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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nre
Notizen.
—AVV
gemeine deutsche Ausstellung auf dem Gebiete
der Hygieine (Gesundheitspflege und Gesundheits⸗
technik) und des Rettungswesens in Berlin ge—
nanut wird, ist am vergangenen Donnerstag er—
öffnet worden. Die Besprechung dieser Ausstel—
lung, welche geradezu einen Markstein in der
gesamten Kulturentwickelung bedeutet, müssen
wir im allgemeinen den Tageszeitungen über
lassen. Was jedoch die Ausstellung von Anregun
ben für Industrie und Gewerbe bietet
arüber werden uns seitens eines Mitarbeiters
der sich nach Berlin begeben hat, einige Mit
teilungen zugehen.
Die Mietallindustrie in Berlin. In Brüssel
zgeht man damit um, zur Vertretung des ge—
samten Metallgewerbes einen ähnlichen Ausschuß
u bilden, wie die Steinkohlenindustrie einen
—— schon seit 1870 besitzt Es soll hierdurch
zwischen den Hauptfabrikbezirken Lüttich und
Charleroi ein Bindeglied geschaffen werden. Um
die Sphäre des Ausschusses noch weiter auszu—
dehnen, so daß derselbe nicht nur das Metall
und Kohlen⸗-, sondern auch das Glasgewerbe in
sich begriffe, soll für die drei Hauptgewerbe des
Landes ein gemeinschaftlicher Anhaltepunkt ge—
schaffen werden.
Konkurrenz für eiserne Zimmeröfen. Der
Verein zur Förderung des Kunstgewerbes in
Braunschweig schreibt eine Konkurrenz zur Er—
langung stilvoller Entwürfe zu eisernen Zimmer—
öfen aus, für welche die Eisenhütte Westphalia
bei Lünen an der Lippe zwei Preise von 400
und 200 Mk. mit der Bedingung aussetzt, daß
die prämiierten Bewerber die für die Fabrikation
etwa erforderlichen Aenderungen nachträglich vor—
nehmen. Die Ausführung der Oefen soll aus—
schließlich in Gußeisen ersolgen und mit ihnen
eine Zimmerventilation verbunden sein. Für
die Formengebung wird der Stil der Renaissance
und die Rücksicht darauf gefordert, daß die Ent—⸗
würfe dem Guß keine Schwierigkeiten bereiten.
Die Zeichnungen, eine Vorder⸗ und eine Seiten⸗
ansicht, ein Läangsschnitt und ein Grundriß über
dem Rost, im Maßstabe von 1:4, sind bis zum
15. Juni an den Schriftführer des Vereins,
Bankier Magnus in Braunschweig, einzusenden
und mit Motto und verschlossenem Kouvert mit
der Adresse des Autors zu begleiten. Nach der
Beurteilung durch die Jury werden sie öffent—
lich ausgestellt werden. Den Ankauf geeigneter
nichtprämiierter Entwürfe behält sich die oben—
genannte Firma vor.
Die amerikanischen Hüttenleute und der
neue Tarif. Am 4. v. M. hielten die west⸗
ländischen Hüttenbesitzer eine Versammlung in
Pittsburg ab, auf der beschlossen wurde, vom
1. Juni ab die Arbeitslöhne um 10 bis 20 0/0
herabzusetzen. Diese Maßregel kommt ziem—
lich unerwartet, ist jedoch einerseits durch den
neuen Zolltarif, andererseits durch die schlechte
Beschäftslage notwendig geworden Die Arbeiter
sind ganz verblüfft darüber und drohen zu
striken; doch aber hält der Sekretär der „Amal⸗
gamated Association“ eine allgemeine Arbeits
einstellung für unwahrscheinlich.
Das billigste Briefporto. Im letzten norde“ Ein Riesenschwungrad. Von Thomas Thur⸗
amerikanischen Kongreß ist ein Gesetz erlassen ley und Sons, Cosctey Moor Furnaces, in
worden, wonach das Porto für gewöhnliche Tipton, ist jüngst für Isaac Jenks u Sons,
Briefe durch die ganzen Vereinigten Staaten Beaver Works, Wolverhampton, ein ungewöhn—
auf 2 Cents (* etwa 8Pig.) festgesetzt worden lich großes Schwungrad angefertigt worden,
ist, so daß die Vereinigten Staaten jetzt die wahrscheinlich das größte in Siaffordshire
billigste Briefbeförderung der Welt dieses Schwungrad wurde in der Gießerei in
haben werden. Das Gesetz soll am 1. Oktober Tipton in zwer Stücken hergestellt. ver Ge⸗—
dieses Jahres in Kraft treten. Das billigste amtdurchmesser ist —m 144. Der Radkranz ist
Porto für gewöhnliche Briefe hat bis jetzt Eug 183 mm tief und 381 mm in der größten Dicke;
and, gehabt, wo es in dem letzten Jahrzehnt für die Radarme sind acht Hulsen angegossen.
ebenfalls auf etwa 2 Cents festgesetzt gewesen Der Radkranz allein wiegt an 37 Tonnen und
ist, was aber bei den kleinen Dimensionen Eug war in einem Male gegossen und dann mittelst
lands im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten Trennplatten in zwei gleiche Hälften geteilt
nicht viel sagen will. Die Unkosten und Schwierig- worden. Auch die acht Arme wurden in einem
keiten bei der Briefbeförderung sind dortzulande gegossen und in gleicher Weise durch die Mitte
ziel größer als in England. England hat nur hindurch abgeteilt Die Arme wiegen 24,3 Tonnen;
turze Routen uund 122 000 Quadrat-Meilen das Riesenrad selber ist demgemãß über b1 Tonnen
englischer Größe, während die Vereinigten Staaten schwer. Für die Beförderung dieser ungeheuren
zinen Flächenraum von 31/3 Millionen Quadrat. Gußmasse waren die gewöhnlichen Verkehrsvor⸗
Meilen einnehmen. richtungen nicht genügend; doch wußte die Nord⸗
Feen mit elektrischen Lampen. Die Idee bahngesellschaft auch in diesem Falle Rat zu
einer tragbaren elektrischen Lampe hat man schon schaffen. Von Earlstown wurde vin prächtiger
oerschiedentlich auszuführen versucht. Wenn man Büterwagen zur Stelle gebracht, der bereits im
aber bedenkt, daß zum Betriebe einer Glüh dahre 1851 zur Verbringung der großen Träger
ampe immer etwa !—/6 einer Pferdekraf— des damaligen Ausstellungsgebäudes gedient hatte.
nötig ist, so muß man die Idee wohl als ziem- Zum Ziehen einer jeden Hälfte des Kranzes
lich unpraktisch aufgeben, namentlich wenn das vurden zwanzig, und zum Ziehen der Rad—
dicht längere Zeit dauern soll. Für kürzere hälften je dreizehn Pferde verwendet, und das
Zeit, für ein paar Minuten kann man indes jesamte Rad wurde 'in vier Tagen von der
mit Benutzung seku ndärer Batterien ganz Fießerei nach seinem Bestimmungsorte verbracht.
hübsche Licht-Effekte erzielen, wie dies kürzlich Die Gesellschaft John Lusaght gedenkt in
bei der Aufführung der Oper „Jolanthe“ in Sydney Neusunnled eine Anstait für Fabri—
London geschah, wo die Feen in einer Scene salien und Galvanisierung von Drahtgeflechten
ein kleines elektrisches Glühlicht in den Haarer u errichten, von welch lehßteren in jener Kolonie
trugen, welches durch eine kleine zwischen den bedeulende Quantitaten verbraucht werden. Bis-Flügeln
angeschnallte Batterie gespeist wurde her versorgie unter anderen Deutschland Neu⸗
A—— Dippn ging 33 u südwales mit dem stark konsumierten galvanm—
das Licht aber längere Zeit brennen, so müsfen sierten Draht und Drahtaeflecht.
die Batterien vergrößert, d. h. enisprechend
ichwerer werden; solche Batterien herumzutragen,
dürite aber selbst einer Fee zu sauer werden.
Gerbsäure-Bier. Eine in Chicago erschei
nende Chemikerzeitung hat kürzlich die epoche—
machende Entdeckung gemacht, daß es möglich
ist, in der Bierbrauerei anstatt des teuren
hopfens zum Teil Gerbsäure zu verwenden, ohne
den Charakter und die Eigenschaften des Bieres
zu ändern. Während vielleicht die offene An—
vendung von Gerbsäure in entsprechender reiner
Form ebenso wenig theoretisch zu verdammen
väre, wie die Benutzung von guter Glucose als
Substitut für das Malz, so bezweifeln wir doch
daß das so produzierte Bier denselben Charakter
und dieselben Eigenschaften wie das aus Hopfen
und Malz gebraute haben wird. Angenommen
daß vom sanitären Standpunkte adus nicht
einzuwenden wäre, so entsteht bei der Herstel
ung des Bieres mit Gerbsäure doch immer ein
ieues Produkt, welches sich von dem alten we
entlich unterscheiden muß. Jedenfalls ist es
ür den Biertrinker kein angenehmer Gedanke
zu sehen, wie die Bierbrauer ein Substitut nach
dem andern für Malz und Hopfen anwenden
ind noch trauriger ist es, diese Fälschungen mil
chamloser Offenherzigkeit in sogenannten „wissen⸗
chaftlichen Fachschriften“ angepriesen und ver
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