Saurbrützer Gewerbeblutt
—
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N 10.
V Mitteilungen über die Gotthard⸗
Tarife
&
il ne.
1883.
—
Deutschlands besonders in Betracht kommenden
Artikel, wie: Schwefel, Schwefelsäure, Blut—
saugensalz, Pottasche ꝛc. in ihrem gemeinsamen
Durchschnitt zu 74,3 Fr., während sich dieser
Frachtsatz auf der Gotthardroute auf 66,.22 Fr.,
also um 18,21 Fr. per Tonne ermäßigt.
Die Eisenindustrie endlich zeigt besonders
starke Frachten-Ermäßigungen, denn es tari—
fierten via Peri Eisenbahnschienen und Schwellen
nit 54,20 Fr., Façoneisen mit 5212 Fr., Rob⸗
eisen mit 42,228 Fr., gußeiserne Räder ꝛc mit
6b,ss Fr., was einem Durchschnittssatze von
53,83 Fr. entspricht. Dem gegenüber stellen sich
via Gotthard die bezüglichen Frachten auf
30,28 Fr., 27,01 Fr., 27,38 Fr. und 38,26 Fr.,
also durchschnittlich auf 31,221Fr, womit sich eine
Ersparnis von 22,2 Fr. pro Tonne herausstellt.
Um zu rekapitulieren, wiederholen wir: es
ersparen heute an Transportkosten:
1) die Glasindustrie. . 18,86 Fr.
2) die Porzellan⸗ und Thonindustrie 14,63
3) die Lederindustrie.. . .18,1,
4) die Industrie der Chemikalien. 18211
6) die Eisenindustrie. .22,2
Damit ist jedoch die obige Frage erst in der
rohesten Form beantwortet. Um die Antwort
zu detaillieren, wird man weiter danach forschen
müssen, ob diese, jeder einzelnen dieser Industrie—
Branchen zugefallene Frachtersparnis auch der
Wegersparnis entspricht, welche die via Gott—
hard eingeschlagene Route in sich schließt. Sollte
sie vielleicht geringer sein, als sie entsprechend
zieser Differenz erwartet werden müßte?
(Schluß folgt.)
Die Haupt⸗Industrie-Brauchen der Saar sind:
Glas⸗ Porzellan⸗ ꝛc.⸗, Leder⸗, chemische-, Kohlen—
und Eisen-Industrie. Von der Kohle darf füg—
lich abgesehen werden, da sie vor dem Bestehen
der Gotthardroute überhaupt noch keinen Weg
nach Italien hat finden können. Es handel
sich somit nur um die außerdem aufgeführtern
5 verschiedenen Industriezweige und es wird
an diesen zu untersuchen sein, einen um wievie
zilligeren Verkehrsweg nach Italien sie vie
Gotthard offen haben, als sie ihn bis zum
1. Juni vorigen Jahres hatten. In Betrach
kämen als gleichzeitige Konkurrenzlinien (abge
sehen von dem Seewege über belgische Häfen
die beiden Routen via Peri (Brenner) und vie
Modane (Mont Cenis). Letztere Linie jedoch
ann hier außer Bezug gesetzt werden, weil sie
hatsächlich erheblich teurer als die andere iss
und auch aus anderen Gründen (wegen mangeln
der Tarife, Zollerschwerungen ꝛc.) im Verkehr
mit Italien nicht in Frage kommt.
Beginnen wir mit der Glasindustrie und
ziehen deren Hauptversandartikel in Betracht
o zeigt sich, daß bisher ordinäre Glaswaren
ür die oben benannten 5 Hauptorte der Po
Ebene mit einem durchschnittlichen Frachtsatz
von 86,8 Ir. pro Tonne (als Frachtgut in
Doppelwagen) dahin gelangen konnten; feine
Blaswaren bezahlten via Peri 89,3 Fr.; unge
ichliffenes Fensterglas 72,800 Fr. und Hohlglas
58,720 Fr. Man kann somit sagen (man berück
ächtige hierbei, daß es sich hier nur um einer
allgemeinen Ueberblick handelt und zum Vergleich
wit der Konkurrenzroute von genau derselber
Basis ausgegangen werden soll), daß die Haupt
waren der Glasindustrie via Peri im Durch
schnitt etwa mit 76,02 Fr. belastet in das Herz
der Po⸗Ebene gelangten. Berechnet man die
heute geltenden Frachtsätze für dieselben Waren
und dieselben Stationen via Gotthard in der
Weise wie vorstehend, so zeigt sich, deß heute
die Hauptwaren der Glasindustrie der Saar
schon mit 138356 Fr. bis in das Herz der Po—
Ebene eindringen. Die Frachtersparnis beträg“
somit 18,88 Fr. per Tonne.
In der Porzellan- und Thonwaren—
In dustrie handelt es sich vor allem um
Porzellanwaren, auf welche via Peri im Durch—
schnitt eine Fracht von 64,58 Fr. entfiel; fernen
um Steingutwaren, die mit 58,66 Fr., um Thon—
waren, die mit 55,30 Fre. und endlich auch um
die bekannten Pflasterziegel aus Cement, Ma—
solika ꝛc., welche mit 45,68 Fr. tarifierten. Im
Durchschnitt gelangten diese Waren sonach mi
einem Frachtsatz von 36618 Fr. nach Oberitalien
Die Gotthardroute ermöglicht eine Frachtherab
setzung bis auf 41,21 Fr, ergiebt also eine Er
parnis von 14,68 Fr. per Tonne.
Hinsichtlich der Lederindustrie ergiebt
sich, daß bearbeitete und rohe Häute feinerer
Gattung, also von Ziegen, Kaninchen ꝛc. mit
39,66 Fr.; solche von Rind und Kalb mit 86,06
FIr. im Verkehr zwischen Saarbrücken und Ober⸗
italien via Peri tarifierten, während sich die
bezügliche Fracht gegenwärtig auf 70817 und
67,28 Fr. beläuft, womit sich auf der Gotthard⸗
route eine Ersparnis von 1821 Fr. per Tonne
herausstellt.
Die Industrie von Chemikalien zeigt
jolgende Verhaͤltnisse: via Peri tarifierten die
teils für den Export, teils für den Impor
Was hat uns die Gotthardbahn eingebracht?
In den Tarif⸗-Verhältnissen der Gotthardbahn
ist ein gewisser Beharrungszustand einge
treten. Der Verlauf der Verhandlungen in
Lo carno (vergl. Nr. 6 des „Saarbrücker Ge
werbeblatt“) läßt zwar hoffen, daß es zu Fracht—
ermäßigungen kommen wird, aber auf die nächste
Zeit, vielleicht noch auf viele Monate hinaus,
ist eine Aenderung der bestehenden Verhältnisi⸗
nicht zu erwarten.
Unter solchen Umständen erscheint es angezeigt
sich einmal im Allgemeinen darüber zu vrien—
tieren, in welcher Lage sich die beteiligten In—
dustrieen auf Grund der durch die Gotthardroute
geschaffenen neuen Verhältnissen gesetzt finden
Die Gotthardroute kürzt den Weg Westdeutsch
lands nach Italien wesentlich ab; die Ersparnis
beträgt etwa 25 pCt. gegenüber der Route über
den Brenner und 20 pCt. gegenüber derjenigen
über den Mont Cenis Erklärlich erscheint es
deshalb, daß die westdeutsche Industrie von
vornherein darauf rechnete, mittelst der neuen
Route einen starken Verkehr mit Italien einzu—
leiten, und daß diese Voraussicht für Deutsch—
land zum Grunde der finanziellen Unterstützung
des Unternehmens wurde. Nachdem sich die Route
nun genau ein volles Jahr im Betriebe befinde!
und auch der Tarif, nach welchem der Verkhr
sich vollzieht, genugsam bekannt geworden ist,
liegt die Frage nahe: Was hat uns die
Gotthardbahn eingebracht? Es steht zu
erwarten, daß die Vorteile, welche der neue
Verkehrsweg bietet, der Wegabkürzung entsprechen
werden; nicht ausgeschlossen jedoch ist, daß die
Vorteile entweder unter diesem Maße bieiben
oder aber, daß sie es überschreiten. Naturge
mäß kann für einen lebhaften Verkehr Deutsch—
lands mit Italien nur Oberitalien in Be
tracht kommen, da Mittel- und Süditalien der
auf dem Seewege in's Land gelangenden Kon
kurrenz allzu sehr geöffnet sind Unsere Be
trachtungen werden sich deshalb auf Oberitalier
und in noch engerem Sinne auf die Po⸗Ebent?
beschränken können. Die folgenden fünf Haupt
orte: Verona, Modena, Alessandriag,
Turin und Mailand sind, wie man sich au
der Karte sofort überzeugen kann, ziemlich genau
die Schwerpunkte des Gebietes, welches an der
Hand der Gotthardroute der industriellen Er—
oberung durch Westdeutschland erschlossen werden
sollte, und man wird somit das, was sich hin
sichtlich der Frachtverhältnisse dieser Punkle er—
mitteln und nachweisen läßt, verallgemeinern und
auf das gesamte Gebiet der Po⸗Ebene aus
dehnen dürfen. Als de ut schen Endpunkt der
Verkehrsrelation zwischen Oberitalien und West—
deutschland wählen wir die Gebiete der Saar—
und Moselindustrie, als deren Mitlelpunk
Saarbrücken angesehen werden darf und die
oben allgemein aufgeworfene Frage danach,
welche Vorteile Westdeutschland aus der Gotu
hardroute zugefallen sind, wird sich modifizieren
und lauten: Um wieviel beziehr und
versendet Saarbrücken im Verkehr—
mit Verona, Modena, Alessandria
Turin und Mailand seine Verkehrs
artikel jetzt billiger als vorber?
Vereins⸗Nachrichten.
Verein zur Wahrung der gemeinsamen
virtschaftlichen Interessen der Saariudustrie
und Südwestliche Gruppe des Vereins Deut⸗
scher Eisen- und Stahl⸗Ind ustrieller. Am
bergangenen Montag, den 28. vorigen Monats, Nach—
mittags 5 Uhr, hat eine gemeinschaftliche Vorstand s—
Sitzung des Vereins zur Wahrung der
gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen
der Saar-Industrie“ und der „Südwestlichen
Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und
Stahl⸗Industrieller“ im Geschäftslokale der
Vereine stattgefunden. Den Vorsitz führte der Vorsitzende
deider Vereine, Geheimrat Stumm,; anwesend waren
zußer dem Versitzenden die Herren: C. Roth, Direktor
F. Rexroth, Generaldirettor H. R. Seebohm,
Th. Sehmer und E. Wagner. Auf der Tages—
dnung standen eine Reihe wichtiger Fragen, über
welche Beschlüsse vorbereitender Natur gefaßt wurden.
Außerdem wurde eine Anzahl geschäftlicher Mitteilungen
zur Kenntnis der Mitglieder gebracht.
Bezirkseisenbahnrat Köln. Auf der am 6.
Juni in Könn stattfindenden zweiten Sitzung des Be—
irkseisenbahnrats für die Eisenbahndirektions-Bezirke
köln (links⸗ und rechtsrheinisch) und Elberfeld wird der
Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen
Interesse der Saar-Industrie“ durch Herrn E. Wagner
in St. Johann, und die „Südwestliche Gruppe des Vereins
deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller“ durch Herrn
Generaldirektor See bohm vertreten sein. Da letterer
jugleich Delegierter fuür die Saarbrücker Handelskammer
ist, so wird diese durch den stellvertretenden Delegierten
herrn E. Haldy in St. Johann vertreten sein. Auf
der Tagesordnung steht under anderem die Wohl der
Mitglieder des Ausschusses. Letzterem dürfte die
dauptarbeit, dafür aber wohl auch zumeist die Ent—
cheidung in den zur Verhandlung kommenden Fragen
ufallen; es wäre deshalb sehr erwünscht, die Saar⸗
endustrie in ihm vertreien zu seben