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V Mitteilungen über die Gotehard⸗ bahnwagen und Lokomotioen bestimmt sind)
Tarife. ferner neue eiserne Eisenbahnschienen und
Schwellen (Lang- und Querschwellen), und ebense
Schienenbefestigungs-Gegenstände (Kleineisen
zeug: Laschen, Schienenstühle, Haknägel, Muttern,
Schraubenbolzen, Unterlagsplatten). Diese Gegen—
tände werden nun auf deutsch-schweizerischen
Strecken zu folgenden Sätzen pro Tonne und
dilometer bei der ursprünglichen (halben) Expe
ditionsgebühr von 0,75 Fres. befoördert:
1) deutsch: 2,65 CEts. (gegen früher 3,7 und
2,75 Ets.), 2) schweizerisch: 3,0 Ets. (geger
rüher 5,0 und 3,2 CEts.).
Namentlich die in erster Linie aufgeführten
rüher unter Kategorie 19b tarifierenden Eisen—
varen haben also ganz erhebliche Vorteile er
angt. Buffer und Bufferteile z. B., die in
dem ursprünglichen Klassifikationsschema über
jaupt nicht besonders aufgeführt waren und
inter „Eisenwaren aller Art, nicht besonders
jenannt“ fielen, kosteten früher pro Tonne von
Zaarbrücken bis Chiasso 29,25 Fres., währent
ie nach dem neuen Ausnahme-Tarif nur 18,70
Fres, also 10,55 Fres. weniger bezahlen. Für
die aus Kategorie 190 in den neuen Tarii
übernommenen Waren ist die Differenz aller
dings geringer; sie beträgt pro Tonne nur 1,26
Fres.; sie ist aber immerhin noch erheblich genug
Wir glauben wohl kaum fehl zu gehen, wenn
vir annehmen, daß es bei dieser sür Eisenbahn
Material erreichten Vergünstigung nicht bleiben
wird, sondern daß nach und nach hinsichtlich
noch weiterer Artikel bessere Tarifverhältnisse
eintreten werden. Wir werden alle weiteren
VLeränderungen der Gotthard-Tarife genau ver
'olgen und davon den Interessenten rechtzeiti—
denntnis geben.
Am 2. April trat übrigens in Luzern eine
donferenz der an dem Gotthard- und Brenner
Verkehr beteiligten Eisenbahngesellschaften zu
ammen, um die seitherigen Tarife zu revidierer
uind unter Umständen zu ermäßigen. In Mai
land ist allgemein die Auffassung vertreten, daß
was die dem Transport deutscher Kohle not
wendige Erleichterung betrifft, lediglich ein Ver⸗
zicht der oberitalienischen Bahnen auf das System
der Zonen⸗-Tarife Abhülfe schaffen kann, eine
Ansicht, die durchaus den in oben erwähnter
Denkschrift, sowie unseren in Nr. 1 über die
talienischen Kohlentarife gemachten Ausführungen
entspricht. Die Frage der Tarifreduktion für
deutsche Kohlen beschäftigt auch die leitenden
Kreise der Gotthardbahn schon, ohne daß jedoch
weder über Aufrechterhaltung des bestehenden
Tarifs noch für die Reduktion des Tarifs defini
sive Beschlüsse gefaßt sind.
Die Kreisbaugewerkschule zu
Kaiserslautern.
Die Schule hat die Bestimmung, junge Leute
aus dem Gewerbestande, speziell aus dem Bau
uind Kunstgewerbe oder solche, die sich dem
elben widinen wollen, als Maurer, Steinhauer
Zimmerleute, Schlosser, Schmiede, Ciseleure
S„pengler, Dreher, Schreiner, Schnitzer, Model
eure, Stukkateure, Bildhauer, —5— Dekora
tions- und Zimmermaler, Tapezierer ꝛc. in
olchen Kenntnissen und Fertigkeiten zu unter
richten, die sie sich auf dem Bauplatze oder in
der Werkstätte gar nicht oder nur mangelhaf—
aneignen können, und durch welche sie die Fähig
eit erlangen als Vorarbeiter, Werkführer, Po—
iere und Kunstgewerbsmeister den an sie in
Leben gestellten Anforderungen genügen zu
tönnen. Der an der Schule besonders gepflegt
Zeichnungs⸗, Modellier- und Werkstattsunter
richt giebt den jungen Gewerbtreibenden ge
schmack- und stylvolle Muster an die Hand und
lehrt Zeichnen nach Vorlagen und Modellen, ber
weiter Vorgeschrittenen Entwerfen, Konstruieren
und Ausführen kunstgewerblicher Arbeiten, un
die künstlerische Richtung in jedem dieser Ge
werbe zu befördern.
Die Schule wurde im Jahre 1874 als Kreis
anstalt durch die königl. Regierung der Pfalz
auf Anregung des Regierungspräsidenten vor
Braun, unter Zuschuß aus Staats-, Kreis⸗ und
Ztadtmitteln gegründet.
Für die Aufnahme der Schüler ist das zurück
zeleate 15. Lebensiahr Bedingung, verlandt wer

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 3

den zum mindesten die Kenntnisse der vollstän⸗
digen deutschen Volksschule; der Schüler muß
jerner schon in der Lehre gewesen sein und sich
dadurch einige Kenntnisse in seinem Gewerbe
erworben haben, Durch die mit dem Gewerbe—
museum verbundenen Lehrwerkstätten ist
Gelegenheit gegeben, sofort nach Austritt aus
der Volksschule, als Lehrling daselbst einzu⸗
treten, um auf diese Weise die vorbedinate Leuͤr—
zeit durchzumachen.
Der Besuch der Schule wird für den aus—
übenden Handwerker dadurch erleichtert, daß der
Unterricht nur im Winter erteilt wird und
zwar vom 2. November bis incl. 31. März und
dann während der vollen Tageszeit, wodurch es
den Besuchern möglich ist, in der am meisten be—
schäftigten Zeit des Sommers ihr Gewerbe fort⸗
zutreiben. Die Anstalt zerfällt bis jetzt in 5
Fachschulen mit je drei Jahreskursen,
so daß in drei Winlerhalbjahren die vollständige
Ausbildung des Einzelnen erfolgt, während in
den Lehrwerkstätten das ganze Jahr hindurch
gearbeitet werden kann.
1) Die Bauschule soll ihre Schüler zum
vollständigen Verständnis der Pläne und des
Aufbaues des ländlichen und städtischen Wohn—
hauses, der landwirtschaftlichen und gewerblichen
Anlagen, sowie der einfachen Kunstbauten bei
Straßenanlagen bringen, ihnen die Befähigung
erteilen, solche Objekte zu zeichnen und die nöti—
gen Details anzufertigen, Kostenanschläge dar—
über zu machen und die geschäftliche Buchführung
kennen zu lernen. Damit werden die Schüler
im Stande sein, einfache Bauanlagen zu ent—
werfen oder entworfene genau zu verstehen und
auszuführen und die Haltbarkeit der Gebäude
zu beurteilen. Anschließend an diese theoretische
Ausbildung wird auch eine praktische Unter—
weisung in der Art erteilt, daß in den Werk—⸗
tätten die Schüler als Maurer und Verputzer,
durch Uebnngen im Mauern mit Modelsteinen,
owohl bei Mauer⸗, Bogen⸗, wie Gewölbkonstruk—
tionen, in Verputzarbeiten, Herstellung von rauhem
ind glattem Putz, Riesel- und Besenbewurf, Wand⸗
und Deckenputz, Gesimsziehen und weitergehend,
Arbeiten in Stuck, Stuckmarmor, sowie auschließend
'olche in Cement, Terrazzo und Mosaik; als
Zimmerleute in der praktischen Ausführung der
Zolzverbindungen, Zimmern und Zusammen⸗
hinden einzelner Holz- und Dachstuhlkonstruk—
tionen, Abwalmungen und Schiftungen, bei
regelmäßigem und unregelmäßigem Grundriß,
'owie hölzernen Treppenkonstruktionen, praktisch
unterrichtet werden.
2) Die Modellierschule soll Modelleure,
Stukkateure, Sandstein- und Marmorbildhauer,
Töpfer u. dergl. im Zeichnen, Modellieren und
Bearbeiten von Steinschnittkonstruktionen, archi⸗
tektonischer, ornamentaler und figürlicher Darstel⸗
ungen in Thon, Gyps undSteinmaterialausbilden.
3) Die Schule für Holzarbeiter soll
Dreher, Bau⸗ und Kunstschreiner, Holz⸗ und
Elfenbeinschnitzer u. dergl. speziell in ihrem Fache
weiterbilden. Hierzu dient außer Fachzeichnen
der Unterricht in den Werkstätten, worin die
Schüler gelehrt werden, Gegenstände, die sie
vorher gezeichnet haben, auch wirklich kunstgerecht
und meisterhaft herzustellen, wobei ihnen Mo—
delle, welche sie nach selbstgefertigten Zeichnungen
in Thon, Gyps oder Wachs hergestellt haben,
die nötige Aufklärung über die plastischen
Formen geben. Der zu fertigende Gegenstand
wird also von den Schülern zuerst gezeichnet,
dann modelliert und gelangt zuletzt zur wirk—
ichen Ausführung.
4) Die Schule der Metallarbeiter unter⸗
richtet in derselben Weise Schlosser, Schmiede,
Tiseleure, Spengler, Metallschläger, Gold- und
Silberarbeiter, Eisen- und Gelbgießer im Trei—
ben, Schmieden, Ciselieren, und in allen sonstigen
einschlägigen Metallarbeiten praktisch und lehrt
geschmiedete, ciselierte, getriebene Gegenstände
auch wirklich fertigen. —
5) Die Malschule endlich ist bestrebt, auf
Gruͤud des mit besonderem Fleiße betriebenen
Freihandzeichnens Zimmer⸗ und Dekorations—
maler, Porzellan-⸗ und Glasmaler, Stoff⸗- und
Musterzeichner, Lithographen u. dergl., im Malen
zu unterrichten, und sie in den Stand zu setzen,
Anfachere Aufgaben der Dekorationsmalerei au!

Aenderungen.
Das Urteil der Interessenten über die Gott⸗
hardtarife ist gesprochen. Die Tarife sind vor—
läufig viel zu hoch, als daß auf ihrer Basis an
eine energische Konkurrenz gegenüber England
und Frankreich und einen wirklich regen Ver—
kehr zwischen Deutschland und Italien gedach
werden kann. Die Denkschrift, welche der „Ver⸗
ein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaft⸗
lichen Interessen der Saar⸗-Industrie“ in Ge—
meinschaft mit der „Südwestlichen Gruppe des
Vereins deutscher Eisen⸗ und Stahl⸗-Industrieller“
hat ausacbeiten lassen, hat die gegenwärtige
Sachlage klargelegt und nachgewiesen, daß die
schweizerischen Taxen um ein Drittel, die italie—
nischen aber noch in weit auffallenderem Ver—
hältnis höher sind als die deutschen. Doch ist
damit noch nicht jede Aussicht auf eine Besse—
rung dieser Verhältnisse verschlossen; es ist viel⸗
mehr anzunehmen, daß sowohl Italien als auch
die Schweiz im eigenen, wohl verstandenen
Interesse ihre Tarife reduzieren werden. Es
mangelt dazu auch nicht aller zur Verfügung
stehenden Einflüsse seitens Deutschlands. Die
deutschen Eisenbahn-Verwaltungen haben schon
bei den ersten Verhandlungen zur Erstellung
der Gotthardtarife mit Entschiedenheit mäßigere
Sätze zu erreichen gesucht, wenn allerdings auch
vergeblich; und ebenso kämpfen sie gegenwärtig
immer noch, wie uns mitgeteilt wird, für Herab—
setzung der fremden Anteile. Hinsichtlich der
itaͤlienischen Strecken wird es wohl vorläufig
darauf ankommen müssen, für den Verkehr mit
Deutschland zum wenigsten diejenigen Sätze zur
Einführung zu bringen, welche die italienischen
Bahnen für ihren Binnen-Verkehr und für ihren
Seehafen⸗Verkehr eingeführt haben, — eine For⸗
derung, welche selbst den Italienern billig er—
scheinen wird, da sie sich so gern auf den Stand—
punkt der vollen Unparteilichkeit gegenüber den
konkurrierenden Ländern berusen. Was dagegen
die Schweiz betrifft, so werden die deutschen
Forderungen sich bis dahin erstrecken können
daß sie ihre Tarife bis auf das Maß der deut
schen reduzieren, während der Gotthardbahn selbst
der Zuschlag für die höchst schwierig zu betrei—
benden Gebirgsstrecken (ca. 20 pCt. betragend
allerdings nicht abzustreiten sein wird. Gegen—
wärtig sind die schweizerischen Tarife, abgesehen
von diesem Zuschlage, 15 pCt. höher als die
deutschen und gegen diesen Aufschlag werden sich
mit Recht die Aenderungs-Bestrebungen der
deutschen Ersen bahn⸗Verwaltungen richten können
Wenn auch für den allgemeinen Verkehr in—
zwischen noch nichts erreicht worden ist, so ver—
dient es doch Anerkennung und dankbare Her—
vorhebung, daß hinsichtlich des Ausnahme-Ver⸗
kehrs im Verlaufe der letzten Wochen berei!s
einige Vergünstigungen in Kraft getreten
sind, was allerdings auch umso wünschenswerter
war, als im Ausnahme-Verkehr die fremden
Anteile in noch stärkerem Maße überwiegen.
Die Aenderungen beziehen sich auf Eisenwaren
im Speziellen auf solche, die für Eisenbahnen be
stimmt sind. Seit Mitte Februar ist für die deutsch—
schweizerischen Schnittsätze bis Chiasso und Pino
transit ein neuer Ausnahme-Tarif in Geltung
gesetzt worden, welcher als ein besonderer Teil
des 'bereits bestehenden Ausnahme-Tarifs 19
italienischer Klassifizierung für Metalle und
metallurgische Produkte anzusehen ist. Nach
letzterem Tarif wurden pro Tonne und Kilo—
meter bei einer (halben) Expeditionsgebühr von
0,75 Fr. erhoben:
Kategorie: à. 6b. c.
1) deutsch 560 3,66 272 Cts.
2) deutsch⸗schweizerisch 666 5,0 83,28,
Die erwäöhnte Aenderung hat die Folge, daß
eine ganze Reihe von Artikeln aus Kategorie
und é nuͤnmehr mit erheblich billigeren Grund—
taxen befördert werden. Aus Kategorie bscheiden
namlich laut diesem Ausnahme⸗Tarif aus: Buffer
und Bufferteile, Tragfedern für Eisenbahnwagen
und Lokomotiven, Rädersätze und endlich Weichen
und Weichenteile; aus Kategorie c ebenso
Achsen, Bandagen, Räder, Räderteile, Brems
fsöhße (ämtlich jedoch nur. soweit sie für Eisen—
            
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