Full text : 1.1883 (0001)

Faurbrücer Gewerbeblatt
für Industrie, Handel und Verkehr.

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N 5.
L Mitteilungen über die Gotthard—
Tarife.

—X

1883.

RMVI

—

ven

25: April.

tion im Binnen-Verkehr sich stellen, so ha⸗“
man eine ganze Reihe von Manipulationen not—
wendig, um an das Ziel zu gelangen. Zunächs
muß man die Entfernung konstatieren, wozr
man in dem Entfernungsweiser nachzuschlagen
hat; alsdann gilt es die Waren-Klassifikation zu
durchgehen, um festzustellen, nach welchem Taris
die beir. Ware befördert wird. Hierauf hat mar
wieder den letzteren aufzuschlagen und in Er—
wägung zu ziehen, in welcher Zone die betr
Enifernung liegt, da die Grundtaxen der ita
lienischen Frachten sich zonenweise üundern. Nun
mehr kann man endlich zur Berechnung
schreiten, indem man die betr. Entsernung mit
der bezüglichen Grundtaxe multipliziert und zu
der gesundenen Zahl die einmalige Expeditions
gebühr addiert. Damit ist jedoch das Resulta
noch nicht als ein mit voller Sicherheit fest
stehendes zu betrachten, denn der Zonentarif har
bekanntlich die Eigentümlichkeit, daß für die am
Ende jeder Zone liegenden Entfernungen Aus—
zleichungen eintreten müssen, um für die weitere
Entfernung nicht geringere Frachtsätze als für
die kürzere zu erhalten. Man hat deshalb. noch
eine weitere Rechnung zu machen und zu prüfen,“)
ob die Anfangsentfernung der nächsten Zone,
multipliziert mit der dieser Zone zukommenden
niedrigeren) Grundtaxe nicht etwa einen nie—
drigeren als den zuerst gefundenen Satz ergiebt
Ist das der Fall, dann gilt dieser Satz auch für
die in Frage stehende Entfernung und die zu—
erst vorgenommene Rechnung wird hinfällig
Andernfalls jedoch ist der zuerst gefundene Fracht
satz der richtige. Wenn man nun noch den
Staatssteuerzuschlag für Eilgut mit
3 pCt. und für Frachtgut mit 2 pCt. hinzu—
chlägt, so ist endlich der volle Frachtsatz, den
nan in unseren Tarifheften ohne weiteres er—
zält, ermittelt.
Diese umständliche Manipulation erfordert se
diel Zeit, Mühe und peinliche Aufmerksamkeit
daß es wohl kaum zu viel gesagt erscheint, wenn
wir uns oben dahin aussprachen, daß diese bloße
Uebersetzung des oberitalienischen Eisenbahn—
Tarifs für die Verkehrstreibenden ohne Nutzen
ist. Man durfte erwarten, daß eine Veröffent—
lichung erfolgen würde, aus welcher man in
direktester Weise und ohne weitere Umstände so—
fort würde ersehen können, ob man eine be
stimmte Ware in bestimmter Relation billiger
nach dem Transit- oder billiger nach dem Bin
nen-Verkehr zur Beförderung giebt. In der
Erwartung dessen haben wir unsererseits auck
zezögert, unsere Absicht eine solche Zusammen
tellung für die speziellen Verkehrs-Artikel der
Saar- und Mosel-Industrie auf Grund
der in unseren Händen befindlichen italienischen
Ausgabe zu machen, auszuführen. Nunmehr
wird uns nichts Anderes übrig bleiben, als dies
noch nachträglich zu thun. Diese Zusammen—
tellung soll in Kürze mitgeteilt werden. —
Auch hinsichtlich der Behandlung des Tarif—
wesens biPlden somit die Alpen im Augenblicke nock

eine scharfe Grenze. Nördlich davon giebt man
dem Publikum Tarifhefte mit den vollen Fracht—
sätzen in die Hände, verschweigt ihm aber mit
mehr oder weniger Hartnäckigkeit die Konstruktion
dieser Sätze. Südlich der Alpen hinwieder giebt
man ihm nur das Schema der Tarife in die Hände,
so unbequem dasselbe auch zu handhaben ist.
Allerdings erklärt sich dies wieder aus der gan⸗
zen Art und Weise der Konstruktion der italie—
nischen Tarife; es hat für diese seine Schwierig—
keiten, Tarifhefte in einer der unseren ähnlichen
Form herauszugeben; aber unerfindlich bleibt es
ins, wie die italienischen Handeltreibenden mit
derartigen Tarifheften überhaupt fertig zu wer—
den verstehen. Vielleicht kümmern sie sich gar
nicht darum.

Die Binnen⸗-Tarife der oberitalienischen
Eisenbahnen.
Nach Veröffentlichung der Eisenbahn-Tarift
für die Route via St. Gotthard tauchte die Ver
mutung auf, daß in einer Reihe von Fällen die
italienischen Eisenbahnen für das au
ihren Bahnen der Gotthardbahn zugeführte resp
das auf dieser nach Italien hinein gelangend
Gut höhere Frachten in die Tarifhefte einge
stellt hätten, als für ihren Binnenverkehr
gültig sind. Auf Veranlassung der deutschen
Eisenbahn-Verwaltungen wurde darauf von der
italienischen Bahnen zugebilligt, daß in den ita
lienischen Grenzstationen der Gotthard-Route
also in Chiasso und Pino, eine Reexpedition
der Güter stattfinden dürfe. Die deutschen Ab
sender erhielten damit das Recht, ihre nach ita
lienischen Stationen bestimmten Waren vorers,
nur bis Chiasso oder Pino expedieren zu lassen
von wo aus sie von der betr. italienischen Güter
Expedition selbst an die italienische Bestimmungs—
station weiter expediert werden. Auf diese Weis«
haben die deutschen Absender die Chance, von den
etwaigen billigeren italienischen Binnen-Tarif
profitieren zu können. Da jedoch eine solch—
Reexpedition auf dem betr. Frachtbriefe aus—
drücklich vorgeschrieben sein muß, so sind die
deutschen Absender im gegebenen Falle bishe
in Verlegenbeit geraten, ob sie eine solche vor
schreiben sollen oder nicht, indem über die Höh—
der italienischen Binnen-Tarife diesseits der
Alpen bisher nichts Bestimmtes bekannt war
Die General-Direktion der Eisenbahnen in Elsaß
Lothringen, welche s 8. mit der Führung alle
Geschäfte hinsichtlich des deutsch-italienischen Güter
Verkehrs seitens der beteiligten deutschen Eisen—
bahn-Verwaltungen beauftragt worden ist, hal
darauf im Februar d. J. bekannt gegeben, daß
sie, um diesem empfindlichen Mißstande abzu—
helfen, eine Veröffentlichung des Tarifs der
oberitalienischen Eisenbahnen herbeiführen werde
Diese Veröffentlichung ist soeben erschienen und
liegt uns vor. Sie führt den Titel:
„Oberitalienische Eisenbahnen. Tarifé
und Transport-Bestimmungen vom 1. Jul
1878 (Ansgabe von 1881). Straßburg, 1883
Buchdruckerei R. Schultz u Co.“ (Preis 3Mk.
Sie ist lediglich eine Uebersetzung der uns be
reits bekannten italienischen Ausgabe des Tarifs
und enthält im Wesentlichen nur die Klasti
fikation der Waren und die Konstruktion den
Tarife, aber nicht, wie bei unseren Tarifheften
die Frachtsätze für bestimmte Verkehrs
relationen. Damit ist diese Veröffentlichung
für den Handelsstand im Allgemeinen wertlos
Die Gründe dafür liegen nahe: In den deut
schen Tarifheften für die Gotihard-Route finden
wir für jeden gegebenen Fall den vollen itelie
nischen Schnitisatz. Wir können z. B. ohn
weitere Mühe, selbst ohne daß wir die Entfer
nung wissen, daraus entnehmen, daß im Transit
Verkehr ein Doppelwaggon gußeiserne Röhren
von Chiasso nach Florenz 178,0 Fr. einschließ
lich aller Nebengebüͤhren ꝛc. kostet Will mar
jedoch auf Grund der vorliegenden Veröffent
lichung der oberitalienischen Tarife feststellen
wie hoch die Transportkoften für dieselbe Resa

1.

Der Kohlenbergbau im Ober-Berg⸗
amtsbezirk Breslau pro 1882.
Es betrugen im Ober-Bergamtsbezirk Breslau⸗
J. Steinkohlen. IIL. Braunkohlen
u. Briquats.
a. Die Förderung in Tonnen:
1880 12656764 446 628
18841 13110848 462 983
1882 13790 947 434 457
b. Der Absatz durch Verkauf:
1880 11344 440 343 934
1881 11909 710 357011
1882 12432 465 333 191
Wert der verkauften Kohlen in Mk.:
1880 5124612 1186 749
1881 633462871 1199 927
1882 64982 174 1145 198
d. Der Durchschnittspreis pro Tonne:
1880 4,52 3,46
1881 4,49 3,37
1882 4242 3.48
e Die Bestände in Tonnen:
Ende 1880 199 088 25 742
1881 209 088 34 196
1882 291 116 35 781
eDie mittlere Belegschaft der Gruben (Köpfe):
1880 43823 1309
1881 45 878 1310
1882 48213 1281
Es ergiebt sich somit im Vergleiche der Jahre
1881 und 1882 folgendes Resultat:
J. Steinkohlen.
a. Die Förderung ist gestiegen um. 52 pCt.
b. Der Absatz J 44,
c. Der Wert der verkauften Kohle ist
gestiegen um.... 2,8,
Der Durchschnittsvreis per Tonne
ist gefallen um . .1,6,
II. Braunkohlen und Briquets.
Die Förderung ist gefallen um . 6,2 pCt.
Der Absatz — F 6,6,
Der Wert der verkauften Kohle ist
gefallen um. 4,66,
Der Durchschnittspreis pro Tonne
ist gestiegen uunn..... 3,3,
Die Belegschaft stieg für den Gesamtkohlen—
bergbau im Jahre 1882 um 2306 Köpfe gegen
1881 und um 4360 Köpfe gegen 1880.
Es zeigt sich somit hieran in deutlicher Weise
die auch sonst bemerkte Hebung der wirtschaft—
lichen Verhältnisse.

4.
b.
c.

d

*) Ueber die Notwendigkeit einer derartigen Prüfung
finden wir allerdings in der Veröffentlichung keine An—
deutung; für eine große Zahl von Fällen werden alste
diejenigen Verkehrstreibenden, welche keine Kenntnis da—
von besitzen und daher das zuerst erlangte Resultat not
vendig als das richtige betrachten müssen, eine falsch;
dechn ung aufmachen
            
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