Full text : 1.1883 (0001)

Nr. 16
Die Eisenindustrie auf der Amster⸗
damer Kolonial⸗ und Export⸗
Ausstellung.
Die Münchener „Allgemeine Zeitung“
fällt über die Ausstellung der Burbacher
Sütte folgendes anerkennende Urteil:
„Eine ganz besondere Beachtung verdient die
Ausstellung der Luxemburger Bergwerks⸗ und
Saarbrücker Eisenhütten-Aktiengesellschaft zu
Burbach, für gewöhnlich Burbacher Hütte ge—
nannt. Dieselbe hat das imposante Eingangs—
thor zur deutschen Abteilung in Gestalt eines
Belvedere ganz aus Walzeisen verschiedener
Profile hergestellt, welches der Ausstellung des
deutschen Reiches freilich keine dem Auge
schmeichelnde, für den Fachmann aber sehr be—
deutende Haupifront gibt. Es sind hierbei u. a.
Schiffsdeckbalken bis zu 22000 Meter Längt
ferner T.Eisen in Längen bis zu 45 000 Meter
verwendet. Auch vortreffliches Säulen-Eisen,
Grubenschienen, Eisenbahnschienen und Schwellen
nebst deren Verbindungen, sowie Streckengestelle
zum Grubenausbau verschiedener Konstruktionen
und eine Kollektion Profilabschnitte speziell von
T- und U⸗Eisen haben hier Verwendung ge—
funden, und so vereinigten sich diese in ihrer
Ausführung tadellosen Fabrikate zu einem mas—
siven, die deutsche Eisenindustrie bedeutungsvoll
repräsentierenden Riesenbau.

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Frankreichs Handel mit Eisen und
Eisenerzen im Jahre 1882.
Es betrug die Einfuhr von
Gußeisen..285080 Tonnen,
schmiedbarem Eisen 86664 ,
Stahl....483968
zusammen 417597 Tonnen,
gegen 380043 in 1881 oder 9,8 pCt. mehr.
Die Ausfuhr an allen drei Produkten stellte
sich auf 104 836 Tonnen gegen 117 687 Tonnen
im Vorjahre.
An Eisenerzen wurden eingeführt
aus Belgien ... 164779 Tonnen,
Deutschland. 381466
Spanien. . 481028
Italien. . 83343,
Algier.... 202266
anderen Ländern 121198,
zusammen 1425000 Tonnen,
zegen 1286760 Tonnen im Jahre 1881.
Andererseits stellte sich die Ausfuhr
nach Belgien auf.. 56187 Tonnen,
„Deutschland auf 48964,
Spanien auf. 15491
zusammen 120642 Tonnen,
vährend die des voraufgegangenen Jahres nur
38 294 Tonnen betragen hatte.
Verfahren zum Reinigen alter
Delgemälde.
Um alte Oelgemälde zu reinigen, welche mit
stuß und Kohlenstaub behaftet sind, bedient man
sich in den meisten Fällen des sogen. „Putz
vassers“. Aber gerade solches Putzwasser führt
oft mehr Schaden als Nutzen herbei, weil es
nicht selten auf die leichten Farbentöne der
Gemälde schädigend einwirkt und das Bild ver—
letzt. Dr. Ernst Freiherr von Bibra erfand
naun (nach „Wieck's D. Gew.Ztg.“) eine neut
Methode, welche fraglichen Uebelstand nich!
zeigen und außerdem schnell und sicher zum
Ziele führen soll.
Zunächst wird das Bild aus dem Rahmen
genommen und mittelst eines großen Pinsels
oder einer Federfahne von dem ihm anhaftenden
Ruß oder Staub befreit; ist dies geschehen, se
wäscht man mit einem in Brunnenwasfer ge—
tauchten Schwamme das Bild ab. Hierauf be
legt man das Bild mit einer dichten Schicht von
Seife, und es fand Dr. v. Bibra, als die
hierzu geeignetste die Rasierseife, da dieselbe,
ohne einzutrocknen, feucht steht. Hat man nun
die Seife 8 bis 10 Minuten lang auf dem Ge—
mälde stehen gelassen, so wäscht man dasselbe
mit einem starken Pinsel und, wenn nötig, mit
einem Zusatze von einer geringen Menge Wasser
vollständig ab. Schließlich spült man die noch
anhaftende Seife mit Brunnenwasser hinlänglich
ab und läßt das Gemälde vollständig trocknen
Hierauf schreitet man zu der Reinigung des Oel⸗
gemäldes mittelst Nitrobenzol. Dieses chemische
Präparat, welches auch die Namen Nitrobenzin,
künstliches Bittermandelöl, Mirbanessenz oder
Mirbanöl führt, stellt eine gelbliche ölartige
Flüssigkeit mit starkem Geruche nach bitteren
Mandeln dar, und bildet sich, wenn rauchende
oder konzentrierte Salpetersäure und Stein
kohlenbenzin unter den nötigen Vorsichtsmaß
regeln mit einander gemischt werden. Diese
Flüssigkeit gießt man in einen tiefgehenden
Teller und kränkt mit ihr ein reines Leinwand
äppchen und übergeht mit letzterem zu wieder—
holten Malen das Oelgemälde, von dem durch
diese Manipulation schnell aller anhaftende
Schmutz beseitigt wird. Dieses Leinwandläpp
hen wechselt man öfter mit neuen Läppchen
ind bleiben dieselben rein bei dem wiederholten
Uebergehen des Bildes mit Nitrobenzol, so ist
die Reinigung beendet. Ist nach dem letzten
Uebergehen mit Nitrobenzol das Gemälde voll—
tändig trocken und zeigen die Farben einen
natten Ton, so giebt man dann eine sehr dünne
Schicht des feinsten Olivenöls auf das Bild und
ärnißt dasselbe nach einiger Zeit mit einem
zuten leicht trocknenden Firniß ein.
Dr. v. Bibra's Verfahren, in der hier be—
hriebenen Weise angewendet, soll selbst der
chmutzigsten Oelgemälden ihre ursprünglicher
aArben wieder gehben

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Preizausschreiben für Drechsler.
Das technologische Gewerbemuseum in Wien
Sektion für Holzindustrie) veranstaltet in der
Zeit vom 1. Jan. bis 31. März 1884 eine Kon⸗
kurrenz von technischen Neuheiten in der Holz—
drechzlerei. Es werden hiermit folgende
Preise ausgeschrieben:
1. Für neue Verfahrungsweisen, durch welche
das als Rohstoff in der Drechslerei zu ver⸗
wendende Holz auf physikalischem oder chemi—
schem Wege eine Erhöhung seines Wertes
erfährt.
Für Verbesserungen im Baue von Werk—
zeugen und vorzügliche Ausführung bekann—
ter Werkzeuge in der Holzdrechslerei.
Für einen kompleten Satz aller in der
Holzdrechslerei zur Verwendung kommenden
Werkzeuge.
Für Verbesserungen im Baue von Dreh—⸗
bänken und Hilfsmaschinen der Drechslerei.
Für Erzeugnisse der Holzdrechslerei, welche
in technischer Beziehung irgend einen An—
spruch auf Neuheit erheben können.
Alle eingesandten Gegenstände gelangen in
der Zeit vom 1. Jan. bis 31. März 1884 zur
öffentlichen Ausstellung im technologischen Ge—
werbemuseum; sie müssen in gebrauchsfähigem
Zustande und in Naturgröße vorliegen. Zeich—
nungen und Modelle sind ausgeschlossen.
Zur Prämiierung preiswürdiger Gegenstände hat
der Verwaltungsrat des niederösterreichischen Ge—
werbevereins silberne und bronzene Medaillen
bestimmt, die durch eine Anzahl von der Direk—
tion des Museums ausgewählter Fachmänner
zuerkannt werden. Anmeldungen sind bis 1.
Novbr. 1883 an das Technologische Gewerbe—
museum, Wien, J., Eschenbachgasse 11, zu richten.
Einsendung franko bis 1. Dezbr. 1883 an die
gleiche Adresse. Gegenstände, die vor dem 1.
März 1884 nicht eingelangt sind, können von
der Jury nicht mehr in Betracht gezogen werden.
Den Zoll, der bei der Einfuhr der Gegen—
stände nach Oesterreich zur Erhebung konmt,
erlegt das Museum. Angabe des Preises der
Begenstände ist erwünscht. Der Verkauf der—
elben im Museum ist zulässig. Platzmiete ist
tricht zu entrichten.

Schnelle Dampferfahrt.
Der durch seine Schnelligkeit hervorragende
Dampfer „Stirling Castle“ des gennuesischen
Rheders Cav. Matteo Bruzzo verließ im Mona
Mai auf der Tour von China nach England
den Hafen von Hankow einige Stunden später
als der seither durch seine unerreichte Geschwin—
digkeit berühmte Dampfer „Glenogle“, machte
die 800 Meilen lange Fahrt über den Yantzge
in 42 Stunden und langte anderthalb Stunden
vor dem „Glenogle“ in Singapore an. Es er—
gibt sich hieraus der Beweis, daß der „Stirling
Castle“ in der Stunde 191/2 Meilen zurücklegte
eine Geschwindigkeit, die bis jetzt noch von
keinem Dampfer erreicht wurde, was zu der Er—
wartung berechtigt, daß der unter dem Namer
„Nordamerika“ künftig eine Zierde der italieni—
schen Handelsmarine und der von Cav. Bruzze
neu ins Leben gerufenen Dampferkompagnie
bildende Dampfer zu der Fahrt von Genuaga nach
Buenos-Ayres, welche beide Hafenplätze er dem
nächst in regelmäßiger Verbindung halten soll
nicht mehr als 14 Tage gebrauchen wird
Ueber eine Krankheit des Weines.
(Nach A. W. v. Babo in der „Weinlaube.“)
Das Braunwerden der Weine,. sowohl der
Weiß⸗ wie der Rotweine, bei welchen ein höchst
unangenehmer Geschmack nach faulen Aepfeln
oder gedörrtem Obst auftritt, beruht nach B.
wesentlich auf der Zersetzung des im Wein ent—
haltenen Tannins (ogl. die Mitth. von Neßler
Ind.“Bltt. 1883 S. 153). Die Zersetzung des
Tannins kann entweder schon in den Traͤuben
selbst stattfinden oder bei der Maische oder endlich
im Wein selbst, welcher letzterer Fall indes
seltener eintritt. Am häufigsten ist das Braun—
werden der Weine auf das zersetzte Tannin
fauler Trauben zurückzusühren. Bei Weißweinen
wird das Braunwerden im Ganzen wenig ge—
fürchtet, von vielen Weinbergbesttzern wird es
sogar als Zeichen eines guten Jahrgangs ange⸗
sehen. Dies ist leicht 'ertlärlich, werl weiße
Trauben überhaupt wenig Tannin enthalten und
weil sowohl das gesunde, wie das in Zersetzung
begriffene Tannin beim Schoͤnen mit Gelaͤlin
ausgeschieden wird. Rote Weine, welche braun
geworden sind, lassen sich nur dadurch wieder
herstellen, daß man durch eine große Menge von
Gelatine alles Tannin und zugleich den Farb—
stoff ausscheidet. Der resultierende Wein hat
eine schmutzig rotbraune Farbe und müßte zur
vollständigen Herstellung mit Farbstoff und
Tannin versetzt werden, wenn man nicht vor—
zieht ihn zu Mischungen zu verwenden. Mar
hat deshalb schon früher mit Recht angenommen,
daß bei der Herstellung von Rotwein fault
Trauben nicht mit den gesunden vermaischt wer
den sollen

Ein JZubiläum.
In München fand am 1. d. M. ein Juliläum
tatt, welches von den Sympathien wohl der
jesamten deutschen Ingenieure begleitet war.
Der betreffende Ehrentag galt Herrn Direktor
deinrich Gerber, einer Autorität ersten
Ranges auf dem Gebiete der Eisenkonstruktion.
An diesem Tage vor 25 Jahren war es, wo
Herr Gerber in den großen v. Cramer-Klett'—
schen Werken zu Nürnberg die Leitung der Ab—
teilung für Eisenbau, namentlich für Herstellung
eiserner Brücken, größerer Hallenkonstruktionen ꝛc.
ibernahm. In Bayhern wie in Hessen sind fast
ämtliche derartige Bauten, deren Zahl sich auf
ziele hunderte beläuft, von Herrn H. Gerber
tonstruiert und unter ihm ausgeführt und auf—
gestellt worden, wie er auch heute noch das ge—
tannte Unternehmen, welches 1873 die Firma
„Süddeutsche Brückenbau-Aktiengesellschaft“ mit
dem Sitz in München annahm, als dessen Di—
rektor und Chef-Ingenieur er auf der Höhe der
Zeit steht, unter eifrigster Förderung seiner fort—
chreitenden Entwickelung, unter unausgesetztem
Streben nach Vervollkommnung der Konstruk—
tionen leitet. Aus der Reihe der Glückwünsche,
welche dem Gefeierten an seinem Jubiläumstage
zu Teil wurden, heben wir diejenigen hervor,
welche ihm die Ingenieure, Verwaltungsbeamten,
Werkführer und dienstältesten Arbeiter jeder Ab—
deilung der „Süddeutschen Brückenbau⸗Aktien—
gesellschaft“ darbrachten. In einer von den
Künstlern Fr. v. Miller und H. Kaufmann auf
das feinsinnigste und schönste ausgestatteten
Adresse sprachen sie ihrem Meister die Gefühle
dankbarster Anhänglichkeit und größter Hochach—
ung mit den wärmsten Worten aus. Möchten
»em in seiner Vollkraft stehenden verehrten ge—⸗
rialen Manne noch viele schaffensfreudige Jahre
»eschieden sein“
            
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