Full text : 1.1883 (0001)

Saurbrützer Gewerbeblutt

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Machdruck unfe⸗

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N 20.
Englische Urteile über die deutsche
Eisenindustrie in Amsterdam.
Die ausländische Presse hat die Vertretung
der deutschen Eisenindustrie guf der
Kolonialausstellung in Amsterdam
vielfach in einer Weise behandelt, daß von zu
erwartender Unparteilichteit wenig zu verspüren
war. Dem gegenüber ist erfreulich zu sehen.
wie das hervorragendste englische Fachblatt „En—
gineering“, nachdem es ausf die wenig vollstäu—
dige und nichts Besonderes bietende Ausstellung
der englischen Eisenindustriellen hingewiesen,
die deutsche Ausstellung der Eisen- und Stahl—
industrie beurteilt: „Die von den rheinisch-west—
fälischen Eisenindustriellen veranstaltete Ausstel—
lung bildet eine in die Augen fallende und un—
gemein anziehende Gruppe des Hauptgebäudes
Dieselbe war an dem Tage der Eröffnung fertig
gestellt, sie erinnert den Besucher an die Düssel—
dorfer Ausstellung. Im Mittelpunkt befindet
sich auf einem etwas erhöhten Standpuntt die
Ausstellung von Krupp. Ein für ein großes
für Rechnung der holländischen Regierung im
Bau begriffenes Schiff bestimmter Stahlsteven
ragt aus der Mitte empor, während eine Reihe
darum gruppierter Kanonen, Lafettenteile und
geschweißter Arbeitsstücke die allgemeine ver—
diente Aufmerksamkeit wegen ihrer bewunderns
werten Ausführung auf sich lenken. Es sind
darunter Lafettenachsen, welche aus quadratischem
Querschnitt allmälig nach dem mit einem ange—
schweißten Kopfe versehenen Ende rund ver—
laufen und in diese Form aus dünnem Stahl—
blech mit Längsvernietung gebogen sind. Die
Seitenrahmen der Lafetten repräsentieren pracht
volle Arbeitsstücke, wie sie nur aus der Werk—
stätte eines Krupp hervorgehen können. Einige
Walzvorrichtungen für Edelmetall von vollkom⸗
mener Genauigkeit und Ausführung vertreten
einen anderen Fabrikationszweig dieser berühm⸗
len Firma und ziehen allgemeine Beachtung auf
sich. Um die Kruppsche Ausstellung herum
gruppieren sich verschiedene Gegenstände, die
direkt für den Handel bestimmt sind, aber des—
halb kein minderes Interesse besitzen. — Schultz,
Knaudt u. Co. in Essen zeisen eine hübsche
Sammlung von Kesseln, geschweißten Blechen,
Schmiedestücken und Wellrohren, deren größtes
1370 Millimeter äuß. Dtr. hat. Haniel u. Lueg
in Grafenberg bei Düsseldorf haben eine schöne
Auswahl von großen Schmiedestücken, Schiffs—
wellen, Ankern u. s. w. ausgestellt, waͤhrend die
Duisburger Hütte Kesselteile, z. B. gekumpelte
Kopfplatten bis zu 2210 Millimeter Dtr in so voll⸗
kommener Ausführung vorführt, daß sie die
schärfste Kritik befriedigen. Ferner feien von
dort noch mehrere gutgemachte Deckel für Mann
löcher und Ablaßössnungen erwähnt. Die Bur—
bacher Hütte zeigt die größte Ausstellung in ge—
walzten Trägern und Profileisen, die einen Kon
kurrenten nur in der Societé Providonco Haut
ment findet. Schwere Träger bis zu 18 Meter
Länge und 6 Meeter Hoͤhe repraͤsentieren das
größte Gewicht, während bei ein paar leichten
Traägern von 100 * 50 Millimeter und 36,6
Meter Länge die größte Geschicklichkeit ent—
wickelt ist. Die deutschen Drahtwalzwerke sind
durch die besten Werke des Landes vertreten
Felten u. Guilleaume in Mülheim, Boͤcker u.
Cie. in Schalke u. a. Die Gutehoffnungasbütte“

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1883.
Montcenis. 3) Der Simplon würde um etwa
350 Kilomtr. tiefer durchbohrt werden als der
Montblanc. 4) Die Simplonlinie würde dem
ganzen Norden und Osten Frankreichs nutzen,
während die Montblanclinie nur Savoyen und
einigen benachbarten Departements zu Gute
kommen würde. Die Simplonlinie würde der
Gotthardroute mit Erfolg Konkurrenz machen,
während eine Bahn über den Montblanc nur
der Montcenis⸗-Route einen Teil ihres Verkehrs
abnehmen würde. 5) Die Zufahrtslinien zum
Simplon sind auf der Nordseite fertig, auf der
Südseite im Bau; beim Montblanc sind sie
noch nicht in Angriff genommen. Die zwischen
den Endpunkten der vorhandenen Bahnen aus—
zufüllende Lücke ist beim Simplon weit kleiner
als beim Montblanc. 6) Für die Simplon—
linie lassen sich bessere Steigungs-Verhältnisse
anwenden als für die Montblanclinie; die tech—
nischen Schwierigkeiten bei der Durchstechung
des Simplon sind geringer als beim Montblanc.
7) Die Simplonlinie wird billiger als die
Montblanclinie. Der ersteren find Subventionen
sicher, der letzteren nicht; ebenso werde sich
pye das Privatkapital leichter für erstere
nden.

(Oberhausen) hat eine vorzügliche Ausstellung
in welcher große und kleine Schmiedestücke
Walzfabrckate und eine Compound-Schiffsma
chine in hoher Vollendung vertreten sind.“

Simplonbahn.
Ein in Lausanne konstituiertes „Komité für
die Simplonbahn“ hat in den letzten Jahrer
veitere umfangreiche Untersuchungen und Berech—
nungen in Bezug auf die Durchstechung des
Simplon anstellen lassen und das Resultat dieser
Arbeiten nunmehr veröffentlicht. Dasselbe ge—
langt, wie wir der „Ztg. d Ver. Deutsch Eis.“
entnehmen, zur Aufstellung eines ganz neuen
Projektes. Danach soll der Tunnel ca. 20 Kilo
meter lang werden und soll dessen Vollendung
binnen 7 Jahren ausführbar sein. Die Kosten
des Tunnels werden auf Fr. 73 Mill. berechnet
Die Denkschrift beschäftigt sich außer mit der
Darstellung des neuen Projektes haupisächlick
noch mit der Widerlegung der Gründe, welche
im Jahre 1881 in der französischen Deputierten
kammer von der ad hoc eingesetzten Kommission
als für die Moniblane Linie sprechend ange
führt worden sind. Damals wurde u. A. ange—
geben, daß bei Annahme der Simplon-Linit
etwa Fr. 50 Mill. aufgewendet werden müßten
am die Neigungsverhältnisse der den Jure
hzurchschneiden den Bahnen zu verbessern. Die
Denkschrift des Lausanner Komits giebt zu, daß
zine Verbesserung der Trace dieser Bahnen in
Interesse des internalionalen Verkehrs notwen
dig sei, die Kosten werden indes nur mit ca
Fr. 27 Mill. berechnet. Um die Superiorität
der Simplon⸗-Linie gegenüber der Montblanc
Linie darzuthun, sagt der Bericht u. A.:
„Was ist der Zweck eines neuen Alpen
runnels? Er soll der Gotthardlinie Kon
kurrenz machen, einer Linie, welche wesentlich
don und durch Deutschland ins Leben gerufen
ist zu dem Zwecke, für seinen Verkehr einen
direlten neuen Weg zu beschaffen nach der Lom
hardei, dem Adrialischen Meer und Suez. Wirt
für diesen neuen Weg eine Konkurrenz geschaffen
so muß es nicht der Zweck derselben sein, der
Botthardlinie einigen Äbbruch an den Einnahmer
zu thun, sondern sie muß darauf abzielen, für
Frankreich die kommerzielle Bedeutung zu er
dalten, welche diesem Lande sonst entrissen wird
Und für diesen Zweck ist es nötig, daß die
Häfen der Nordsee, Belgien und der östlich
Teil von Frankreich auf kuͤrzeste und beste Weise
mit denselben Plätzen, welche die Gotthardrouft
aufsucht — der Lombardei und dem Adriatischen
Meer — in Verbindung gebracht wird.“
Es wird dann im Einzelnen nachgewiesen, daf
unter allen in Betracht kommenden Gesichts
punkten der Simplonlinie den Vorzug vor der
von der französischen Parlaments-Kommission
hefürworteien Montblanc-Linie gebühre. Die
Denkschrift resumiert die Vorzüge der Simplon—
linie wie folgt: 1) Von der Nordsee nach Pia—
denza ist der kürzeste Weg über die Simplon
linie um 105 Kilometer kürzer als über die
Botthardroute und um 77 Kilomtr. kürzer alse
iber den Montblanc. 2) Von Paris nach Mai—
land über Arona ist der Weg über den Simplor
im 84 Kilomtr. kuͤrzer als über den Gotthard
im 127 Kilomtr. kürzer als über den Mont
zlane und um 232 Kilomtr. kürzer als über den

Zunahme der Hohöfen in Spanien.
Vor einiger Zeit wurde von ausländischen
Blättern auf die Zunahme der Eisen-Hosch—
ofen-Industrie in Spanien aufmerksam
gemacht. Nach den JInformationen des West—
fälischen Kohlen-Ausfuhr-Vereius, mitgeteilt im
„Glückauf,“ gewinnen die bisherigen Andeu—
tungen hierüber feste Gestalt, da nach zuver⸗
lässigen Mitteilungen einer der vorzäglichsten
französischen Eisenhüttenleute, Herr Pourcel
bon Terre noire, die Direktion einer ausgedehn—
ten Bessemer-Anlage in Bilbasd, welche
auf eine jährliche Stahlproduktion von 50000t
reingerichtet werden soll, übernommen hat.
Das Werk soll bestehen aus zwei großen Hoch⸗
zfen, drei Bessemer-⸗Konverters mittlerer Größe
nebst Vor⸗ und Fertig-Walzenstraßen. Man
scheint demnach in Spanien mit der ernstlichen
Absicht umzugehen, nicht nur Eisen, sondern auch
Stahl darzustellen.
In gewisser Beziehung werden diese Anstreng⸗
ungen zunächst dem Nordosten Englands zu
gute kommen wegen der großen dadurch ent⸗
tehenden Nachfrage nach Koke, welche haupt⸗
ächlich wohl aus dem nordöstlichen England
mit Schiffen, welche Bilbao⸗cry nach England
bringen, befriedigt werden wird, dagegen ist
andererseits bei dem billigen spanischen Eisen⸗
erz und dem durch Einfluß der außerordent⸗
lich billigen Seefracht, sehr billigen, Koke⸗
Preise (Seefracht für Koke beträgt augenblicklich
ca. 7 Schilling pro Tonne) wohl anzunehmen,
ah der Handel in englischem Hämatiteisen leiden
wird.
Es bleibt ja immer die Frage und kann nur
in jedem konkreten Falle entschieden werden, was
vorteilhafter ist, die Koke zu den Eisenerzstätten
zu bringen oder das Erz zu den kokeproduzie—
renden Distrikten.
Sehr viel hängt bei dieser Frage von der
päteren Verwendung des produzierten Roh—
eisens ab, und wenn Spanien sein eigenes Haͤ—
matiteisen zu verarbeiten gedenkt, so mag es
            
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