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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr.*
Noltizen.
Deutsche Städte in Nord-⸗Amerika. Nach
der letzten Zählung beläuft sich die Zahl der
Einwohner von Rochester im Staate New-Vorl
auf 89 366. Hiervon sind 62644 in den Ver
einigten Staaten geboren und 26 522 Ausländer
Die Zahl der aus dem Deutschen Reiche Ein—
wanderten wird auf 11000 angegeben. Die
verschiedenen Gaue des alten Vaterlandes sind
dabei mit folgenden Zahlen repräsentiert: Ba—
denser 1600 Bayern, 21858, Hamburger 30
Hannoveraner 69, Hessen 946, Lübecker 11
Mecklenburger 566, Nassauer 16, Oldenburger
1, Preußen 2600, Sachsen 242, Weimarer 5
Schwaben 816, Deutsche ohne Bezeichnung
ihres engeren Vaterlandes 1150. Rechnet man
zu diesen in Deutschland geborenen Elementer
noch die in Rochester oder sonst in den Verei
einigten Staaten geborenen deuischen Einwoh
ner, so wird man kaum fehl gehen, wenn man
die deutschredende Bevölkerung Rochester's au
20000 Seelen veranschlagt, da auch die Kinder
der Eingewanderten, falls sie hier geboren wurden
den Amerikanern zugezählt sind. Auffallend is
übrigens, daß der in den Ver. Staaten frisch
Einwandernde nirgends schlechter aufgenommen
wird, als gerade in diesen stark mit Deutschen
bevölkerten Städten; denn jeder neue Ankömm
ling wird als unwillkommener Konkurrent an
gesehen und danach behandelt.
Starker Andrang zur Miatrosenlaufbahn.
In Friedrichs ort begann am B5. April die
Einstellung der Schiffszungen, zu welcher sich
wie den „Hamb. Nachr.“ aus Kiel gemelde
wird, wieder nicht weniger als 160 Jungen ge—
meldet hatten. Trotzdem die Schiffsjungen sich
auf mindestens 12 Jahre binden müssen, ist der
Andrang ein so großer, daß immer nur ein Tei“
Berücksichtiguug findet. Die Matrosenlaufbahr
bietet ziemlich günstige Aussichten, da jung
Unterofficiere bei freier Verpflegung an Bord
schon ein Einkommen von 1000- 1200 Mk. haben
Der Weinstock als Einfassung von Wegen.
Wenn man den Weinstock zur Einfassung der
Wege benutzen will, so pflaizt man l —2jaͤhrige
Stöcke in einer gegenseitigen Entfernung von
112/2 22 Ruten an die ihnen zu Stützen be—
stimmten Latten, welche 1 Fuß hoch über der
Erde als Einfassung der Wege angebracht sind
und trägt fortan Sorge dafür, daß jedes Jahr
dem Stocke, möglichst nahe dem alten Holze, nach
jedem Ende des Weges hin eine kräftige Rute
entwachse, welche hinsichtlich des Beschneidens
zur Rebe und des Ausbruchs wie eine an ein
Spalier geheftete Rebe zu behandeln ist. Doch
nur in einem sonnenreichen, mehr trockenen als
feuchten Standorte ist bei kleinen Traubensorten
diese Methode empfehlenswert; in feuchter oder
schattiger Lage und für große Trauben weniger
indem dieselben nicht allein von dem beim Regen
aufspritzenden Kot beschmutzt werden, sondern
auch der Fäulnis sehr ausgesetzt sind.
Webestoffe aus Glas. Im Anschluß an
unsere Mitteilung in Nr. 2 des Gewerbeblattes
über Webestoffe aus Glas können wir noch
mitteilen, daß auf einer Industrie-Ausstellung
welche im vergangenen Jahre zu St. Louis
in Nordamerika stattgefunden, eine Serviette
aus gesponnenem Glas großes Aufsehen erregte
Die Serviette, welche fast so geschmeidig wie
eine seidene war, bestand in der Füllung aus
äußerst feinen Glasfäden, gekreuzt mit einer Kette
von Seide; die Franse war ebenfalls Glasfaser
und ungefähr zwei Zoll lang. Vorläufig er—
scheinen aber derartige Glaswebereien als äuß er—
ster Luxus; denn diese neueste Serviette, von
der Größe gewöhnlicher Frühstüscks servietten
tostete etwa 450 Mk.!
Preisausschrei ben für ein Verfahren zur
Vertilgung der Feldmäuse. Der Breslauer
landwir schaftliche Verein hat für die Erfindung
eines billigen, leicht anwendbaren und wirksamen
Verfahrens zur Vertilgung der Feld
mäuse einen Preis von 1000 Mark ausgesetzt
Die Prüfung und Entscheidung über die Preis
würdigkeit der eingehenden Vorschläge sowie die
Zuerkennung des Preises erfolgen durch eine
Fachkommission. Entspricht jedoch keiner der
eingehenden Vorschläge den durch diese Kom—
mission festzustellenden Anforderungen, soewird
der Preis nicht zuerkannt. Bewerbungen um
diesen Preis sind bis Ende August d. J. an
das Bureau des Breslauer landwirtschaftlichen
Iene (Breslau, Matthiasplatz Nr. 6) einzu
reichen.
Gewerbliche Fragen und Antworten.
An die Redaktion des „Saarbrücker Gewerbeblatt“.
Welches ist die schnellste und leichteste Methode, um
ine Glasscheibe zu durchbohren?
Saarbrücken, den 23. April 1883. W. R.
An die Redaktion des „Saarbrücker Gewerbeblatt“.
Ich will, nachdem ich schon so wiederholt davon ge—
esen, daß man auch in der Kleinindustrie mit Vorieil
Maschinen anwenden kann (anstatt der Menschenkraft),
mir eine Dampf-, Gas⸗- oder ähnliche Maschine zum
Betriebe meiner Werkstatt anschaffen. Doch weiß ich
nicht recht, was fur eine; es giebt ihrer so sehr viel
)erschiedene Arten. Ich möchte Sie bitten, mir zu der
inen oder der anderen zu raten.
Kaiserslauten, den 19. April 1888.
Fl. Ml., Schreinermeister.
An das „Saarbrücker Gewerbeblatt?.
Giebt es außer der Salpetersäure kein Mittel, mit
dem man auf Eisfen oder Stahl bequem ätzen kann?
Salpetersäure hat das Unangenehme, daß sie stark Gas
entwickelt und auch den Leckgrund verändert, so daß
man nicht genau den Fortschritt der Aetkzung kontrolieren
'ann.
St. Johann, den 22. April 1883. K. Schm.
Bücher und Zeitschriften.
Deutschlands Handelsverträge und die
Zolltarife der fremden Ländern. Für alle
größeren Geschäfte, namentlich aber für solche,
die stark exportieren, ist es ein Beduͤrfnis, die
vom Deutschen Reiche abgeschlossenen Verträge
kennen zu lernen, welche den internationalen Ver⸗
kehr Deutschlands mit den anderen Staaten und
Ländern regeln. Das dazu nötige Material ist
überall zerstreut und für den einzelnen im ge—
gebenen Falle kaum zu ermitteln Nicht einmal
die Handelskammern sind darüber immer unter—
richtet, während sie es selbstverständlich in erster
Linie sein sollten. Im Auftrage des „Centralver—
handes deutscher Industrieller“ hat es nun dessen
Beschäftsführer, Herr Regierungsrat Beutner
unternommen, eine Zusammenstellung aller vom
deutschen Zollverein und später vom deutschen
Reiche abgeschlossenen und zur Zeit noch in Kraft
befin dlichen Freundschafts⸗, Handels-, Schiffahrts⸗,
Konfular- und litterarischen Verträge durch den
Druck zu veröffentlichen und dadurch allen be—
teiligten Interessenten zugänglich zu machen.
Der Druck ist bereits fertig gestellt, und es
dürfte die Ausgabe des Buches schon in den
ersten Tagen des künftigen Monats erfolgen.
Als zweiter nicht minder wichtiger Teil wird
sich hieran eine Zusammenstellung der gegen—
wärtig in Kraft befindlichen Zol ltarife aller
für den deutschen Handel wichtigen Länder an—
fchließen. Auch dieser Band befindet sich schon
im Druck und dürfte in 6—ã8 Wochen zur Aus—
zabe gelangen. Die Preise sind so niedrig be—
nessen, daß die Anschaffung allen Beteiligten
nöglich gemacht werden wird.
Wir werden s. Z. auf diese Publikationen
zurückkommen.
Briefkasten.
Herrn M. in St. Johann a. d. S. Sie machen
ins darauf aufmerksam, daß einer Ihrer Mitbürger die
Anregung dazu gegeben habe, um die Feuersicher—
)eit der Theater zu erhöhen, statt des eisernen
Vorhanges einen fsolhen von imprägniertem Pa—
pier zu verwenden. Einer derartigen Anregung be—
durfte es nicht mehr, denn der Vorschlag ist in zwei besse—
en Formen schon vor sehr langer Zeit dagewesen. Hert
Treisbaumeister a. D. E. H Hoffmann in Berlin
rämlich hat schon vor vielen Jahren empfohlen, den
ZSicherheitsvorhang einfach aus gewöhnlich starkem Rollen-»apier
herzustellen und zwar ohne alle und jede In—
hraͤgnierung, weil es eine alte Erfahrung ist, daß Pa—
hier, welches einseitig von der Flamme bespült wird,
riemals in Flammen aufgeht. Herr Hoffmann hat diese
Frfahrung bei den von ihm erfundenen Ringöfen für
Ziegelbrennereien thatsächlich verwertet, indem er zwei
Kammern, von denen die eine kalt gestellt ist, während
hurch die andere die Flammen durchschlagen, einfach
durch einen Papierschirm trennt, der sich absolut
euerfest erweist. Will man also Papiervorhänge
tatt der eisernen anwenden, so erscheint dies nicht unge⸗—
rechtfertigt; aber die Kosten des Imprägnierens kann man
ich ersparen. Der zweite Vorschlag jedoch betrifft die
Verwendung von Asbestpapier anstatt des Eisen—
leches oder des eisernen Drahtgeflechts. Derartiget
Papier widersteht betanntlich jeder Flamme und is
edenfalls auch zuverlässiger als imprägniertes Papier.
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