Full text : 1.1883 (0001)

t

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr

Notizen.
Japanischer Lack. Sehr wenig ist bis jetz!
bei uns über den japanischen Lack und wie er
hergestellt wird, bekannt geworden. Mr. J. J
Quin, der britische Konsul zu Hakodate, erzählt
daß er große Schwierigkeiten hatte, verläßliche
Information darüber zu erlangen, einmal wegen
der Unwissenheit der dabei Beschäftigten und dann
auch wegen der eingeführten Arbeitsteilung. Die
verschiedenen Arten von Lack werden vermittels
Anzapfung des Lackbaumes (Rhus vernicifera
erhalten, welcher im Ueberflusse über die Hauptinsel
 verbreitet und auch in Kiuskin und Shikoku
vorhanden ist. Es werden zu diesem Zwecke be—
—D——
gehandhabt werden müssen, um den herausfließen—
den Saft in reiner und passender Beschaffenhei
zu erhalten. In seinem rohen Zustande gil
der Lack 90— 100 Yen oder nach dem gegen
wärtigen niedrigen Wechselkurse 20—270 Mk
per Blüte (ungefähr 18 Liter). Der fabrizierte
Artikel aber erfährt manche Aenderungen, indem
Mischungen präpariert und verkauft werden,
welche Seegras⸗Gallerte, zerriebene Süßkartoffeln,
Ruß, Holzkohle, Eisenfeilspähne in Reisessig ge
kocht, zerstoßene Seemuscheln, Terpentin, Wetz
steinwasser, Kampfer, Oele, Eisenoxyd, Gold—
Silber⸗ oder Zinn-Pulver und verschiedene an—
dere Ingredienzien hineingemengt erhalteu
Dieser Lack soll im Freien nicht recht trocken
oder hart werden können. Er muß eine feuchte,
abgeschlossene Atmosphäre haben, weil er sonst
abläuft und klebrig wird. Deßhalb bringen die
Japaner die lackierten Gegenstände in eine Höhle
oder in einen Keller in einen luftdichten Kasten
von Holz mit roher Außenwand, welche bestän—
dig naß gehalten wird. Dieses Verfahren er—
fordert eine Zeit von 30-60 Stunden, je rach
der Sorte des Lackes und der Jahreszeit. Nun
scheint aber gerade hierin eines der Geheimnisse
der japanischen Lackierer zu bestehen. Das Ge—
schäft erfordert sicherlich vor allem Geduld und
Ausdauer, Sorgfalt und billige Arbeitskräfte,
wenn man in Betracht ziehen muß, daß nich!
weniger als dreiunddreißig Operationen nötig
sind, mit Perioden dazwischen, zum Trocknen
u. s. w. von denen manche 12—-40 Stunden
erfordern. Die Werkzeuge, Pinsel, Glättvor—

richtungen ꝛc. sind verschieden und richten sid
nicht blos nach den verschiedenen Sorten Lack,
ondern auch nach der Manigfaltigkeit der zu
lackierenden Artikel, wie zur Goldlackierung, zu
lacher erhabener Arbeit ꝛc. Offenbar könnten
manche dieser Werkzeuge durch Maschinen ersetzt
werden. Im Ganzen aber wird nach der An—
sicht des britischen Konsuls diese Art zu lackieren
immer eine Handarbeit bleiben und dieselbe
chwerlich mit Erfolg nach der westlichen Hemi
phäre verpflanzt werden können. In letztere,
Beziehung jedoch täuscht sich der Berichterstatter
denn es ist bekannt, daß es in Deutschland
hereits gelungen ist, diese Lackartikel in der vor
üglichsten Weise zu erzeugen. Im Berliner
dunstgewerbe⸗Museum ist uͤbrigens eine Dar—
stellung der japanischen Herstellungsweise ge—
geben, indem hier Fabrikate in den verschiedenen
Stadien der Bearbeitung ausgestellt sind.
Verbesserungen im Fernsprechwesen Der
Zekretär der fränzösischen Atkademie der Wissen
chaften hat dieser Körperschaft eine überau⸗—
vichtige und interessante Neuerung mitgeteilt
die von J. Mauser am Fernsprechwesen ange
stellt worden ist. Diese Neuerung besteht darin.
daß man ein und dasselbe Wort an hundert
Orten wiederholt, also hundert verschiedenen
dörern gleichzeitig mitteilt, wodurch ungemein
hiele Zeit und Mühe erspart wird. Es gelingt
dies dadurch, daß die Intensität der Ströme
erhöht wird. Bekanntlich entspringt der Effekt
des Fernsprechers nicht der Intensität selber,
sondern nur den Variationen, die in letzterer
tattfinden, allein die Kraft dieser Variationer
teht im Verhältnisse zur Intensität des Stromes
Mauser vermag, heißt es, mittelst seiner Erfin—
dung eine Depesche von Paris nach Nancy, ar
100 Kilometer Entfernung, zu befördern.
Deutscher Fleischer-Kongreß. In den Ta—
gen vom 27. bis 28. Juni findet in Magde—
Zurg ein Deutscher Fleischerkongreß statt
Der Deutsche Fleischerverband,“ der jetzt über
500 deutsche Städte in sich vereinigt, gehör—
unstreitig zu den am weitesten verbreiteten ge
verblichen Vereinigungen Deutschlands. Mi
»em Kongreß ist auch eine Ausstellung von Ma
chinen, Geräten und Werkzeugen für die Fleische
zei, Fleisch- und Wurstwarenfabrikation ver
bunden.

Bücher und Zeitschriften.
Die praktischen Arbeiten und Baukonstruk⸗
tionen des Maurers und Steinhauers in
allen ihren Teilen. Ein Handbuch für Maurer
und Steinhauer, sowie für Baugewerk- und
Gewerbeschulen. Bearbeitet von Dr. Behse.
5. Aufl. Mit einem Atlas von 49 Foliant⸗
olättern, enthaltend 575 Figuren. Preis 10 Mk.
Verlag B. F Voigt in Weimar.
Zu einem ordentlichen Maurermeister und Steinmetzen
zehört mehr als man gewöhnlich glaubt. Hängt doch
von ihrer Kenntnis und Ueberlegung ein großer Teil
unserer Sicherheit und Bequemlichkeit ab, und darum
sollte auch neben dem Fachmann jeder Gebildete die Ge⸗
egenheit benutzen, seine Kenntnisse hierin zu mehren.
Diese Gelegenheit bietet das angegebene Buch. Es be⸗
handelt zunächst die verschiedenen Arten der natürlichen,
dann der künsllichen Steine, sowie die Mittel und Weise
ihrer Herstellunga; darauf die Bindungsmaterialien. —
Von den eigentlichen Arbeiten ist das Kapitel der Ge—
wölbe einsichtig behandelt, sowie auch der Treppenbau.
Besimse und Puttzarbeiten machen mit einer besonders
ingehenden Besprechung über Baugrund und Fundamente
den Schluß. Das Ganze macht den Eindruck eines tief
durchdachten und recht prattischen Werkes, zumal wenn
man den reichhaltigen Atlas dazu rechnet, der in der
Deutlichkeit und im Geschmack der Zeichnungen nichts
zu wünschen übrig läßt. Dr. 8t.
Die Ziegelfabrikation. Handbuch bei Anlage
und Betrieb der Ziegeleien zur Herstellung
aller Arten von Mauer- und Dachziegeln,
Hohlsteinen und Drainröhren. 7. Aufl. Von
F. Neumaun, Civil-Ingenienr. Mit einem
Atlas, enthaltend 20 Foliotafeln. 6 Mk. Ver—
lag B. F. Voigt in Weimar.
Nach einer geschichtlichen Einleitung über den Ge—
zrauch der Ziegel und über die Merkmale eines guten
ertigen Materials beginnt das sehr praktisch angelegte
Buch zuerst mit den Arten des guten Rohmaterials und
der Bearbeitung aller Sorten dieses Industriezweiges
dis einschließlich der Lagereinrichtung und des Trans—
vortes. Darauf wird die Waschinerie der ganzen Fa—
hrikation besprochen in allen ihren Systemen, Konstruk—
tienen und vor allem der Verbesserungen der Neuzeit.
Dann folgt der Bau der verschiedenen Oefen. Zum
Schluß sind der von Fachleuten anerkannten Bearbeitung
noch mehrere Tabellen für das nrue Gewicht und die
Belastung von Baumaterialien beigegeben, so daß wir
gern, auch besonders in Anbetracht der jehr gut ge—
zeichneten Modelle im Atlas, mit Uebereinstimmung des
Urteils mehrerer Industrieller, das Buch den Fachleuten
und Fabrikanten empfehlen. Dr. 88t.

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