Full text : 1.1883 (0001)

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MAA.“ *

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N I9.
P Stellung des Verkehrs-Ministers
zu der Frage der allgemeinen Ermäßi—
gung der Eisenerz-Frachten.
Im Juni v. J. hatten die Vorstände der „nord—
westlichen Gruppe des Vereins deutscher Eisen—
und Stahl⸗Industrieller“ (Düsseldors) und des
„Vereins fuͤr die bergbaulichen und Hütten.
Interessen“ zu Siegen sich in einem gleichlauten—
den Schreiben an den Minister gewandt, um
eine allgemeine Ermäßigung der Eisenerz
frachten herbeizuführen*). Daraufhin ist seitens
des Ministers das folgende Schreiben einge
gangen:

1883.
Ein Bedürfnis zur Gewährung der beantragten Eisenbahn⸗Kommission des Vereins
Frachtermäßigung ist mithin nicht erwiesen. Deutscher Eisen⸗ und Stahl⸗
Ueberdies würde, wenn nur die Frachten für Industrielier
Erze und Kalksteine, nicht aber zugleich die— 2*53 238
senigen für Kots und Roheifen eine Ermäßi- Am 80. v. M. hat in — ehne
zung erführen, bei der Verschiedenheit der Pro— veitere Sitzung dieser — 1 welche die
hukttonsbebingungen eine Benachteiligung der Mittel und Wege zur weiteren Anwendung des
* übti nländi 7 Eisens im Bauwesen beraten soll, stattgefunden.
meisten übrigen inländischen Roheisenbezirke 8
hegenuber dem rheinisch westfalischen sich alsbalt Anmesend waren: General Direktor ue geOber⸗
eltend machen Eine solche, wird in der in dausen als Vorsitzender der Kommisston, serner
wischen eingegangenen Vorftellung verschiedener die Herren Sharowskw. Dr. Rensesch. Zucd,
düttenwerte an, der Lahn und Dill bei einer Jeneraldirektor Seeboh m-Burbach und Re⸗
Infeitigen Ermäßigung der Erzfrachten für die zierungsbaumeister Wo as⸗Saarbrücken. Auzßer—
Montan- und Hülten Industrie ihres Bezirks dem nahmen auf Veranlassung des Vorsitzenden
als ungausbleibliche Folge bezeichnet und dahen die Herren Brauns und Schlin!t an den
dringend gebeten, von einer derartigen Maß Verhandlungen teil, nachdem sie als Mitalieder
ege abzusehen, An die gleichzeitige Herab der Kommission kooptiert worden.
etzung der Frachten für eine Anzahl der wich— Die Versammlung nahm zunächst Kenntnis
igsten Massenartikel, Erze, Kalksteine, von der Lage der Angelegenheit betr. die Heraus—
Koks und Roheisen kann aber nicht ge— Jabe eines Musterbuches für Eisenbaukonstruk—
dacht werden, weil dieselbe für die Staatskasse tionen. Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute
— also zum Nachteil der Gesamtheit der Steuer, in Düsseldorf hat bereits seit Jahren die Heraus⸗
ahler — ohne Not einen ganz enormen, ausf gabe eines solchen Buches, von dem wohl zu
ehr viele Millionen zu schätzenden Einnahme erwarten steht, daß es der größeren Anwendung
Ausfall zur Folge haben würde, zumal zahl des Eisens bei Bauten Vorschub leisten würde,
teiche Berufungen aus anderen wirtschaftlichen zeplant und sich dazu an zwei Professoren in
Kreisen nicht ausbleiben könnten. Aachen, Heinzerling und Dürrr, gewandt,
Was die zur Vergleichung herangezogenen welche es auch uͤbernahmen, ein derartiges Werk
Erzfrachten in Belgien betrifft, so sind die in zegen Honorar auszuarbeiten, während gleich—
der Eingabe angeführten Sätze den angestellten jeitig ein Vertrag mit einer Berliner Verlags⸗—
Ermittelungen zufolge nicht etwa einem allge- buchhandlung geschlossen wurde, welche den Ver—⸗
meinen Ausnahmetarife der belgischen Staals, ag und Vertrieb des Werkes übernehmen sollte.
dahu entnommen, sondern sie bestehen nur zwi⸗ Darüber sind jedoch Jahre vergangen, ohne daß
chen einzelnen bestimmten Stationen der belgi ene beiden Herren das Manuskript zu dem
chen Nordbahn; ferner liegt denselben nicht ein Werke vorgelegt hätten; erst im Frühjahr dieses
Streckeneinheitssatz von 6Cts., sondern fowein Jahres kam ein Teil davon zur Kenntnis des
hgier zu übersehen, ein solcher von 10 Ets. für Fisenhüttenleute-Vereins. Es zeigte sich hierbei
die Tonne und Lieue zum Grunde, auch sind edoch, daß die Frage eine andere Behandlung
die im Abonnement gewährten Ermäßigunger zefunden hatte, als man ursprünglich beabsichtigi
an lästige Bedingungen, z. B. an eine zwei- jat und daß dem zunächst liegenden Zwecke,
tündige Frist, je fsür Beladung und Entladung auf den weiten Kreis der Baungewerksmeister
geknüpft. Demgegenüber wird bekanntlich im zu wirken, mit der Herausgabe des begonnenen
heinisch⸗westfälischen Bahngebiete für Erze Werkes nicht genugsam gedient sein würde.
zleichmäßig ein schon jetzt un ter den soge, Vean verständigte sich deshalb darüber, das Werk
nannten Silberpfennigsatz herabgehen- in der Form, wie es zum Teil vorlag, überhaupt
der Ausnahmetarif gewährt. In dem Aus—- uicht erscheinen zu lassen, womit sich auch als
iahmetarif für den Roheisentransport von Sta- »ritter Interessent die Berliner Verlagsbuchhandionen
 der Wilhelm⸗Luxemburg-⸗Bahn nach belgi ung einverstanden erklärte.
chen Stationen, welchen die Eingabe erwähnt, Es ist nunmehr für die Herausgabe eines
ind auf den von der Reichsbahn verwalteten jeuen Musterbuchs die Bahn frei und es wird
uremburgischen Strecken normale Frachtanteile sich darum handeln, dieselbe in der denkbar zweck—
ingerechnet. näßigsten Weise ins Werk zu setzen. Die An—⸗
Wenn ich aus den vorstehenden Gründen im ichten der Kommissionsmitgüeder über die Art
kinvernehmen mit dem Herrn Minister für und Weise, wie dies am besten zu geschehen sei,
handel und Gewerbe und dem Herrn Finanz- vichen anfangs erheblich von einander ab.
ninister dem Antrage auf Ermäßigung der derr Scharowsky, weicher für die neue Be—
Frachten für Erze und Kallksteine nicht zu ent- arbeitung des Werkes in Aussicht genommen
prechen vermag, so gebe ich andererseits gern st, empfahl die Herausgabe eines reichhaltigen
meiner Bereitwilligkeit Ausdruck, die Export- Tafelwerkes, welches eine Reihe im Deidil aus—
bestrebungen der deutschen Eisen⸗Industrie in zerechneter und in Zeichnungen dargestellter
zeeigneten Fällen auch ferner durch Bewilligung Konstruktionen, die geeignet sind die Holzkon—
ermäßigter Ausnahmetarife zu unterstützen. struktionen zu ersetzen, enthalten sollte. Von
Den Unterzeichnern des Gesuchs wollen Ew. anderer Seite wurde betont, daß es sich vor—
Wohlgeboren von dem Inhalte dieses Erlasses nehmlich darum handle, auf die Baugewerks—
Mitteilung machen und die gleichartige Ein- meister zu wirken; diese würden aber ein der—
zabe des Vorstandes der nordwestlichen Gruppe artiges kostspieliges Tafelwerk, das noch dazu
ʒes Vereins deutscher Eisen⸗ und Stahl⸗Indu dvielerlei enthalten würde, was sie durchaus nicht
trieller vom 2. Februar d. J. hierdurch eben interessiert, weder kaufen noch benutzen; es käme
alls als erledigt betrachten. »ielmehr darauf an, diejenigen zwei Kategorien
Der Minister der öffentlichen Arbeiten. »on Technikern, welche Eisenbauten auszuführen
rez. Maunbach. herufen find, nämlich die gewöhnlichen Bauge

Berlin, den 2. April 1883.
Das von Ew. Wohlgeboren unterm 29. Jun
v. J. überreichte Gesuch verschiedener wirtschaft—
licher Körperschaften und Vereine, sowie einiger
größerer Industrieller des rheinisch-westfälischen
Bezirks um Ermäßigung der Eisenbahnfrachten
für Eisenerze und Kalksteine hat zu einer sehr
eingehenden Prüfung der einschlägigen Verhält—
nisse Anlaß gegeben.
Danach unterliegt es keinem Zweifel, daß die
deutsche Eisenindustrie sich gegenoärtig in einer
keineswegs ungünstigen Lage befindet. Die
Werke sind zu lohnenden Preisen beschäftigt, und
insbesondere hat auch die Roheisenindustrie, wie
durch die erfolgte Preissteigerung bestätigt wird
an dem allgemeinen Aufschwunge teilgenommen.
Der beobachtenden Zunahme der Einfuhr an
ausländischem Roheisen ist eine erhebliche Be—
deutung nicht beizumessen, denn es hat nach der
preußischen Statistik der Hüttenwerke in der
Verarbeitung ausländischen Roheisens vom
Jahre 1880 zum Jahre 1881 nur eine Steige—
rung von 243 950 auf 248690 Tonnen, also
um 4740 Tonnen oder 1,9 pCt. stattgefunden,
während gleichzeitig die Verarbeitung inlän—
dischen Roheisens in demselben Zeitraum von
2001 924 auf 2240 583 Tonnen, also um 238 6608
Tonnen oder 11,9 pCt. gestiegen ist. Ins
besondere zu Gußwaren 2. Schmelzung sind ar
ausländischem Roheisen 1880 150 288
Tonnen, in 1881 aber nur 141577 Tonnen
alsos706 Tonnen oder 5,8 pCt. weniger ver
arbeitet worden, wogegen zu gleichem Zwecke an
inländischem Roheisen in 1880 123618
Tonnen und in 1881 165 137 Tonnen, also
41519 Tonnen, oder 33,6 pCt. mehr verwenden
worden sind. Der Verbrauch inländischen Roh
eisens ist mithin, wie dies auͤch durch das wenn⸗
gleich noch nicht vollständig vorliegende statistische
MWaterial für das Jahr 1882 bestätigt wird, in
entschiedenem Steigen begriffen, auch fällt gegen—
über dem Gesamtverbrauche die Linge—
führte Menge des ausländischen Erzeugnisses
nicht ins Gewicht.
Es ist ferner daran zu erinnern, wie bei Ge—
legenheit der Eisenenquete fesigestelit wurde, daß
ein Roheisenzoll von 10 Mart den Unterschied
in den Selbstkosten der Roheisenerzeugung in
Deutschland und in England vollständig aus⸗
gleiche. Da inzwischen die Selbsikosten in Eng—
land und Schottland mehr gestiegen sind, ale
in Deutschland, so liegt zu Liner abweichender
Auffassung gegenwärtig kein Grund vor.

Dem ernigenannten Verein lag es hierbei offen
ac gamentlich an der alsdann zu Stande kommender
crachtermäßigung für luxemburgische Ene.
            
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