Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verlehr.
Nr.?
Notizen.
Frauen als Zahnärzte. In dem Wochen—
blaft: „Für's Haus“, welches sich unter anderem
redliche Mühe giebt, den Frauen neue und loh—
nende Erwerbszweige zu eröffnen, wurde vor
kurzem mitgeteilt, daß sich in Thorn eine junge
unverheiratete Dame als Zahnärztin nieder—
gelassen hat und mittelst ihrer Praxis vollaus
berdient, um sich und außerdem einige Ange—
hörige zu ernähren. Die Dame ist kouragier!
genug gewesen, um auf eigene Faust nach Nord—
amerika zu gehen, sich dort 11/3 Jahr aufzu—
halten und ihr Metier bei dortigen Zahnär ten
gründlich zu studieren. Es ist bekannt, daß es
in Nordamerika die Zahnärzte in der Behand—
lung der Zähne weiter gebracht haben als hier,
vielleicht schon aus dem Grunde, weil man in
Nordamerika überhaupt mehr Wert auf die Zähne
legt als bei uns. Die Dame konnte also nichts
Besseres thun, als ihre Lehrzeit gerade in Nord⸗
amerika durchzumachen. Allerdings mußte sie
zu diesem Zwecke, um ihren Unterhalt während
der Dauer ihres Aufenthaltes zu bestreiten, ein
kleines Kapital, das sie hatte, opfern, aber der
—DD
hat, bringt ihr dies Opfer wieder zehnfach ein
Man kann eine gelegentliche Nachahmung dieses
Beispiels nur empfehlen. Zur glücklichen Aus—
übung der Zahntechnik gehört kein besonders
tiefes wissenschaftliches Studium, weit mehr eine
geschickte Hand, die im stande ist, die viel—
fältige eigenartige Behandlung der Zähne vor—
zunehmen. Eine geschickte Hand ist wohl aber
gerabe dem Weibe von Natur aus mitgegeben.
Außerdem muß es einer Zahnärztin, wofern sie
sich nur richtig anstellt, leicht fallen, sich gerade
die Frauen heranzuziehen, und da diese die Haupt—
kunden der Zahnärzte abgeben, so ist ihr ein
weites Feld der Thätigkeit sicher. Daß nun
auch gleich alle der Zahnkunst beflissenen Frauen
und Mädchen nach Nordamerika gehen sollen,
wollen wir nicht anraten. Es wird dem weib—
lichen Geschlechte sicherlich möglich werden, auch
in Deutschland zum Studium der Zahntechnilk
zugelassen zu werden. Aber denjenigen, die
wirklich den Mut in sich fühlen, zweimal den
Ozean zu kreuzen und jenseits desselben jahre—
lang zu leben, kann man nur aus voller Seele
raten, es zu thun; denn alsdann kommen sie
unzweifelhaft so fertig ausgebildet von dort zu—
rück, daß es ihnen unschwer gelingen wird, we
nigstens denjenigen Zahnärzten, die keinen ame
rikanischen Kursus durchgemacht haben, scharft
Konkurren; zu machen.
MNeeinigung der Hühnerställe. Eine sorg,.“ Dem „Central⸗Gewerbe⸗-Verein“ in Düssel—
ältige, regelmäßig wiederholt Reinigung der dorf ist eine große Sammlung von kunst—
dühnerställe ist ein unbedingtes Erfordernis gewerblichen Gegenständen als Geschenk
venn man die Hühner gesund und recht viele überwiesen worden, welche geeignet ist, den
Fier erhalten will. Es ist auch das einzige Brundstock für das von dem Vereine zu errich—
Mittel, um das Ungeziefer, das den Hühnern tende Gewerbe-Museum zu bilden. Es ist
o schädlich ist, von den Stälien fern zu halten dies die Sammlung, welche der verstorbene
hin und wieder wird man eine besonders gründ Eduard Böninger aus Duisburg auf seinen
iche Reinigung vorzunehmen haben, um die Reisen durch Asien, Afrika und Australien mit
chlechte verdorbene Luft, die sich nur allzu leicht einem Kosten-Aufwande von mehr als 300000
nn den zumeist ja sehr engen, womöglich in Mark zusammengebracht hat und welche von den
»umpfen, sonnenlosen Höfen angebrachten Ställen Erben als „Eduard Böninger-Sammlung“ dem
insammelt, zu beseitigen. Dazu verbrenne man Tentral-Gewerbe-Verein geschenkt worden ist.
ogleich nach dem Oeffnen des Hühnerstalles, so- Der größte und wertvollste Teil der Sammlung
»ald die Hühner herausgelausen sind, in einer besteht aus älteren und neueren japanischen
rdenen Pfanne auf Kohlen, die ohne Flamme kunstgewerblichen Gegenständen, Lack-, Holz-,
zlühen, so viel Schwefelblüte, daß der Dampf Eisen,, Email- und Flechtarbeiten, Broncen,
»es Schwefels so dicht und stark wird, daß der⸗ Textilwaren und Stickereien; einer Kollektion
elbe in alle Teile, Winkel, Risse und Fugen von mehreren Hundert Lanzen, Schwertern,
sinlänglich eindringt. Der Stall bleibt dann Dolchen und Gewehren; sowie einigen zwanzig
bis Mittag gut geschlossen. Alsdann wird Schie vollständigen Rüstungen. Der Rest der Samm—
ber und Thüre geöffnet, damit sich der Geruch lung umfaßt Gegenstände der Südsee⸗Inseln,
verziehe. Auf diese Weise wird das Ungeziefer aus China, Indien, dem Orient und Algerien.
des Geflügels vollständig vertilgt und die Luft Augenblicklich ist man mit der Aufstellung der
jon allen Fäulnisstoffen gereinigt; die Schwefel- Sammlung in den Räumen des ‚Ceutral—
»ämpfe haben keinen nachteiligen Einfluß auf Gewerbe-Vereins“ beschäftiat
—
nicht aus den Augen lassen!
Wagenbauer und Mtiillionär. In New
York starb im vergangenen Monat ein Mann,
tamens Peter Cooper, im Alter von 8
Jahren, der es vom einfachen Stellmacher und
Wagenbauer zum Millionär gebracht hat. An—
änglich trieb er jahrelang sein Handwerk, er
ibrigte sich dabei ein kleines Kapital, begann
damit die Fabrikation von Leim und Hausen
»lasen und erwarb sich ein großes Vermögen
velches er dann durch Anlage ausgedehnter
kisenwerke bei Baltimore verwertete. Cooper
zaute die erste Lokomotive in Amerika und er
var es auch, der zuerst mit Erfolg die Anthracit
Kohle beim Puddeln anwandte und Schmiede
eisen zur Herstellung feuerfester Gebäude verwandte
Auch unterstützte er die Bemühungen zur Her
stellung des atlantischen Kabels und gab bedeu
tende Summen zu Unterrichtszwecken aus. Er
zründete, indem er daran gedachte, daß er aus
dem Arbeiterstande hervorgegangen, in New York
ein Uunterrichts-Institut, das nach ihm benannte
„Cooper-Institut“, in welchem Arbeitern jeg
licher Unterricht vollständig frei erteilt wird
und opferte dazu mehr als 8 Millionen Mark
In Nordamerika hat man bei seinem Tode dank
jar dieses wohlthätigen und menschenfreund
lichen Mannes gedacht.
Bücher und Zeitschriften.
„Das schnelle Auschwellen der Gebirgs⸗
wässer und Vorschläge zur Verhinderung
desselben“ Von Fr. W. Koch, Oberförster
a. D. Trier 1883, Heinr. Stephanus. Der
Verfasser dieser Brochure erblickt gleich Anderen
die Hauptursache von Ueberschwemmungen, wie
der letzthin stattgefundenen, in dem raschen An—
schwellen der Gebirgswässer; er empfiehlt jedoch,
anstatt auf die Regulierung der Flußläufe, des
Deichwesens ꝛc. das Hauptgewicht zu legen, viel⸗
mehr, die Ursachen des allzu raschen Abflusses
der Gebirgswässer zu beseitigen. Er richtet dazu
die Aufmerksamkeit auf die Detailbehandlung
der Gebirgswässer und empfiehlt auch seinerseits
die wiederholt schon von Seiten der Wasserbau—⸗
techniker vorgeschlagene Anlage von horizontalen
Quergräben und Coupierzäunen, welche eingehend
beschrieben werden. Darauf wird die Schrift
kaum rechnen können, auf die Behandlung der
Frage seitens der staatlichen Organe einzuwirken.
Dagegen giebt sie enger begrenzten Gemeinde—
Bezirken vielfache Winke, deren Befolgung eine
wirksamere Bekämpfung der Wassersnot herbei—
führen muß. Wir empfehlen deshalb die Schrift
einer wohlwollenden Beachtung seitens der Or—
zane aller derjenigen Gemeinden, welche mit der
Wassersnot zu kämpfen haben.
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