Nr. 38
Die Honigmann'sche Kraft⸗
maschine.)
Ueber dieselbe geht uns seitens des Erfinders
die nachstehende Nilteilung zu, die wir bei dem
großen Interesse, welches sich auch bei uns an
die neue Majchine knüvft, unverkürzt wieder—
eben:
„Eine neue Erfindung von unberechenbarer
Tragweite, bestimmt, eine große Umwälzung
im Gebiete des Maschinenwesens hervorzurufen,
ist vor einigen Monaten von Moritz Honig
mann, Fabrikant zu Grevenberg bei Aachen,
durch die Konstruktion einer dampf⸗- und feuer—
losen Maschine, oder richtiger eines eigentüm—
lichen Dampfkessels gemacht worden, der die
Eigenschaft hat, sich mittelst des abgehenden
Maschinendampfes, der sonst in die Luft ent—
lassen wird, selbst zu heizen. Es handelt sich
hier nicht darum, wie manchem im ersten Augen—
bblicke scheinen möchte, die Zahl der mehr oder
weniger geistreichen Versuche für ein Perpetuum
mobile zu vermehren, sondern um die Anwen—
dung eines physikalischen Gesetzes, zu dem Zwecke
hochgespannten Dampf im Kessel durch die Ver—
wertung der Wärme des abgehenden Dampfes
zu erzeugen. Es geschieht dies durch Einleitung
bes letzteren in eine konzentrierte Lösung von
kaustischer Soda, welche denselben vollständig
aufnimmt und sich dadurch der Art erhitzt, daß
der von ihr umspülte Dampfkessel geheizt und
gespannter Dampf produziert wird. Der Kreis
lauf dieses Vorganges findet innerhalb der ge
schlossenen Räume eines Doppelkessels, de—
Dampfzylinders und der diese beiden verbinden
den hrn statt und währt so lange, als die
zur Wärmeerzeugung dienende Natronlauge die
Fähigkeit behält, Wasserdampf zu absorbieren.
Hört dieselbe infolge der Verdünnung auf, sc
muß der Kessel von neuem mit konzentrierter
Lauge beschickt werden Unter normalen Ver—
hältnissen hält dabei eine Laugenfüllung 35—18
Stunden bei gleichbleibendem Dampfdrucke vor
Der Vorteil dieses Apparates allen andern
gegenüber besteht darin, daß zur Dampfberei
tung keine Feuerung erforderlich ist, daß wäh—
rend des Ganges weder Rauch noch Dampf
ausgestoßen und kein anderes Geräusch verur
sacht wird, als welches die Maschine selbst her
borbringt, das aber bei guter Konstruktion ver
schwindend ist. Den gefeuerten Dampfmaschinen
gegenüber hat die Honigmann'sche Maschine den
dbesonderen Vorzug absoluter Gefahrlosigkeit vor
Explosion des Kessels; den elektrischen Maschinen
ist sie dadurch überlegen, daß sie von jeder
äußeren Kraftzuleitung unabhängig ist, und
ihren in sich selbst aufgespeicherten Kraftvorrat
immer mit sich führt.
Die Honigmannsche Erfindung ist in wissen—
schaftlichen Kreisen als ein epochemachendes Er—
eignis von den bedeutendsten Physikern und
Technikern rückhaltlos anerkannt worden. Als
Physiker sei nur Professor Dr. Wüllner hervor—
gehöben, welcher im Juli d. J. bei der Ueber
nahme des Rektorates der poihtechnischen Hoch
schuͤle zu Aachen in seiner Antrittsrede die Er—
findung von Seiten des physikalischen Prozesses
eingehend besprach und ihr, soweit dies wissen—
schaftlich zulässig ist, die günstigste Prognose
stellte. Als Techniker sei Herr Riedler, Professor
der Maschinenkunde in München, genannt, der
während mehreren Wochen in der Sodafabrit
pon Moritz Honigmann in Grevenberg dessen
Erfindung geprüft und die Resultate seiner
Untersuchungen über den Wert der Erfindung
in einer die Sache erschöpfenden wissenschaft—
lichen Arbeit veröffentlicht hat. Auch in technisch—
wissenschaftlichen Vereinen ist die Erfindung
Gegenstand der Besprechung gewesen. Honig
mann berichtete über seinen Natronkessel am
3. Oktober d. J. in der Versammlung des
Aachener Bezirksvereins deutscher Ingenieure,
im Anschluß an die Mitteilungen, welche der
Generalversammlung des Gesamtvereins zu
Dortmund im August d. J. gemacht worden
waren. Neuerdings sind noch Vorträge über
diesen Gegenstand gehalten worden im Berliner
Ingenieurverein, im Verein zur Beförderung
des Gewerbefleißkes in Berlin und im Eisen—
—EVV
Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
bahnvereine in Berlin, wobei das Verfahren
durch Abbildungen erklärt wurde.
Bevor eine Erfindung von solcher Bedeutung
wie die vorliegende öffentlich in der Anwendung
vorgeführt werden kann, sind immer umfang—
reiche und zeitraubende Vorarbeiten erforderlich
Auch diese find jetzt beendigt worden. Der Er
inder hat einen Dampfer der Berliner Dampf
chiffahrtsgesellschaft mit seinem Apparat aus
zerüstet, und haben seit Ende Oktober zahlreiche
Probefahrten auf der Spree in der Richtung
iach Köpnik hin stattgefunden. Von maßgeben—
)en Persönlichkeiten Berlins haben u. g. darar
eilgenonmen die Herren Dr. Werner Siemens
Beh. Rat Dr. Helmholtz, Geh. Rat Stambke
Abseilungsdirektor im Ministerium für öffent—
iche Arbeiten, Geh. Oberbergräte Wedding und
Freund; von der Admiralität: Geh. Räte Brix
dietrich und Görris; von der technischen Hoch
chule: Geh. Rat Reuleaux, Fink und Dr
Slaby; von Seiten des Vereins deutscher In
jenieüre: Th. Peters und Behrens; ferner
Iberst Golz vom Eisenbahnregiment, Geh Ober—
haurat Streckert als Vorsitzender des Vereins
ür Eisenbahnkunde u. a. Von auswärtigen
Notabilitäten sind zu nennen die Herren: C
W. Siemens (London), Laird (Birkenhead),
Professor Thomson (Rondon). Im Auftrage des
Heneraldirektors der österreichischen Alpinen
Montangesellschaft in Wien, Herrn von Frey,
jatte sich deren Oberingenieur, Herr Uber, auch
iach Berlin begeben, um von der Honigmann'
chen Erfindung Kenntnis zu nehmen. In An—
vesenheit des Letztgenannten und des bekannten
Donstrukteurs Herrn Rowan wurde am 9. No—
obember d. J. auf der Berlin⸗-Charlottenburger
Pferdebahn eine mit dem Natronkessel ausge—
rüstete Tramway-Vokomotive in Betrieb gesetzt,
velche gleichmäßig wie das Dampischiff den
Beweis lieferte, daß die praktische Anwendung
»er Maschine thatsächlich dem entspricht, was
Theorie und Wissenschaft vorausgesagt hatten.“
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glieder, von denen erstere Marken im Betrage
hrer Entnahme erhalten. Diese Marken werden
regelmäßig durch den Ausschuß eingesammelt
ind in das Markenbuch eingetragen. Nach der
Inventur erhält jedes Mitglied den auf seine
Entnahme entfallenden Prozentsatz des Gewinns-.
Derjenige aber, welcher sich aus dem Waaren⸗
verkauf an Nichtmitglieder ergiebt, wird unter
ämtliche Mitglieder gleich verteilt, mit Ausnahme
derjenigen, welche fuͤr weniger als 100 Mark
Waren gekauft haben. Auf den Einkaufspreis
der Waren werden ca. 20 pCt. geschlagen, um
den Verkaufspreis zu erhalten, ausgenommen
dei Brod, wo der Gewinn nur Pf. pro
1 Pfd. beträgt und event. auch bei andern
Artikeln, wo ein kleinerer Gewinn berechnet
verden muß, um mit dem Marktpreis Schritt
zu halten.
Das Warenlager repräsentierte am 1. Juli
1883 einen Werth von 5600 Mark, steigt aber
zäufig auf 8000 -9000 Mark. Das Stamm⸗
inteilsguthaben der Mitglieder (fast nur Fabrik—
irbeiter) betrug zur selben Zeit 11670 Mark.
Der Reservefonds, welcher nur aus den nicht
ausgezahlten Bruchteilen der Dividenden ent⸗
tanden ist, beträgt 5662 Mark.
Eine humane Bestimmung ist, daß beim Todes⸗
tall eines Mitgliedes der Witwe je nach Dauer
der Mitgliedschaft eine Begräbnis-Beisteuer von
3-30 Mark gewahrt wird.
Dec Verkauf der Waren wird von einem gegen
festen Gehalt engagierten Verkäufer, der Mit—
zlied sein muß und Kaution gestellt hat, besorgt.
Der Wahl eines für diesen Posten passenden,
zewissenhaften Mannes ist hauptsächlich der
Jünstige Erfolg zu danken. Alle 2 Jahre werden
Vorstand und Kassierer neu gewählt, resp. neu
»estätigt und jedes Jahr scheiden 2 Mitglieder
des Ausschusses aus und werden durch die
Beneralversammlung ergänzt. Mit dem Kon⸗
umverein ist seit 324 Jahren eine Spar- und
Darlehnskasse verbunden, die 4h23 pCt. Zinsen
bderechnet und im letzten Jahre 9603 Mark
Umsatz hatte — für Fabrikarbeiter eine höchst
vohlthätige Einrichtung.
Außer diesem Konsumverein besteht in Böh—
rigen, jedoch nur für das genannte Etablissement,
eine Fabrikkranken. und Begräbnißkasse und
eine Stiftung für alte Arbeiter, welche von
dem Gründer der Fabrik, dem Vater der gegen—⸗
wärtigen Inhaber, herrührt.
Ferner ist aus diesem Etablissement eine
Volksbibliothek hervorgegangen, die jedoch allen
leselustigen Personen von Böhrigen und Um—
gegend zugänglich gemacht worden ist und
1400 Bände umfaßt.
Nette Zustände im italienischen Eisen⸗
bahnwesen.
Italienische Blätter bringen folgende „Be⸗
kanntmachung“: „Wegen des außerordentlichen
Andrangs von Gütern, welche die Stationen
iberfüllen, und in Anbetracht der bevorstehenden
Weinernte wird das Publikum in Kenntnis gesetzt,
zaß im Interesse der Bewältigung der Trans—
vorte und möglichster Beschleunigung der Trauben—
endungen die Eisenbahn-Verwaltung genötigt
st, am 9., 10. und 11. Oktober die Annahme
don gewöhnlichem Frachtgute abzulehnen. Aus—
zenommen hiervon sind Trauben und Vieh nach
allen Bestimmungsorten, sowie für das Ausland
bestimmte Lebensmittel.“ — Urheber dieser
Bekanntmachung ist die Verwaltung der Alta
Jtalia. Nur auf die Hafenplätze Genua,
Zavona und Venedig erstreckt sich dieser Aus—
rahmezustand nicht, sonst aber auf alle übrigen
Stationen des großen Bahnnetzes,. Die italie—
aische Presse steht dem gegenüber sehr entschieden
für die Interessen des Publikums ein. So sagt
die „Sentinella Bresciana“: „Dieser Skandal
st nicht neu. Seit einigen Jahren fehlt es den
oberitalienischen Bahnen zur Zeit des größten
Büterverkehrs an Fahrmaterial, so daß der
Verkehr nicht nur verzögert, sondern fast gelähmt
wird.“ Die Turiner „Gazetta“ schreibt: „Solche
Unzulänglichkeiten, deren Bedeutung Niemand
entgehen kann, richten in unserm Eisenbahnver—
sehr selbstverständlich enorme Verwirrungen an,
PRormirrungen di⸗- ides Sahr arüee morbe-Ein
Konsumverein für Fabrik⸗
Arbeiter.
In dem nahe bei der sächsischen Fabrikstadt
Koßwein liegenden Industriedorf Böhrigen
zesteht ein Konsumverein, der aus der Fabrik
irbeiterschaft als deren eigene Schöpfung hervor
gegangen und wesentlich für die dortigen Fabrik
rrbeiter bestimmt ist.
Der Verein wurde 1867 durch eine freie
VBereinigung von Arbeitern ins Leben gerufen,
entwickelte sich nach und nach aus kleinen An—
fängen immer mehr, bis 1872 die Inhaber der
Stofffabrik F. G. Lehmann in Bböhrigen die
Oberleitung des Vereins an Beamte ihrer Fabrik
übertrugen und eine Neuordnung des Vereins
vperanlaßten. Von der Zeit an vergrößerte der
Lerein seinen Geschäftsbetrieb erheblich bei ver
tärktem Nutzen. Ein solches Zusammenwirken
von Arbeitgebern mit ihren Arbeitern hit sicher
ich außer dem finanziellen Nutzen auch einen
noralischen. Der finanzielle allein ist jedoch
schon ein namhafter, denn es kamen von 18680
bis 1883 an die Mitglieder 55,000 Mark Gewinn
zur Verteilung. Die letzte jährliche Inventur
ergiebt, daß die 154 Mitglieder, fast aus—
chließlich der Arbeiterklasse angehörende Haus—
Jaltungsvorstände, aus dem Geschäftsbetrieb von
i882/83 einen Reingewinn von ca 7000 Mar
erzielt hatten.
In diesen Verein werden nur Haushaltungs—
vorstände aufgenommen, meist nur verheiratete,
bei einer Anzahlung von 12 Mark. Witwen
tönnen nach dem Tode ihrer Männer noch Mit—
zlieder bleiben. Von der großen Zahl der sich
ährlich Anmeldenden wählt der Vorstand gemein—
chaftlich mit dem aus 8 Mitgliedern bestehenden
Ausschuß 15 bis höchstens 20, welche regelmäßig
tach der Inventur aufgenommen werden. Die
ingezahlten 12 Mark werden mit dem jährlichen
Bewinnantheil des neuen Mitgliedes aufsummiert
zis ein Siammanteil von 820 Mark erreicht ist
erst dann erfolgt die Auszahlung der Dividenden.
Der Stammanteil wird nach Erreichung seiner
»ollen Höhe mit 41,2 pCt. jährlich verzinst und
»eim Austritt des Mitgliedes ausgezahlt. Der
Qanbnverkauft au Mitalieder und Michtmif