Full text : 1.1883 (0001)

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 16

Rotizen.
Metallisch schimmernde Lacke aus
Blauholz. Die Herstellung von metallisch
schimmernden Lacken aus Blauholzabkochungen
gelingt nach einer Notiz in Gentele's Lehrbuch
der Farbenfabrikation (Braunschweig, Vieweg —
Sohn) leicht nach folgenden Angaben: Man fällt
die Abkochung durch Eisenvitriol und läßt sie
einige Zeit ruhig stehen, wodurch der Nieder—
schlag etwas vermehrt wird. Ein geringer
Kreidezusatz kann gegeben werden, um die Fäl—
lung und Entfärbung zu beschleunigen; ein Zu
viel ist indes sorgfältig zu vermeiden, da hier
durch ein graulicher Farbenton erzeugt wird.
Der breiförmige Niederschlag wird mit nicht zu
viel Indigkarmin in Teigform gemischt. Bei
Anwendung richtiger Verhältnisse erhält dieser
Lack nach dem Trocknen einen rötlichen Schein
und reflektiert mit der kupferrötlichen Farbe des
trockenen Indigkarmins. Ein sehr schöner bläu—
lichschwarzer Lack, sogenanntes Bronzeblau, der
sehr dünn aufgestrichen fast blau ausfällt, wird
auch erhalten, wenn man der Blauholzlösung
vor der Fällung mit Eisenvitriol eine Lösung
von Dahlia (Hofmann's Violett, Jodviolett) zu—
jetzt. Tas Gemisch entfärbt sich fast völlig und
giebt ein bläulich violett erscheinendes Schwarz,
welches als Tapetenfarbe den Eindruck von
Braun mit metallischem Reflex macht. Bronze
braun oder bronzebrauner Lack entsteht, wenn
man die Blauholzabkochung mit wenig Dahlia
lösung mischt und mit Alaun fällt, der aber
nicht allen Farbstoff niederschlägt. Der Nieder—
schlag giebt einen Lack, der, mit Leimwasser auf
Tapeten dünn aufgestrichen, eine schöne Lila—
farbe hat, wenn er aber die Farbe des Papiers
deckt, rotbraun erscheint und metallischen Refley;
zeigt.
Glasierte Ziegel. J. R. Geith in Koburg
giebt ein Verfahren an zur Herstellung schwarz
glasierter französischer Dachfalzziegel. Die
Glasur besteht aus Raseneisenstein mit den
nötigen Beimengungen. Die Ziegel werden
in lederhartem Zustand mit der feingemahlenen
Glasur begossen und nur einmal gebrannt. Die
Glasur läuft erst bei einer hohen Temperatur
zu einem matt glänzenden Spiegel aus, ist voll
ständig innig mit den Scherben verbunden, se
daß sie nie abblättert, wird recht gleichmäßig
sodaß mit diesem Material eingedeckte Dächer
ein ganz angenehmes Aussehen haben. Der zu
den Ziegeln verwendete Thon ist rein und feuer
fest, jedoch nicht hoch feuerfest. Der Eisengehal:
des Thones veranlaßte, je nachdem die Steine
mehr oder minder scharfem Feuer ausgesetz:
waren, eine ungleichmäßige Färbung und aus
diesem Grunde wurden die Glasurversuche unter
nommen.
Gutes Modellierwachs zu bereiten.
Men schmilzt 1 Kilogr. gelbes Wachs vorsichtig
über gelindem Kohlenfeuer und setzt 130 Gramm
venetianischen Terpentin, 66 Gramm Schweine—
schmalz und 725 Gramm geschlemmten Bolus
hinzu. Nachdem Alles gehörig durcheinander
geruͤhrt ist, gießt man es nach und nach in ein
mit Wasser angefülltes Gefäß und knetet es mit
den Händen mehrmals tüchtig durch. Das
Schmelzen des Wachses muß bei so niederer
Temperatur geschehen, daß sich an der Ober
fläche des geschmolzenen Wachses keine Bläschen
eigen.
ʒe Wle die Frantkfurter ihr schlechtes
Brunnenwasser vor den Bürgermeister
bringen. Kürzlich begab sich eine Deputation
von Bewohnern der Bendergasse in Frank
furt a / M. mit gefüllten Eimern und Züberr
zum Herrn Obermeister Dr. Miquel in der
Römer, um ihm das schmutzige Wasser zu zeigen,
welches die Stadt den Bewohnern der Gasse
durch den an der Nikbolaikirche befindlichen
Brunnen liefert. Leider traf die Delegation den
Herrn Oberbürgermeister nicht mehr auf den
Büreau, sie ließ jedoch zurück, daß sie ihren
Besuch mit gefüllten Eimern wiederholen würde.
— Der Oberbürgermeister wird diese Wieder⸗
holung wohl nicht erst abgewartet, sondern 2
alsbald von der Lage der Dinge an Ort und
Stelle unterrichtet haben.

Seifenschmiere für braunes Oberleder.
Um Oberleder schönen Glanz zu geben, ist es
am besten, keine Seifen- oder Nachhelfeschmiere
nötig zu haben, sondern das Oberleder so zu
kälken und zu färben, daß die Fleischseite aus
fich selber glatt und fest ist. Will man aber
Seifenschmiere gebrauchen, so benutze man nur
die beste weiße Kernseife, vermischt mit Rinder—
'alg, hellem Thran oder Vaselin u. s. w. Ein«
zute Seifenschmiere, welche sich in der Praxis
hewährt hat, wird solgendermaßen hergestellt
Auf 10 Liter weiches Wasser nimmt man 2 Pfd
weiße Kernseife, 12 Pfd. reinen Rindstalg,
Pfd. helles Colophonium, 2 Pfd. Glycerin,
Liter hesllen Thran oder Vaselin. Man schneide
die Seife des raschen Auflösens halber in schmale
Streifen und setzt diese mit der Hälfte des
Wassers auf ein gelindes Feuer, fügt, sobald
die Seife sich aufgelöst hat, den Talg hinzu und
sobald alles kocht, das Colophonium. Letzteres
wird in kleinen Mengen unter fortwährendem
Rühren zugesetzt. Nachdem dieses einige Zeit
rtüchtig gekocht, schüttet man die Schmiere in
einen steinernen Topf und setzt dort unter stetem
Rühren das Glycerin, den Thran oder das Va—
elin und zuletzt den Wasserrest zu. Dieste
Schmiere wird in lauwarmem Zustande aufge
ragen, leicht angetrocknet und dann glasiert
Ist die Schmiere aus gutem Material und nach
dieser Vorschrift hergestellt, erfüllt sie in jeder
Beziehung alle an eine gute Seifenschmiere zu
nachenden Forderungen.
Dauerhafte Tinte für Zinkblech-Eti
quetten zur Bezeichnung von Rosen
stöcken, Obstbäumchen rꝛc. Dieselbe bereite
man, indem man 1 Thl. Kupfervitriol und 1Thl
hlorsaures Kali in der ca. 36-fachen Mengt
reinen Wassers auflöst. Sie hat eine hellblau—
zrüne Farbe, sobald sie aber auf blankes Zink
kommt, wird die Stelle tief schwarz. Das
Schreiben kann mit einer Gänsefeder oder auch
nit einer Stahlfeder geschehen. Die beschriebe—
nen Etiquetten von blank geschabten Zinkblechen
äßt man ca. 2 Minuten abtrocknen und wirfr
iie dann in ein Gefäß mit reinem Wasser, in
welchem man sie gehörig abspülen läßt. Sie
werden dann abgetrocknef und mit einem öligen
dabppen (Leinöl oder Baumöl) überfahren.
Ertrag von Spalierbäumen. In dem
bayerischen Dorfe Nonnenhorn, dicht an der
württembergischen Grenze, stehen an der Süd
'eite eines ẽstöckigen Wohnhauses 4 noch junge
Aprikosenbäume. Das Haus hat einen
chützenden Vorsprung des Daches. Von den
zier Spalierbäumen hat der Besitzer im vorigen
Jahr einen Erlös von 90 Mark gehabt; 60 bie
80 Mark ist der Erlös in gewöhnlichen Jahren
Wird das außerdem von den 8 Kindern des
Eigners noch verzehrte Obst mit in Anschlag
gebracht, so giebt sich ein Gesammtertrag von
mindestens 100 Mark oder für jeden Spalier—
baum 25 Mark. Gewiß ein Beispiel, welches
zur Nachahmung auffordert.
Straßenbahnen. Ende 1882 betrug in
den Vereinigten Staaten die Gesamtlänge des
Straßenbahnnetzes 4800 Kilom. mit 1800 Wagen
Das Gesamt-Anlage- und Betriebskapital dieser
Bahnen beziffert sich auf 750 Mill. Fres
Folgendes Lied der englischen Sozia—
listen finden wir im Breslauer Monatshlatte
„Nord und Süd“:
Eight hours of labour,
Eight hours of play,
Eight hours of sleep,
Eight shillings a day.
In deutscher Uebersetzung: „Acht Stunden der
Arbeit, acht Stunden dem Vergnügen, acht
Stunden dem Schlaf, acht Mark jeden Tag“
Wir würden teure Ware oder vielmehr lauter
jfremde Ware haben, wenn unser Handwerker—
und Bauernstand diesem Schlaraffenleben hul⸗
digen wollte. Im deutschen Handwerkerliede
heißt es:
Winkt der Sterne Licht,
Ledig aller Pflicht
Hört der Bursch die Vesper schlagen: —
Meister muß sich immer plagen!

Verschiedenfarbiger Lack jür Weißblech
wird in folgender Weise bereitet: 30 Gramm
krystallisiertes, essigsaures Kupferoxyd werden in
einer Reibschale zu feinem Pulver gerieben,
dasselbe wird auf einen porzellanenen Teller
ganz dünn ausgebreitet und einige Tage an
einem mäßig warmen Ort aufbewahrt Nach
dieser Zeit haben sich das Krystallwasser und
ein großer Teil der Essigsäure des essigsauren
Kupferoxydes verflüchtigt. Das zurückgebliebene,
hellbraun leichte Pulver wird nun abermals in
einer Reibschale mit etwas Terpentinöl abge—
rieben und hierauf dann unter stetem Um—
rühren 100 Gramm bis auf 600 R. erwärmter
feiner fetter Kopallack hinzugegeben. War das
essigsaure Kupferoxyd höchst fein präpariert
gjewesen, so hat sich dasselbe beim Umrühren
nach 144 Stunde größtenteils gelöst. Man füllt
den Lack nun in ein Glas und stellt denselben
noch einige Tage unter öfterm Umschütteln an
»inen warmen Ort. Die kleinen Mengen von
essigsaurem Kupferoxyd, welche sich jetzt noch
abgesetzt haben, werden bei der nächsten Bereitung
»erwendet. Der dunkelgrüne Lack giebt jedoch,
uuf Weißblech gestrichen, erst beim 4. oder 5.
Anstrich eine schöne grüne beständige Lüsterfarbe,
dagegen genügen schon zwei Anstriche, um durch
Erhitzen in einem Trocknenschrank oder auf einer
egal erwärmten Eisenplatte die verschiedensten
Boldfarben auf Weißblech zu erzeugen. Je nach
der Dauer der Temperatur erhält man gruͤnliche,
gelbe oder dunkelgelbe Goldfarben, dann Orange
und schließlich rotbraune Nuancen. Die Farben
ibertreffen an Feuer die mit englischem Gold—
sack fabrizierten Bleche und haben noch den
Borzug der Beständigkeit im Lichte. Ist zu
dem Polychromlack ein guter Kopallack ange—
wendet worden, so sind auch die damit erzeugten
Bleche hämmerbar. Die Bildung der Gold—
farben beruht auf der Reduktion des aufgelösten
dupferoxydes zu Kupferoxydul, das in den
kleinen Mengen als Goldfarbe in dem Kopal—
lacke löslich ist. Je mehr diese Reduktion durch
Wärme befördert wird, je dunkler werden die
Farben. Das Gelingen der Goldanstriche hängt
vom egalen Auftragen und gleichmäßiger Er—
pärmung ab.
Die Versteigerung von Trakehner—
pferden. Im Maind. J. wurden aus dem
Trakehner-Gestüt 66 Pferde versteiger“
uind hierbei erlöst für:

à Durchschn.
Mk. Mk.
9 Hengstfohlen .. 3820 424,44
8 Stutfohlen. .. 4420 552,50
6 Mutterstuten .. 6300 1050, —
11 4jährige Hengste, 17910 1628,18
1 do. Wallache 13480 1225,45
21 do. Stuten. 29990 1428,10
ür 66 Pferde...786920 1150,30
Das teuerste Hengstfohlen ging für 1199 Mk.
tach Nowischken, das teuerste Stutfohlen für
1540 Mk. nach Bremen.

Bücher und Zeitschriften.
yNr. 27 des „Centralblatt für die Tertil—
Industrie“ enthält: Die Tertilindustrie auf der
ichweiz. Landesausstellung in Zürich. Maschine zum
rẽinpapieren von Stoffstücken, die zur Appretur be—
stimmt sind. Universal-Spann-, Rahm-, Strecks und
Trockenmaschine. Maschine zum Färben, Firnissen
und Grundieren glatter und unebener Flächen. Streck—
wagen für Trockenmaschinen. Einsprengmaschine für
Gewebe aller Art zum einseitigen und zweijseitigen
Finsprengen. Verfahren zur Herstellung von Schrau—
»enraupen. Verfahren und Vorrichtungen zum Car—
»onifieren von Gespinnstfasern. Maschine zur Her—
tellung der Holzfstäbchengewebe zum Festhalten des
Deckenputzes. Neuerung an der Einrichtung zum
Schützenwechsel für mechanische Webstühle. Walkvor—
richtung für mechanische Webstühle. Neuerung an
Schußwächterschützen für mechanische Webstühle. Web—
Vorrichtung. Einrichtung am Selfaktor zur Erzielung
verschiedener Drehungsrichtungen der Spindeltrom—
meln. Einrichtung zum Transport der Wolle in
Wollwaschmaschinen. Vließteiler für Vorspinnkrem—
peln. Faärberei- und Druckerei-Rezepte. Submissionen
lartierichte Berliner Course.

Anr die Rebdaktinn bperontwortsi C.55f* Druck und Verlag von Gehr. 505*
            
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