Full text : 1.1883 (0001)

142 Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.
als daß der „Eisenbahnfachmann“ eigentlich fkamen, wie wir im „Westfälischen Merkur“ Gegenstände müssen bis zum 1. Juni 1884 au
keiner sei und trotz seines Beruf nichts vom lesen, unter den 89 000 Bergleuten des westf. den Mitteldeutschen Kunstgewerbe-Verein in
Eisenbahnwesen verstände. Steinkohlenbeckens, also innerhald der Reviere Frankfurt a. M., Neue Mainzerstraße 35 portofrei
Der erste Verfasser hielt es unter solchen der vier in diesen bestehenden Knappschaftskassen eingesandt werden. Das Preisgericht wird
Umständen an der Zeit, aus seiner Anonymität im Jahre 1882 33 514 Erkrankungsfälle vor 'nnerhalb 14 Tagen nach der Einsendung seine
herauszutreten, und nannte sich als den Be⸗ Diese erscheinen aber um so weniger als eine Entscheidung treffen; die mit dem ersten Preise
triebs⸗ und Maschinen⸗-Inspektor Reimherr besonders hohe Ziffer, als sie sich auf sämtlichte ausgezeichnete Garnitur wird von dem Vereine
in Dortmund. Zugleich aber konnte nun er Lerletzten bezieht, die ärztliche Hülfe in Anspruch angekauft werden. Sämiliche eingelieferte Ar—
sich auf M. M. von Weber berufen, da er mit jenommen haben, und die statistisch schwer aus beiten werden vier Wochen lang im Ausstel⸗
diesem jahrelang freundschaftlich verbunden war juscheidenden 2532 Erzbergleute der Vereins lungslokale des Vereins öffentlich ausgestellt.
und die volle Anerkennung Webers erworben »ezirke mit umfaßt. Die Aufwendungen, welche
hat, so daß dieser selbst ihn sicherlich nicht unter die Knappschafts-Vereine des westf. Steinkohlen
die Technikanten gerechnet hat. beckens im Interesse ihrer Vereinsgenossen und
Mit dem Einwande, daß der erste Verfasser deren Familie während des Jahres 1882 ge—
nicht sachverständig gewesen, war es also nichts macht haben, belaufen sich anf die beträchtliche
Aber auch die übrigen Einwände des Kanale Summe von 4501443 M. Hiervon entfieler
freundes erwiesen sich auf der Stelle als durch auf Kur⸗ und Arzneikosten 5663 100 M. und
aus hinfällig. Zunächst trifft dies den Ein: auf Krankenlöhne 507892 M., also zusammen
wand, daß für die Bahnfracht nur die günstig- uuf die Krankenpflege 1070997 M. Die Pen—
sten Verhältnisse in Rechnung gesetzt seien, was ionen der 7513 Invaliden betrugen 1638 718 M.
sich durch einen Blick in die Berechnung als diejenigen der 5746 Witwen 866 094 M. und
irrig erweist. Vor allem aber mißlang der diejenigen der 22330 Waisen 771866 M., also
weitere Einwand, den Herr Geck machte, daß ämmtliche Pensionen zusammen 3276679 M
nämlich, selbst wenn bei dem geringen Trans- Außer diesen Summen wurden noch im Interesse
portquantum von ca. 1500000 Tonnen nur der Bergleute bezw. deren Familien verausgabt
eine so geringe Bahnfracht herauszurechnen sei, 30 975 M. an Begräbniskosten, 53200 M. ar
dies nichts entscheide, da bei der voraussichtlich zußerordentlichen Unterstützungen und 77 072 M
erheblich größeren Transportmenge die Eisen- Schulgeld für 14264 Bergmännskinder des Es—⸗
bahnfrachten steigen müßten. Herr Geck ist ener Vereins. Diese Aufwendungen ließen sich
nämlich der Ansicht, und er läßt dies, damit ja aur zum geringsten Teile aus den Zinsen des
kein Mißverständnis obwaltet, fett drucken — im Jahre 1882 auf 3 268 834 M. angewachsenen
daß bei der Schleppbahn Frachtsätze Vereinsvermögen bestreiten, der Hauptsache nach
bei wachsenden Transportmengen un-datten für dieselben die Bergleute und Zechen—
bedingtmitwachsen, während sie beim eesitzer mit ihren Beiträgen aufzukommen. Die
Kanal stetig abnehmen müssen. Herr etzteren beliefen sich im ganzen auf 41610 872 M.
Reimherr konnte diesen Satz in seiner Er- velche in nahezu gleichen Hälften, nämlich mi⸗
widerung mit Recht als Unsinn bezeichnen 2316875 M. auf die Bergleute und 2293 996 M
Da aber Herr Geck selbst hervorhebt, daß nach auf die Zechenbesitzer sich verteilen. Es ergib
seiner Auffassung der Dinge in dieser Frage ich das pro aep der Bergleute 26 M. und
der Kern liege, so ist es außerordentlich leicht, üür jedes der 1889 im Jahre 1881 in Betriet
da der Kern Unsinn ist, zurückzuschließen und sich defindlich gewesenen Berawerke durchichnittlich
zu überzeugen, daß auch die Schale und damit das 12 138 M. Beisteuer.
SGanze Unsinn ist. Hierauf hat dann noch Herr
G. etwas erwidert, ohne jedoch etwas wesentlich
Nenes vorbringen zu können. —
Allem Anscheine nach wird dieser Streit er—
heblich dazu beitragen, um die Ansichten über
die Kanalfrage zu läutern; denn hier sind noch
einmal ziffernmäßige Nachweise allgemeinen
Redensarten gegenüber von Erfolz gewesen.
Auch liegt in dem Streite ein neuer schlagen
der Beweis dafür, daß man am Niederrhein
selbst durchaus nicht so einig über den Nutzen
der Kanäle ist, wie dies die Kanalfreunde hin—
zustellen so gern geneigt sind

Ueber die Industrieschule für Frauen
in Barr
teilen die „Schlettst. Els. Nachrichten“ Folgen⸗
des mit:
Die Schule hat den Zwechk, diejenigen Fertig—
leiten, Kenntnisse und Geschicklichkeiten zu lehren,
welche das praktische Leben der Jetztizeit erfor—
dert. Die Ausbildung behält somit ausschließ—
lich die Anforderungen des Hauses im Auge,
und zwar: Schneidern, Wäschefabrizieren. Nähen.
Stopfen und Flicken.
1) Handnäherei. Flicken, Stopfen und
Ddunststopfen; Weißstickerei. Es wird mit Näh⸗,
Stopf- und Sticktuch begonnen, sodann zu prak—
tischer Arbeit übergegangen; auf das Ausbessern
ier Gegenstände wird besonders Wert
gelegt.
2) Das Kleidermachen nebst praktischem
Zuschneiden und Anfertigung von Mänteln. Es
wird hierbei gelehrt: das Maßnehmen auf jeden
Körper nach bestimmter Methode, das selbst—
tändige Zuschneiden des Stoffes und das ge—
schmackvolle Zurechtmachen und Garnieren der
betreffenden Kleidungsstücke. Das Streben des
Unterrichts bleibt dahin gerichtet, die Schülerinnen
in den Stand zu setzen, sich alle Arten von Klei—
dungsstücken durchaus passend und geschmackvoll
oollständig anfertigen zu können. Alte Sachen
werden neu aufgearbeitet und modernisiert. Die
Maschine wird beim Nähen benutzt.
3) Die Wäschefabrikation in Verbin—
dung mit Erlernung der Handhabung von Näh—
maschinen. Der Kursus beginnt mit Anferti—
zung eines Nähtuchs, wobei der Gebrauch der
verschiedenen Apparate der Nähmaschine gelehrt
wird. Sodann wird zur praktischen Anfertigung
von Wäsche (KKinder-, Damen- und Herrenwäsche)
übergegangen, wobei nur die in der nach Maß
aufgezeichneten und zugeschnittenen Stücke ner—
arbeitet werden dürfen.
4) Das Putzfach. Im Frühjahr und Herbst
jedes Jahres wird ein zweimonatlicher Kursus
hierfür eröffnet, in welchem alle hieher gehören—
den Gegenstände, als Schleifen, Hauben, Rüschen,
Dinder⸗ und Damenhüte ?ꝛc. angefertigt werden.
Die Schule unterrichtet, mit den Quartalen
laufend, je nach den Fähigkeiten und Vorkennt—
nissen der Schülerinnen, in a4, 2, 84 und
einjährigen Kursen, doch ist auch monatliche Be—
teiligung gestattet. Es können sowohl einzelne
der unter 8 2 angeführten Facher als auch
mehrere, im gleichen Kursus benutzt werden.
Das Schulgeld ist im Voraus zu bezahlen und
beträgt monatlich, bei Benutzung eines sechs—
stündigen täglichen Unterrichts, 10 Mark. Bei
einer Teilnahme des Unterrichts nur an Vor—⸗
oder Nachmittagen ist das Schulgeld auf 7Mk.
festgestellt. Handarbeit, SII, Nr. 1, Benutzung
don 3 Stunden täglich, kostet 5 Mk. Auslagen
für Arbeitsstoffe, Geräte und sonstige Schul—
zedürfnisse sind von den Teilnehmerinnen zu
hestreiten. Das Mitbringen eigener Maschinen
ist gestattet und erwünscht. Die Schülerinnen
müssen das 14. Lebensjahr zurückgelegt haben.
Ordnungssinn, Reinlichkeit und anständige Um—
jangsformen werden als unentbehrlich bean—
prucht. Auf Erlernung einer guten Körper—⸗
haltung wird von Seiten der Schule besonders
Bewicht gelegt werden. Schülerinnen von außer—
jalb können späterhin und soweit es der Raum
erlaubt, Mittagstisch in der Schule erhalten.
VBon Zeit zu Zeit veranstaltet die Schule öffent⸗
liche Äusstellungen der von den Schülerinnen
elbständig gefertigten Arbeiten. Denjenigen
Schülerinnen, welche gute Erfolge des Besuches
der Schule aufzuweisen haben, wird ein auf
Brauchbarkeit und Fähigkeit eingehendes, über
Fharakter Fleit und Führung herichtfendeé

Preisausschreiben.
Der mitteldeutsche Kunstverein sin
rrankfurt a. M. fordert, um der deutschen
Bronze⸗-Industrie eine zeitgemäße Anregung zu
zeben und gleichzeitig, um für seine kunstgewerb
iche Lotterie einen geeigneten Gewinn-Gegen
tand zu erzielen, zur Beteiligung an einer unte
'olgenden Bedingungen ausgeschriebenen Kon
kurrenz auf:
Als Aufgabe wird gestellt: eine Kamin-Gar
ritur, deren Hauptmaterial Bronze sein soll
vährend andere Nebenmaterialien, als Holz
Marmor, Krystall und Aehnliches nicht ausge⸗
chlossen sind. Die Bronze soll der Hauptsache
ach in ihrer eigenen, durch schwache Platinie
rung erzielten Farbe erscheinen. Ueberzüge von
Vold und Silber, Emaillierung und Aehnliches
ind als Dekoration einzelner Teile zulässig
Die Garnitur soll aus einem Mittelstück und
wei Seitenteilen bestehen. Die einzelnen Gegen—
tände müssen durch ihre Formenbehandlung als
zu einander gehörig charakterisiert werden. Der
Ladenpreis der Garnitur soll 1200 Mk betragen
die Konkurrenten haben sich schriftlich zu ver—
oflichten, zu diesem Preise die Garnitur au
Bestellung in unbeschränkter Zahl zu liefern
Als Ehrenpreise für die zwei besten Lösunger
dieser Aufgabe werden von dem Verein 500 Mk.
ind 300 Mk. ausgesetzt. Doch soll es dem
Preisgerichte freistehen, zwei gleiche Preise von
e 400 Mk. zu erteilen, event., falls keine be—
riedigende Lösung eingeht, die Preise für eine
viederholte Ausschreibung der Konkurrenz zurüch
zu halten. Das Amt der Preisrichter wird
vahrgenommen von den Herren: Joh. Diel
mann, Bildhauer in Frankfurt a. M., F. K
dausmann, Direktor der königl. Akademit
n Hanau, F. Luthmer, Direktor der Kunstzewerbe-Schule
 in Frankfurt a. M., Ferdinand
bon Miller, Bildhauer in München, Adol
Passavant, Architekt in Frankfurt a. M.,
r. Schierholz, Bildhauer in Frankfurt
a. M. Zur Teilnahme an der Konkurrenz wer—
den nur Gegenstände zugelassen, welche im Ge—
hiete des Deutschen Reichs oder Deutsch-Oester
reichs angefertiagt iind Die konkurrierenden

Segen der Knappschaftskassen.
Es dürfte schon Manchem aufgefallen sein, daß
trotz der großen Gefahr für Gesundheit und
Leben, von welcher der Bergbau begleitet ist,
doch äußerft selten Bergleute ihre bisherige Be—
schäftigung freiwillig aufgeben. Anderseits be—
nutzen Bergleute, die aus irgend einem Grunde
dem Bergbau zeitweise entsagen mußten, stets
die erste sich bietende Gelegenheit, um zu diesem
zurückzukehren. Diese Erscheinung findet jedoch
fehr leicht ihre Srklärung, denn einmal ist
die Arbeitszeit beim Bergbau eine kürzere, wie
in jedem andern Betriebe, und der Bergmann
gewiunt dadurch mehr freie Zeit, die er zu
Nebenbeschäftigungen, wie Gartenarbeit u. s. w.
verwenden kann; außerdem gibt es wohl keinen
Zweig des gewerblichen Lebens, in dem bessere
Einrichtungen für die Invaliden wie für die
hinterbliebenen Witwen und Waisen bestehen,
als die Rnappschaftskassen des Bergbaues
Haben diese Kassen auch teilweise noch Mängel und
muß auch der einzelne Bergmann ziemlich viel
beisteuern, so darf er dafür doch auch ruhig in
die Zukunft blicken. Endlich koͤnnte man noch
hinzufügen, daß trotz des entgegenstehenden
aͤußern Scheines der Kohlenbergbau an und
für sich kaum den Grad der nachteiligen Ein—
wirkung auf die menschliche Gesundheit er—
reicht, wie ihn die meisten andern Gewerbe üben.
Durch Aussprüche gewiegter medizinischer Au—
toritäten, besonders aber durch Krankheits- und
Sterblichkeits-Statistik, läßt sich diese Thatsache
auf das bestimmfteste nachmeisen Allerdinds
            
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