Full text : 1.1883 (0001)

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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 19

werksmeister und die Architekten besonders zu
behandeln. Den Ersteren müsse man nur das
Notwendigste in die Hand geben und ihnen
gleichzeitig auch die ersten Begriffe über
Eisenkonstruktionen, die ihnen bisher noch gänzlich
abgehen, beizubringen suchen. Dies sei sehr leicht
zu erreichen durch eine Art Taschenbuch, wie
man sie z. B. in Frankreich bereits eingeführt
hat, so daß hier also die Tafeln in Wegfal'
kommen und die nötigen Zeichnungen in klei—
nerem, aber immerhin noch deutlichem Maßstabe
dargestellt werden würden. Den Urchitekten
dagegen wäre mit der Herausgabe des Tafelwerks
gedient; doch müßte dasselbe nicht in einem
festen Bande, sondern perio dischund liefer—
ungsweise (je nach dem vorhandenen Mate
rial) erscheinen.
Im Laufe der Verhandlungen gewann die
Versammlung die Ueberzeugung, daß man die
Architekten vor der Hand ganz außer Be—
tracht lassen müsse, umsomehr als dieselben in
der That schon in erheblichem Maße in Eisen
konstruieren, während hinsichtlich der Baugewerks—
meifter ein weit dringenderes Bedürfnis vorliegt
Der Vorschlag der Herausgabe des Werkes in
Form eines handlichen Taschenbuches fand jedoch
nicht die Zustimmung der Majorität; man be—
schloß vielmehr auch für den Kreis der Bau—
gewerksmeister ein Tafelwerk herauszugeben
dieses jedoch alsdann periodisch er
scheinen zu lassen. Zugleich müßte dafür
gesorgt werden, daß das Werk auf keinen Fall
mehr als 3 Mk. im Verkaufspreis koste, um
einen möglichst weiten Absatzkreis zu finden.
Die Gesamtkosten des Werkes wurden auf
etwa 20000 Mk. geschätzt, welche innerhall
zweier Jahre aufzubringen sein werden. In
erster Linie werden zur Deckung der Kosten die
Eisenwalzwerke heranzuziehen sein, aber auch
Gießereien, Roheisenproduzenten, Maschinen
fabriken und Eisenhändler werden hierbei nicht
auszuschließen sein, da auch sie offenbar ein Ju—
teresse an der erweiterten Verwendung des Eisen⸗
zu Bauzwecken haben.
Vorstehend mitgeteilte Beschlüsse der Kom
mission gelten jedoch nur als vorläufige, da die
selben vor ihrer Ausführung dem Vorstande des
Central⸗Vereins vorzulegen sind. Letzterer tritt
am 14. September d. J. in Stuttgart zusammen
Vorher wird die Kommission noch einmal und
zwar am 8. September d. J. in Cochem tagen,
um die weitern Schritte zu beraten, unter
Anderm auch den Wortlaut des Aufrufs festzu
stellen, welcher an die Eisen-Industriellen Deutsch—
lands erlassen werden soll, um eine allgemeine
Beteiligung derselben an der Aufbringung der
Kosten herbeizuführen.

Journalismus und Industrie.
Die „Eisenzeitung“ teilt eine Korresponden,
nit, welcher wir nicht Verbreitung genug wün⸗
jichen können. Die Korrespondenz ist zwischen
ꝛinem Journalisten, der sich nach Amsterdam
zur Ausstellung begeben hatte, und einer dor
ausstellenden Firma geführt worden. Sie wirf'
ein grelles Licht auf die Art, in welcher heut
zutage die fachliche Besprechung derartiger Aus
tellungen gehandhabt zu werden pflegt. Zur
Einleitung sei noch vorausgeschickt, daß gewisse
Annoncen-Firmen bei jeder Ausstellung eint
„Ausstellungs-⸗Korrespondenz“ heraus
geben, die sie an Provinzial⸗Zeitungen ꝛc. billig
ablassen, mit der sie aber noch zumeist das
praktikable Geschäft einer unverschämten bezahlten
Reklame zu verbinden wissen. Aus Nach
stehendem dürfte dies zur Genüge hervorgehen
Der „Journalist“ leitet die Korrespondenz folgen
dermaßen ein:
Amsterdamsche
Journalistenkring.
Comité de la Presse
d'Amsterdam.
Pavillon de la Presse 150. Juni 1883
Herrn N. N.
Ueber Ersuchen Ihres Herrn Vertreters, er⸗
laube ich mir als Mitarbeiter von „Daube's
Weltausstellungs-Korrespondenz“ die höfliche An—
frage an Sie zu richten, ob Sie bei Besprechung
Ihrer Gruppe in unserer Korrespondenz au
tine eingehende Würdigung und sachgemäße Be—
handlung Ihrer sehr interessanten Exposition
reflektieren. Unsere von 37 verschiedenen, in
allen deutschen Provinzen zerstreuten Journalen
reproduzierte Ausstellungskorrespondenz erscheint
an passendster Stelle als aus Amsterdam da⸗
tierter Original-Bericht. Im affirmativen Falle
hat sich Ihr Herr Vertreter bereit erklärt, uns
alle hierauf bezüglichen Daten, sowie jene An—
gaben zu machen, welche in diesem Berichte eine
zesondere Betonung verdienen würden.
In Erwartung Ihrer schätzenswerten Nach—
ichten, zeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung
ergebenst
Leucht,
6, Oude Daelenstraat.
Darauf antwortete die deutsche Firma N. N
H., d. 19. Juni 1883.
In höflicher Beantwortung Ihrer werten
Zeilen vom 15. d. M. sind wir nicht abgeneigt
auf Ihre Propositionen einzugehen, bitten aber
vorher um gefl. Mitteilung, welche Kosten uns
hierdurch erwachsen Hochachtend!
(gez.) N. N.
Maximilien Leucht
Lorrespondenn Representant
es
Journeaux Etrangers.
Paris*), den 20. Juni 1883.
Herrn N. N.
In sofortiger Erwiderung Ihrer werten Zu—
chrift diene Ihnen, daß der Reklamepreis der
angeregten Besprechung für unsere sämtlichen
Blaͤtter (38) zweihundert Mark beträgt
Nach erfolgter Publikation wird Ihnen das
Haus Daube in Frankfurt allenfalls die größte
zahl dieser Blätter zu Ihrer Einsicht senden
sönnen. Ihre gesch. Entschließung nebst zu ver—
arbeitendem Artikel-Material wäre uns um
zehend sehr erwünscht, da eine Konkurrenzfirma
Ihrer Gruüppe uns mit einem ähnlichen Wunsche
nahe kommt und wir uns natürlicherweise in
eder Branche blos für ein Haus einzusetzen
in der Lage sind.
In Erwartung Ihrer sofortigen freundlichen
Nachrichten zeichne ich mit dem Ausdrucke meiner
vorzüglichen Hochachtung Leucht,
6, Oude Daelenstraat.
H., d. 26. Juni 1888.
In höflicher Beantwortung Ihrer werten Zeiler
bom 2. ds. wäre es uns erwünscht, wenn Sie
uns gefälligst umgehend mitteilen wollten, ir
velchen Blättern die Besprechung unserer
Fabrikate stattfände, und ob dieselbe in der Ar—
zer einliegenden ebenfalls unter Beisetzung der
Fliches gehalten werden könnte. Jedenfall—

müßte dann auch Ihr eigenes Urteil über unsere
Oefen in einigen Worten vertreten sein und
würde es notwendig werden, daß sie uns vor
dem Druck einen Korrekturbogen zugehen ließen,
um allenfallsige technische Fehler, die leicht ein—
chleichen können, zu korrigieren. Wir sehen
Ihren gefl. umgehenden Nachrichten entgegen
ind zeichnen N. N.
Amsterdam, den 26. Juni 1883
Herrn N. N.
In Erwiderung Ihres Werten vom 25. er.
diene Ihnen, daß es uns nicht möglich ist, die
erwähnten Cliches zu verwerten. Unsere Corre—
spondenz geht als Ausstellungsbericht an die
nachstehend verzeichneten Blätier und die in
diesen Berichten vorkommenden Reklamen haben
für den Leser durchaus nicht den Charakter, als
wären selbe durch Jemanden irgendwie inspiriert,
sondern sind geschickt in der allgemeinen Be—
prechung verflochtene Betrachtungen, welche wir
eingehendst den betreffenden Ausstellungsobjekten
vidmen. Dieses Genre der Reklame ist eben
das gesuchteste und wir verwerten natürlicher—
veise die uns zu Gebote stehende bedeutende
Publizität. Es ist natürlich, daß Ihnen nach
erfolgter Publikation des betreffenden Artikels
»on dem Frankfurter Hause G. L. Daube u. Cie.
allenfalls die größte Zahl der betreffenden
Journale zugesendet werden wird. — Das mir
gesendete Blatt halte ich immerhin zurück, um
daraus die sachlichen Daten zu schöpfen, die
vir in der Besprechung ja unbedingt benötigen.
NReben Ihrer Exposition bleiben die Konkurrenz⸗
Aussteller in dieser Korrespondenz unerwähni.
In Erwartung Ihrer gesch. Nachrichten, die
ich bis zum 29. mir erbitte, zeichne ich mit
ausgezeichneter Hochachtung
Leucht.
Verzeichnis der Zeitungen:
Worms, Neue Wormser Zeitung,
Trier, Landeszeitung,
Wiesbadener Zeitung,
Berliner Börsenzeitung.
Fürther Tageblatt,
Darmstädter Zeitung,
Braunschweig, Tagblatt,
Offenbacher Zeitung,
Posener Zeitung,
hannover, Deutssche Volkszeitung,
Hannoverscher Courier,
Borna, Tageblatt,
Hallesche Zeitung,
Kölnische Volkszeitung,
Mindener Zeitung,
Düsseldorf, Generalanzeiger,
Düsseldorfer Anzeiger,
Stuttgart, Neues Tageblatt,
Ueber Land und Meer,
F Württembergische Landeszeitunq
Emden, Ostfriesische Zeitung,
Trier, Saar⸗ und Moöselzeitung,
Crefelder Zeitung,
Duisburg, Rhein- und Ruhrzeitung,
Zeitzer Zeitung,
Kiel, Kieler Anzeiger,
Wien, Oesterr. Gartenlaube,
„Deutsche Zeitung,
Oberndorf, Schwarzwälder Bote.
Karlsruhe, Badische Beobachter,
Zwickau, Wochenblatt,
Arnsberg, Central-Volksblatt,
München, Bayerische Landeszeitung,
Erfurt, Thüringische Zeitung,
Dresden, Tagblatt,
Prag, Abendblatt,
Amsterdam und Haag: 3 holländ. Blätter.
Nach den Ausweisen beträgt die Gesamtauflage
der vorstehenden Blätter 341250.“
Jedem Unbefangenen, der einigermaßen mit
den Verhältnissen der Presse Bescheid weiß,
muß sofort auffallen, daß Herr Leucht die
Korrespondenz auf einem Briefbogen einleitet,
der sich durch den Vordruck als Eigentum des
hochachtbaren ‚Amsterdamer Journalistenkring“
harakterisiert, wodurch der Eindruck entsteht,
als ob jene Gesellschaft selbst diese Ausstellungs⸗
Korrespondenz herausgäbe, was offenbar ein
ehr grober Irrtum ist. Herr Dr. Enclaar vom
dournalistenkring in Amsterdam wird wohl gegen

Eiserne Baumaterialien.
Geriffelte Dachplatten aus Eisenblech werden
neuerdings von Amerika aus in den Handel!
gebracht, und zwar in zwei Formen: schuppen
förmig und rechteckig.
Die schuppenförmigen Platten sind 40,3 Ctm
lang und 21,4 Etm. breit und 27 Stück davon
decken 1 Quadratmeter; außer durch Nase und
den Eingriff der am Rande stehenden Riffeln
werden die Platten durch Nagelung gehalten
Die Platten werden (schon in der Fabrih) ent—
weder mit einem Anstrich versehen oder erhalten
einen metallischen Ueberzug nach dem sogenannten
Calamnie-Prozeß ausgeführt, der dem Prospekte
nach große Aehnlichkeit mi Verzinkung hat
Das Gewicht der Dachdeckung pro Quadratmeter
ist 625 Kilogr. bei den mit Anstrich versehenen
Platten und 7,0 Kilogr. bei den mit metallischem
Ueberzug versehenen. Die Platten sind demnach
im Vergleich zu ähnlichen Platten, welche in
Deutschland bisher in den Handel kamen, stark,
das Ansehen der Dachfläche ist vermöge der nach
einfachem Muster ausgeführten Riffelung ein
ziemlich belebtes.
Die rechteckigen Platten mit gerader Riffelung
werden in wechselnden Größen hergestellt, von
30 zu 30 Etm. Seite bis 75 zu 100 CEtm. Seite,
mit geringer Ueberdeckung gelegt und 1 Mal
genagelt; auch diese erhalten den einen ode'
anderen der oben erwähnten Ueberzüge.

*Vermutlich war Varis ein interimistisches Domizil
            
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