IEBOD e-MNU I IGC .
206
Saurhrücker Gewerbeblutt
für Industrie, Handel und Verkehr.
Gratis-Beilage für die Abonnenten der „Snarbrücker Zeitung“.
Erscheint Sonntags. Vierteljährlicher Extra-Abonnementspreis 75 Pfg. bei der Erpedition, 1,50 Mark bei Franco-Zusendung per Post. Mit der „Saarbrücker
Zeitung“ zusammen 3 Mark hier und 3,40 Miark bei allen Postanstalten Anserate werden die viergesvpaltene Petitzeile mit 20 Pfennig berechnet.
N⸗
Dnqoar
*
à3
*1
Mãrz.
1883.
Vom 1. April d. J. erscheint in unserm Verlage eine neue Wochenschrift unter dem Titel:
7 66
Saarbrucker Gewerbeblatt“.
welche den Abonnenten der „Saarbrücker Zeitung“ als Gratisbeilage geliefert werden wird. Das „Saarbrücker Gewerbeblatt“
wird von bewährten Kräften mit Beiträgen versehen und sorgfältig redigiert werden. Es wird in gleicher Weise Rücksicht nehmen
auf die Groß— und Kleinindustrie, Handwerkertum, Handel, Landwirtschaft und Verkehr, auf die berechtigten
Interessen der Arbeitgeber ebenso wie auf diejenigen der Arbeitnehmer. Es wird bestrebt sein, nach allen Gebieten der gewerb—
uͤchen Thätigkeit aufklärend, anregend und ermunternd einzuwirken. Es geht darauf aus, für jeden Gewerbtreibenden
die Möglichkeit des Erwerbs zu vermehren. Es will dazu beitragen, die Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen und den Export zu befördern.
Das „Saarbrücker Gewarbeblatt“ wird neben den allgemeinen Interessen die speziellen Interessen der Saar—
Industrie geeignetenfalls mit besonderer Schärfe vertreten. Es wird durchaus in allgemein verständlicher Form gehalten werden und
allen Fortschritten im technischen Wissen und Können auf dem Fuße folgen, so daß Jedermann sofort Nutzen aus diesen Fortschritten
ziehen und damit konkurrenzfähiger werden kann. Das „Saarbrücker Gewerbeblatt“ verfolgt demnach zunächst rein praktische
Zwecke; es wird aber auch die Künst in gebührender Weise pflegen und deshalb dem neu erwachten Streben nach Schaffung eines Kunst—
gewerbes nach Kräften seine Hülfe leisten. In sozialer Beziehung wird das „Saarbrücker Gewerbeblatt“ bestrebt sein.
nach allen Seiten hin versöhnend einzuwirken.
Diese Aufgaben, welche die Redaktion des „Saarbrücker Gewerbeblattes“ sich gestellt hat, sind jedoch in vollem Maße erst zu er⸗
reichen, wenn das gesamte Lesepublikum des Blattes daran mitarbeitet. Wir an unserem Redaktionspult sehen die rein praktischen
Dinge zumeist in einer ganz andern Beleuchtung, als die in der Praxis stehenden Gewerbtreibenden. Deshalb werden unsere Aus—
lassungen und Ratschläge den Nagel nicht immer auf den Kopf treffen können, wenn wir nicht dauernd in Fühlung mit dem Gewerbestand
bleiben Wir wenden uns deshalb an den gesamten Gewerbestand mit der Bitte, uns durch Beiträge unter—
stützen zu wollen. Dazu genügt schon hie und da eine gelegentliche Notiz, ein Aufmerksammachen auf besondere Verhältnisse, ein
Wint nach der einen oder andern Richtung hin. Aber auch Jängere Artikel sind uns stets willkommen. Das „Saarbrücker Gewerbe—
blatt“ soll sich bald als ein entschiedener Feind aller Einseitigkeit und Voreingenommenheit erweisen. Es wird aus dem gesamten
Kreise seiner Leser heraus jede nepe Anregung und Mitarbeiterschaft freudig begrüßen und so soll und wird es seine eigentliche Auf⸗
gabe, ein praktisches Blatt zu sein und zu bleiben, zu erfüllen suchen.
Das „Saarbrücker Gewerbeblatt“ kann unabhängig von der „Saarbrücker Zeitung“ von uns zum Preise von 0,75 Mt.
dierteljiährlich bezagen werden und wird nach auswärts für 1,80 Mk. direkt unter Kreuzband zugeschickt.
Die Redaktion der „Saarbrücker Zeitung“ und des „Saarbrücker Gewerbeblattes“.
I Die Konsulate des deutschen
Reiches.
Das deutsche Reich hat gegenwärtig auf der
zesamten Erde in 671 Orten, welche sich auf 28
verschiedene Länder verteilen, Konsulate in
Thätigkeit. Die bei Weitem überwiegendste Zahl
derselben sind natürlich kaufmännische Konsulate;
nur 61 sind Berufskonsulate, worunter sich
allerdings einige befinden, welche mit einem
außerordentlich starken geschäftlichen Apparate
arbeiten. Die Berufskonsulate entfallen auf die
folgenden Länder und Orte:
1) Argentinische Republik: Buenos Aires; 2)
Brasilien: Rio de Janeiro; 3) Central⸗Amerika:
Guatemala; 4) Chile: Valparaiso; 5) China:
Shanghai, Amoy, Canton, Tientsin; 6) Colum—
bien: Bogotc; 7) Dänemark: Kopenhagen; 8)
Frankreich: Havre de Grace, Marseille, Nizza,
Älgier; 9) England: London; 10) Britische Be—
sitzungen: Hongkong, Singapore, Sydney; 11)
Republik Haiti: Port au Prince; 12) Italien:
Genuaga, Messina; 13) Japan: Hiogo-Osaka, Yoko
hama; 14) Marokko: Tanger; 15) Oesterreich
Ungarn: Budapest; 16) Rumänien: Bucharest,
Galatz, Jassy; 17) Rußland: Kiew, Kowno, Mos
kau, Odessa, St. Petersburg, Tiflis, Warschau
Helsingfors; 18) Samoa⸗ und Tonga⸗Inseln
AÄpia; 19) Schweden: Stockholm; 20) Norwegen
Christiania; 21) Serbien: Belgrad; 22) Siam
Bangtkok; 23) Spanien: Barcelona; 24) Spa
nische Besitzungen: Havanna, Manila; 25) Türkei:
Alexandrien, Kairo, Beirut, Konstantinopel, Dar
danellen, Jerusalem, Serajewo, Smyrna, Sofia
26) Tunis: Tunis; 27) Uruguay: Montevideo;
28) Vereinigte Staaten von Nordamerika: Chi
cago, Cincinnati, Newyork, San Francisco, St
Louis.
Die stärksten Konsulate sind diejenigen von Lon—
don, welches mit einem Generalkonsul, einem
Vize-Konsul, vier Sekretären und einem Regi—
strator ausgerüstet ist, sowie das ebenso starke
der Stadt Newyork mit einem Generalkonsul—
einem Konsul, einem Vizekonsul, einem Kassierer,
einem Registrator, zwei Sekretären; dasjenige
Konstantinopels arbeitet mit einem Generalkonsul
2 Bizekonsuln, einem Dragomen und 2 Sekre—
tären. Das Amt eines Ministerresidenten
haben gleichzeitig die Konsuln zu Bogota und
Belgrad inne. Am stärksten sind mit Berufs—
onsulaten nachstehende Länder besetzt: Türkei
9), Rußland (9), Nordamerika (5), China (M ꝛc.,
also Länder, deren Verkehr mit Deutschland ein
sehr lebhafter ist, während sie selbst zu ausge
dehnt sind, als daß sich eine wirksame Interessen—
Lertretung durch die Gesandtschaften ermöglichen
ließe. Das eigentliche Frankreich enthält nur
drei Berufskonsulate; Italien bisher nur zwei,
England endlich nur eins. Nach den Absichten
der Staatsregierung werden die Berufskonsulate
»om 1. Apriled. J. ab wieder vermehrt; von
hbesonderer Wichtigkeit für Westdeutschland ist
die Einrichtung eines solchen in Mailand. In
Paris befindet sich, wie aus obiger Tabelle her—
vorgeht, kein Berufskonsulat, ebensowenig jedoch
iberhäupt ein Konsulat, ein Umstand, welcher
viederholt als ein Mangel erkannt und bezeich
tet worden ist. Die Bedeutung der Konsulat—
als Vermittler für unseren fremdländischen Ver—
kehr ist fortwährend im Wachsen begriffen; es
ist deshalb erfreulich zu bemerken, daß das
Streben der Reichsregierung ersichtlich darau
sinausgeht, die kaufmännischen Konsulate dur
Berufskonsulate thunlichst an allen wichtigen
Orten zu ersetzen. Zumeist haben die Inhaber
faufmännischer Konsulate als Handelstreibende ꝛc.
ehr bestimmte Interessen, die nicht selten mit
denen der Allgemeinheit kollidieren; wiederholt
ist es deshalb vorgekommen, daß erbetene Mit⸗
hülfe zur Erlangung von auswärtigen Geschäfts—
verbindungen oder auch bloße Auskünfte deut—
schen Handelstreibenden von den kaufmännischen
Konsuln in auffallender und schroffer Weise ab—
gelehnt wurden. Es erscheint dies begreiflich,
zenn für die ihnen entstehenden unbezahlten
Mühen locken sich diese Konsuln nicht gern Kon—⸗
kurrenten ins Land; aber dem allgemeinen deut⸗
schen Handel wird damit kein Dienst erwiesen.
Hoffen wir deshalb, daß von den noch vorhan⸗
denen 611 kaufmännischen Konsulaten nach und
nach ein beträchtlicher Teil dem Berufskonsulate
zugeführt wird. Eine der Hauptschwierigkeit
dabei ist die Beschaffung des nötigen Personals.
Hier kann nur wieder der deutsche Handel selbst
zur Hilfe kommen, da man von ihm erwarten
muß, daß er dem deutschen Reiche allmälig die—
jenigen Kräfte im Auslande ausbildet, welche
zur Besetzung der Stellen gebraucht werden. Es
väre verkehrt, die Konsulats-Karrière zu einer
ediglich juristischen oder diplomatischen machen
zu wollen. Soll das Konsulatswesen dem
eutschen Handel wirklich ersprießliche Dienfste