Full text : 1.1883 (0001)

Nr. 36 Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
Zeugnis ausgestellt. Bei der Anmeldung 3. Du sollst billig und feuersicher bauen
Jenau anzugeben, in welchen Kursus die Schülerin! 4. Du sollst Dir Deine Wohnung gesund und
aufgenommen werden soll. Wer Handnähen und menschenwürdig herstellen, auf daß Du
Fliden noch nicht erlernt hat, sollte nicht mit lange lebest und es Dir wohlergehe auf
Maschinennähen oder gar Kleidermachen beginnen Erden.
wollen. sondern sich dem Stufengang unseres 5. Du sollst für das Vieh gesunde und zweck
Lehrplanes anschließen, der gründlich vom Leich⸗ mäßige Stallungen erbauen. .
den zum Schweren übergeht. 6. Du sollst so bauen, daß überall Reinlichkeit
Prospekte, Auskünfte und Anmeldungen in herrichen kann und insbesondere die Jauche
der Schule in Barr, Sulzerstraße, bei den Vor— nicht versickert oder wegfließt.
steherinnen M. Kuhn und E. Weber. 7. Du sollst die Baugesetze achten.
8. Du sollst im Einverstaͤndnisse mit Deinen
Nachbarn und nicht ihm zum Trotze bauen
8. Du sollst Dein Haus nicht über die Grenz⸗
stellen.
10. Du sollst überall gute Einfriedigungen
machen.
stosten verschiedener Betriebskräfte
Einem Vortrage des Professors W. Frauen
dolhz in München entnehmen wir nach Mit—
eilung des „Gewerbebl. a. Württemb.“ folgende
Zostenzusammenstellung bezüglich der finanziellen
Vor⸗ und Nachteile der verschiedenen Betriebs
weisen und Betriebskräfte pro Stunde und
Pferdekraft. Die Preise sind als Durchschnitts
werte anzusehen.
Bei Verwertung der Arbeitskraft des pro Stunde
de boe die Pdesan 200 Pf. u. darüber —
Bei erwendun er rbeitstra
eines Pferdes Pe Gopel kostet die Das erste Petroleum.
Pferdesiärke.. Die Amerikaner behaupten, das Petroleum
Bei Verwendung von Dampikraft, zuerst angewendet zu haben; aber mit Unrecht,
und zwar einer 100pferdigen denn der „Vater des Petroleums“ lebt heute noch
Dampfmaschine .eeee in einem dalizischen Orte namens Boryslaw.
— urh Der heute an der Schwelle des Greisenalters
are ne pf dise ps 488., tehende Entdecker des Petroleums heißt Abra⸗
Bei Verwendung eines 2pferdigen Jam Schreiner. Vor 835 Jahren besaß er in
Lehmann'schen kalorischen Motors 26,58., Boryslaw ein Grundstück, auf welchem an tief
Bei Verwendung eines 2pferdigen zelegenen Stellen oft eine fette, teerartige Masse
Otto'jchen Gasmotors...26,4, zu Tage kam, welcher von den Bauern der Um⸗
Die Preisangabe für kleine Dampfmotoren jegend schon seit Menschengedenken eine beson—
wird bei näherer Untersuchung indessen eine ere Heilkraft zugeschrieben und die auch als
vesentliche Reduktion erfahren, da in obiger Wagenschmiere benutzt wurde. Schreiner war
Aufstellung neuere Konstruktionen keine Beruüͤck »s, der auf den Gedanken kam, daß die in jener
sichtigung gefunden zu haben scheinen. veichen Erdmasse enthaltene Flüssigkeit vielleicht
Wasserkräfte im Großen kommen unter goch anderweitig verwendet werden könnte. Er
zünstigen Verhältnissen und bei geschickter Ver- jormte eine Kugel aus dem Schlamm und zog
vendung, wenn während der Nachtzeit die dis- einen Docht durch dieselbe; der Docht saugte
oonible Ärbeit nicht verschleudert wird, auf 31/5 die Flüssigkeit ein und brannte, wenn er ange⸗
Pfennige pro Stunde und Pferd. zündet wurde, mit roter Flamme, und so war
In München und Augsburg belaufen sich die die erste Petroleumlampe fertig! — Wie aber
sährlichen Auslagen inklusive Amortisation für onnte man das Oel dem Boden entziehen?
die Pferdestärke mittelst Wasserkraft auf 160 Mk. Schreiner wollte die Schlammasse destillieren.
Bei 300 Arbeitstagen trifft auf 1 Tag 0,5 Mk Er verschaffte sich einen großen eisernen Topf
und bei zehnstündiger täglicher Arbeitszeit pro ind stellte aus demselben einen Destillierapparat
Ztunde 5 Pf., die effektive Pferdestärke sonach jer. Darauf wurde der Topf mit dem öligen
auf 7 Pf. Da auch in Fällen, wo Nachtbetrieb Schlamm angefüllt, über ein Feuer gestellt und
nicht thunlich, kein vernuͤnftiger Grund besteht, iun sollte das Destillieren losgehen — es ging
die während der übrigen 14 Stunden des ganzen auch los, das heißt, der Topf sprang infolge
Tages disponible mechanische Potenz unbenuͤtzt einer Explosion in Stücke und der arme Schrei—
„vorbeiströmen“ zu lassen, vielmehr dieselbe für aer wurde hierbei am ganzen Körper fürchter—
zlektrische Beleuchtung, für Ladung von Accumu ich verbrannt. Aber kaum geheilt, machte er
satoren, für Hebung uünd Ansammlung kleinerer ich aufs neue an weitere Versuche; er wußte
Betriebswassermengen in höher gelegene Reser- ich einen wirklichen Destillierapparat zu ver—
voire verwertet werden kann, um in mehreren chaffen. Der diesmalige Versuch gelang besser
dieser Faͤlle bei Tage für Kleinbetriebe Nutzen ind es ergab sich diesmal ein Destillat, welches
daraus zu ziehen, so würde sich der stündliche ich als sehr penetrant riechendes, schmutzig⸗
Preis einer Pferdestärke auf 3Pf. abmindern. arbiges Oel darstellte. Der zweite Schritt war
Daß auch in anderen Orten derartige Preise jethan, das Petroleum war destilliert und her—⸗
bestehen oder erzielt werden künnen. zeigen fol- jestellt! Schreiner füllte das Oel in eine Flasche
zende Beispiele. ind verkaufte es im Jahre 1853 an den Apo—⸗
In Schaffhausen wird pro Pferdekraft und heker der Nachbarstadt, worauf es allmälig in
Jahr 125 Fres. bei größeren Wasserkräften und den Handel kam. Schreiner ist demnach nicht
(50 Fres. bei kleineren als Miete bezahlt. rur der erste, der Petroleum erzeugt, sondern
In Frankreich beträgt die iährliche Miete uuch der erste, der es in den Handel eingeführt
200 -v 300 Fres. jat. Noch in demselben Jahre führte auch die
In Italien wird, falls das Betriebswasser in daiser-Ferdinands-Nordbahn das neue Beleuch—
die Bewässerungskanäle zurückgegeben werden ungsmaterial bereits zur Beleuchtung der Sig⸗
kann, pro Pferdekraft und Jahr bis herab auf zale ein und bezog 30) Etr. zum Preise von
4 Lire (4 Fres.), am Kanal Cavour unter 50 Gulden per Ceutner aus Lemberg. Damit
gleichen Verhältnissen immerhin nur 60 Lire war dem Petroleum als Beleuchtungsmaterial
bei längerer Konzessionsdauer (30 Jahre) be- der Weg in die Welt geebnet.
zahlt. Während aber inzwischen Tausende von Men—
Bei der vorläufigen Rentabilitätsberechnung schen am Petreleumhandel sich bereichert haben, ist
des in Frankreich zwischen dem atlantischen der eigentliche Entdecker des Petroleums — ein
Ozean und dem Mittelmeere projektierten Schiff/ armer Mann geblieben. Er hat, wie so viele
srahrtskanals ist die Gewinnung und Abgabe von indere, das Entdecken wohl verstanden, aber
100 000 Pferdestärken mit beabsichtigt, und es die Verwertung seiner Entdeckung verstand er
iß die Mierdekraft pro Taa mit 20 Ets proani

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Stunde mit 0,83 Ets. in Ansatz gebracht; der
hortige Preis der Dampf-Pferdekraft ist pro
Stunde mit 5 Ets veranschlagt.
Für Kleinbetriebe und für Klein—
moötoren (Wassersäulenmaschinen, Turbinen)
wurde das Wosser erst in der jüngsten Zeit an
einigen Orten herangezogen. Bei großer Druck⸗
höhe ist das zur Erzielung einer Pferdestärke
erforderliche Wasserquantum sehr gering, bei
einer Druckhöhe von 72 Mir. ist nur 1 Seec.
Lit. nötig. In manchen Fällen kommen noch
biel kleinere Betriebswassermengen zur Be—
autzung; so zum Betriebe von Nähmaschinen
s'olche bis herab zu 3,75 Lit. pro Minute bei
genügendem Druck.
Seither hat man zu Betriebszwecken mehr⸗
fach teures Wasser aus Trinkwasserleitungen be—
zogen und hierbei natürlich hohe Mieten zahlen
müssen.
In Zürich beträgt der Preis 0,6 Fres., das
ist 40 Pf. pro Stunde und Pferdekraft; in
Kdarlsruhe bei einem zweipferdigen Schmid'schen
Wassermotor (Kolbenmaschine) sogar 950 Pf.
Dagegen liefert die Stadt Genuag zur Zeit schon
Wasser für den Betrieb von Kleinmotoren unter
einem mittleren Drucke von 413 Atmosphären
zum Preise von 4 Pf. pro Kubikmeter, das ist
oro Stunde und Pferd 24 Pf.
            
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