vielleicht nicht billiger als
England Schienen zu produzieren, indessen mög
licherweise billiger als dieselben in Konkurren;
mit spanischen Schienen von England nach vielen
Punkten Spaniens geliefert werden können
Die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten können
unter Umständen zu einer größeren Ausdehnung
des basischen Prozesses in England führen, welches
dazu gedrängt werden würde, sich unabhängig
von dem spanischen Erze zu machen, welches jetzt
in großen Mengen dort Verwendung findet.

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 20

Schienen⸗ und Maschinenfabrik besitzt. In letz—
terer Fabrik wird augenblicklich der fuͤr den
Schiffbau im Schwarzen Meer erforderliche Stahl
angefertigt.
Der Uebertrag der verpfändeten Aktien unt
Obligationen an die neue Gesellschaft finde
nach folgenden Modalitäten statt. Die Re
gierung üͤbernimmt käuflich mehr als 7 000 000
Pud — 120000 Tonnen Schienen zu 1 Rubel!
53 Kop. per Pud — Mk. 190 per Tonne, an⸗
statt für dieselben, wie in früheren Jahren, *
Rubel 13 Kop. per Pud — Mk. 265 per Tonne
zu zahlen. Die bisherige sehr komplizierte Zinsen
und Kostenverrechnung kommt hierbei mit einem
Schlage zu Ende. Die Schulden der Gesell
schaft werden für getilgt erklärt, und die Re—
zierung ihrerseits erhält an Zahlung 7 000 00
Pud — 120000 Tonnen Schienen und Zube
hör. Rechnet man hierzu die von anderen Ge—
sellschaften in ähnlicher Weise übernommenen
Artikel, so findet sich, daß die Staatsbehörde
runmehr über mehr als 17 000 000 Pud, d. h.
über mehr als 300 000 Tonnen Schienen, nebsi
500 Lokomotiven und 8000 bis 9000 Eisen—
bahnwagen in bester Ordnung, verfügt, und für
alles das ist kein Pfennig mehr zu zahlen.
Figentümlich ist nur der Umstand, daß, während
dieser gesamte Bahnbedarf sich in einem Teile
des Reiches vorfindet, die im Bau begriffenen
Fisenbahnen am entgegengesetzten Ende von
Rußland gelegen sind. So befinden sich z. B.
die Schienen und Locomotiven in St. Peters—
zurg, wogegen die bedeutendste der projektierten
Bahnlinien (Jekatarinenburg-⸗Tiumen) nach Si—
zirien führt.

Zwangs⸗Innungen.
Mehr als 500 Webermeister aus Krefeld und
der Umgegend hatten an die Regierung zu
Düsseldorf eine Eingabe gerichtet, in welcher
sie die obligatorische Innung als das Ziel, wel—⸗
hes der Weberstand erstreben müsse, bezeichneten,
während sie in dem Beitritt zu den freien In—
nungen nur insofern einen Nutzen für die We—
ber erblicken zu können erklärten, als derselbe
den ersten Schritt zur obligatorischen Innung
abgebe. In der von der Düsseldorfer Regierung
erteilten Antwort erklärt die Regierung, daß sie
die Auffassung der Petenten von der Notwen⸗
zigkeit obligatorischer Innungen nicht teile, in—
dem sie folgendes ausführt:
„Wir glauben, daß die Eingabe die Erreich—
harkeit und Wirkungen der Zwangsinnungen
ebenso sehr überschätzt, als sie die von den freien
Innungen zu erwaärtenden Vorteile verkennt.
Daß letztere durch bessere Ausbildung der Lehr—
linge und Gesellen, durch Errichtung von Hilfs—
kassen und gemeinsame Vertretung der Weber—
interessen höchst nützlich für ihre Mitglieder und
segensreich für den ganzen Weberstand wirken
können, ist wohl unbestreitbar. Durch die Ver—
einigung der Innungen zu einem Innungsver—
bande und das Zusammenwirken mit dem Nieder⸗
cheinischen Fabrikantenverbande wird diese segens—
reiche Wirksamkeit sehr erheblich verstärkt und
die Möglichkeit geschaffen, eingetretene Mißstände
erfolgreich zu bekämpfen. Als solche Mißstände
haben wir in der an die linksrheinischen Land⸗
räte gerichteten Cirkularverfügung vom 27. Ja—
nuar er. namentlich bezeichnet die Verleitung
zum Kontraktbruch, die Beschäftigung ungeübter
Kräfte und das vorzeitige Selbststaͤndigwerden
und Heiraten in Zeiten des Aufschwungs, sowie
das Lohndrücken und die Preisschleudereien ein—
zelner Fabrikanten in Zeiten des Niederganges.“
Die Eingabe hält eine wirksame Bekämpfung
dieser Uebelstände nur möglich, wenn alle Weber
und Fabrikanten gesetzlich zu Zwangsverbänden
dereinigt werden. Nach unserer Ansicht läßt
sich diesen Uebelständen auch schon dann erfolg—
reich entgegentreten, wenn die Mehrzahl der
üchtigen Weber und der soliden Fabrikanten
den freien Innungen und Verbänden beitritt.

Fortschritt der russischen Industrie
Nach einer Korrespondenz des Ironmanger aus
St. Petersburg, den 24. Mai.)
Die seit einiger Zeit in der Geschäftswel:
verbreiteten Geruͤchte betreffs der Hüttenwerke
und Maschinenfabriken scheinen sich bewahrheiten
zu wollen. Der Regierung ist es überaus da—
rum zu thun, die sehr lästigen Verpflichtungen
los zu werden, die sie vor einigen Jahren über
nommen hatte, um die Errichtung von Schienen⸗
Lokomotiv⸗- und Eisenbahnwagenfabriken im
Lande zu fördern. Diese Verpflichtungen be—
standen bekanntlich darin, daß die Regierung
sich anheischig machte, gewisse Prämien per Pfd.
oder per Stück zu zahlen oder gewisse Aufträge
zu erteilen, ohne recht zu wissen, was sie mi
den betreffenden Produkten anfangen könne.
Unter den von der Regierung in dieser Weise
subventionierten Fabriken ist die bekannteste die
nach ihrem Gründer, Putiloff,“) benannte und
noch immer seinen Namen tragende. Allerdinge
existiert diese Fabrik bereits seit 1828, und is
hintereinander in den Händen der Herren Evans
Ogareff und J. Dye und Komp. gewesen: allein
bis vor zwanzig Jahren war sie nicht sehr be—
deutend und man baute dort nur Brücken, auch
wurde nur ein Teil des erforderlichen Eisens
an Ort und Stelle gewalzt. Als Putilofj
(„Nikolaj Iwanowitsch“) sie an sich brachte, war
seine Absicht, in Verbindung mit seinen Hüttenwerken
 und Hochöfen in Finnland eine Art Staats
fabrik daraus zu machen, in der alle in Ruß
land erforderlichen Schienen und sonstiger Eisen
bahnbedarf aus russischen Materialien hergestell
werden sollten. Ein mit der Regierung abge—
schlossener Vertrag für Lieferung von eisernen
Schienen zu ungefähr 400 Mark per Tonne
setzte Putiloff in den Stand, ein Walzwerk in
größerem Maßstabe einzurichten, die Hochöfen
in Finland auszubauen, und dem gesamten An—
wesen Arbeit auf zehn Jahre zu sichern. Um
die damalige Zeit wurden die ersten Stahl—
schienen in Rußland eingeführt, und auf der
Vorsbay⸗Strecke der Eisenbahn St. Petersburg
Moskau aufgelegt. Putiloff stand in Verbin—
dung mit den Beteiligten, und dieser Umstand
führte dahin, daß er auf seiner Hütte einen
kleinen Bessemer schen Apparat versuchsweise
auffstellte.
Nach Ablauf von zwei Jahren wurde ein
neuer Vertrag abgeschlossen für Herstellung von
Stahlschienen und behufs Einrichtung von einer
großen Stahlfabrik. Dieses Unternehmen kam
zuletzt in die Hände einer Gesellschaft, die in—
deß nicht besonders reussierte. Bedeutende Miß—
stände erwuchsen hieraus. Es wurden erhebliche
Quantitäten Schienen angefertigt und bei der
Reichsbank verpfändet, und sodann streckte die
Regierung der Gesellschaft Geld vor gegen Hin—
terlegung von Aktien und Obligationen, bis sich
zu guter Letzt die Ueberzeugung Bahn brach,
daß ohne erneute Hilfe seitens der Regierung
das Unternehmen sich nicht auf den Beinen
würde halten können. Vor etwa drei Jahren
ging Putiloff mit Tode ab, und die Regierung
machte sich alsdann an die Ausführung mehrerer
seiner Entwürfe, darunter die Herstellung des
neuen Hafens mit den zugehörigen Eisenbahnen
und Warenlagern. Die Fabrik selber gelangte
in die Hände einer neuaufgebauschten Gesell
schaft. Einige von Putiloff's Genossen wurden
Mitglieder oder Aktionäre dieser Gesellschaft,
und dieser letzteren gesellt sich ein Zweig—
verein zu, der im Innern des Landes eine
»Die Putiloff'jche Fabrik ist am 830. April d. J

Ein französisch⸗deutscher Wettkampf.
In der chinesischen Gesandtschaft zu Berlin
jerrschte über die Resultate der Probefahrt der
hinesischen Panzerkorvette, Ting-Yuen“ in Eckern
örde nur eine Stimme des Lobes und der un—
geteilten Anerkennung. Der in chinesischen Staats—
diensten stehende französische Marineoffizier
Gicquel war von seinen Landsleuten verdächtig
worden, die Ausrüstung des erwähnten chine
sischen Panzerschiffes ꝛc. zu leiten. Thatsächlich
hat jedoch Herr Giequel weder mit der Aus—
rüstung dieses Panzerschiffes noch mit den an—
deren in Deutschland auf chinesische Rechnung
zemachten Bestellungen irgend etwas zu schaffen
Die Anwesenheit dieses Herrn bei den beiden
Probefahrten hat vielmehr eine ganz andere
Vorgeschichte. Als der chinesische Gesande Li—
Fong⸗Pao in Berlin nach Panzerschiffen für
Thina Umschau hielt, um Bestellungen zu machen,
und sich mit dem ihm als Dolmetsch-Sekretär
beigegebenen Dr. Kreyer (der schon seit 16 Jahren
in chinesischen Diensten steht und in China wohl
angesehen ist) zunächst in Deutschland sich um—
ah, trat Gicquel mit Entschiedenheit dafür ein
die Bestellung von Panzerschiffen in Frank
reich zu machen. Er begründete die Bevor
zugung französischer Schiffswerften hauptsächlich
damit, daß Deutschland auf diesem Gebiete nock
nichts geleistet habe, zum Teil Materialien zum
Schiffsbau bis in letzterer Zeit hinein sogar
elbst vom Auslande bezogen habe, und daf
demzufolge die älteren französischen Werfter
mehr Vertrauen als die noch junge deutsche
Schiffsbauinduftrie verdienten. Kreyer trat da—
gegen für den deutschen Schiffsbau ein, dem
bensoviel Vertrauen entgegenzubringen sei, wie
den französischen und englischen, da die Deut
chen ebenso gut und preiswürdig zu liefern im
Stande seien. Das chinesische Staatsinteresse
erfordere vorurteilssrei an die Sache zu gehen
Und so geschah es auch. Die Bestellung wurd«
an den Stettiner „Vulkan“ vergeben und in
welchem Maße die deutsche Schiffsbauindustrie
das ihr entgegengebrachte Vertranen gerecht—
jertigt hat, sagt der Schlußerfolg mit dem auch
der Kampf Dr. Kreyer contra Gicquel mit der
bedingungslosen Kapitulation des Letzteren sein
Ende erreichte. Derselbe war von dem Ge
andten Li⸗Fong⸗Pao noch berufen worden, um
ich selbst davon zu überzeugen — wie Vorzüg
liches die von ihm verkannten Deutschen geleiste
haben R. T.

Die Zukunft der Handwerker.
Man kann nicht ohne Besorgnis auf die
zünftige Bewegung blicken, welche einen Teil
des deutschen Handwerkerstandes ergriffen und
sich auf dem letzten Handwerkertage in Hannover
sogar zu einer Anfeindung des Maschinenwesens
verstiegen hat. Je mehr sich die Berufsstände
solieren, um so einseitiger werden ihre Forde—
rungen. Die Lehren der Wirtschaftsgeschichte,
die Gewerbeverhältnisse anderer Völker, die Be—
dürfnisse der übrigen Volksklassen, die Strömun—
gen des Weltverkehrs und die Großindustrie in
unmittelbarster Nähe scheinen für gewisse klein—
gewerbliche Kreise gar nicht vorhanden zu sein;
man verschließt die Augen vor den Folgen des
Maschinenwesens und Großverkehrs und erwartet
das Heil von formalen Aenderungen der Ge—
werbeverfassung. Gegen diese verzweifelte und
die industrielle Stellung unseres Volkes ernftlich
bedrohende Strömung wendet sich ein längerer
Aufsatz im „Arbeiterfreund“, worin der Ver⸗
sasser, Handelskammersekretär Steglich, ausführt,
‚daß die letzte Entscheidung über die
Zukunft des Handwerks auf techni—
schem Gebiete“ und daß die Handwerker
nnere Reformen gewerbstechnischer und handels—
technischer Art anstreben müßten.
Die Klagen über den Niedergang des Hand—
werks sind nicht erst unter der Geltung der
Gewerbefreiheit entstanden. Der tiefere und
ausschlaggebende Grund für die Schwierigkeiten
des Kleingewerbes ist in den Fortschritten der
modernen Technik, in der Konkurrenz der Kraft—
motoren mit der Handarbeit und in der dadurch
wie durch die Verbesserung der Kommunikations—
mittel erleichterten Konkurrenz der Großindustrie
zu suchen. Das Kleingewerbe muß sich dessen
mehr, als seither geschehen, bewußt werden, die
Arbeits- und Handelsvorteile der Großgewerbe
sich durch geeignete Einrichtungen zu Nutze
nachen und dadurch den Konkurrenzkampf mit
der Großindustrie zu bestehen suchen

nacrhbraon
            
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