Full text : 1.1883 (0001)

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
als von den En gros-Lagern in der nächsten erneuten Krästen den Kampf um's Dasein auf⸗
größeren Stadt zu beziehen. Die Lieferanten zunehmen. — — —
werden dadurch gezwungen, den Vertrieb ihrer Wenn wir uns diesen Ausführungen auch
Artikel ausschließlich in den größeren Städten nicht durchweg anschließen können, wenn uns
zu suchen, wo dann naturgemäß durch die Masse namentüch auch die Begründung der Petition
der Angebote die Preise in einer schreckener· an einzelnen Stellen niht recht geiungen er—
regenden Weise gedrückt werden. Außerdem cheint, so erkennen wir doch den Interessenten
find Fabrikanten und Kaufleute in den Fabrik— gern die volle Berechtigung zu, die Einführung
Distrikten höchst selten in der Lage, ihre sämt, der . Stucguttlaff⸗ als in ihrem dringenden
lichen Materialien und Waren in Wagenladungen Interesse liegend fordern zu dürfen. Es be
zu beziehen, werden daher durch die hohe Stuͤck deht wohl auch kein Zweifel, vaß dieselbe nu—
zutfracht darauf hhingewiesen, ihre Bezüge für Ane Frage der Zeit ist Eine rege Beteiligung
bestimmte Materialien und, Waren nur aus her Interessenlen an weiterer Agilation wäre er
einem eng begrenzten Bezirke zu machen. vünicht und würde die Sache fördern können.

Nr. 12

Die Kosten des elektrischen Lichtes
erläutert Professer Dr. Rühl mann in fol—
gender Weise: Gegenüber den Behauptungen
einiger Gastechniker, daß das elektrische Licht
im Vergleich mit Gaslicht viel zu teuer sei, ist
es gewiß von einigem Interesse, die Erfahrungs⸗
resultate einer groͤßeren sächfischen
Spinnerei kennen zu lernen, welche seit Ot—
ober v. J. mit einer elektrischen Beleuchtungs⸗—
einrichtung arbeitet. Seit dem Beginn des Be—
triebes ist auch nicht eine einzige Stoͤrung irgend
welcher Art vorgekommen und Fabrikinhaber und
Arbeiter sind gleich befriedigt von dem VLichte.
In jenem Etablissement sind 16 Bogenlampen
System Krizik-Piette) allabendlich thätig, jede
iefert ungefähr ein Licht von 800 Normalkerzen
Helligkeit. Der elektrische Strom wird von zwei
Schuckert'schen Dynamomaschinen geliefert,
deren jede zu ihrem Betriebe 7 Pferdestärken
bedarf. Die Anschaffung eines neuen Motors
zum Betriebe der elektrischen Maschinen war
nicht erforderlich, da die 200pferdigen Maschinen
des Etablissements leicht die nötigen 14 Pferde—
stärken noch hergeben konnten. Die Einrichtung
der gesamten elektrischen Anlage, die Beschaffung
der Dynamomaschinen, Lampen, Leitungen, Rie—
men, Vorgelege, Installation ꝛc. kostete 8800 Mk.
Die 16 Lampen waren in den drei Monaten
November, Dezember 1882 und Januar 1883
zusammen während 6690 Stunden im Betriebe.
Fine Lampe brannte somit durchschnittlich 418
Stunden. Rechnet man für Zinfen, Reparatur
und Amortisation 20 pCt. des Anlagekapitals,
so ergibt dies für 9800 Mk. auf 3 Monate
490 Mark; der Kohlenmehrverbrauch für 14
Pferdestärken betrug 6620 kß & 40 Mk. 40 Pfg.,
der auf die elektrische Einrichtung entsallende
Anteil an Löhnen betrug 167 Mk. 60 Pfg, der
Verbrauch an Schmieröl betrug 20 Mk. Kohlen—
stifte wurden verbrannt für 457 Mk.; somit
kosten 6680 Stunden elektrisches Licht 1175 Mt.
und es kostet 1 elektrische Lampe pro 1 Stunde
17,6 Pfg. In dem Etablissement ersetzt 1 Bo—
genlampe 13 Gasflammen; rechnet man den
Kostenpreis einer Gasflamme pro Stunde im
Großbetrieb nur zu 8 Pfg. so kosten 13 Gas—
lammen pro Stunde 39 Pfg.; das diese 13
Flammen ersetzende elektrische Licht kostet nur
17,6 Pfg In 6690 Brennstunden kostete die
Basbeleuchtung ehemals 2609 Mark, die das
Bas ersetzende elektrische Beleuchtung kostet für
dieselbe Zeit 1175 Mk.; es wurden somit durch
die Einführung des elektrischen Lichtes in drei
Monaten 1434 Mk. erspart.

Sowohl für den Einkauf als Verkauf bietet mit
hin der Tarif vom Jahre 1878 ein in vielen
Fällen unüberwindliches Hindernis für die freie
Entwickelung der Produktion und des Handels
hiesiger Gegend. Die Centralisation der Fabri—
kation und des Handels an bestimmten, durch
Knotenpunkte der Eisenbahnen begünstigter
Plätzen und die gleiche Centralisation des Han—
dels in den größeren Städten, welche durch den
Tarif vom Jahre 1878 ohne eine zweite er—
mäßigte Stückgutklasse hervorgerufen wird, kann
aber unmöglich dem Gesamtinteresse der Nation
entsprechen. Sämtliche Direktionen der großen
nordwestlichen Eisenbahnen haben auch von
vornherein die Beseitigung der ermäßigten
Stückgutklasse durch den Tarif vom Jahre 1878
als einen wirtschaftlichen Mißgriff bezeichnet
Nach den veröffentlichten Protokollen der Ver
handlungen der ständigen Tarif-Kommissionen
über diesbezügliche Abänderungen des jetzigen
Gütertarif-Schemas äußerte sich unter anderen
der Vertreter der Köln-Mindener Eisenbahn in
der Sitzung vom 27. November 1879 wie folgt
(Seite 59—61). „Zur Sache selbst übergehend
müsse er hervorheben, daß ein Hauptfehler des
jetzigen Systems die offenbare Begünstigung
des Großhandels gegenüber dem Kleinhandel
sei ..... Die Majorität der der Kommission
angehörenden Eisenbahn-Verwaltungen habe aus
den eingeforderten Gutachten der Handelskammern
und wirtschaftlichen Vereine ein entschiedenes
Bedürfnis zur Einführung einer zweiten Stück
gutklasse entnommen.“ . .. „Was die von
einzelnen Eisenbahnen infolge der Einführung
einer zweiten Stückgutklasse so sehr befürchteten
Einnahme-Ausfälle betreffe, so seien dieselben,
vielleicht mit Ausnahme der Bahnen mit großem
Stückgutverkehr, unerheblich, wie die von ihm
oorgelegten Zahlentabellen beweisen.“ .....
„Eine Kompensation für diese Einnahme-Aus—
fälle würden die Eisenbahnen durch den Weg—
fall der allgeme:nen Wagenladungsklassen, derer
Güter, soweit se Sammelgüter sind, nunmehr
zu Stückgutsätzen gesahren werden, erhalten.“
„Er persoönlich sei der Ausicht, daß das Spedi
leur-Sammelwesen vollständig beseitigt werden
müsse ꝛc.“ ...... Das Resultat der damaligen
Verhandlung war, daß die Majorität der stän—
digen Tarif⸗-Kommission sich für die Einführung
einer zweiten ermäßigten Stückgutklasse aus
sprach und für dieselben einen Tarifsatz von
7142 Pf. p. T. und Klm. — 20 Pf. Expeditions
Gebühr für 100 Kilo in Aussicht nahm. Trotz
dem nun auch der um die gesamte Entwickelung
unserer Eisenbahn-Verhältnisse so hochverdiente
Leiter des preußischen Eisenbahnwesens, Seine
Excellenz der Staatsminister Mayhhbach, die
Richtigkeit dieser Maßnahme voll anerkannt
und sich lebhaft für die Einführung der zweiter
Stückgutklasse interessierte, scheiterte doch schließ
lich in der General-Konferenz der deutschen
Eisenbahnen das derselben vorgelegte neue pro
jektierte Tarif⸗Schema hauptsächlich an dem
Widerspruch der süddeutschen Bahnverwaltungen
und sah sich hierdurch die hiesige Kleineisen
indusirie wieder auf Jahre hinaus der Hoff
nung auf Besserung der immer unhaltbarer
werdenden Zustände beraubt.

MSubmissionen in Italien.
Nach Mitteilungen aus Italien sind fol
lende Submissionen ausgeschrieben worden
1) von der Direktion der Militär-Werkstat
zu Turin für den 20. Juni d. J. bis nach
mittags 3 Uhr eine Submission auf 14 500 Ar
tillerie- Patronentaschen im Taxwert von 42 150
Lire,
2) von der Artillerie-Direktion des Präzisions—
aboratoriums zu Tur in für den 21 Jun
d. J. bis 4 Uhr nachmittags zwei Submissionen
auf 18000 und 20000 Kg. Messingplatten in
Taxwert von 36 000 bezw. 40000 VLire,
3) von der Artillerie-Direktion des II. Marine
Departements zu Neapel für den 27. Jun
d. J. bis 12 Uhr vormittags eine Submission
auf Tischgerätschaften aus Christoffle-Silber und
uetallo bianco im Taxwert von 150000 Lire
Ueber die speziellen Bedingungen ist das
Rähere an Ort und Stelle einzusehen.

Schienenproben der französischen
Staatsbahnen.
Die chemischen Proben und mechanischer
Qualitäts-Proben der auf basischem Wege in der
Schneider'schen Werken in Creusol für die
französischen Staatsbahnen fabrizierten Schienen
haben nach dem Wochenblatt für Architekten und
Ingenieure so günstige Resultate ergeben, daf
die französische Staatsverwaltung jetzt bei Stahl—
schienen-LSieferungen den Lieferanten die Wahl
des Materials — ob auf basischem oder au
aurem Wege erzeugt — freistellt.
Die im August und September 1881 ir
Creusot ausgeführten Proben ergaben nämlich
daß sowohl durch den basischen Bessemer- als
auch Flammofen-Prozeß ein reinerer und homoge
nerer Stahl erzeugt werden konnte, als durch
das gewöhnliche saure Verfahren. Am leichtesten
und am besten gelang die Entphosphorung im
Flammofen. Ueber die Ausführung der Ver—
uche ist folgendes zu bemerken:
Bei den Biegeproben waren die Schienen
auf 1,10 Meter frei unterstützt und erlitten in
der Mitte 5 Minuten lang Drucke von 10, 15,
17, 20, 25 oder 30 Tonnen, wobei sowohl
während der Belastung, als auch im unbelasteten
Zustande die Durchbiegung gemessen wurde.
Bei den Schlagproben fiel ein Block von
300 Kilogr. Schwere aus Höhen von 1-24,5
Meter auf die Mitte der Schiene. Diese Proben
ergaben für sauren und basischen Stahl so über—
raschend gleichartige Resultate, daß daraus
auf ein Ueberwiegen der Qualität der einen
wie der anderen Materialgattung nicht geschlossen
werden konnte.
Die Zerreißproben endlich, mit 16 Milli—
meter starken, runden Probestücken von 10 Centi—
meter Beobachtungslänge angestellt, ergaben
folgende Werte:

Preis des Güter⸗-Trausportes sonst
und jetzt.
Unter vorstehendem Titel veröffentlicht Dr.
Alex. Peez in der „Neuen Fr. Pr.“ eine inte—
ressante Studie, welcher wir folgendes entnehmen:
Vergleicht man die alte Fracht per Achse von
1852 mit der modernen Bahnfracht für Massen—
züter, so zeigt sich folgendes Bild: Es betrugen
ür 100 Kilogr. in Kreuzern Oesterr. Währung
die Frachten zwischen Reichenberg und:
Achsen- Eisenbahnfracht im
fracht Jahre 1882
im Jahre Getreide Ziegel u. Kohlen
1852 Steine
Prag 141Klm. 204 69,2 409,5 49,5
Fardubitz 16b1 206 65.44 407 407
Wien 458 , 402 146,6 81,3 81,3
hest 728 616,5 21618 1672 1155
Triest 1077 „8584/1060 314,66 207,3 202,7
Sieht man diese Tabelle durch, so zeigt sich
erst die ganze Bedeutung des mit den Eisen—
bahnen gemachten Fortschrittes; denn obwohl in
Desterreich-Ungarn im Ganzen noch keine wohl⸗
feilen Bahnfrachten sind, so beträgt doch, wenn
nan die alte Achsenfracht von 1882 mit 100
mnimmt, die Eisenbahnfracht jetzt von Reichen⸗
berg nach Wien oder umgekehrt mehr Prozente:
bei Getreide 36,4, bei Kohlen und Steinen 20,2
Prozent. Bei dem wichtigsten Artikel, der Kohle,
ist also der Transportpreis auf “/s, bei Getreide
auf etwas weniger als /3 der alten Achsenfracht
refallen

Eine Tarifierung gleich der der ermäßigter
Stückgutklasse des alten Norddeutschen Verbands—
tarifes mit ca. 6 Pf. p. T. und Klm. erachter
wir als zum mindesten erforderlich, um die
dargelegten enormen Schädigungen der Klein
eisen- und Stahlwaren⸗Industrie zu beseitigen
und derselben die Möalichkeit zu bieten, min

Basischer Stahl Saurer Stab
Mittlere Zugfestigkeit in Kilo⸗
gramm p. Quadratemtr.. 72.00 73.20
Mittlere Dehnung in Pro⸗
zenten.... 16. 10 17.20
Grenzen der Zugfestigkeitt. 66—-78 73- 80
Brenzen der Dehnung.. 12-20 12-28
            
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