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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 17
Rereins-Nachrichten.
Pfalz⸗Saarbrücker Ingenieur-Verein.
Besuch der Adt'schen Fabrik in Forbach.
Donnerstag, den 12. d. M. unternahm der
Pfalz⸗Saarbrücker Ingenieur⸗Verein unter Füh
rung seines Vorsitzenden, Herrn Braune-Völk—
lingen, eine Exkursion nach Forbach zur Besichti
gung der dort gelegenen Adt'schen Fabrik. Es
beteiligten sich zahlreiche Mitglieder nebst deren
Damen an dem Ausfluge, welchen das Eisen—
bahn⸗Betriebsamt dadurch unterstützt und mit
einem neuen Reiz der Annehmlichkeit versehen
hatte, daß es der Gesellschaft einen Extrazug
zur Verfügung stellte und sich selbst daran be
teiligte.
Das größte Interesse der Besucher erregte die
Fabrikalion der imitiert japanesischen Papp
Gegenstände, wie Dosen, Teller, Schüsseln ꝛc.
deren Geheimnisse sich ihnen teilweise zum erster
Male unverhüllt erschlossen. Nicht mindere Auf
merksamkeit fand jedoch die Fabrikation der
Scheiben zu den Waggonrädern aus Pappmasse
welche die Fabrik als erste auf dem Kontinent⸗
herstellt.
Herr Maschinen-Inspektor Nepilly hatte es
übernommen, an Ort und Stelle einige Mit—
teilungen über diesen interessanten und neu—
artigen Fabrikationszweig der Fabrik zu machen
Da sich die Gesellschaft jedoch durch die ver—
schiedenen Räume der Fabrik zerstreut hatte,
wurde davon Abstand genommen. Wir sind
nun in der angenehmen Lage diesen Mangel
nachträglich zu ergänzen, indem wir im Nach
stehenden einen Auszug aus diesen Mitteilungen
veröffentlichen:
Bezüglich Bewährung und Betriebssicherheit
aller Eisenbahnwagenräder, welche aus einzelnen
verschiedenen Teilen zusammengesetzt sind, (und
unser Papierscheibenrad ist ein solches) ist die
wesentlichste Frage die: „Welchen Einfluß haben
die im Betriebe in steter Wiederholung wirken—
den kleinen und großen Kräfte im Laufe der
Zeit auf die Verbindung der einzelnen Konstruk—
tionsteile?“ Die Widerstandsfähigkeit der Reifen
sowohl wie der Nabenteile darf als bekannt vor—
ausgesetzt werden sowohl für die vertikal, als
seitlich wirkenden Kräfte. Für die aus einzelnen
Lagen von Papier oder Papptafeln unter starkem
hydraulischen Drucke erzeugten Scheiben bietet das
Verhalten der im Anfang der vierziger Jahre fa—
brizierten Räder mit Scheiben aus hartem Holze
einen Anhalt. Letztere sind aber nur aus dem
Grunde allmählig ausrangiert worden, weil die
einzelnen, die Scheibe bildenden Holz-Segmente
unter dem Einflusse der Witterung im Laufe
der Jahre rissen und in den Naben lose wur—
den und weil andererseits die Verbindung des
Reifen mit der Scheibe, den damaligen Hilfs—
mitteln der Herstellung entsprechend, eine recht
ungenügende im Vergleich zu den später einge—
führten Blech-Scheibenrädern war. Die Wetter—
Beständigkeit der Papiermasse, also die wesent—
lichste Bedingung für die Haltbarkeit, läßt sich
durch Festigkeitsproben nicht feststellen — eben—
so wenig wie die bei ausgenützten Reifen
denkbar mögliche Abnutzung der Anlageflächen
der Scheibe gegen Reifen und Nabe resp. der
Befestigungs-Bolzen. Bezügliche Versuche können
sich demnach einfach darauf beschränken, durch
Einlegen eines vorher genau gewogenen Stückes
der Papiermasse in Wasser die Absorptions—
fähigkeit derselben zu bestimmen. Mehrfache
derartig angestellte Versuche haben im Vergleiche
mit dem Verhalten des Holzes sehr günstige
Resultate zu Gunsten der Papiermasse ergeben.
Auch die Druckversuche, welche mit Würfeln aus
Papiermasse angestellt wurden, gaben ungleich
günstigere Resultate als diejenigen mit Holz—
würfeln. Und so thun diese Versuche sowohl
wie die mit den Papierscheibenrädern bis jetzt
gemachten Erfahrungen dar, daß dieselben ein
besseres Schicksal haben werden, wie die Holz⸗
scheibenräder. Ein Hauptvorzug der Papier—
scheibenräder gegenüber allen anderen liegt in
deren Elastizität, welche einmal den vorzüglichen
Effekt des angenehmeren Fahrens für das Publi—
kum, andererseits ganz erhebliche ökonomische! Sonnenschirm⸗Hüte. In Newyork sind
Vorteile zu Wege bringt. Diese Vorteile liegen Sonnenschirm⸗Hüte aufgekommen, welche sowohl
in der weit geringeren Abnutzung der kostspieli- als gewöhnliche Hüte getragen werden können,
Jen Stahl· Bandagen. Bei gewöhnlichen eisernen als sich auch leicht in einen Sonnenschirmhut
Rädern müssen die Bandagen in der Regel nach verwandeln lafsen, bei dem der Dedel durch
yöchstens 50 000 durchlaufenen Kilom. (Mansell einen kleinen Sonnenschirm ersetzt ist. Im letz—
Räder 78000 Kilom.) abgedreht werden. Unsere keren Falle schützt der Schirm den Kopf vor den
ungebremsten Papierscheibenräder aber durch- direkten Sonnenstrahlen, während die Luft unter
laufen mindestens 110000 Kilom. bis zum ersten demselben frei zirkulieren kann und so der Kopf
Abdrehen (Amerika 500 000, mit Bremse 90000 vor Ueberhitzung geschützt wird. Der Hut be—
ilometer). Ein Versuch, welchen wir mit steht aus einem gewöhnlichen Hut, von dem der
einem solchen Rade vornehmen, beweist zur obere Teil mit dem Deckel abgeschnitten und
Evidenz die außerordentlich hohe Elastizität der durch einen Sonnenschirm besonderer Konstruk—⸗
Papiermasse. Bei einem Drucke von 9000 Kilo rion ersetzt ist. Der Sonnenschirm läßt sich durch
pro Quadratcentimeter, demselbe Druck, welcher eine Schnur oder dergleichen unter dem Hut—
beim Polieren der Gußstahlscheibenräder ange- bande schließen, so daß seine äußere Form von
vendet wird, resultiert eine Biegung um wenige der gewöhnlichen Hutform nicht viel abweicht
Millimeter. Nach Aufhebung oeee be- und auch bei kaltem Wetter den Kopf warm hält.
ziebt sich das Rad wieder voll tändig in seine Papier aus Moos. Papier stellt man schon
ie age. ist also die Durchbiegung keine etzt aus geradezu zahllosen Rohmaterialien her
ube aAr. Reisstroh, gewöhnlichem Stroh, verschiedenen
Einer der Waggons des Ertrazuges war üb Gräferarten, Hoig uchefe daß die Lumpen, denen
rigens mit derartigen Rädern versehen; er bee fast ausschließlich seinen Ursprung zu ver—
wies durch die Sanftheit seines Gehens, daß danten hatte bald überwaundente Standpunkt
die Elastizität der Papierscheibe in der That die sein werden.“ Jehl hat man ig Schüecten auch
unvermeidlichen Stöße des Zuges aufnimmt eine Morsart gefunden, deren Ueberreste ssich
welche sonst zum großen Mißbehagen, der Rei- namemtlich bei ver Siadt Jönköping in massensenden
durch die Etastizität des menschlichen haften Lagern seil Jahrhunderten angesammelt
Körbers aufaehoben werden müssen. haben und sich vorzuͤglich zur Papierfabrikation
eignen. In Jönköping selbst ist die erste Fabrik
zu diesem Zwecke errichtet, welche alle Papier—
sorten vom feinsten Seidenpapier bis zur 18 mm
starken Pappe in bester Qualität liefert.
Spaziergänge zu Wasser werden jetzt in
Breslau auf der Oder unternommen. Zwei
Breslauer haben nämlich sogenannte Wafser—
schuhe erfunden, kleine Fahrzeuge in Fisch—
jorm mit hermetisch geschlossenen Lufträumen,
die eine Tragfähigkeit von 176 Pfd. besitzen.
Das Vorwärtsschreiten auf diesen Wasserschuhen,
das ähnlich, wie beim Schlittschuhlaufen statt⸗
findet, soll durch einen am Apparat außen an—
gebrachten Motor sehr erleichtert werden.
Wohnhäuser ohne Fenster in Frank
reich. Einem Bericht über die nachteiliger
Wohnungsverhältnisse in Frankreich entnehmer
wir die Thatsache, daß in Frankreich nicht we—
niger als 219270 Wohnhäuser jeglicher
Fensteröffnung entbehren und nur mit
telst der Thüre oder eines sonstigen „Zuglochs“
Lüftung erhalten; 1856 636 Häuser beziehungs
veise Hütten haben nur zwei Fensteröffnungen
Ein elektrischer Stimmapparat, welche
die oft endlose Dauer einer namentlichen Ab
stimmung in Versammlungen wie der Abgeord—
netenhäuser ꝛ2c. auf ein Minimum reduziert
oder, besser gesagt, jede Abstimmung in eine
namentliche verwandelt, wird gegenwärtig im
Abgeordnetenhause zu Washington eingeführt
Für jeden Abgeordneten sind vor seinem Sitze
drei Knöpfe: „Ja“, „Nein“ und „Bitte um's
Wort“ angebracht. Durch das Drücken auf einer
Knopf wird der Name des Abgeordneten auto—
natisch auf die Liste gedruckt und sein«
Ztimme durch einen herabfallenden Ball von
elbst gezählt.
Um Butter in heißer Jahreszeit auf⸗
zubewahren und lange frisch zu erhalten
wendet man in Nordamerika folgendes Mitte
an: Man nimmt zu diesem Behufe so viel Salz
als in 2—3 Liter Wasser aufgelöst werden kann
30 Gramm Salpeter und ein halbes Pfund
veißen Zucker. Dieses kocht man Alles zu—
ammen, schäumt es ab und läßt es abkühlen
Die einzulegende Butter muß gut, frisch und
fest sein und ebenso ordentlich durchgeknetet und
gesalzen; man macht daraus Pfundrollen, die
man gut in Mousseline einwickelt. Dann packt
man diese in ein irdenes Gefäß und gießt von
der erwähnten Salzbrühe darüber, auf die Butter
elbst muß man eine irdene Platte oder einen flachen
Stein legen, damit sie stets untergetaucht bleibt
iber den Deckel des Gefäßes wird ein Tuch ge—
»unden. Etwas von der Salzbrühe muß man
tets zurückbehalten, um erforderlichenfalls nach
gießen zu können.
Bücher und Zeitschriften.
Nr. 29 des „Centralblatt für die Tertil—
Industrie“ enthält: Die Toggenburger Webschule
auf der schweiz. Landesausstellung in Zürich. Die
cationellste Behandlung der Kammwolsse und des
Kammzuges in der Wäsche und Färberei. (Schluß).
Neue Muster. Flechtmaschine für Spitzen mit drei—
ädigen Partialgeflechten. Maschine zur Herstellung
bon Kettelgaze. Flechtgang mit Volkenbornschem Dreh—
leller. Einrichtung zur Bewegung des Häckers für
skrempeln. Neuerungen an Cylinder-Walkmaschinen.
Stehende Druckmaschine zur Herstellung mehrfarbigen
Druckes auf Wolle ꝛc. in Strängen. Rundschau.
Sprechsal. Neueingetragene Firmen der Textil-Branche.
Narktberichte. Berliner Courie
Glaser's Annalen für Gewerbe und Bau—
wesen Nr. 146 vom 15. Juli 1883 Bd. XIII, Heft
2 enthält: Die Allg. deutsche Ausstellung aus dem
Gebiete der Hygieine und des Rettungswesens in
Berlin 1883: Bericht über Bergbau und Hütten—
wesen, von Herrn Bergrat Haßlacher. — Ueber die
Fabrikation des sogen. Kleineifenzeuges von Herrn
Ingenieur Mehrtens. — Geh. Oberbaurat a. D. Karl
Lentze F̃. — Das Wasserwerk der Stadt Henley a.nd.
Themse von Herrn Ingenieur Jabez Church. — Verein
für Eisenbahnkunde: Vortrag über Radreifenbrüche
deutscher Eisenbahnen 1880 81 und Untersuchungen
über das Farbenerkennungs- bezw. Unterscheidungs—
vermögen von Herrn Geh. Ober-Reg-Rat Streckert.
— Verzeichnis maschinentechnischer Staatseisenbahn—
Beamten von Hrn. Reg.-Maschinenmeister Schrey. —
Die nordfranzösischen Eisenhütten. — Preisausschrei—
bungen und Erteilung: Ausstellung betreffend Ma—
schinen für Gewinnung von Torf in Moskau. P. für
das Spinnereifach. P. betr. Entwürfe für ein poly—
klinisches Hospital in Rom. P. der Société d'En—
couragement de l'Industrie nationale in Paris. P.
der Pariser Akademie. P. des Vereins deutscher
Zeichenlehrer. P. der vociety of Arts in England.
3. der Hygieine-Ausstellung betr. Erlangung von
Theaterplaͤnen. Prämien-Erteilung bei der Hygieine—
Ausstellung in Berlin. — Marktberichte. — Statistik
des kaiserl. deutschen Patentamtes. — Statistik der
tgl. technischen Hochschulen in Berlin. — Seilbahn
Sassis Superga. — Personal-Nachrichten. — Vatentliste.
— Litteraturblatt.
Tür die Redaftion verantwortlich F. Hofer. Druck und Verlaavon Gehr. Haof