Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 11
nicht in vollem Maße entsprechen. Folgende einer oder mehrerer Ausstellungen in größerem! 11) Bestrebungen pflegen, daß die auf den
Rechnung kann noch als Probe dienen. Wenn Umfange an geeigneten Plätzen. technischen Hochschulen gebildeten Ingenieure
man namlich von der 788 Klmir. betragenden Wegen der geringen Kenntnis der Eisenkon- vor ihrer Studienzeit eine gewisse praktische
Gesamtftrecke den schweizerischen, sowie den struktivnen under den Bautechnikern und dem Thätigkeit üben.
stalienischen Anteil mit einem um 15 Prozent großen Publikum würde das Vorführen ausge-. 19) Häufigere Veröffentlichungen in der Tages—
resp. 75 Prozent höheren Einheitssatz pro Kilo führter Konstruktionen jedenfalls anregend für presse uͤber ausgeführte Bauten in Eisen und
meter in Rechnung setzt, ergiebt fich, daß die die Anwendung des Eisens wirken. über die Vorzüge des Eisens als Baumaterial.
Gesamtfracht auf diese Länge um 22 Prozens 4) Zur Erweiterung des Musterbuches und
größer ist, als wenn ausschließlich der deutsche zuur Förderung der Bestrebungen zur weiteren
Einheitssatz angesetzt wird. Oben war berechnee Anwendung des Eisens überhaupt müssen die
worden, daß die Gotthardroute um 26 Prozen Fortschritte in der Herstellung und Verarbeitung
teurer als die Brennerroute ist; was hier fehlt des Eisens von den Fabrikanten einer Centrab
liegt in den noch hinzukommenden Expeditions station angegeben, event. die Ausstellung mi
und Uebergangs-Gebühren. ausgeführten Mustern beschickt werden.
Nachdem an, ditsen, konkreten Verhältnissen Es kommt nicht selten vor, daß sehr zweck—
wohl unzweifelhaft nachgewiesen ist, wie sich die näßige Fortschritte in der Eisenfabrikation den
Tarife der darin beteiligten Länder zu einander Bautechnikern, ja selbst den Konstrukteuren un—
verhalten, dürfen wir mit Fug und Recht von hekannt bleiben. Es ist dieses ein Nachteil
diesem speziellen Beispiel auf das Allgemeine Je mehr Mittel aus der Eisenfabrikation zur
zurückschliehen. In der That ist es nicht blos Verfügung stehen, desto erfolgreicher kann die
Saarbrücken und das Sgar-Revier, sondern Konkurrenz mit den anderen Baumaterialier
GesamtWestdeutschland, welches die erwarteten destanden werden.
und aus Grund der Wegabkürzungen, welche die 5) Ausschreiben von Preisaufgaben aus dem
Gotthardroute thatsächlich in sich trägt, voll hebiete des Eisenbaues.
kommen berechtigten Vorteile daraus nicht Bedarf keiner weiteren Erläuterung der Nütz
zu ziehen vermag, weil die über diese Route ichkeit.
zefuͤhrten Tarife dieser Abkürzung nicht ent 6) Es ist dahin zu trachten, daß das Eisen
sprechen. als Walzwerksprodukt stets eine möglichst gute
Es ist nicht zu leugnen — und damit scheint Qualität erreicht und das Zusammenarbeiten
die Eingangs gestellte Frage beantwortet, daß der Eisenteile in den Werkstätten eine solide
abgesehen don einzelnen Anomalien, die Gott Konstruktion mit gefälligem Aussehen ergiebt.
hardroute Westdeutschland einen gewissen Nutzen Es ist unbestritten, daß die Qualität des
verschafft hat, aber derselbe ist nicht so groß deutschen Eisens in den letzten Jahren im All—
wie er hätte sein können und müssen. gemeinen zu den besten gecechnet werden kann
Dennoch kommen auch nicht selten Eisenlieferungen
vor, bei denen die Qualität des Materials eine
edauerlich höchst bedenkliche ist. Diese Handlungs—
weise schreckt viele, die einmal mit solch mangel—
hafter Qualität bedient worden sind, vor der
weiteren Anwendung des Eisens zurück. Hätte
der Konstrukteur stets die absolute Sicherheit
zurchgehends gutes Material und solide Arbei—
in die von ihm zu entwerfenden Konstruktionen
zu erhalten, so würde er in vielen Fällen zur
erfolgreicheren Konkurrenz mit Holz und Stein
eine größere Maximal-Inanspruchnahme des
Eisens wählen können. Leider ist diese Sicher
heit nicht immer vorhanden. Das Bearbeiten
des Eisens — namentlich zu Hochbauten —
zeschieht mitunter in einer höchst zweifelhafter
Weise, wobei dann die fertige Eisen-Konstruktion
nicht die erforderliche Festigkeit und das für
weitere Anwendungen empfehlende gefällige
Aeußere erhält. Es muß dahin gearbeitet wer—
den, daß eine nackte Eisen-Konstruktion sich durch
Kdonstraktion und Ausführung ebenso empfiehlt
wie jede entsprechende Holz- oder Stein-Kon
truktion.
7) Es ist das Eisen nach Möglichkeit gegen
RKost zu schützen.
Viele Bautechniker weisen die Anwendung des
Fisens mit dem Bedenken zurück, dasselbe könnte
berrosten und nach Jahren nicht mehr die nötigt
Tragfähigkeit haben. Wenn dieses Bedenker
auch nicht immer zutreffend ist, so ist es dock
für viele Fälle berechtigt. Dieses Bedenker
rufen insbesondere die Eisenhändler mit ihrem
unter freiem Himmel lagernden Material her—
vor. Wie häufig kommt es nicht vor, daf
Eisenteile, die jahrelang unter freiem Himme'
gelegen, mit einer dicken Rostschicht überzogen
zur Verwendung kommen. Wenn Jemand sich
gegen die Verwendung solcher Materialier
träubt, so ist das wohl berechtigt.
8) Sammeln von Erfahrungen über die Dauer
und Haltbarkeit des Eisens.
Maͤn begegnet sehr häufig dem Einwand, daß
das Eisen lange nicht so dauerhaft sei wie das
Steinmaterial; werden solche Einwände nich
genügend widerlegt, so wirken sie hemmend au
die ÄAnwendung des Eisens.
9) Wo sich die Notwendigkeit neuer Profile
heraͤusstellt, Vereinbarung derselben mit Walz—
werks⸗Technikern im moͤglichsten Anschluß an
die gangbaren Profile, insbesondere auch der
deutschen Normai⸗Profile.
10) Anregung bei sämtlichen deutschen tech
aischen Hochschulen, daß an denselben bestimmte
Vorlesungen über Hochbau-Eisen⸗Konstruktionen
zehalten werden
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Die bessere Ausnutzung des Wassers
und die Verhütung von Wasser⸗
schäden.
(Schluß.)
Als spezielle technische Mittel sind Wildbach—
und Runsenverbauuugen, Flußregulierungen und
Flußkanalisierungen zu nennen. Die Runsen
und Wildbäche wären so zu verbauen, daß die
Geschiebe zurückgehalten und die Abschwemmungen
möglichst vermieden werden. Bei der Behand—⸗
lung sämtlicher Flußläufe wird man von dem
Gesichtspunkte ausgehen müssen, daß sich die
abzuführende Wassermenge mit ihren Sinkstoffen
thunlichst zu jeder Zeit in unnachteiliger Weise
fortbewegen soll. Es genügt also nicht, daß
man allein das Mittelwasserbett der größeren
Flüsse im Interesse der Schiffahrt ausbaut, man
nuß auch dem Hochwasserbett, sowie den nicht
chiffbaren Flußstrecken und kleineren Flüssen be—
ondere Aufmerksamkeit schenken.
Die Herstellung des notwendigen
dochwasser-Profils erscheint um so drin—
jender, als dieselbe bei längerem Zögern im
dauf der Zeit immer schwieriger durchzuführen
st. Durch Regulierung des Flußschlauches, Ver⸗
desserung der zu engen oder zu unregelmäßigen
Deichstrecken, Eröffnung von Seiten oder Um—
flutkanälen, Beseitigung der Hindernisse auf den
Vorländern, Abgrabung zu hoher Vorländer
wird man der vielfach im Laufe der Zeit ge—
steigerten und öfter als früher eintretenden Hoch—
vassermenge begegnen müssen.
In den mittleren und unteren Stromstrecken
wvird auch die Einrichtung von Ueberlaufstrecken
oder von Einlaßschleusen in den Deichen in
Frage kommen, um dem Wasser wieder größere
Flächen zu eröffnen und diese gleichzeitig durch
Zuführung von Sinkstoffen fruchtbarer zu machen
und allmählich zu erhöhen.
Bei den Regulierungen der Neben—
lüßse wird stets zu beachten sein, daß sich die
Zochwassermenge an einem unteren Punkte des
Zauptflusses aus den sämtlichen oberen Zuflüssen
susammensetzt, daß also jede erhebliche Korrektion
zine merkbare Veränderung in dem bisherigen
Zusammentreffen der einzelnen Flutwellen her⸗
heiführen, mithin auch die Hochwassermenge in
ingünstiger Weise steigern kann.
Die administrativen und gesetzlichen
Mittel, welche zur Erzielung einer besseren
Wasserwirtschaft beitragen, bestehen in der Schaf⸗
fung einer den neuen wirtschaftlichen Anfor—
derungen gut angepaßten Forst- und Wasser—
zesetzgebung, in der Herbeiführung von Staats—
Verträgen zur einheitlichen Behandlung von
Flußgebieten, die teilweise im Auslande liegen,
in der Einrichtung eines zweckmäßig organisierten
Depeschendienstes zur Warnung vor Hochwasser⸗
gefahren. Allerdings wird erst dann mit ge—
nügender Sicherheit aus den Hochwasserständen
des oberen Flußgebiets und der Nebenflüsse auf
den im mittleren und unteren Flußlaufe zu er⸗
wartenden Wasserstand geschlossen werden können,
venn ein hydrologischer Dienst eingerichtet ist
ind die Beobachtungen für jedes Flußgebiet an
einer Stelle wissenschaftlich bearbeitet werden.
Sodann werden die bisherigen Le ist un—
zen kurz besprochen. Der Waldbestand ist in
Deutschland mit 26,5 pCt. der Gesamtfläche nicht
ungünstig. Jedoch kann noch vieles für Auf—
forstungen geschehen und manche fehlerhafte Aus⸗
nutzung in den bestehenden Forsten vermieden
werden. Die Trockenlegung von Seen und Teichen
hat in der letzten Zeit bedenklich zugenommen.
Sammelweiher, Sickergräben n. s. w. wurden
nur vereinzelt angelegt. Für Zurückhaltung
der Verwitterungserzeugnisse ist zu wenig ge—
schehen, da häufig an Stelle des Grünlandes
Betreidebau getrelen ist. Die Benutzung und
Behandlung der Privatgewässer, sowie der klei—
eren und mittleren Fluͤsse ist durchgehends un—
Erweiterte Anwendung des Eisens
bei Bauten.
Die Kommission, welche durch den Central
Verein deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller
ernannt worden ist, um die Mittel und Wege
zu einer erweiterten Anwendung des Eisens bei
Bauten ausfindig zu machen und einzuleiten,
hat sich zu einer Reihe von Vorschlägen geeinigt,
velche darauf auch von der am 5. Mai d. J
in Berlin stattgefundenen Vorstandssitzung des
Central⸗Vereins gutgeheißen wurden. Wir teilen
diese Vorschläge, von denen man sich unzweifel⸗
haft den gehofften Erfolg versprechen darf, nach
stehend mit, indem wir zugleich bei jedem ein
zelnen Punkt die Gründe kurz andeuten, welch
dafür maßgebend waren.
1) Herausgabe eines Musterbuches über zweck
mäßige Baufkonstruktionen in Eisen mit kurzen
erläuterndem Text und einer Anzahl Zahlen
angaben über die Stabilität der Konstruktionen
bei verschiedenen Konstruktionsbedingungen.
Die Anwendung des Eisens ist oft deshall
eine beschränkte weil bei den ausführenden
Organen die für bestimmte Fälle erforderlicher
Konstruktionen zu wenig bekannt und die zur
Dimenfionierung des Eisens unerläßlichen Rech
nungen den Bautechnikern nicht geläufig sind
Ein Musterbuch über zweckmäßige Eisenkonstruk
tionen, in welchem die bildliche Darstellung
wesentlich hervorireten und welches dem Bau
lechniker als Handbuch dienen müßte, würd
diesen Uebelstand beseitigen helfen.
2) Entwerfen von Gebäuden, die ganz ode⸗
teilweise aus Eisen herzustellen sind. Veröffent
lichen solcher Entwuͤrfe in technischen Zeitschrif
len und Bestrebungen zu pflegen, solche Bau
werke zur Ausführung zu bringen.
Gebaͤude zu errichten, bei denen das Eisen
als wesentliches Baumaterial angewendet ist
wird immer noch mit einem gewissen Zweifel
betrachtet. Der hauptsächlichere Grund hierfür
liegt darin, daß bis jetzt derartige Gebäude
nicht ausgeführt wurden und Niemand dami
beginnen will. Es würde sich empfehlen, zu
Gebäuden, die ausgeführt werden sollen und die
sich beson ders für die Anwendung des Eisens
eignen, Parallelprojekte auszuarbeiten, die Vor
telle des Eisens dabei nachzuweisen und, wenn
nicht anders, mit gewissen Opfern die Ausfüh—
rung solcher Gebäude, die als Vorbild zu die⸗
nen hätten, zu erlangen zu suchen.
3) Oeffentliches Ausstellen von Mustermate
rialien und Konstruktionen; allmäliges Anbahnen