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Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Nr. 39
so wird das nach vorn aufklappende Sitzbrett! Arbeiter bessert sich zusehends und auch die Re—
auf der andern Seite des Abortsitzes eine zierung thut, wie dies die Versicherungsgesetze
Spalte lassen, durch welche die üblen Dünste feigen, alles, damit sie gegenüber den übrigen
in das Haus treten. Ebenso wird der Trichter Klassen der Gesellschaft nicht zurückgedräng
nicht geschlossen, wenn der Grund, auf welchem verden.
die Tonne aufruht, sich etwas senkt, was fehr
leicht der Fall sein kann, da sie nur auf dem
Boden ohne Unterkellerung steht. Auch in diesem
Falle dürfte die Ventilation von geringem Ein—
flusse bleiben und die Luft des Hauses vor
Verunreinigung nicht schützen. Um dies abzu—
wenden, wäre eine Dichtung nothwendig, die
entweder aus dem kostspieligen und nicht sehr
dauerhaften Kautschuk sich herstellen ließe, oder
nach Art der alten Grazer Tonnen durch Ver—
schmierung der Spalte mit Lehm, oder man
müßte die Heidelberger Rinne mit Asche gefüllt
annehmen, wodurch aber die Einrichtung wiederum
nicht unerheblich vertheuert wird. Immerhin
empfiehlt sich das Norderney'sche Tonnensystem
von Krusee für alleinstehende Gehöfte, Landsitze
und deraleichen. (Reclam's Gesundheit.)
Gute trinkbare Weine von außerordent—
icher Reinheit und äußerst lieblichem Geschmack
und von unerhörter Billigkeit fangen nach einem
österreichischen Konsularbericht aus Chicago
an, dort den Rheinweinen und französischen
Weinen den Rang abzulaufen. Es sind cali—
iornische Weine, die dort die Gallone — 3,8 Liter
zu 50 Cents bis einem Dollar verkauft werden.
Der Import dieser Weine in Deutschland wird
vohl nicht auf sich warten lassen, da im vorigen
Jahre der Wert der Weinproduktion Californiens
»ereits auf nahezu 5 Millionen Dollars geschätzt
wurde und der Weinbau fortwährend in Zuͤ—
tnahme begriffen ist. Davon sind etwa6 Millionen
Liter im Werte von durchschnittlich 60 Mark
per Hektoliter exportirt.
Ein deutscher Kunstgärtner in Meriko.
Die mexikanische Regierung hat mit dem deut—
schen Kunstgärtner Dröge einen Vertrag abge—
schlossen, demgemäß es Herr Dröge übernommen,
binnen 4 Jahren, vom 15. März 1884 an, vier
Millionen Bäume in dem „Thale von Mexiko“
an den von der Regierung bezeichneten Stellen
zu pflanzen. Herr Dröge erhält eine Pauschal—
zahlung von Mk. 170000 pro Jahr, bis zur
Erschöpfung der veranschlaaten Gesamtsumme
»on Mk. 850000
*Sonderbare Zumutungen
verden heutzutage der Presse gemacht. Hat
rgend ein verkanntes Genie in Posemuckel oder
Buxtehude eine Erfindung gemacht oder wollen
zie Herren Schulze, Lehmann u. Co. einen
ieuen Artikel in den Handel bringen, so lassen
ie sich ein Cirkular in der nötigen Anzahl vor
Fremplaren drucken, in dem sie darauf aufmerk
am machen, und senden dies an die Tages
zeitungen, damit diese ihnen es nachdrucken,
um den Ruhm der Erfinder oder Fabrikanten
in die Welt zu pofaunen. Die Mehrzahl der
Zeitungen fällt nun in der That auch unbesehen
darauf hinein und druckt die Sachen ängstlich
nach, als ob ihren Lesern ein Schaden daraus
erwachsen könnte, wenn sie es nicht rechtzeitig
erführen. Bei größeren Zeitungen gehen der
artige Zettel, welche von Liebenswürdigkeiten
ür die betr. Redaktion überfließen und meistens
schon pränumerando danken, täglich ein.
Wir haben uns grundsätzlich gegen derartige
Ansprüche verschlossen und erfüllen solche Wünsche
richt. Wir haben dabei die besten Gründe
Kinmal sind wir gar nicht in der Lage, jede
einzelne dieser Anpreisungen auf ihren wahren
Wert zu prüfen und wir würden deshalb oft
jenug unsern Lesern Dinge empfehlen, welche
einer Empfehlung nicht wert fsind; ander—
mal ist uns der Raum unseres Blattes allzu
wertvoll, als daß wir ihn mit derartigen voll—
önenden Lobpreisungen füllen möchten. Wir
jlauben nicht fehlzugehen, wenn wir annehmen,
aß unsern Lesern an der Mitteilung solcher
Dinge nichts liegt, das Interesse unserer Leser
vird damit nicht befriedigt und da dies immer
insere Hauptrichtschnur ist, so nehmen wir da
jon Abstand.
Es schien uns aber doch notwendig, dies ein—
nal zur Sprache zu bringen, damit unsere Leser
erfahren, warum wir derartige Notizen, die sich
in andern Blättern täalich finden, nicht nach—
drucken.
Anders liegt die Sache da, wo uns ähnliche
Mitteilungen aus unserem Leserkreise selbst zu—
zehen; davon werden wir stets gerne Notiz
nehmen; denn unser Blatt ist eben kein all—
zgemeines Gewerbeblatt, sondern Saar—
brücker Gewerbeblatt und hält es daher
für seine Pflicht, insbesondere unser heimisches
Gewerbe zu unterstützen, soweit es verlangt
wird und soweit es in seiner Kraft steht. Aber
jür die Herren aus Posemuckel ꝛc. ist uns
Papier und Druckerschwärze zu schade; sie sollen
ins — gewogen bleiben! — —
Benerung der Arbeiterverhältnisse
in den letzten 50 Jahren.
Ein englischer Professor namens Giffen hat
unlängst ziffernmäßig nachgewiesen, daß sich in
der Lage des englischen Arbeiterstandes während
der letzten 50 Jahre eine starke Besserung voll⸗
zogen hat. Die Löhne sind in dieser Zeit um
30-100 pCt. gestiegen, während die Ärbeits—
dauer um 20 pCt. herabgesetzt wurde. Der
Arbeiter erhält also nicht nuür eine größere
Zahlung für weniger Arbeit, sondern vermag
auch mit demselben Gelde mehr anzuschaffen,
als dies vor einem halben Jahrhundert der
Fall war. Der Preis der Brotfrucht ist daun
nicht nur wesentlich gefallen, sondern er hat
auch aufgehört, beträchtlichen Schwankungen aus—
gesetzt zu sein, was die arbeitenden Klassen oft
so empfindlich traf. Die Kleidung ist gleichfalls
billiger geworden, und viele Gegenstände, welche
noch vor 20 Jahren dem Arbeiter als uner—
schwingliche Luxusartikel galten, dienen nun zum
täglichen Gebrauch. Die erste Folge der besseren
Lohnverhältnisse war eine Steigerung um volle
100 pCt. in dem Verbrauche der Lebensmittel.
Der Arbeiter von 1883 verzehrt doppelt so viel
an Brot, Butter, Rauchfleisch, Eiern u. s. w.
wie der Arbeiter im Jahre 18401 Der Ver—
brauch einiger besonderer Artikel hat ganz riesig
zugenommen; so stieg er beim Thee von 1,22
auf 4,68 Pfund, beim Zucker von 15 auf 59
Pfund. Die Spareinlagen des Volkes haben
sich trotz dieses gesteigerten Konsums verfünf—
facht. Der nächste Gewinn aus dieser durchweg
besseren Lebensweise ist eine Verlängerung der
Lebensdauer um zwei Jahre, indem deren
Durchschnitt beim männlichen Arbeiter von 39,9
auf 41,9 Jahre gestiegen ist. Der Beitrag,
welchen die Arbeiter zur Erhaltung der Regie
pr in esit xe ene Abgaben bei— —
teuern, ist um 40 pCt. gesunken, während zu— — 3
gleich die vom Staate gebotenen Vorieile (wie Rotizen.
billiger Unterricht, die Fabrikgesetzgebung, ie Das Branuntweintrinken in der Ar—
Verkehrsmittel) dem Arbeiter weiteren Nutzen beit hat der Magistrat von Osnabrück bei
schaffen. Erfreulich ist endlich, daß mit der einen Arbeitern in einem besonderen Erlaß
Zunahme des Einkommens und der Entwicke- verboten. Dieser Erlaß lautet: „Den von
lung des Erziehungswesens eine stetige Abnahme uns beschäftigten Arbeitern ist hinfort das
der Verbrechen und des Pauperismus Hand in Trinken von Branntwein nicht nur
Hand ging. Aehnlich werden die Verhältnisse vährend der Arbeitszeit, sondern auch während
trotz aller Gegenbehauptungen auch bei uns »er Arbeitspausen untersagt. Zuwiderhandlungen
liegen, denn der Augenschein lehrt es. Eine werden mit der Confiskation des Branntweins
Frage drängt sich uns da unwillkürlich auf. und außerdem erstmalig mit einem Lohnabzug
Wenn es den Leuten um so viel besser geht, von 1 Mark, im ersten Wiederholungsfall mü
warum sind sie nicht zufrieden? Warum greifen Arbeitsentlassung auf die Dauer von 3 Tagen,
—
der Arbeiter den anderen Ständen gleich gestellt Entlassung aus der städtischen Arbeit bestraft.
werden? Die Antwort ist: es ist teils das Diese Verfügung ist den städtischen Arbeitern
Streben, welches in der menschlichen Natur sofort und bei der nächsten Löhnung mitzu—
liegt, immer weiter vorwärts zu kommen /J– teilen. Die Vorgesetzten der Arbeiter sind für
und insofern wird auch dieses Ringen nach neuen die genaue Besolgung dieser Verfügung — mit
Verbesserungen nicht zu verdammen sein — teils der wir nur das wahre Wohl der Arbeiter be—
aber auch das Werk gewissenloser Agitatoren, wecken — verantwortlich zu machen. Bei
welche das Volk aufreizen und mit seinem Lose dontrakten mit Maurer- und Zimmermeistern
überhaupt unzufrieden machen. Zu einer der⸗ st unter die Bedingungen auszunehmen, daß
artigen Unzufriedenheit aber ist, wie die obigen hre Arbeiter sich vorstehender Bedinaung zu
Zablen lehren. kein Grund da Die Lage derunterwerfen haben.“
RA5r die Nedaktion nerontwnrtlic 6 5 VFritref un MNorsan unn R 6454
— —
Bücher und Zeitlcchriften.
Praktisches Handbuch für Kunst-⸗,, Bau- und
Maschinenschlosser, Geldschrankfabrikan—
ten, Kleinmechaniker ⁊c. von A. Lüdicke, Pri—
»atdozent am Polytechnikum zu München. Dazu
Atlas mit 22 Foliotafeln und 830 Figuren. Verlag
B. F. Voigt, Weimar — Weil die gewerbliche
Thätigkeit in den letzten Dezennien solche Riesenfortchritte
gemacht hat, daß derjenige, welcher mit prak—
ischen Fachkenntnissen nicht auch theoretische ins Leben
nitbringt, bald eine bedrängte, wenn nicht fast unmög—⸗
iche Stellung einnehmen muß, so ist ihm in dem ge⸗
nannten Buche ein Ratgeber erteilt, der ihm treue
Dienste leistet. Das allseitige Verlangen nach Schriften
dieser Art bekundet genugsam ihre Wichtigkeit. — Das
wuch liefert die neuesten Resultate, besonders in der
Erklärung einiger in gut getroffener Auswahl gezeichieten
Werkzeugmaschinen, die jetzt für den Metallarbeiter
mmer wichtiger werden, so wie auch in der erläutern—
den Betrachtung derjenigen Arbeiten, welche zur Bau—⸗
chlofsserei gehören, Anlagen von Gas⸗ und Wasser⸗
eitungen, sowie Blitzableitern. Diese Erklärungen zu
allen Maschinen sind einfach und klar und werden
zurch die im beigegebenen reichhaltigen Folioatlas ent—
Jaltenen sehr korrekten Zeichnungen zweckmäßig beleuchtet
ind unterstützt; sie sind mit Metermaßangaben versehen,
jo daß sie auch als Werkzeichnungen verwendet werden
önnen. Ein solches Buch in der Hand eines streb—
amen Arbeiters muß ihn bald in der ganzen Maschinen—
unde im Kleinen und Giofßen gewandt und tüchtig
nachen. Dr. 8t.
Glaser's Annalen für Gewerbe nund
Bauwesen Nr. 156 vom 15. Dezember 1883, Bd. XIII.
deft 12, enthält: Eisenbahn oder Kanal II. Verein
Uur Eisenbahnkunde. Sitzungsbericht vom 13. No—
»ember 1883. Mitteilungen über Zugtrennungen auf
»en deutschen Eisenbahnen, auf freier Strecke. Der
Honigmann'sche Tampfbetrieb mit feuerlosen Natron⸗
Assel mit Abb. Vortrag vom Generalsekretair Herrn
Th Peters. — Eisenbahn-Oberban mit Kreuzschwellen
nit Abb. Vortrag von Eisenb.-Bauinspektor Herrn
Hustav Meyer. — Mitteilungen über ein Relief vom
darzgebirge von Sekretair Herrn Boenecke. — Ueber
sinen neuen Etagen-Stromapparat zur
Lerwendung bei Kohlen⸗ und Erz-Aufbereitung mit
3 Abb. von Franz Büttgenbach, Bergwerksdirektor in
ꝛAintorf. — Internationale Ausstellung für Kolonien und
Export zu Amsterdam 1883. — (Schluß des Aus—
tellungsberichtes). — Elektrotechnischer Verein. Sitzungs—
hericht vom 27. Nov. cx. — Deutscher und französischer
Marktbericht. — Staatsprüsfung. — Personal-Nachichten.
— Patentliste. — Literalurblait.
Nr. 59 des Centralblatt für die Textil⸗
Industrie in Berlin enthält: Jersey. Selbstthätige
Ausrtück-Vorrichtung für Spul- und Zwirnmaschinen.
Apparat, um Luft für Trocken-Zwecke von ihrer
Feuchtigkeit zu befreien. Zusammensetzung und Her—⸗
tellungsweise einer Wärmeschutzmasse. Kulirwirkstuhl
zur Herstellung von Farbenmustern. Fadenführer—
Apparat zum Wirken von langgestreiften Farbmustern.
Verfahren und Einrichtung zum Trocknen gewaschener
Wolle und anderer Materialien Rundschau. Unter⸗
richt u. Literatur. Sprechsaal Briefkasten. Patente. Verzeich⸗
nis der neu eingetragenen Firmen, soweit solche die Textil⸗
Branchen betreffen. Submissionen. Anfragen über
Bezugs und Abiakauellen. Markktberichte ꝛ⁊c