Full text : 1.1883 (0001)

Nr. 39

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

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Lohn zu verbessern wünschen. Ihre Position'
sei durch die Thatsache staͤrker, daß der Gruben⸗
besißer Bradley zu Partepool seinen Werkmeistern
Ordre gegeben, lieber einen Streik durch Be—⸗
willigung der 18prozentigen Lohnerhöhung ab⸗
zuwenden. Er meint, daß ein Schiedsspruch die
Sache zum Austrag bringen sollte. Wollten die
AÄrbeiter auf eine freiwillige Lohnerhöhung
warten, so sind die Aussichten auf eine solche
— B
chwerlich tadeln, obgleich er zum Streik, zu
zroßem Elend für Tausende führen wird. Be—
ginnt der Kampf, so werde er von langer Dauer
sein Schiedsrichterliche Vermittelung oder eine
allgemeine Annahme der je nach den Geschäften
sich ändernden Skala der Lohnsätze seien die
einzigen Auswege zur Abwendung des Streiks
Leider seien viele Arbeiterdelegierte gegen die
letztere Lösung, die der Verfasser jedoch für die
beste hält. Es sei schrecklich, an das Elend eines
längeren Streiks zu denken, das 160000 Ar.
beiter und darüber betreffe. Haben die Dele—
gierten die Interessen der Arbeiter im Herzen,
so werden sie noch einen Versuch machen, die
Krisis abzuwenden und wenn sie ihre Wünsche
nicht ganz befriedigt erhalten können, sich mit
einem geringeren Zuschlag zufrieden geben. Eine
schiedsrichterliche Regelung würde, wenn beide
Teile ein Arrangement ernstlich wünschen, auch
erfolgreich sein. Die Brodherren sollten erwägen,
ob sie nicht 5 oder 72/2 60/0 Aufschlag gewähren
können, wodurch die Schwierigkeit wahrscheinlich
geboben werden könnte.

von Photographien, Lichtdruck- oder Steindruck⸗
bdildern. Eine eigene photographische und Licht
druckanstalt sowie eine Steindruckerei mit 12 Hand⸗
und 3 Schnellpressen beschaffen das Material
zu den Flachornamenten. Das Bemalen nach
hinesischem und japanischen Geschmacke wird
durch Abziehbilder, mit Vervollständiaung durch
»en Pinsel, bewirkt.
Sehr beliebt und dauerhaft sind die Perl—
nutter⸗ und Metallverzierungen, auch beide zu—
ammen angewandt. Die Einlageblättchen werden
durch Maschinen von sinnreicher Bauart aus—
jestanzt und entweder nach vorgedrucktem Muster
»der freier Wahl des Verzierers in den noch
lebenden Lacküberzug eingedrückt; nach dem
Trocknen wird ein feinerer solcher Ueberzug
ufgebracht und nach dem letzten Trocknen ge—
chliffen, bis Perlmutter und Metall mit dem
vack eine saubere glatte Fläche bilden.
Die Preßformen und Stanzringe müssen na—
üürlich, wie bei allen solchen Preßartikeln, mit
iußerster Sorgfalt, namentlich mit Rücksicht auf
die Streckungs- und Steigungsverhältnisse des
Materiales hergestellt werden, und ist zu diesem
Zwecke sowie zur Ausführung der vorkommenden
Maschinenreparaturen eine gut eingerichtete
nechanische Werkstätte vorhanden, an welche sich
Schmiede, Schreinerei und Holzdreherei an
chließen.
Nach beendetem Rundgange durch die Ar—
beitsräume der Anlage, welche sich alle durch
Beräumigkeit, Reinlichkeit und gute Versorgung
mit Luft und Licht auszeichnen, und in denen
namentlich auch das gute Aussehen der Arbeiter
beiderlei Geschlechts den günstigsten Eindruck
macht, fand noch ein Besuch der Lagerräume
und Musterausstellung statt. Hier hatte man
Belegenheit, die große Mannigfaltigkeit und
Schönheit der Fabrikate, die man vorher durch
innreiche Maschinen und fleißige Menschenhände
yjatte entstehen sehen, in geschmackvoller Anord—
iung zu bewundern.
Den sich dafür interessierenden Teilnehmern
vurden ferner noch Versuche mit Papierscheiben
cädern vorgeführt, über die bereits besonders
berichtet worden ist.
Es sei noch erwähnt, daß sich in der Muster—
ausstellung auch Fabrikate des Ad t'schen Stamm—
werkes in Ensheim (Pfalz) vorfanden; dort
verden namentlich auch Massenartikel, wie
Spulen, Krempel⸗ und Strecktöpfe für Spinnereien,
Eimer, Fässer, Flaschen zum Versandt dicker
Flüssigkeiten (Lacke, Buchdruckerschwärze u. s. w.)
jergestellt Seit 1871 hat die Firma, um sich
den französischen Markt zu erhalten, eine Zweig
niederlassung in Pont-àa-mousson begründet.
Die Erzeugnisse der Adt'schen Werke treten
in Wettkampf mit den, den gleichen Zwecken
dienenden aus Porzellan und Steingut, aus
Bußeisen, Blech und Holz. Man rühmt ihnen
'olgende Vorzüge nach:
Große Widerstandsfähigkeit gegen Säuren
owohl als Alkalien, geringe Zerbrechlichkeit,
geringes Gewicht, gegen Holz, Gleichmäßigkeit
des Gefüges, größere Festigkeit und Dauer
vaitigkeit

Igeklappt und an die Hinterwand des Abort⸗
raumes angelehnt werden kann. Auch die
vordere Wand des Kastens ist beweglich, läßt
sich wie eine Thür nach einer Seite öffnen und
macht dadurch den Tonnenraum von vorn her
hollständig zugänglich.
„Mit der Sitzplatte ist der obere Rand des
richterförmigen Beckens“ (nach der von Lier⸗
nmur benutzten Form mit senkrechter Rückwand)
„starr verbunden; der untere Rand des schräg
nach unten und hinten verlaufenden Trichters
läuft in einem breiten platten Ringe aus, mit
welchem das Becken auf der unterhalb desselben
aufgestellten Tonne aufruht. Während der Be—
autzung bildet also das Becken zugleich den
Deckel der Tonne.“
Zum Zwecke der Ventilation ist an das Becken
ein Rohr gegossen, welches etwa so lang, als
das Becken oben tief ist, wagrecht verläuft und
dann senkrecht aufsteigt. Der unterste Theil
des Rohrstückes läßt sich etwas länger, als die
döhe des Beckens beträgt, in den obern Teil
keleskopenartig hineinschieben. Das aufsteigende
Ventilationsrohr liegt womöglich an den Küchen—
schornstein an und endet mit einem Wolfert'schen
Essenkopf (oder wie Kruse irrigerweise schreibt,
mit einem Wolfert'schen „Sauger“, während
doch Wolfert selber schon längst zugegeben
hat, daß diese Benennung dem Essenkopfe nicht
zukommt).
„Die Tonne faßt ungefähr 50 8.; sie hat
eine Höhe von 50 CEtm.; das Becken ist 30 Etm.
hoch. Um eine Unterkellerung des Closetsitzes
zu vermeiden, ist vor dem thürartigen Vorbrett
eine fortnehmbare Stufe von 20 Etm. Höhe
angebracht, während die Tonne um 15 Etm.
tiefer als der Closetboden gestellt ist. Das
Sitzbrett liegt 45 CEtm. über der Siufe, und
ist somit die Höhe von 20 4 15 4 45 50 (Tonne)
und 30 (Becken) ausgeglichen. Wo es angeht,
läßt man die Stufe fort und setzt man die
Tonne 35 Etm. tiefer, als den Closetboden. —
Die Tonne wird in einem Untersatz aus Guß—⸗
eisen, oder einem Lattenkranz, oder Aehnlichem
aufgestellt, um ihr beim Wechseln stets dieselbe
dage zu geben.
„Die Tonnen mit ihrem Inhalte sollen nach
»em reichlich 22/2 Km. vom Orte entfernten,
hon der Gemeinde erworbenen Dünen-Terrain
gebracht, dort entleert und gereinigt werden.
Der Inhalt wird dort landwirtschaftlich verwertet.
Vom Heidelberger Tonnensystem unterscheidet
sich dieses dadurch, daß der Syphon weggelassen
ist; die Tonne wird direkt ventiliert; es giebt
kein Fallrohr, sondern der Abortraum ist (wie
dielfach in England) zu ebener Erde angebracht.
ieben oder auch in dem Hause.
Dieser letztere Umstand ist zwar hygieinisch
vorteilhaft, dürfte aber in Mitteldeutschland als
ein Nachteil angesehen werden, weil die Be—
pölkerung die üble Gewohnheit angenommen
jat, den Ort innerhalb der Wohnung und so
iahe wie möglich den Lebenden und — der
Zpeisekammer anzubringen.
Als einen wirklichen Vorzug muß man den
Umstand gelten lassen, daß der Trichter unmittelbar
der Tonne auffitzt, daß also eine Verstopfung,
wie sie bei dem Syphon eintreten kann, hier
oollständig ausgeschlossen ist. Dagegen haben
vir bezüglich der Ventilation unsere bescheidenen
Zweifel und fürchten, daß gerade durch den
Lorzug der Einfachheit die Ventilation gelegentlich
inwirksam gemacht werde. Der Trichter soll
ich unten auf die Tonne, oben an das Sitzbrett
west anschließen und soll womöglich dem Burch—
jange der Luft hindernd entgegentreten, soll
also einen luftdichten Verschluß bilden. Dazu
gjehört, daß die angegebenen Größenverhältnisse
inmer streng eingehalten werden, und daß die
Tonne, wie der Trichter und der Abortsitz in
ihren Längenverhältnissen mathematisch genau
zearbeitet sind und ihre Größenverhältnisse auch
Heibehalten. Dies ist kaum zu erwarten, da die
betreffenden Arbeiter an so sorgfältige Herstellung
nicht gewöhnt sind und die Breite eines
Himmermanns-⸗Haares“, d. h. die noch zulässige
Fehlergröße, in der Technik gewöhnlich auf
q/3 HZoll angenommen wird. Wenn nun der
Zimmermann die Tonne um Us Zoll zu hoch
nder den Ahortfsik um 1/0 Noll zu niedrig mächt

Ueber die Adt'sche Fabrik in Forbach
teilt ein Bericht des Pfalz-Saarbrücker Ingenieur—
vereins, welcher bekanntlich im letzten Sommer
einen Ausflug dahin machte, folgendes mit:*)
Die zur Verarbeitung kommenden Rohstoffe
sind hauptsächlich Pappendeckel von 1577 Mm
Dicke und verschiedener Güte, Leim, Terpentinöl
Weingeist, Bernstein, Kopal und Asphalt.
Eine mit der Fabrik verbundene Papiermühle
erzeugt aus Strohmasse, Lumpen, Cellulose
Fabrikationsabfällen u. s. w. täglich 2500 bis
3000 Kg. Pappendeckel, etwa ein Viertel der
Verbrauchsmenge; das übrige wird zum größten
Teil aus der eigenen Papierfabrik des Hauses
in Schwarzenacker (Pfalz) bezogen. Die Firnisse
und Lacke werden in der Fabrik selbst bereitet
Das wesentliche der Fabrikation besteht im
Ausstanzen und Pressen der Gegenstände aus
vorher zugeschnittenen Pappstreifen, Trocknen
Durchtränken mit Oel, scharfem Trocknen
Schleifen, Grundieren, Lackieren und wieder
holtem scharfem Trocknen.
Einen eigentümlichen und wichtigen Zweig
bildet die Fabrikation von Knöpfen. Dieselbe
findet in einem bsonderen Gebäude von 60 M
Länge und 42 M. Tiefe, welche zur Hälft⸗
durch Sägendächer abgedeckt ist, statt. Hie—
arbeiten, neben einer großen Anzahl von Oesen⸗
Spinn⸗ und Schneidmaschinen und einigen
Drehbänken zur Herstellung der erforderlichen
Stempel, gegen 60Knopfmaschinen, auf welchen
täglich etwa 5 Millionen Stück Knöpfe, teils
mit Oesen, teils mit Löchern, aus Pappenstreifen
gestanzt werden. Die weitere Verarbeitung der
Knöpfe beschränkt sich auf Trocknen, Grundieren
Zackieren und wieder Trockaen. Zum Versand!
werden sie sodann sortiert. verwogen und ver—
vackt.
Die übrigen Erzeugnisse, Gegenstände für den
Haushalt (Schüsseln, Waschbecken u. s. w), für
die Toilette, für den Rauch-, Schreib, Spiel—
und Biertisch, Dosen, Artikel zum Gebrauch für
Photographen, Apotheker u. s. w. werden in
der Formerwerkstatt auf vier großen hydrau—
lichen Pressen mit Kraftsammlern und auf einer
großen Anzahl Schraubenpressen mit Riemen—
antrieb mittelst Formen und Stanzringen aus
dem Rohstoffe gearbeitet und dann in verschiedenen
Räumen in oben angedeuteter Weise fertig
gemacht.
Das Ausschmücken der Gegenstände erfolgt
meistens vor dem letzten Lackanstriche durch
Freihandmalerei, Abziehbilder oder Aufkleben
*) Ueber diesen Ausflug ist bereits in Nr. 17 des
Kewerhehlaftes in kürrerer SForm berichte ren

Ein einfaches Tonnensystem mit
Ventilation.
Dr. Kruse theilt in Eulenberg's Viertel
ahrsschrift (1883, 1) ein eiufacheres und wohl
eileres Verfahren beim Tonnensystem mit, wie
es auf Norderney in Gebrauch gekommen, nach
dem sich Schwierigkeiten für die Ausfuüͤhrung
»es Heidelberger Systems gezeigt hatten. Die
elben bestanden, wie sich bei der probeweiser
Einführung der Heidelberger Tonnen im Con
dersationshause herausstellte, wesentlich darin
daß die durchgehend wenig wohlhabenden Ein
vohner die Kosten nicht wohl erschwingen konnten
vährend doch das rasche Wachsthum des Ortes
and seine Bedeutung als Kurort bessere Ein—
richtungen heischten, als die bisherigen Gruber
hdieten, um Boden und Luft rein zu erhalten
Nach dem Vorschlage Kruse's konstruierte der
Architekt Henkel ein billigeres Tonnensnstem
in folgender Weise:
„Die Tonne steht unter einem Abortsitze
vessen Sitplatte bewealich ist. s09 daß sie quf,
            
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