Suurbrücker Gewerbeblutt
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Nachdruck un
N 9.
W Mitteilungen uber die Gotthard⸗!Voraussetzung wohl durchweg als zutreffend
ire. erachtet werden und andererseits sind die
Differenzen gerade in den, Hauptartikeln (wie
z. B. Eisenschienen und sonstigem Eisenbahn—
material, wo die Differenz zu Gunsten der
Gotthardroute nur 1,58 Fr. beträgt) doch ziem.
lich geringe, so daß sie durch anderweitige Con
junkturen nur allzu leicht wieder ausgeglichen
werden können.
Es wirft sich aber, wenn man sich obige Tabell
ansieht, die Frage auf, ob die vorliegender
Frachtdifferenzen auch den Wegdifferenzen einiger
maßen entsprechen. Auffallend erscheint es so
fort, daß z. B bei Eisenbahnschienen die Fracht
differenz auf eine Wegdifferenz von 1462 60 * 86
Kilometer nur 1,58 Fr. beträgt; und hier stöß
man bei näherer Untersuchung auf die für
unsere Verhältnisse so ungünstig zur Wirkung
kommenden Eigenschaften der Zonen-Tarife
welche die Italiener ihren Frachten nun einmal
zu Grunde gelegt haben. Von Genua ab, be—
146 Kilemeter Gentfennzig, fäöhrt das Eisen zu
der billigen Taxe der ersten Zone, während von
Chiasso ab nach Mailand, 60 Kilometer, die
teuerere Taxe der ersten Zone erhoben wird
Dies Mißverhältniß muß die größere Begün
stigung, welche hinsichtlich einiger wenigen Artike!
der Gotthardroute zu Teil wurde, wieden
illusorisch machen, ferner aber auch das Gleich
gewicht beider Routen für diejenigen Artikel
die der reinen Grundtaxe nach gleich behandel
werden, wieder aufheben und endlich den hin
sichtlich aller übrigen Artikel vorhandenen Vor
zug der Hafenroute gegenüber der Gotthard
route noch erhöhen. In den Tabellen der vorigen
Nummer nellten wir die kilometrischen Einheits
sätze der Artikel zonen weise einander gegen—
über; nunmehr werden wir noch die kilome
trischen Grundtaxen, nach welchen auf beiden
Routen bis Mailand thatsächlich gefahren wird
einander gegenüber zu stellen haben, was in der
aachfolgenden Tabelle geschieht:
Es zahlen per Tonne und Kilo- a. auf der b. auf der
meter bis Mailand folgende Hafen⸗ Gotthard
Waren, nämlich: route. route.
4. Waren, die auf der Gotte CEts. —
hardroute billiger* fahren.
a) Weißblechwaren. ... 10 14
b) Stahl in Barren, Stangen oder
rohen Platten...— x 59
B. Waren, die auf der Hafen⸗
route billiger* fahren.
9 Eisendraht und eiserne Töpfe.
b) Räder und Räderteile von
Stahl..
c) Roher Stahl..
d) Roststäbe aus Schmiede⸗ oder
Gußeisen.
0. Waren, die auf beiden
Routen zu gleichen Taxen
fahren.
a) Gußeiserne Ornamente ⁊c...
p Weißblech ....75;
c) Eisenbahnschienen, Achsen und
Bandagen, Räder ꝛc., Klein⸗
Eisenzeug, Winkeleiseu. ..
d) Eiserne Röhren, Platten, Bän⸗
der, Bleche ꝛc.
o) Eisen in Stangen, flachen oder
runden Bändern..
) Gußeisen tn Broden, Bruch ꝛc.,
Roheisen, Puddeleisen ꝛc.
Die Konkurrenz deutschen und englischen
Eisens in Oberitalien.
(Schluß aus Nr. 8.)
Aus nachstehender Tabelle ist zu erkennen
1) wie hoch sich die Fracht der wichtigsten Eisen—
Artikel pro Tonne in Franken, einerseits au
der Strecke Genua—Mailand, andererseits
auf der Strecke Chiasso —Mailand stellt;
2) wie hoch die bezüglichen Differenzen sind.
Die betreffenden Waren sind hierbei nach den
Verhältnis der für beide Strecken geltenden
Grundtaxen zu einander klassifiziert.
Gesamtfracht ab: Diffe
Genua. Chiasso. renz
A. Waren, die auf der Gott⸗
hardroute billiger fahren.
Weißblechwaren....16,22 10,29 5,98
Stahl in Stangen oder rohen
Platten. 8,88 720 1,78
B. Waren, die auf der Hafen⸗
route billiger fahren.
a) Eisendraht und eiserne Töpfe 11,75 7,20 4,55
b) Räder und Räderteile von Stahl 8,988 8,23 0,75
e) Roher Stahl.. 8,08 7,20 0,83
d) Roststäbe von Schmiede- oder
Gußeisen.. 757 720 10,29 3,00
D. Waren, die auf beiden
Routen zu gleichen Taxen
fahren.
Gußeiserne Ornamente ꝛc.,
Oefen und Toöpfe .10,26 8,28 2,03
b) Weißblech. 28,78 7,20 1,58
e) Eisenbahnschienen, Achsen, Rä⸗
der und Radgestelle, Bandagen,
Kleineisenzeug, Winkeleisen. 8,78 7,20 1,58
d) Eiserne Rohren, Platten, Bän⸗
der, Bleche, Träger, Ambose,
grobe Seile, Kellen..«8,03 5,82 2,21
2) Eisen in Stangen, flachen oder
runden Bändern....7728 5,21 2,07
f) Gußeisen in Broden, Bruch,
Abfälle, Roheisen, Puddeleisen,
Eisenluppen, Brucheisen, altes
Eisen, Hammerschlag... 7,28 5,21 2,07
Es ergiebt sich hierbei, daß die Fracht dem
absoluten Werte nach nur in einem einzigen
Falle (B. d.) — wobei es sich um Roststaͤbe
von Schmiede- oder Gußeisen handelt — auf
der Hafenroute billiger ist, als auf der Gott—
hardroute. Diese Artikel werden also von
deutschen Fabrikanten bis Chiasso um 3,00 Fr.
per Tonne billiger geliefert werden müssen, als
von englischen, wenn sie Aussicht haben sollen
in Malland konkurrieren zu können.
Hinsichtlich sämtlicher übrigen Artikel der
Eisenindustrie dagegen stellt sich heraus, daß
die Fracht von Chiasso nach Mailand dem ab—
soluten Werte nach billiger ist als diejenige von
Genua nach Mailand und wenn die oben gemachte
Voraussetzung, — daß nämlich die Tonne
Eisen deutschen Ursprungs loco Chiasso sich
genau so hoch stellt wie die Tonne Eisen eng
lischen Ursprungs loco Genua, — zutrifft, wer⸗
den die Fabrikanten der deutschen Eisenindustrie
genau um diese Fracht⸗Differenz den englischen
den Absatz streitig machen. Dieses Resultat
macht jedoch einen besseren Eindruck, als es
verdient, denn einerseits darf kaum obige
x4
Zu Gunsten der Hafenrouf⸗
*O. h. bhilliger nur dem reinen Tarifschema nach
1883.
Roststäbe aus Schmiede- oder Gußeisen fahren
also in Wirklichkeit auf der Gotthardroute zu
mehr als dreimal höherer Grundtaxe als auf
der Hafenroute; die Mehrzahl der übrigen
Artikel zu doppelt so hoher; gleich hoch fährt
keiner aller Artikel; bei sämtlichen Artikel ist
die Gotthardroute die teuerere. Im Durch⸗
schnitt stellt sich das Verhältnis wie 6,4: 12,4
oder nahezu wie 1: 2. In diesem Verhältnis ist
es also zahlenmäßig ausgedrückt, um wieviel
mehr die Hafenroute dem Import englischen
Eisens entgegenkommt als dies auf der Gott—
hardroute dem deutschen Eisen gegenüber geschieht.
Wir gesteben gern und ausdrücklich zu, daß dies
an dem einmal angenommenen Tarifschema der
italienischen Bahnen liegt; aber diese Erwägung
ändert nichts an der bestehenden Thatsache.
Wenn das deutsche Eisen auf der Gotthardroute
bis Mailand zu derselben Taxe befördert wer—
den würde, wie dies auf der Hafenroute geschieht,
dann würden die Konkurrenzverhältniße deutschen
und englischen Eisens in Oberitalien ganz an—
ders sein und erst dann würde die Wohlthat,
welche die Durchbohrung des Gotthard der In—⸗
dustrie Westdeutschlands verschaffen sollte, zu
ihrer ganzen Wirkung kommen.
In Wirklichkeit behandeln also die italienischen
Bahnen die beiden Konkurrenten nur nominell,
aber nicht thatsächlich gleich, und es muß unser
nächstes Streben sein, von Italien eine that—
ächlich gleichmäßige Behandlung zu erlangen.
Der Deutsch-Italienische Handels⸗
und Schiffahrtsvertrag
hat in beiden Ländern gleich nach dem ersten
Bekanntwerden eine sehr günstige Aufnahme ge—
iunden. Dies hat auch seine volle Berech—
rigung. Nicht nur, daß die Meistbegünst:;:—
gung das Fundament des Vertrages-bildet, es
sindauch von beiden Seiten weitgehende Zugeständ—
nisse gemacht worden, welche den Handelsverkehr
beider Länder wesentlich erleichtert werden. So
hat Italien den Eingangszoll auf Hopfen
ganz aufgehoben und für andere wichtige Handels—
artikel der deutschen Ausfuhr, wie Chinin—
sal ze und andere Alkaloide, sowie für Zink
in den verschiedenen Bearbeitungen und für
optische, mathematische, chemische und andere
Instrumente den bisherigen Zoll gebun—
Ren, d. h. jede Erhöhung desselben ausge—
chlossen. Dagegen ist von deutscher Seite die
Befreiung der Eingangsabgaben für Schwefel,
Weinstein, Lakritzensaft, Seidenkokons, nicht ge—
färbte Seide, Abfälle von gefärbter Seide, rohe
Korallen und lebendes Geflügel und ebenso
der bisherige Zoll für nicht lebendes Geflügel,
Reis und Eier gebunden und der Zoll für
frische Weinbeeren von 15 Mk. auf 10 Mk.,
für frische Apfelsinen, Citronen u. s. w. von
12 Mk. auf 4 Mk., für getrocknete Datteln,
Mandeln, Pomeranzen u. s. w. von 30 Mk. auf
10 Mk., für Oliven von 60 Mk. auf 30 Mt.,
für Speiseöl in Flaschen und Krügen von 20
Mtk. auf 10 Mk., und für Olivenöl in Fässern
bon 8 Mft. auf 4 Mk. herabgesetzt worden.
Weitere Mitteilungen der Tariffätze behalten
vir uns vor.