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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Papier, Leinwand, Holz, Putz in Aquarell—
eim⸗, Oel- und Temperafarbe herzustellen. Die
Farbenkunde, also die Lehre von der Beschaffen
heit der Farben und die Farbenlehre, dient eben—
falls zu Lehrgegenständen. Daran schließt sick
der Unterricht in den eigentlichen Handwerks—
manipulationen als Linierubungen, Zeichnen mit
dem Pinsel, Marmor und Holzimitation in Malerei
Broncieren, Versilbern, Vergolden, Chablonieren
Schriftübungen, Sgraffito- und Frescomalerei
Geschwister, und viele junge Männer konnten
das Gymnafium, die Universität für das Geld
besuchen, das ihre Schwestern in Lowell als
Fabrikmädchen verdienten. Aber auch die Mäd—
chen selbst besuchten in den Ferienmonaten die
Lyceen. Die Arbeit an den Spinnrahmen war
rein mechanischer Art, sie konnten ihren eigenen
Gedanken dabei nachhängen; fast alle Mädchen
hielten sich Hefte, in denen sie nicht nur das Ge
lesene, sondern auch eigene Gedanken aufschrieben
Aus diesen Aufsätzen entstand schließlich eine Zei⸗
tung, deren erste Nummer 1840erschien, die einzigt
in der Welt, die nur Frauen zu Mitarbeitern
zählte und von Arbeiterinnen redigiert wurde
Das Blatt wurde mit freudigem Erstaunen be—
zrüßt, Abonnenten fanden sich im ganzen Lond
uind bis nach England wurde es versandt,
elbst große Männer lasen es und fanden die
Schreibweise vorzüglich. Unter dem Titel „Geist
uuter den Spindeln“ wurden viele Aufsätze ge—
ammelt und in England gedruckt. Dieser kurze
Ueberblick zeigt, daß auch ein Fabrikleben das
Streben nach idealen Gütern nicht ausschließt.
Heute sind freilich die Verhältnisse auch in
Neu⸗England gänzlich andere geworden.
Durch die rasche Zunahme der Bevölkerung
wurde das Angebot seitens der Arbeiterinnen
so stark, daß der Arbeitslohn niedriger, die
Arbeitszeit aber länger wurde. Unter dem
Druck schlechterer Verhältnisse schwanden auch
die geistigen Bestrebungen der Fabrikmädchen
don Lowell; ihr Selbstgefühl und ihre Moral
sitten Schaden. Sie dürften heute auf die vier
ziiger Jahre als auf die gute alte Zeit mit
Wehmut zurückblicken.
Gegen die Unsitte des Verborgen
im Kleinverkehr
läßt sich auch von Seiten der Behörden etwas
thun, wenn dieselben den Borgern mit dem guten
Beispiele des prompten Bezahlens vorangehen.
Sehr bemerkenswert ist eine Bekanntmachung,
die der Crimmitschauer Stadtrat in dem dorti—
gen Lokalblatte kürzlich veröffentlicht hat. Diese
Bekanntmachung lautet: „Bei einem großen Teile
derjenigen hiesigen Gewerbetreibenden bez. Hand—
werker, welche für kommunale Zwecke Bedürf—
nisse liefern oder Arbeiten ausführen, herrscht
leider die Unsitte, die Rechnungen für
die ihnen zukommenden Geldbeträge
möglichst spät zur Begleichung einzu—
reichen. Ganz abgesehen davon, daß sich hier—
zurch die betreffenden Gewerbtreibenden und
Handwerker selbst dem Verdacht unordentlicher
Beschäftsführung aussetzen, entstehen durch die
verspätete Einreichung der Rechnungen nicht nur
leicht Irrtümer und Weiterungen, sondern es
vird auch die Behörde selbst geradezu verhindert,
ihre Rechnungen abzuschließen. Wir fordern da—
her alle diejenigen, welche für gelieferte Bedürf—
nisse oder geleistete Arbeiten auf das Jahr 1882
noch irgend welche Forderungen an eine der
hiesigen öffentlichen Kassen haben, auf, die Rech—
ungen ungesäumt einzureichen.“
Die Fabrikmädchen von Lowell.
Als die Baumwollspinnereien in Neu-England
(Nordamerika) in den dreißiger Jahren dieses
Jahrhunderts eröffnet wurden, sah man die
Fabrikmädchen wie Sklaven an und ihr Stand
wurde als der niedrigste erachtet. Der hohe Lohn
jedoch bestach viele Mädchen und zog ihrer bald
mehr und immer mehr heran; schnell waren
die Fabriksäle mit kräftigen, gesitteten Mädcher
gefüllt. Die „Hausfrauen-Zeitung“ erzählt nur
nach einer amerikanischen Schriftstellerin, welch
eigentümliche Verhältnisse sich bald herausstellten
Die Arbeitgeber eröffneten ihren Arbeiterinnen
die Häuser; sie besuchten dieselbe Kirche mi
ihnen, manche heirateten in die besten Familien,
anstatt daß man auf sie als „Fabrikmädchen“ her—
abblickte, gewannen die Lowell-Spinnerinnen
einen ehrenvollen Namen. Die in Lowell be—
schäftigten Mädchen waren 16—28 Jahre alt,
nur ausnahmsweise wurden Mädchen von 10
Jahren zu kleinen Beschäftigungen zugelassen
Diejenigen Arbeiterinnen, die aus andern Städ
ten kamen, arbeiteten durchschnittlich 8—510 Mo—
nate pro Jahr in der Fabrik und verbrachten die
zwei ferneren Monate entweder zu Hause oder
besuchten während der Zeit Schulen. Während
der Arbeitsmonate lebten die Mädchen in Pen—
sionshäusern (Bosrding-Houses) zusammen, und
zwar bildeten 50—60 junge Mädchen eine kleine
Gemeinde, bewacht von der Mutter eines oder
des andern Mädchens, die Inhaberin des Boar—
ding-Hauses war Die arbeitsfreie Zeit wurde
im großen Wohnzimmer verbracht; da saßen die
Fabrikmädchen, nähten, lasen, schrieben, und oft
kamen Fremde, die von dem eigenartigen Leben
gehört hatten, um es selbst in Augenschein zu
nehmen. Ein Klavier war fast in jedem Boar
ding-Hause zu finden und fast alle waren Abon
nentinnen von Jonrnalen und Büchern. Die
Bewohnerinnen eines Haushaltes hielten auch
bei der Arbeit zu einander; war ein Mädchen
verhindert, so übernahmen zwei oder drei andere
geteilt deren Aufgobe, damit sie ihren Lohn nich
verliere, und ebenso tauschten sie gegenseitig ihre
Gedanken über religiöse wie soziale Fragen, über
Bücher und Briefe aus, verglichen ihre Ge—
danken und Erfahrungen und rieten und halfen
einander in jeder Weise. Bald standen sie auf
einer weit höheren Bildungsstufe als ihre Mütter
und Großmütter. Die Arbeitgeber halfen ihner
redlich, denn auch sie konnten nur durch die
Hilfe der Mädchen bestehen. Die Mädchen wur
den in Lowell bescheiden und sparsam erzogen
Es war Sitte, an jedem Ersten des Monats
nachdem 5 Dollars Pension gezahlt worden, der
Rest des Lohnes in eine Sparkasse zu thun, wo der
selbe Zinsen brachte und so lange verblieb, bis
sie heimkehrten oder fie Extra-Ausgaben zu
decken hatten. 1843 bestand die Hälfte der
Teilhaber an der Loweller Sparkasse aus Fabrik
mädchen, und der dritte Teil der dort deponier
ten Summe, fast eine halbe Million Mark, ge—
hörte ihnen. Die ersparten Gelder kamen nich
nur den Mädchen, sondern auch ihren Familien
zugute. Geld war es, was die Meisten aus
den verschuldeten Farmhäusern nach Lowell ge
lockt; durch das geregelte sparsame Leben konnien
die Schulden gedeckt, die Häuser gemalt, die
Farms aufgebaut werden, praktische Neuerungen
wurden in die mütterliche Küche eingeführt und
Bücher und Zeitungen machten die Abende ge—
mütlich und nutzbringend. Junge Leute beider⸗
lei Geschlechts, die zwei oder drei Jahre in Lo—
well verbracht hatten, kehrten heim, kauften
selbst unbebautes Land, bauten bescheidene
Häuser und wurden glückliche Familienhäupter
Viele Fabrikmädchen erhielten ihre verwittweter
Mütter, ihre kranken, unfähigen oder trunk
süchtigen Vöuter. Viele erzogen ihre jüngeren
Wie sich die Frankfurter Möbel—⸗
Schreiner helfen.
Der Vorstand der „Genossenschaft Frankfurter
Schreinermeister“ versendet ein Circular, worin
es unter Anderem heißt:
„Es ist unleugbar, daß die Existenz des selbst—
ständigen Schreinerhandwerks hierorts, das
früher in schönster Blüte stand, eine immer
zweifelhaftere wird, wenn nicht durch entschie—
denes Eingreifen der Beteiligten dem jetzigen
Zustande entgegengewirkt wird. Erinnern wir
uns an die früheren Zustände und an die äll—
mälige Verkümmerung unseres Handwerkes, so
müssen wir bekennen, daß nicht allein durch
die Verhältnisse, wie Gewerbefreiheit,
GBroßproduktion mit Maschinen, Konkurrenz vou
Außen u. s. w, sandern auch durch die
Bleichgiltigkeit der hiesigen Meister die
jetzigen Zustände herbeigeführt worden. Bevor
die Gewerbefreiheit hier eingeführt, beruhte unser
handwerk noch auf gesunder Grundlage; es
herrschte Wohlstand unter den Meistern und
deren Existenz war eine sichere; vorwiegend waren
solide Möbelproduktion und Kundschaftsarbeiten;
es existierte eine geweinschaftliche Verkaufshalle
und die Einwohner bezogen fast ausnahmslos
den Bedarf ihrer Möbel von hiesigen Meistern.
Als aber zu Anfäng der 60Oer Jahre gleichzeitig
mit Einführung der Gewerbefreiheit die Bau—
pekulation im Großen sich entfaltete, da waren
es viele hiesige große und kleinere Geschäfte,
die ihre Kundschaften ganz aufgaben, um Bau—⸗
arbeiten zu machen; die Möbelindustrie wurde
größtenteils vernachlässigt, man glaubte, die
zoldenen Zeiten nähmen kein Ende, wobei Viele
dittere Erfahrungen machen mußten. Von der
Zeit an entwickelte sich der Handel
mitvonaußerhalbbezogenen Möbeln.
Das nahm immer größere Dimensionen an, ja
Vöbelfabriken anderer Städte richteten hier
luxuriöse und kostspielige Magazine ein und
fanden Absatz. Beweis, daß Frankfurt eine der
besten Absatzquellen Deutschlands ist. Trotzdem
aber sind die Verhältnisse unseres Handwerks
hierorts fast ein Jahrzehnt der traurigsten Art
und die Hälfte der jetzt existierenden Meister
st wohl uüͤberflüssig.
Um Besserung herbeizuführen, wurde eine
Bereinigung ins Leben gerufen, die auf ge—
nossenschaftlichiem Wege dem Uebel zu Leibe
zehen solle und zwar durch Gründung eines
Kapitalfonds, vermittelst wöchentlicher Aktien—
beiträge, dann durch Engrosbezug des Roh—
materials, durch Wiedereinführung der Möbel⸗
industrie und Gründung eines gemeinschaftlichen
Magazins und durch Förderung des Geistes der
Solidarität.“ —
So ist es recht. Doch heißt es auch bei der
Stange bleiben, wenns im Anfange nicht als—
hald so geht, wie man es sich vornweg dachte
Alte Kunstmöbel.
In unsern beiden Städten wird der Fremde
ehr häufig in dieser oder jener Haushaltung
mit dem Anblick eines schönen alten Möbel
tückes, eines alten interessanten Bildes mit
unstvollem Rahmen, einer Pendule, eines
Teppichs u. dergl. mehr überrascht. Derartigt
Begenstände sind die Ueberreste vergangenern
Perioden; sie verknüpfen die gute alte Zeit
in der Saarbrücken als Residenz begüterter
kunste und prachtliebender Fürsten den Reichtum
des ganzen umfangreichen Fürstentums in sich
aufnahm, mit der unsrigen, welcher in gleichem
Maße der behäbige Mittelstand wie der Sinn
für einen schönen gediegenen Hausrat abhanden
zekommen ist. Viele dieser Stücke kommen aus
olchen reichen Bürgerfamilien, die im Laufe
der Zeit verarmt und zu Grunde gegangen sind
wobei der glänzende Hausrat zerstört ward, um
in die manigfalligsten Hände zu geraten. Andere
Ztücke wieder stammen aus den fürstlichen
Schlössern selbst, aus welchen sie zu Revolutions⸗
und Kriegszeiten herausgeschleppt wurden, um
versteigert zu werden und sich ebenfalls, gleich
den Stücken bürgerlichen Herkommens, in den
Händen der verschiedenartigsten Besitzer zu ver—
lieren. Mancher Bürger sitzt heute in fürst⸗
lichen Stühlen. — Unter diesen alten Stücken
befinden sich nun mehrere, welche es wert sind.
wieder ans Tageslicht gezogen zu werden; Stil
und Machart sind mitunter meisterhaft und
können unseren heutigen Handwerkern, denen der
Sinn für das wahrhaft Schöne leider allzu
venig innewohnt, als Muster dienen. Unser
neueres Kunsigewerbe muß sich sogar, gerade
eben weil ihm die Kunstfertigkeit abhanden ge—
kommen ist, auf solche alte Werke stützen und
diese nachahmen, wenigstens so lange, bis es
wieder kraftvoll genug erstanden sein wird, um
nach eigenen Ideen zu arbeiten. Deshalb sam
meln die Kunstgewerbe-Museen eifrig derartig
alte kunstgewerbliche Reste. Auch der „Central
Bewerbe-Verein“ in Düsseldorf hat sein Augen
merk darauf gerichtet und kauft solche Stücke zi
zuten Preisen an, wenn dieselben wirklichen
dunstwert besitzen. Vielleicht entäußert sich der
eine oder andere unserer Leser nicht ungerr
eines solch alten Stückes, wenn dasselbe in seine
Vereinzelung doch nicht recht zur Geltung kom
men kann. Mancher ist vielleicht auch geneigt
es dem „Central⸗Gewerbe⸗Verein“ geschent
»der leihwe ise zu überlassen. Das „Saar
zrücker Gewerbeblatt“ ist gern bereit, alle der
artigen Anerbieten zu übermitteln.