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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 10
PSubmissionen in Italien.
Wir nahmen letzthin schon Veranlassung uns über
die amtlicherseits zu spät erfolgenden Veröffent⸗
lichungen über Submissionen im Ausland
zu äußern. Neuerdings sind wiederum einige
derartige Veröffentlichungen erfolgt, welche fuͤr
die Interessenten, ihrer Verspätung wegen, nutz
los sind; es scheint keine Aussicht vorhanden
daß hier Aenderung eintritt. Wir haben des
halb selbst die nötigen Vorkehrungen getroffen,
um unsern Lesern stets rechtzeitige Kennt—
nis von den wichtigeren Submissionen im Aus—
lande zu geben. Namentlich werden wir hierbei
Italien berücksichtigen, da dieses Land für
die Saar-⸗ und Mosel⸗-Industrie besondere
Wichtigkeit hat.
Wir beginnen nachstehend mit den bezüglichen
Mitteilungen.
1. Artill.Direktion des Arsenals in Turin
8. Juni: Lief. von 22356 Kilogr. Stahl,
naturell in Stangen, für Lire 17884. Kaution
Lire 1800. Bereits provis. zugeschlagen für
L. 15 954.
2. Schiffsbau-Direktion in Venedig,
9. Juni: Lieferung von 600 Kbkmtr. Tannen⸗
holz Kundholz). Kaut. L. 5000. Bereits proy
zugeschlagen für L. 39 152.
3. Artill.⸗Direktion des Arsenals in Tu rin,
11. Juni: Lief. von 22714 Kg. Stahl, naturell
in Stäben, für L. 18171. Kaut. L. 1900.
1. Direktion der königl. Gießerei in Genua,
7. Juni: Lief. von 149170 Kg. Stabeisen
kantig und rund, für Lire 59 249. Kaution
8. 6000. — 11. Juni: Lieferung von tannenen
Balken, ferner von Dielen und Brettern aus
Eichen-, Pappel- und Lärchenholz für L. 48 830
Kaut. 8. 4900.
5. Königl. Finanz-Intendantur in Rom,
5. Juni;: Lieferung von Bekleidungsstücken für
das Personal des Finanz-Ministeriums für dre
Jahre. Jährl. Betrag ca. 9000 Lire. Prov
Haut. L. 500, def. 1000.
6. Tabakregie in Rom, 15. Juni: Lieferung
von Elsäßer Tabaken für L. 550000, Einhän-—
digung 1/3 im Sept. lauf. Jahres, und 2/3 im
Februar 1884. Holländer-Tabake für L. 80 000
Ungarische Tabake Typ. B. 900000 Kg. id
Typ. O. Virginia Tab. 1 Los: Typ. A
150 000 Kg. TB. 830000 Kg.; 2. Los? Typ
A. 150000 Kg., T. B. 830 000, Ohio⸗Tabal
für Lire 80000. Clarkwille-Tabak für L
300 000. Kentuky-Tabak 1 Los: Typ. A
50 000 Kg., T. B. 1000000 Kg. und T. 0C.
100 000 Kg.; 2. Los: Typ. 4. 60000 8g.
T. B. 1000000 Rg. und T. C. 400000 Kg.;
3. Los: Typ. A. 50 200 Kg., T. B. 1000 000
Kg., T. BU. 250 000. T. B. 200000 Kg. und
C. 200000 Ko.; 4. Los: Typ. A. 80 o0c
Kg., T. B. 650 000 Feg. und T. C. 300 000 Kg.
5. Los: Typ. A. 100 000 Kg., T. B. 1000000
Kg. und T.C. 700 000 Kg. Kaution: Mindestens
500 des Betrages der Lieferung.
Stellung des Mittelrheinischen
Fabrikanten-Vereins zu dem
Reichsstempelgesetz.
Die zahlreich besuchte Versammlung dieses
Vereins am 9. d. M. hatte zum Gegenstande
der Tagesordnung die Besprechung des Reichs—
stempelgesetzes. Der Verein hatte Herrr
Dr. Landgraf-Mannheim eingeladen, das Re—
ferat über diese Frage zu übernehmen und kam
Derselbe dieser Aufgabe in eingehendster Weise
nach, indem er an der Hand vielfacher Beispiele
die mannigfachen Mängel und Unzuträglichkeiten
beleuchtete, die diesem Gesetze anhaften und die
eine Unklarheit und Unsicherheit der betr. gesetz
lichen Bestimmungen im Gefolge hätten, unter
denen namentlich auch das Warengeschäft auf's
schwerste leidet. Referent brachte weiterhin auch
die verschiedenen Mittel zur Sprache, die man
zur Beseitigung eines solchen geradezu unerträg
lichen Zustandes wählen könnte und bezeichnett
das Vorgehen der Berliner Bankhäuser, welcht
ein Consortium gegründet hätten, um wenigstens
einzelne der wichtigeren Fälle auf gemeinsame—
Kosten einer gerichtlichen Entscheidung zuzufüh
ren. als das unter den gegebenen Umständen
deinzige, wenn auch langwierige Mittel, um eine
wenigstens teilweise Abhilse zu schaffen. Auch
die dem Referenten folgenden Redner erschöpften
sich in Klagen über das in Rede stehende Ge
setz und bezeichneten den dermoligen Zustand als
unhaltbar. Herr C. Arnet, Procurist der Firma
Dyckerhoff —4 Söhne in Amönenburg behandelte
in längerem Vortrage eine Reihe von Fällen,
die in der Praxis zu Zweifeln Anlaß geben
Im Anschlusse hieran berichtete der Vereinsse
cretär über die Beschlüsse, welche von zwei großen
industriellen Vereinen in Berlin erst kürzlich in
dieser Angelegenheit gefaßt worden seien, auch
dort sei die Frage aufgeworfen worden, auf dem
Wege gerichtlicher Entscheidungen auf gemein
ame Kosten eine teilweise Besserung zu erzielen
doch müsse vor allem versucht werden, um solche
mit Hilfe der gesetzgebenden Factoren herbeizu—
ühren, da der andere erwähnte Weg jedenfalls
lange Jahre brauche und überhaupt sehr zweifel—
haft sei. Auch Redner schließt sich diesen Stand—
punkte an und beantragt, die Versammlung mögt
die Vereinsleitung ermächtigen, an die Reichs—
cegierung, den Bundesrat und den Reichstag
eine ebenso dringende wie nachdrückliche Petition
zu richten, in welcher um eine authentische In—
terpretation des Gesetzes gebeten wird, da der
Staatsbürger wohl berechtigt sein dürfte, von
den Factoren der vaterländischen Gesesetzgebung
klare und bestimmte Vorschriften, nach denen er
ich zu richten habe, zu verlangen. Dieser An—
raq wurde einstimmig angenommen.
biete des Wiesenbaues, würde die Konkurrenz
mit dem Auslande erheblich erleichtern. Größere
Bewässerungsanlagen werden häufig nur durch
staatliche Unterstützung von Genöossenschaften oder
durch Heranziehung des Großkapitals, das sich
durch Wasserzinsen schadlos halten müßte, zu
Stande kommen.
In zweiter Linie kann das Wasser zur Ge—
winnung von Arbeitskräften benutzt
werden. Wasserkräfte im Großen kosten unter
zünstigen Verhältuissen etwa 3,6 Pf. für die
Stunde und Pferdekraft, Dampfkraft im Großen
dagegen 7,6 Pf. im Kleinen erheblich mehr, bis
zu 44,3 Pf. Die Gewinnung von wohlseilen
Wasserkräften für Kleinbetriebe ist überall von
yöchstem Werte, da selbst die verhältnismäßig
billigen kalorischen Maschinen noch 26 Pf. für
die Stunde und Pferdekraft kosten. Gegenwärtig
sind in Deutschland nur 170000 Pferdestärken
durch Wasser⸗, 900000 durch Dampfkraft nutz⸗
bar gemacht. Mindestens eine zehnmal so große
Wasserkraft würde zur Benutzung gelangen
önnen, besonders, wenn man sich der Elektrizität
als Transmissionsmittel auf große Entfernungen
vediente.
In dritter Linie ist das Wasser mehr als
bisher zur Ausbildung bestehender und Ünlage
neuer Wasserstraßen zu verwenden. Große
Vorteile ergeben sich durch die Beförderung zu
Wasser hauptsächlich für Massengüter bei großer
Entfernung und bei genügender Fahrtiefe. Die
Schiffbarmachung der großen Ströme kann erst
dann allen Anforderungen genügen, wenn die
kleineren Seitenflüsse systematisch reguliert sind
ind die bisherige massenhafte Geschiebeführung
abgemindert wird. Es empfiehlt sich, daß der
Staat Musteranlagen von Bewässerungen und
ctraftausnutzungen herstellt, um Nachahmungen
zurch Privat-Unternehmer zu veranlassen.
Die Notwendigkeit der wirksameren Ab—
wendung von Wasserschäden wurde in
der jüngsten Zeit leider allzudeutlich erwiesen.
Für die Instandsetzung der kleineren und mitt—
leren Flüsse ist die Bildung von Genossenschaften
unter Mitbeteiligung des Staates überall da zu
erwirken, wo die Kräfte der einzelnen Ufer—
angrenzer nicht ausreichen. Jetzt sind Uferab—
bruͤche, willkürliche Verlegungen der Flußbetten,
Abspülungen fruchtbaren Bodens, Versandungen,
Versumpfungen und unzeitige Ueberschwemmungen
an den kleineren und mittleren, sich selbst über—
lafsenen Flüssen stets wiederkehrende Erschei—
tungen. Hochwasserkatastrophen sind nicht durch—
ans als unabwendbares Verhängnis anzusehen.
Durch systematische Anwendung der geeigneten
Heittel kann man sowohl die sekundliche Hoch—
wassermenge als auch den Hochwasserstand viel—
ach merklich vermindern, oder durch planmäßig
zusgeführte Deichanlagen einen örtlichen Schuß
bieten, ohne die zeitweise gewünschte Inundation
ind Aufschlickung der Thalgründe ganz auszu—
chließen. Hand in Hand mit der Abminderung
—
haltigere Speisung der Quellen- und Wasser⸗
äufe, sowie eine ergiebigere Ausnutzung des
Wassers und der Wasserkräfte zu erreichen.
Die bessere Ausnutzung des Wassers
und die Verhütung von Wasser⸗
schäden.
Den deutschen Staatsregierungen und Lan—
desvertretungen ist vor kurzem von dem Ver—
zande deutscher Architekten- und Ingenieur
Vereine eine Denkschrift über die bessere Aus—
nutzung des Wassers und die Verhütung von
Wasserschäden mit der Bitte übersandt, der so
iberaus wichtigen Angelegenheit jede mögliche
Förderung angedeihen zu lassen. Die Kom—
nission zur Bearbeitung der Denkschrift, be—
tehend aus den beiden Referenten, Professor
Frauenholz-München und Baurat Professor
Barbe-Hannover, sowie aus dem Professor
Intze-Aachen, Ingenieur Smick-Fraukfurt
I. M, Eisenbahn-Baumeister Wolff-Berlin,
vurde bereits in der General-Versammlung des
Verbandes zu Hannover im August v. J. ge
vählt. Bei dem großen Interesse, welches der
Wasserfrage wegen der im letzten Winter ein—
getretenen Ueberschwemmungen in weiten Kreisen
entgegengebracht wird, teilen wir im nachfolgen—
den den Gedankengang der Denkschrift nach dem
„Centralbl. d. Bauverw.“ im Auszuge mit.
Zunächst wird der wirtschaftliche Wert des
Wassers und die Notwendigkeit der wirksameren
Abwendung von Wosserschäden in Betracht ge—
zogen. Für Landwirtschaft, Gewerbe und In
dustrie, Handel und Verkehr ist das Wasser von
der allergrößten Bedeutung und zwar ebenso—
wohl wegen der Menge, in welcher es geliefer
wird, wie wegen des Grades der Produktivitä
und der Produktions-Erleichterung. Anderer
eits wirkt es als Hochwasser, in großem Ueber
lusse, in kulturfeindlicher Richtung. Auf den
oohlbemessenen Ausgleiche des zeitlich und ört
lich auftretenden Mangels und Uberflusses an
Wasser beruht die sogenannte regelmäßige Wasser—
wirischaft, bei deren Einrichtung Private, Ge
neinden, Genossenschaften, sowie der Staat ir
einer Gesamtheit interessiert sind.
Durch richtig angelegte Bewässerungern
inferchtende und duͤngende, läßt sich die Er
ragsfähigkeit des Bodens wesentlich steigern
Deutschland hat zur Zeit 5,0 Millionen Hektar
Wiesen und 4,6 Millionen Hektar Weideland
Wenn es gelänge, mit einem Teil der bisher
nicht beutzten Abflußmenge 110 dieser Fläche
»der 50 des ganzen Landes richtig bewässerbar
zu machen, so wäre diese Verbesserung dem Zu—
vachs einer ertragsfähigen Fläche von minde
tens 1 Million Hektar gleichzuachten. Die Ver
nehrung und Verbilligung unserer landwirt
chaftlichen Produktion, besonders auf dem Ge
Hierauf werden die Mittel zur Erzie—
lung einer regelrechten Wasserwirt—
schaft und die Hindernisse, welche ihr entgegen—
tehen, betrachtet. Die Mittel zerfallen in sech—
nische und administrative. Die allgemeinen
technischen Mittel wirken auf thunlichste Zurück—
haltung des Wassers im Quellgebiete, sowie auf
die Beförderung der Einsickerung desselben in
den Boden, aus dessen Hohlräumen es den Fluß—
läufen nur langsam zugeführt wird. Vorzugs—
weise gehört hierher die Erhaltung und Scho—
nung des Waldes und die Wiederaufforstung
kahler Höhenzüge, ferner die Anlage von Wiesen
an Bergabhängen, die Herstellung von horizon⸗
talen Sickergräben und von Sickerbecken, die Er—⸗
haltung von Seen, die nur zur Ausnutzung für
wirtschaftliche Zwecke zu empfehlende Anlage
ünstlicher Sammelteiche, endlich die forgfältige
Berücksichtigung der Abflußverhältnisse bei der
Anlage von Entwässerungen.
Schluß folgt.)!