Full text : 1.1883 (0001)

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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

Nr. 40

Das Stürzen der Psferde.
Der Schwerpunkt eines lebenden Pferdes ist
schwer zu bestimmen, er verändert sich mit der
Bewegung; aber die Vorhand des Pferdes ist
stets mehr belastet wie die Hinterhand; dies
bedarf des Ausgleichs und die Stellung des
Kopfes trägt vornehmlich zur gleichen Verteilung
des Gewichtes bei. Der Beweis dafür ist dadurch
geleistet worden, daß man ein normal gebautes
Pferd von 384 Kg. mit den Vorder⸗- und Hinter—
füßen auf je eine Brückenwage stellte; bei ge—
wöhnlicher eher niedriger als erhobener Stellung
des Kopfes war das Gewicht der Vorderhand
210 Kgr., das der Hinterhand 174 Kgr. Das
Atmen und die Bewegung der Gedäcme ver—
ursachte eine Schwankung des Gewichtes um
326 Kgr.
Brachte man nun die Nasenspitze zur Bugspitze
 herab, so zeigte sich eine Mehrbelastung
von 8 Kgr. der Vorhand, die Vorderhand wog
dann 218 Kgr, die Hinterhand 166 Kgr, erstere
hatte also eine Mehrbelastung von 52 Kgr. im
Vergleich zur Hinterhand. Wurde dagegen der
Kopf soweit gehoben, daß die Nasenspitze in
der Höhe des Widerristes war, so hatte die
Vorderhand nur eine Mehrbelastung von 16 Kgr.;
—
184 Kgr. wog. Man sieht, daß es vornehmlich
auf die Haltung der Zügel ankommt, das Ge—
wicht der Vorhand und Hinterhand auszugleichen
und damit dem Pferde einen größeren Halt zu
geben. Je nach der Gangart des Pferdes sollte
demnach der Kutscher die Zügel loser oder
strammer halten, um dem Pferde möglichst den
gleichen Schwerpunkt zu bewahren. Bei der
häufigen Abwechselung verschiedener Pflasterarten
wechselt auch die Belastung des Pferdes und
seine Sicherheit im Auftreten, denn das Gewicht
des Wagens, der z. B. auf Asphalt leicht hin—
rollt, auf dem Steinpflaster aber mehr Reibung
hat, belastet das Tier bald mehr bald weniger
und dem entsprechend müssen die Zügel helfend
gebraucht werden. In dieser Beziehung hat das
Asphaltpflaster also entschiedene Vorteile für
Fuhrwerke, indem es die Belastung des Pferdes
vermindert, nur müßte der Wagenlenker die
nötige Achtsamkeit auf seine Tiere verwenden.
Aber auch für Reiter ist dies nötig, denn es
ist auf die Notwendigkeit der Verteilung des
Gewichts des Reiters sestgestellt.
Dasselbe Pferd wurde von einem Reiter, der
64 Kgr. wog, bestiegen, bei schulgerechter Stellung
wog die Vorhand jetzt 251 Kgr., die Hinterhand
197 Kgr. die Last des Reiters verteilte sich also
mit 41Kgr. auf die Vorhand, mit 23 Kgr. auf
die Hinterhand; durch Zurücknehmen des Körpers
vermochte er 10 Kgr. und durch Beizäumen des
Kopfes weitere 8 Kgr. auf die Hinterhand zu
bringen, so daß die Vorhand nur um 18 Kar.
Mehrhelastung hatte als die Hinterhand

sbeitern ist die Abschaffung seit lange lebhaf—
verlangt und von den gesetzgebenden Körper
schaften offenbar die Absicht verfolgt worden
zinem populären Wunsche Rechnung zu tragen
Im Senate war der weitergehende Antrage
zestellt worden, die Ausreichung von Arbeits
büchern vollständig zu verbieten, die Mehr
heit hat sich indessen in Uebereinstimmung mit
der Abgeordnetenkammer für die freiwillige
Beibehaltung, d. h. auf Verlangen des betreffen—
den Arbeiters auszustellender Arbeitsbücher
Livrets“), entschlossen. In Deutschland sind
bekanntlich nur für jugendliche Arbeiter (solche,
die das 21. Lebensjahr noch nicht überschritten
jaben), Arbeitsbücher gesetzlich vorgeschtieben.
() Vom Spinnrad. Augenscheinlich an—
gjeregt durch unsern neulichen Artikel: „Das
Spinnrad muß wieder ins Haus“ in Nr. 33
lagt ein Korrespondent vom Lande, daß das
Spinnen ganz aus der Mode gekommen sei
Diese Beschäftigung wäre der Gesundheit weit
zuträglicher als das Strohhutflechten oder die
Arbeit an der Nähmaschine. Der Körper ist
in gerader Haltung, die Bewegung der Hände
ind des Fußes ist leicht und änmutig, die
Augen werden geschont und der Geist Lerholt
sich von dem anstrengenden Tagewerke. Die
berühmtesten Erzähler, Musäus, Bechstein, Jakob
Brimm, Simrock, Andersen, holten ihre schoönsten
Märchen und Volkslieder in den Spinnstuben
zusammen. Einer der volkstümlichsten Schrift
teller, W. Oertel, nannte sich in dankbarer An—
erkennung .O. Horn, der Svinnstubenschreiber “ —

bezogen) und je 1 aus Königsberg und Peters—
»urg. Außerdem sind noch“ etwä 70 —80 000
Lubikfuß Espenholz, von verschiedenen Orten
ommend, in Stockholm gelagert worden, um
ebenfalls nach Jönköping weiterbefördert zu
werden.
Die größte Orgel, welche bis jetzt
gebaut worden, ist vor kurzem in der Orgel—
bau⸗Anstalt von Walcker u. Cie. in Ludwigsburg
fertiggestellt worden. Das Riesenwerk ist für
den Dom in Riga bestimmt. Es zählt 7000
Pfeifen, 124 Stimmen mit 174 Registern, Koppe—
iungen, Zügen und Tritten. Mehrere Schwell⸗
werke gestatten ein An- und Abschwelleun des
Tones mit gewaltiger Wirkung. Tas Gebläse
würde von Bälgentretern nicht bewältigt werden
lönnen; es ist vielmehr ein mechanisches Getriebe
mit kontinuirlichem, sich selbst regulirenden Gang
und wird durch einen Gasssmotor von 4Pferde
kraft in Bewegung gesetzt. Diese Orgel hat
eine Höhe von 20 Mtr., eine Breite von 11und
eine Tiefe von 10 Mtr. Die größte Holzpfeife
ist 10 Mtr. lang und hat einen' Kubitinhalt
von 2000 Liter, während die kleinste, welche
der großen wie zum Scherz auf den Lippen
sitzt, kaum anderthalb Eenltimeter Höhe und
ein Minimum von Inhalt hat. Dieselde Anstalt,
aus welcher schon die großen Orgelwerke in
Ulm, Boston, Reval und Petersburg hervor—
gegangen, wird auch eine neue Riesenorgel für
den Stephansdom in Wien bauen.
Ein vierfacher Puddelofen ist seit einiger
Zeit mit großem Erfolg auf dem Hochfelder Walz⸗
werk in Duisburg keingeführt worden, dessen
Leistungsfähigkeit die bisherigen Prodüktionen
im Puddelprozeß vollständig überragt. Bei einem
Tohlenverbrauch von 7000 Kilogt. produziert
der Ofen in 24 Stunden 11 bis 12000 Kilogr.
Luppen; derselbe soll sich zur Herstellung jeder
Qualität eignen, so daß die Befürchtung, die
Massenproduktion finde auf Kosten der Qualität
—A—
Weibliche Arbeit in Baden. Aus
Karlhs ruhe schreibt man der Social⸗Corr.“,
daß die sogenannten „Silberfabriken“ daselbst
ꝛinen erfreulichen Aufschwung nehmen und sich
jroßen Exportes nach dem Orient und Amerika
erfreuen. Es werden darin vorzugsweise weib—
iche Arbeitskräfte beschäftigt uüd zwar unter
zecht günstigen Verhältnissen. Ein Lehrmädchen
hjat darin Z Jahre zu lernen, bekommt aber
chon vom Tage des Eintritts an täglich 60 Pf.
m ersten Jahr; im zweiten 70 Pfg. und im
etzten Halbjahr 90 Pf. Angenommen werden
ie gleich nach der Konfirmation, also im vier—
zehnten oder fünfzehnten Lebensjahr. Bis zum
echszehnten stehen sie unter polizeilicher Aufsicht.
Bis zu diesem Alter haben sie täglich 9 Stunden,
nach ihm aber 11 Stunden Arbeitszeit; dabei
Pausen: früh 4 Stunde, Mittags von 12 bis
1 Uhr, und Nachmittags »4 Stunde. Dazu
haben sie ein gutes, luftiges, mit Ventilation
versehenes Arbeitslokal und einen Speisesaal
für schlechtes Wetter, der heizbar und mit
Wärmevorrichtungen auch für das Essen ver—
sehen ist, das sie sich mitbringen oder schicken
assen dürfen. Alles Arbeitsmaterial und Putz⸗
zeug wird von der Fabrik geliefert. Eine M—
zeiterin, welche ausgelernt“ hat. kann täalich
2 his 3 M. verdienen

Sparkassen und Wucherer, Die „Land—
wirtschaftliche Zeitschrift für Elsaß-Lothringen“
deröffentlicht einen Becicht über die Spar- und
Darlehnskassen, die nach Raiffeisen's System
m Reichslande gegründet wurden. In einer
Schule legten 94 Kinder in 6 Monaten 1459
Mark Sparpfennige zusammen, die meistens bei
der Konfirmation zur Anschaffung von neuen
Anzügen verwendet wurden. In einem anderen
Vereine wurden innerhalb 5 Monaten 1800
Mark Spareinlagen fast ausschließlich von Knech—
en und Mägden zusammengelegt. Der Bericht
zählt eine lange Reihe von kleinen Landwirten
auf, die durch die Wirksamkeit der Vereine aus
den Händen der Wucherer befreit wurden. Einer
dieser Aermsten hatte durch unentgeltliches Auf
füttern des sogenannten Einstellviehes 175 Pro
zent Zins bezaͤhlt.
() Brauntwein und Chokolade. Kürz
ich war in Tagesblättern behauptet worden, die
deutsche Regierung habe sich an den Elsaß-Loth
ringern zu Gunsten der preußischen Branntwein
hrenner ebenso versündigt wie die Engländer
zu Gunsten der Opiumhändler an den Chinesen
Es ist jedoch zu bemerken, daß alle Hohenzollern
zie Verderblichkeit des Branntweins wohl er—
kannt haben. Friedrich der Große schrieb an
den Rand einer die Branntweinbrennerei be—
Rotizen. treffenden Faene —9— woiltn inß das
Die Metzger und die Schlachthäußfer garstige, giftige Zeug gar nicht da wäre.“ Kaiser
imes rnne seitens der Fleischer⸗ Wilhelm ersetzte durch Kabinetsordre vom 18.
F IR das Februar 1862 die Branntweinportion in der
Innungen des preußischen Staates sei an das r J
Herren haus (3) eine Petition um teilweise Armee durch Kaffee und bei der Düsseldorfer
Abänderung des Gesetzes, betr. die Errichtung Industrie-Ausstellung sagte er: „Ich wünscht
öffentlicher ausschließlich zu benutzender Schlacht iedem meiner Unterthanen eine Tasse Stoll⸗
häuser gerichtet worden. Vorgeschlagen wird werk'scher Chokolade zum Sonntag.
daß, statt der im Gesetze vorgeschriebenen Uner Holzverbrauch für schwedische Streich
suchung des Fleisches durch Sachverständige gölzer, Von der Bedeutung, welche die Zund
angeordnet werde, es soll in den Städten, in holz Industrie der Stadt Jönöping, von welcher
welchen öffentliche Schlachthäuser bestehen, frisches dieselde sich über die, ganze Weln verbreucte,
Fleisch nur Dann feilgeboten werden, wenn das hHesiht, vermag man sich einen ungefähren Be⸗
selbe von Vieh herrührt, das in öffentlichen riff zu machen, wenn' man die Duantitäten
Schlachthäusern geschlachtet worden ist. dolz kennen lernt, welche in derselben zum
Abschaffung der Arbeitsbücher in Verbrauch gelangen. Während des letzten
Frankreich. In Frankreich sind die vor län-Sommers sind nicht weniger denn 20 Dampfer
gerer Zeit begonnenen Verhandlungen betreffend uind 8 Segelschiffe direkt in Jönköping ange⸗
die Abschaffung der obligatorischen lommen, die ausschließlich mit Espenholz, aus
Arbeits bücher dadurch zum Abschluß gebracht welchem die Zündhölzer hergestellt werden, be—
worden, daß der Senat den bezüglichen Gesetz, laden waren. Die Gesamtladung dieser Fahr—
Entwurf der Abgeordnetenkammer angenommen zeuge betrug nahezu 200000 Kubitfuß und
hat. Dieser Beschluß beseitigt ein Institut, das besaß einen Wert von reichlich 129000 Hronen
in Frankreich länger als ein Jahrhundert bestan- Von den Schiffen kamen 15 aus Riga, 8 aus
den, ohne daß es jedoch in letzter Zeit zur Wiborg, 8 aus Helsingfors (der größte Teil
thatsächlichen Wirklamkeit kam. Von den AÄr-des Holzes wird aus Finnlond und Linlant
XZür die Modaktinn verantwortsim 42* Drurk und Morsor bnan 66—45

Bücher und Zeitschriften.
Praktische Anleitung über Veranschlagung,
Ausfiihrung und Behandlung der Telephon⸗
Anlagen von Ingenieur W. Gensest (Firma Mix
4. Genest, Berlin), Verlag von Anders u. Buffleb in
Berlin, Preis 0,75. M. Der durch die Schrift verfolgte
Zweck ist für die vielfachen Bedürfnisse der Praxis in
Serater bei Anlage von Telephon-Verbindungen zu sein.
Bei dem steigenden Interesse, welches dieses verhältnis⸗
näßig junge, aber ungemein wichtige Verkehrsmitiel
überall findet, kann eine Anleitung zur Einrichtung des—
elben nur willkommen sein, umsomehr, als sie dem mit
der Sache weniger Vertrauten die Ergebnisse der Praxis
und gewissenhaften Beobachtung in verständlicher We ise
————
Leitungsschemata vorführt. Die im letzten Teil der An—
eitung aufgeführten Äpparate sind auf der Hygieine⸗
N.sstellund mit der üshernen Medaille prämiert
            
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