Full text : 1.1883 (0001)

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Saarbrücker Gewerbeblutt
für Industrie, Handel und Verkehr.

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ins 3 von der Staatseisenbahn-Verwal⸗könne, daß ähnliche Bestimmungen auch in an—
Vereins-Rachrichten. kedhe durch Ermäßigung der Frachten dern Bezirken des Reichs durchzuführen versucht
und billige Exporttarife unterstützt werden könnte.
würde. — Der Vorstand beschloß, nach dieser Waggonmangel.
Richtung hin seine bisherigen Schritte bei der Die Tagesordnung der (auf Wunsch einiger
königl. Staatsregierung zu erneuern. Mitglieder mehrmals verschobenen) Sitzung war
Agitation der Gewerkvereine. zu einer Zeit festgestellt worden, als in einigen
Der seitens der Gewerkvereine, nicht minder Teilen des Reichs thatsächlich Waggonmangel
auch der Sozialdemokratie in lebhaft geführter orhanden war. Da diese Verhältnisse sich in—
Weise unterhaltenen Agitation gegen die Ber wischen gebessert haben, erachtete der Vorstand
eiligung der Arbeiter an den Fabrik-Kranken- nicht für angemessen, in einer Eingabe an das
assen im Sinne des neuen Krankenkassen-Gesetzes Sisenbahn-Ministerium auf Beschwerden zurück—
heschloß man, möglichst kräftig entgegenzutrelen ukommen, für welche augenblicklich eine dringende
und glaubte man, das wirksamste Mittel — Veranlassung nicht mehr vorliege, umsomehr
nußer der speziellen Belehrung der Arbeiter als früher in dieser Angelegenheit die geeigneten
miltels persönlicher Einwirkung der Arbeit- Schritte und zwar mit Erfolg schon geschehen
geber, deren Beamten und Werkmeister — in waren. Da sich indessen im Laufe der Debatte
jeeigneten Artikeln der Tagespresse, sowie in der Jerausstellte, daß es zur Zeit zwar nicht an
Förderung und Verbreitung solcher Blätter zu Sisenbahntransportwagen im Allgemeinen fehle,
inden, welche den wirthschaftlichen Anschauungen wohl aber Mangel an gewissen Kategorien von
»es Vereins entsprechen oder denselben weniaslens Wagen vorhanden sei, nicht selten auch Wagen
nicht ferne stehen. gestellt werden sollen, welche selbst mit schwer
Normalstatut für Krankenkassen. wiegenden Artikeln das angegebene Belastungs⸗
Durch das Präfidium war Herr Juftizrath Juautum nicht zu fassen vermögen, beschloß der
— Vorstand, hierüber eine statistische Erhebung
die Huͤtlenwerke und den Maschinenbau berech, orzunehmen und je nach deren Ergebnis sich
netes Normalstatut der neuen Krankenkasfen zu die weiteren Schritte vorzubehalten.
eniwerfen und hat Herr Dr Goofe dies auch „Der Vorstand beschloß unter der Voraushereitwilligft
 zugefagte Rachdem iuzwischen in setzung, daß von teiner Seite Widerspruch er⸗
Frankfurt“a. Ma durch eine Kommumssion des solgt und unter Nachsuchung der Judemnität
Tentralverbandes, an der auch Meitgtieder und innächster Hereralversammlung, durch die
Beschäftsführer des Eisenvereins teilgenommen Druppen die Erhebung der Jahresbeiträge wie
Jatten, ein“ für alle Industriebranchen verech im letzten Jahre, also mit Mark 4— vrö Ein—
eles Normalftatut bearbeitet worden war, be heit, auszuschreiben.
chloß man, zunachst das Erschenen diefes Nor⸗ „Außerdem wurden die seitens der Eisen bau—
malstatuts, sowie die Arbeiten einer bereus von Kommission gefaßten Beschlüsse gutgeheißen,
der Nordwestlichen Gruppe zu demselben Zweck. i, dies bereits in der vorigen Nummer des
niedergesehten Kommifsion 'abzuwearten und in Vewerbeblattes mitgetheilt worden ist.
ziner der nächsten Sitzungen auf diesen Gegen— Schluß der Sitzung Nachmittaas 58 Uhr.
tand zurückzukommen.
Entwurfseines Aktiengesetzes.
Beschlossen wird nach kurzer Debatte uͤber den
Entwurf, mit dessen Vorberatung eine Kom—
nijsion, bestehend aus
den Herren Richter, Russel, Goose,
Grund, Geh. Kommerzienrat Kämpf,
Meyer-Celle, Seebohm, Seebold
und Dr. Zimmer.
zu beauftragen.
Beschränkung der Sonntagsarbei
in Fabriken.
Die Königl. Regierung in Düsseldorf hat an
die in ihrem Bezirk vorhandenen Handels—
'ammern und wirthschaftlichen Vereine, darunter
uuch an die Nordwestliche Gruppe des Ver—
eins, einen Entwurf zur Begutachtung gelangen
assen, welcher sich mit der Regelung der Sonn—
agsarbeit beschäftigt und zu mancherlei weit
gehenden und sogar bedenklichen Anforderungen
zelangt. Die anwesenden Mitglieder der Nord⸗
vestlichen Gruppe sprechen die Hoffnung aus,
daß es ihnen gelingen werde, die Düsseldorfer
Regierungsbehoͤrden, welche sich bisher der In⸗
dustrie gegenüber entgegenkommend gezeigt
hätten, zur Beseitigung aller in dem Entwurf
oorliegenden Härten und unbilligen Anforderungen
zu bewegen, Falls dies wider Erwarten nicht
gelingen sollte, werde die Gruppe dem Gesamt—
Vorstand weitere Mitteilung zugehen lassen,
vJamif dersoshe rochtzeifig dor Gefahr orbengen

Vorstands-Sitzung des Vereins Deutscher
Eisen- und Stahl⸗Industrieller
am 6. Dezember 1883.
Die Sitzung wird eröffnet um 11 Uhr.
Interne Angelegenheiten.
Das Kaiserliche Statistische Amt hat die
neuen Fragebogen für Montanstatistik, wie
solche vom Bundesrat genehmigt sind, über—
sendet; es geht darans hervor, daß die
sämtlichen vom Verein ausgesprochenen
Wünsche berücksichtigt worden sind.
Vorgelegt wird die vom Geschäftsführer
neu bearbeitete Montanstatistik für die
Jahre 1880-82.
Zur Sprache gelangt, daß die von Herrn
Dr. Lesser herausgegebene Zeitschrift des
(Frankfurter) Kolonialvereins in scharf
ausgesprochener Weise freihändlerische Ten—
denzen verfolge und beschließt man, den
Vorstand des Kolonialvereins darauf auf—
merksam zu machen, daß die Verfolgung
einseitiger wirtschaftlicher Interessen den
Zwecken und Zielen, sowie der Förderung
des Kolonialvereins nicht entsprechen könne.
Geaenwärtige Lage der Eisen—
Industrie.
Nach längerer Debatte wurde konstatiert, daß
die Lage des inländischen Absatzes im Ganzen
als eine gesunde, England, Amerika, Frank—
reich und Belgien gegenüber als eine besser
situierte zu betrachten sei, da der Konsum sich
in regelmäßiger Entwickelung befinde. Die un—
leugbar vorhandene Abnahme der Nachfrage sei
wesentlich auf eine Verminderung des Exports
auf eine ungünstige Lage des internationalen
Eisenmarktes und speziell auf die verminderte
Ausfuhr von Schienen und Draäht zurückzuführen
Für beide Artikel haben wir, resp. hat England
den Markt in Rußland und Nordamerika ver—
loren und demzufolge wirkt die Konkurrenz der
englischen Ueberproduktion auf fämtliche Gebiete
zurück. Eben deshalb wurde allge—
mein als gerade jetzt bedeutungsvol—
anerkannt, daß durch die wieder ein
geführten Eisenzölle den deutschen
Hüttenwerken wenigstens der ein—
heimische Absatz in der Hauptsach—
gesichert und dadurch eine Ueber
flutung von Seiten der englischen
Ueberproduktion fern gehalten äst
Trotz der ungünstigen Situation des internatio⸗
nalen Eisenmarktes seien Lohnreduktionen bisher
kaum, Arbeiterentlassungen nur in beschränktem
Maße eingetreten. Allerdings salle schwer ins
Gewicht, daß die auslandische Eisenindustrie
namentlich in England, nicht nur unter günfligeren
Produktionsbedingungen arbeite, sondern nuch,
gedrängt durch ihre Ueberproduklion, nicht felten
zu Schleuderpreisen liefere und den deutschen
Mitbewerber zwinge, wenn derselbe fich und
seinen Arbeitern den Auftrag sichern will, bei
Submissionen gelegentlich sogar bis unter die
Selbstkosten herunterzugehenWolle die deutsche
Eisenindustrie nicht für immer auf den Export
verzichten, so müsse sie mit solchen Umständen
rechnen. Auf, die Dauer sei dies natüurlich nich
möglich, die Aufrechterhaltung des Exporls aber
nur dann durchführhar moun sdie hnrn;,

V Mitteilungen über die Gotthard⸗
Tarife.
XI.
Die Tariffrage vom Schweizerischen Stand⸗
puntte.
Wie die Schweiz sich zu der Frage der Gott⸗
ardtarife stellt, darüber liegt in einer Aus—
assung der „Neuen Züricher Zeitung“ eine be—
nerkenswerte Kundgebung vor. Dieses Blatt
chreibt nämlich:
„Die Handelskammer von Genua jammert,
weil ihre auf die Eröffnung der Gotthardbahn
gesetzten Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen
ind., Die Genuesen verlangen bedeutende Tarif⸗
rmäßigungen, damit sie ihren Handel nach der
Schweiz ausdehnen könnten, und in Bezug auf
Massentransporte von Getreide ist diesem Be—
gehren auch bereits entsprochen worden. Ge—
äuschte Hoffnungen! Jedermann will nun bald
»on der Gotthardbahn enttäuscht worden sein.
Da haben wir die rheinischen Kohlen- und
Fisenproducenten, die Getreidehändler und
die Exporteure von italienischen Weinen u. dergl.
und eine Unzahl von Industriellen, die sich in
Klagen ergehen. Die Deutschen und Italiener
hehaupten, die Schweizer hätten es verstanden,
den ganzen Nutzen der Gotthardbahn für sich
einzuheimsen, waͤhrend die Schweizer ihrerseits
der Meinung sind, die Eisenbahnverwaltung
acts ihnen unmtßio⸗e Toren im inferron int
            
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