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für Industrie, Handel und Verkehr.
Gratis-Beilage für die Abonnenten der „Saarbrücker Zeitung“.
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nesesAn⸗abe aestattet.
N 40.
Schlußwort zum ersten Jahrgange.
Mit dieser Nummer beschließt das „Saar—
brücker Gewerbeblatt“ seinen erfien
Jahrgang. Wir sind, wie wir dies in unserem
Prospekte betonten, darauf ausgegangen, für die
Interessen unseres Saar-Reviers ein Organ
zu schaffen, in welchem Groß- und Kleinindustrie,
Handwerkertum, Handel, Landwirtschaft und
Verkehr, die Juteressen der Arbeitnehmer wie
diejenigen der Arbeitgeber in gleichem Maße
berücksichtigt werden. Tasselbe sollte bestrebt
sein, nach allen Richtungen hin aufklärend, an—
regend und ermunternd einzuwirken. Es sollte
allen Fortschritten im technischen Wissen und
Können auf dem Fuße folgen und in gemein—
verständlicher Weise davon Mitteilung machen,
so daß Jedermann sofort Nutzanwendung daraus
ziehen kann Es sollte somit rein praktische
Zwecke verfolgen, daneben jedoch auch dem bei
uns neu erwachten Triebe des Kunstgewerbes
Unterstützung bieten. In sozialer Beziehung
hatte es sich vorgenommen, nach allen Seiten hin
versöhnend einzuwirken.
Wir glauben in den vorliegenden 40 Nummern
bewiesen zu haben, daß wir es mit diesem Pro—
gramm ernst genommen haben und ihm treu
geblieben sind. Was die Großindustrie
betrifft, welche für uns unbestreitbar der Kern—
punkt der ganzen gewerblichen Thätigkeit und damit
die Quelle unseres Wohlstandes ist, so ist die
Redaktion allen Ereignissen des öffentlichen
Lebens peinlichst gefolgt und hat sofort jeden
einzelnen Punkt aufgefaßt, wo ihr das Interesse
derselben zu liegen schien. Das Gewerbeblatt
hat so namentlich die Frage der Gotthard—
tarife in einer Reihe von Artikeln behändelt;
es hat ferner fortlaufend über die Produktion
von Roheisen statistische Mitteilungen gebracht,
welche sicherlich für den Roheisen⸗Produzenten
von Wert sein müssen; es hat weiterhin die
Frage des Konsulats in Mailand die zweite
Stückgutklasse, die Reform des Konsulatwesens,
die Kanalfrage ꝛc. zur Besprechung gebracht,
in einer Reihe von Artikeln die Thaͤtigkeit der
Eisenbahnräte verfolgt und ebenso die vielfach
wechselnden Phasen, in denen sich die Arbeiter⸗
versicherungsgesetze bewegten, verfolgt und den
Lesern vor Augen geführt. Letzhin haben wir
eine Reihe von Mitteilungen über das bereits
in Kraft getretene Krankenversicherungsgesetz
vom 15. Juni d. J. begonnen, welche dazu
dienen sollen, die Schwierigkeiten der ersten
Organisation der Kassen überwinden zu helfen.
Ebenso sind reichhaltige Mitteilungen über den
neuen nordamerikanischen Zolltarif, über die
neuerdings perfekt gewordenen Handelsverträge
Deutschlands mit Italien und Spanien, über
die Handhabung der deutschen und preußischen
Stempelgesetze und auch über vieles Ändere
gemacht worden, was von dem schwerwiegendsten
Interesse für die Großindustrie erscheinen muß
Was wir hier im engen Rahmen, gerade passend
für die vorliegenden Verhältniffe, gesammelt
haben, ist sonst nur schwer aus einer Reihe
der verschiedensten Tageszeitungen, Fachblättern,
Verordnungen und Gesetzen zu ermitteln. Schließ—
lich hat das Gewerbeblatt eingehende Referale
über die Thätigkeit der beiden Vereine gebracht.
deren vor 11/3 Jahren erfolgte Gründung von
woher Bedeutund für die qaänze weitere“ Enf—
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vr.
18ss3.
wickelung unserer Industrie ist,e nämlich des! Streich fällt. Es ist ja nur allzu erklärlich,
„Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirt- daß der mitten im gewerblichen Leben stehende
schaftlichen Interessen der Saar-Indnstrie“ und Mann nicht immer Zeit und Muße findet, um
der „Südwestlichen Gruppe des Vereins Deutscher mit derselben Sorgfalt zu lesen, wie es für ihn
Eisen- und Stahl-Industrieller.“ zeschrieben ist. Voun Hunderten kommt vielleicht
Auf der andern Seite jedoch haben wir auch »iner dazu; gerade dieser teilt vielleicht nicht
Kleinindustrie, Gewerbe- und Hande »inmal die vorgetragenen Ansichten und bricht
werkertum nicht vernachlässigt, wie uns den Stab darüber. Erst die dauernde, unauf—
unsere Leser sicherlich zugestehen werden, denn ÿörliche Einwirkung darf auf nachhaltige und
auch in dieser Beziehung sind wir dem öffent- ümfangreiche Erfolge rechnen.
lichen Leben gefolgt. Wir haben in den Spalten Somit haben diese vereinzelten Fälle auch
des Gewerbeblattes Alles zur Veröffentlichung nicht vermocht, uns unserem Streben untreu zu
gebracht, was ein Interesse für diese Kreise machen; im Gegenteil haben sie nur dazu bei—
zaben kann. So haben wir die große „Hand- getragen, uns darin noch mehr zu festigen. Auch
werkerfrage“ im Allgemeinen behandelt, wir in Zukunft werden wir uns darin nicht wankend
jaben der Einführung der Maschinen in das machenlassen. Wir werden vielmehr dem ursprüng—
dandwerk wiederholt das Wort geredet, wir ichen Programme gemäß unsere Thätigkeit fort—
haben das Innungs-, Lehrlings- ünd Fortbil- setzen und rechnen dabei auf die weitere Teil—
zungswesen in verschiedenen Artikeln zur Be— nahme aller bisherigen Leser sowie auf diejenige
prechung e und mannigfach wurden nich der neu hinzukommenden Leser.
minder wichtige Fragen besprochen. i ĩ i
Auch für den Handel hat das Gewerbeblat Jie Vedabtian des Zamwiker ——
8 Ein ausführliches Inhalts-Verzeichnis nebst
m verflossenen Jahre mannigfache Anregung ritciblatt ba ed ächt
jeboten; wir haben das Konsulatwesen wieder Titelblatt wir hit er ersten Nummer nächtten
solt von den verschiedensten Standpunkten aus Jahres ausgegehen werden
eleuchtet, das kaufmännische Vereinswesen, Ge
chäftsusancen ꝛe. besprochen. Daneben haben
ruch landwirtschaftliche Interessen, Acker⸗, Wein⸗
Obst- und Gartenbau ihre Pflege gefunden
Auch das Haus und die Schule, diese Funda—
nente gewerblicher Thätigkeit, sind nicht außer
Acht gelassen, sondern wiederholt behandelt wor—
den. Evbenso haben wir auch der Technik im
Allgemeinen unser Interesse zugewandt, alle
ieueren Erfindungen im Maschinenbau ꝛc. wurden
rechtzeitig und allgemein verständlich besprochen.
Endlich haben wir uns auch Wohl und
Wehe der Arbeiter angelegen sein lassen; wir
jaben Mitteilungen uüͤber Wohlfahrts-Einrich
ungen, soziale Verhältnisse in anderen Ländern,
iber den Arbeitsmarkt ꝛc. gebracht und auch die
ür unfere besondern Verhältnisse so hoch wichtige
Auswanderung behandelt, wobei wir wiederhol“
dor dem unüberlegten Auswandern und gewissen
losen Agenten warnen mußten.
So glauben wir allen Zweigen der gewerblichen
Thätigkeit unsere Aufmerksamkeit gewidmet zu
jaben und damit glauben wir in der That unser
Programm getreulich und dem Versprechen gemäß
erfüllt zu haben.
Was nun nunsere bisherigen Erfolge betrifft,
'o hat es uns an Teilnahme, Zustimmung und
Beifall nicht gefehlt. Wir haben wiederholt die
große Freude gehabt, unser Streben in den
zerschiedensten Schichten, vom Arbeiter bis zum
Broßindustriellen, rückhaltlos anerkannt und
zelobt zu sehen; auch die stetig zunehmende
Abonnentenzahl darf wohl als Beweis dafür
gelten. Andererseits hat es allerdings auch an
rüben Erfahrungen nicht gemangelt. Nichr
jelten haben wir gefunden, daß ein Artikel, den
vir mit besonderem Fleiße ausgearbeitet, in
velchem wir glaubten das Beste niedergelegt zu
haben, was nur eine Feder, die mit Lust und
diebe schreibt, schaffen kann —, daß ein
olcher Artikel achtlos vorüberging, vielleicht
zar nicht einmal gelesen wurde. In solchen
Fällen haben wir uns eines Gefühls der Ent—⸗
nutigung nicht erwehren können; aber schließlich
saben wir uns doch auch da hindurch gearbeitet
udem wir uns saaten dak nichts auf ⸗ine“
Zum Bau eines Schiffahrtskanals von
Dortmund nach den Emshäfen.*)
Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen
wirtschaftlichen Interessen von Rheinland und
Westfalen hat, beschlossen, in einer Eingabe das
königl. Staatsministerium zu ersuchen, baldigst,
wenn möglich noch im Laufe der gegenwärtigen
Sesfion, dem Landtage den Gesetzeniwurf, betr.
den Bau eines Schiffahrtskanals von
Dortmund nach den Emshäfen, aufs
nene vorzulegen. Er motiviert diesen Beschluß
durch das Bedürfnis der Ermäßigung der Güter—
frachten, dessen Befriedigung durch Herstellung
künstlicher Wasserstraßen anzustreben sei, und
man beruft sich unter anderem auf die That—
sache,
„daß dieselbe Kraft, welche auf der Eisen—
bahn 150 Centner in Bewegung setzt, auf
der Wasserstraße 1000 Centner fortbewegt,
daß also der Transport auf der Wasser—
e stets der weitaus billigste bleiben
muß.“
Gegen diese Schlußfolgerung muß Verwah—
rung eingelegt werden, namentlich in Bezug
auf den proponierten Kanal von Dortmund
nach den Emshäfen, sofern er dazu beitragen
oll, vermöge der billigen Wasserfracht den
Massentrausport zu erleichtern und hauptsächlich
den Export zur See zu befördern, in welcher
Richtung die von gegnerischer Seite vorgeschla—
genen Schlepphahnen als ein unagenügender
Ersatz angesehen werden.
Es hat etwas Bestechendes, daß dieselbe Kraft
auf der Wasserstraße 62/3mal so viel Last fori⸗
zubewegen im Stande ist als auf der Eisen⸗
bahn, doch gilt dies Verhältnis nur in theore—
tischer Beziehung; die praktische Erfahrung re—
duriert die daran geknüpften Erwartungen we—