Full text : 1.1883 (0001)

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leisten, dann muß es allmälig mit einer ansehn—
lichen Zahl tüchtiger kaufmännischer
Kapazitäten gehörig durchsetzt werden.
Roheisen⸗Produktion im Saar⸗ und
Mosel⸗Revier.
J. und II.
Januar und Februar 1883.
Im Monat Januar und Februar 1880
wurden nach den Aufnahmen der „Südwest—
lichen Gruppe des Vereins deutscher
Eisen- und Stahl-Industrieller“ vor
den dieser Gruppe zugehörendeu Eisenhütten an
Roheisen produ ziert:
Januar. Februar.
1) Puddelroheisen 88520 T. 37 475 T.
2) Spiegeleisen — —
3) Bessemerroheisen — —
4) Thomasroheisen 4280, 3892,
5) Gießereiroheisen 2921, 2651
zusammen 45721 T. 44018 T.
Der Lagerbestand auf den Hütten betrug am
Schlusse desselben Monats:
Januar. Februar.
1) Puddelroheisen 12 141 T. 10020 T.
2) Spiegeleisen — —
3) Bessemerroheisen — —
4) Thomasroheisen 523, 5560,
5) Gießerreihroheisen 921 646
zusammen 13585 T. 11222 T.
Der Durchschnitt der Produktion für die
letzten 6 Monate des vergangenen Jahres hatte
43 636 T. betragen; die Produktion der beider
Monate Januar und Februar des laufender
Jahres übersteigt diesen Durchschnitt also un
4,7 resp. O,9 pCt. Im Monat Februar ist die
Produktion gegen den vergangenen Monat un
etwa 4 pCt. gefallen.
Der durchschnittliche Lagerbestand pro
1882 hatte 12154 T. betragen; der Lagerbestand
pro Januar des laufenden Jahres ist dem gegen
über also um 11,7 pCt. gewachsen, der des
Monat Februar um 0,8 pet. gefallen. Gegen
über dem Monat Januar ergiebt sich für den
Monat Februar eine Abnahme der Lagerbestände
um 8pCt.

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

herabgesetzt. Die Erhöhung des Zolles auf
Porzellan und Fayenee erscheint unbedeutender
als man bisher angenommen hatte, da der Zoll
jetzt nur von dem Nettobetrage der Fakturen
erhoben wird, wäbrend bisher die Kosren der
Emballage, Kommission, Assekuranz zugeschlagen
wurden. Da diese Kosten bei den betreffenden
Artikeln sehr hoch sind, so wird sich schließlich
nur eine unwesentliche Erhöhung des wirklich
zu entrichtenden Zolles ergeben.
Ueber die wirtschaftliche Lage des
Bauernstandes in den Gebirgs—
distrikten des Kreises Merzig.
Die Schrift: „Bäuerliche Zustände in Deutsch
and“, Berichte, veröffentlicht vom Verein für
„Sozialpolitik“, enthält u. A. auch eine Abhand
lung über „die wirtschaftliche Lage des Bauern
standes in den Gebirgsdistrikten des Kreises
Merzig, insbesondere in den Bürgermeistereier
Wadern, Weißkirchen und Haustadi“ von J. J
Kartels, Ackerbauschul-Direktor in Saarburg
Der Verfasser sagt in der Einleitung: „Der
Kleinbauer geht, besonders in unsern rheinischer
Gebirgsdistrikten, seit Jahren rückwärts in seinen
wirtschaftlichen Wohlbefinden. Diese Thatsache
spricht der beteiligte Bauer selbst aus bei jeder
Berührung mit ihm,; diese Thatsache erhellt aus
der um sich greifenden Verschuldung innerhalk
der bäuerlichen Kreise; sie wird uns bei nur
allgemeiner, aber fach- und sachkundiger Berech
nung der möglichen landwirtschaftlichen Produk
tion, verglichen mit den nötigen Mitteln zu einen
hescheidenen Familiennahrung klar und durck
gleichzeitige Veranschaulichung der gegebener
Möglichkeiten eines Barverdienstes außerhalt
der kleinbäuerlichen Wirtschaft; diese Thatsache
wirft ihre Konsequenzen bereits vor unser‘
Wahrnehmung in der Auswanderung einzelnern
Familien, eniwweder nach überseeischen Plätzer
oder nach den Industriegebieten des Heimats
sandes und der Nachbarländer; diese Thatsache
pricht sich sppradisch auch darin aus, daß be
Arbeitsangebot innerhalb der heimischen klein.
häuerlichen Kreise die Konkurrenz um Arbei—
resp. um Lohn so stark wird, daß Tagesver
dienste — im Tagelohn oder Akkord — bis zi
50 Pfg., regelmäßig aber bis zu 80 Pfg. sinken
Der neue amerikanische Zolltarif Dem Beobachter des inneren Familien⸗- unt
liegt noch nicht vollständig vor, da die amerika Wirtschaftslebens stoßen noch andere, schwer
nischen Blätter nur einzeine Positionen heraus viegende Momente auf, welche offenbar dern
greifen, und vor allem jede Vergleichung der sicheren Beginn eines schnellen Sinkens des
einzelnen Positionen mit den früheren vermissen virtschaftlichen Wohlbefindens unserer Gebirgs
lassen. Eine solche Vergleichung auf Grund des !leinbauern anzeigen.“
alieren Materials vorzunehmen, ist außerordent. In einem Schlußartikel faßt der Verf. seine
lich schwierig und zeitcaubend, weil die Ein Betrachtungen über das, „was wir wünschen
teilung der verschiedenen Zoll-Positionen im neuen nüssen?“ in einer Reihe von Sätzen zusammen
Tarife zum Teil eine ganz andere ist als im Zwei dieser Sätze lauten: 5)Da nach meinen
alten, weil ferner vielsach aus den gemischten leberzeugung nicht die Verschuldung an und
Gewichts⸗ und Wertzöben zu den reinen Ge fkür sich die Größe des Uebels ausmacht und der
wichtszöllen übergegangen ist, vielfach auch um- Bauernstand ruiniert, sondern a) die Heimlich—
gekehrt Wertzölle an die Stelle früherer Ge. eit der Verschuldung, welche die Indolenz in
wichlszölle getreten sind. Erst nach und nach Rechnen, Sparen, Erwerben, Zinszahlen, Ein
wird es möglich sein, sich in diesem Labyrintt halten der Tecmine gerade in sog. Kleinigkeiter
zurecht zu finden. Die Zölle von Porzellan zroßziehen und b) die Stundung der Schuld
Fayence und Glas stellen sich folgendermaßen deträge seitens der Geldverleiher, Händler und
Porzellan und Fayence: Bisher. Neuer Cessionare und e) deren dann oft plötzliche For
gemalt bedruckt oder vergol-⸗ Zoll. Zoll. derung zur ungelegensten Zeit für den Schulddet,
 vom Werte. . 50pCt. 60 pCt. ner, so müssen hiergegen gesetzlich geregelte Ab—
unverziertes.... 45, 5655, hülfen getroffen werden, welche die Gläubiger
Blasflaschen. .B3IU3, 1Cent⸗Pfd ind die indolenten Schuldner gleichzeitig zwingen
wenn gefüllt, außer dem Zoll des Inhalts hre gegenseitigen Geschäfte solid zu führen. Ich
noch 30 pCt. vom Werte rechne dahin als Einzelmittel: a) Zinsen sind
Glas, gegossenes und poliertes nicht mehr einklagbar von länger als 2 Jahren
Plattenglas, unbelegtes, nicht her; b) es ist ein öffentliches Schuldenhuch an
über 10 u. 15 Zoll, auf den zulegen, worin der Privatgläubiger seine For
Quad.⸗Fuß ..... derungen einzutragen hat, sofern sie rechtskräftig
desgleichen über 10 u. 15 nicht sein sollen. Zur Radikalkur auf diesem Gebiete
über 16 und 20 Zoll, per werden allerdings Vorkehrungen von viel weiterem
Quadr⸗-Fuß... . 45, 4, UUmfange zu treffen sein, wohin ich besonders die
desgl. über 16 und 29 nicht Einrichtung eines Kredits mit billigem Zinsfuf
über 24 und 30 Zoll, per und Zwangsamortisation rechne. Ganz beson
Quadr.⸗Fuß. ..7,22, 6ders aber muß es und wird es dahin kommen
desgl über 24 und 30 nicht daß das Landeigentum des Kleinbesitzes nich
über 24 und 60 Zoll, per von jedem Geldverleiher mit Beschlag belegt und
Quadr⸗-Fuß. ... 22,5 , 20 „nun zur Veräußerung gebracht werden kann
desal. über 24 und 60. .45 , 40 , Bei solchen Graden der Verschuldung würde e⸗
Die Zölle auf Platten-Glas sind wie aus sich doch fragen, ob nicht — wenigstens auf An.
dieser Zusammenftellung hervorgebt, um 10 pCt traa des Schuldners — die Rechtlichkeit der

Schuldforderungen durch öffentliche Organe zu
prüfen wäre und der Gläubiger mit den ihm
aus baren Darlehen ausgelieserten Reglitäten,
geschätzt nach Orts- und Zeitpreis und den sich
daraus ergebenden üblichen Zinsen abzufinden
sei, zunächst zu Gunsten des Schuldners oder
falls dieser wirklich nicht mehr wirtschaftlich
lebensfähig zu erhalten wäre, zu Gunsten der
betreffenden Gemeinde. — Schließlich werden
wir auf diesem Gebiete doch zu einer Art Un—
antastbarkeit der Heimstätte kommen müssen wie
in Nordamerila. — Selbstverständlich müssen
einstweilen die Darlehns- und Sparkassen weiter
zu wirken suchen, die genossenschaftlichen und die
der Korporationen. — 6) Unsere Verhältnisse
drängen auf Entlastung der Gemeinden, auf
Uebernahme der Schulkosten und mancherlei Ver—
waltungskosten durch den Staat, denn thatsäch⸗
lich bringt der Säckel der Gemeinde dem Auf—
wand, der Staatsverwaltung manches Opfer
Stellung der Bürgermeister und deren Ob—
iegenheiten).

Die fenerfesten Produkte und der
Schutzzoll.
Die Fabrikation feuerfester Produkte befindet
sich in Deutschland der englischen Konkurrenz
gegenüber immer noch in einer schlimmen Lage,
da sie des so notwendigen Zollschutzes gänzlich
entbehrt. Indem England unter außerordenilich
zünstigen Transportverhältnissen und auf Grund
billigerer Rohstoffe auch mit geringeren Selbst—
kosten feuerfeste Steine produziert und exportiert,
bleibt seine Konkurrenz jahrein jahraus für die
deutschen Produzenten eine außerordentlich fühl—
bare; dazu kommt, daß die englische Fabrikation
von der Natur außerordentlich begünstigt ist, in—
dem sie die vorzüglichsten Thone mit Kohle zu—
sammen vorfindet, was in Deutschland leider
nirgends der Fall ist. Kein Wunder ist es da—
her, daß England einen großen Teil des deut—
schen Bedarfs an sich gerissen hat und dadurch
die deutschen Fabriken feuerfester Produkte in der
empfindlichsten Weise schädigt.
Der Jahresbericht der Handelskammer für die
Kreise Reichenbach, Schweidnitz und Waldenburg
heklagt sich über diese Zustände mit Recht, indem
er anführt, daß nach einer Enquete des Vereins
deutscher Fabriken feuerfester Produkte jährlich
mindestens 13000 Tons - 260000 Etr. durch
die Ostseehäfen, 87000 Tons -21740000 Etr.
durch die Nordseehäfen, zusammen also 2 Mill.
Etr. feuerfester Produkte nach Deutschland im—
portiert, wovon das Meiste noch dazu über hol—
ländische und belgische Häfen zugeführt werde.
Diese Zahlen bekunden allerdings deutlich genug,
wie bedeutende Summen der nationalen Industrie,
unserem arbeitenden Volke und auch der Reichs—
kasse durch deu mangelnden Zoll verloren gehen.
Der genannte Handelskammer-Bericht giebt
einen interessanten Einblick in die Leistungs—
fähigkeit der schlesischen Werke, welche die In—
dustrie der feuerfesten Produkte betreiben. Die
Produktion und der Verkauf von Chamottwaren
auf den Saaraner Werken in Schlesien stellte sich
nämlich im Jahre 1881 wie folgt:
17 000000 Kg. Chamotten und Gasretorten,
.77000 Stück Ballonstopfen,
1220000 Kg. Chamottmörtel, Chamott und
Thonmehl,
9248 850 Kg. blauer und weißer Thon,
415 200 Kg. roher u. gebrannter Schiefer⸗
thon.
Dies repräsentiert zusammen einen Wert von
rirea 360 000 Mark. Die Handelskammer be—
nerkt hierzu Folgendes: „Trotzdem die in un—
serem Bezirke hergestellten Fabrikate in Qualität
den besten englischen und schottischen Marken
mindestens gleich stehen, wird der Absatz durch
die hohen Frachtsätze behindert; es wäre des⸗
halb eine Verminderung dieser Sätze für Send⸗
ungen von 5— 10000 Kg. Chamottsteinen wenig⸗
stens nach Oderberg, Myslowitz, Sosnowice,
Alexandrowo, Berlin loco und transito Hamburg⸗
dafen, Westfalen und Rheinprovinz sehr zu em⸗
yfehlen.“
Im Jahre 1881 hat der Verein der deut⸗
ichen Fabriken feuerfester Produkte beim Reichs⸗
tag bereits die Einführung eines Schutzzolles
            
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