Full text : 1.1883 (0001)

Nr. 35

Saarbrücker Gewerbeblatt für Industrie, Handel und Verkehr.

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Eine moderne Feuerspritze.
Die Kohlensäure wird, wie man heute schon
in jeder Elementarschule lernen kaun, bei einem
Druͤcke von eiwa 40 Atmosphären tropfbar
flüssig, geht aber sofort wieder in gasförmigen
Zustand über, wenn dieser Druck aufgehoben
hird. Das Gas nimmt dann den 500fachen
Raum ein, den es im flüssigen Zustande aus—
füllte. Diese Eigenschaft macht den Versandt
der Kohlensaure leicht und verallgemeinert deren
Verwendbarkeit. Die Herstellung der dazu nöti—
gen sehr starken Transportgefäße stieß anfäng—
ich auf Schwierigkeiten; nachdem jedoch große
Fabriken in Deuischland die Anfertigung der
Apparate übernommen und die nötigen Ein—
richtungen, namentlich zum Probieren der unter
so hohem Drucke stehenden Transportgefäße
getroffen haben, sind die Schwieriakeiten gehoben.
Seitdem hat die Verwendung der flüssigen
Kohlensäure eine immer größere Ausdehnung
angenommen, sowohl für Riederdruck, wie für
Hochdruck. Im ersteren Falle findet man sie
hei der Cisbereitung und als Ersatz der soge—
nannten Bierpressionen, im letzteren na—
mentlich zur Erzeugung von kohlensauren Was—⸗
sern, zu chemischen Zwecken und zum Feuer
löschen angewandt.
Eine freigelassene geringe Menge Kohlensäure
erzeugt unmittelbar den gewünschten Druck,
deffen Höhe je nach dem
Bedürfnis geñnau geregelt
werden kann. Es kann
dabei weder verdorbene
ZQuft noch Staub ꝛc. mit
dem Bier in Berührung
kommen und selbst bei
längerem Stehen eines
angebrochenen Fasses wird
das Bier nicht verschlech⸗
tert, sondern im Gegenteil
durch Aufnahme von Koh—
lensäure noch verbessert.
Indem wir uns vorbe—
hallen, auf andere Ver—
wendungsweisen und die
dazu nötigen Apparate
noch näher einzugehen,
wollen wir im Folgenden
die Verwendung der flüs—
——
Feuerloöͤsch-Zwecken
erläutern.
Beim Ausbruch eines
Feuers ist es von großer
Wichtigkeit, sofort ein zu—
berlässiges und leicht zu
gebrauchendes Löschmittel
zur Hand zu haben. Man
hat zu dem Zwecke die ver—
schiedenartigsten Handpumpen konstruiert, nament⸗
lich aber haben sich die sogenannten Extinkteure
in mannigfacher Ausführung recht gut bewährt.
Alle diese Apparate besitzen jedoch vor den mit
flüssiger Kohlensäure gespeisten Feuerlöschern
zanz erhebliche Nachteile.
Bei den Handipritzen trocknen die Liderungen
des Kolbens ein und ist die Bedienung, da das
Wasser zugetragen werden muß, höchst mühsam.
Diese Spritzen sind in der Regel nur für ein
kleines Fener verwendbar.
Die Extinkteure sind verschiedenartig kon—
struiert und beruht deren Einrichtung meist
darauf, daß in denselben durch Zertruͤmmern
eines Gefäßes aus dem im Wasser aufgelösten
Salze Kohlensäure entwickelt wird, welche eine
hohe Druckspannung annimmt und nicht nur
das im Gefäß enthaltene Wasser mit großer
Gewalt hinaustreibt, sondern auch durch Aus—
strömen des Ueberschusses zum schnellen Löschen
des Feuers beiträgt, weil in der Kohlensäure
keine Flamme brennen kann. Diese Exlinkteure,
so zweckdienlich ihre Konstruktion auch ist, haben
jedoch Mängel, deren Beseitigung trotz viel—
facher Versuche und verbessernder Erfindungen
noch nicht gelungen ist. Namentlich gehoört
dahin: Unsicherheit, unbequeme oder fuͤr Unge—
übie schwierige Behandlung, Hantierung mit
ätzenden Säuren, erforderliches Zerbrechen von
Flaschen. deren Scherben störend fein kännen 20

Eine sehr viel leistungsfähigere Kohlensäure—
Feuerspritze ist der hier abgebildete, von der
Maschinenfabrik Deutschland in Dortmund nach
dem Patent des Dr. Raydt in Hannover kon
truierte Feuerlöscher mit flüssiger Kohlensäure
Ein leichtes, zwei-rädriges Fahrzeug trägt
einen Kessel mit Schlauch und Strahlrohr. Der
—ADD——
Kessel befinden sich zwei lange, eylindrische, auf
250 Atmosphären geprüfte schmiedeeiserne Flaschen
mit flüssiger Kohlensäure. Jede dieser Flaschen
zjat ein Äbsperrventil, von welchem ein enges
jebogenes Kupferrohr nach dem Wasserkesse!
ührt.
Wird das Absperrventil einer Flasche geöffnet,
vas durch leichte Drehung eines aufgesteckten
Ddandgriffes geschieht, so drückt die Kohlensäure
auf das Wasser im Kessel und schleudert das—
elbe aus dem Strahlrohre. Es ist von großem
Wert, daß der Druck, womit dies geschieht,
zanz nach Belieben dem jeweiligen Bedürfnisse
entsprechend geregelt werden kann, indem man
das Absperrventil etwas mehr oder weniger
zffnet. Zur Erkennung des Druckes dient ein
auf dem Kessel angebrachtes Manometer. Ein
Sicherheitsventil schützt gegen Unwendung über—
näßigen Druckes.
Die flüssige Kohlensäure bleibt in den fest
derschlossenen Flaschen während ganz beliebiger

hraucht nut den Schlauch abzurollen und qanzu⸗
chrauben und ein Absperrventil zu öffnen, datin
vird sofort der Wasserstrahl mit so viel Kraft,
wie man gerade wünscht, herausgeschleudert
Da es häufig wünschenswert ist, kontinuierlich
pritzen zu können, so baut die Maschinenfabrik
Deutschland nach den Angaben des Herin
Major Witte in Berlin auch einen Feuerlöscher
mit2 Wasserbehältern, welche alternierend he⸗
nutzt werden der Art, daß der leer gewo e
Kessel neu gefüllt wird, während man dienigl⸗
lung des andern zum Spritzen benutzt.
Bei einem auf der Gußstahlfabrik des Errn
Friedrich Krupp angestellten Löschversuch wurde
ein aus 12 Kubikmeter Holz nebst 50 Schänzen
und Wellen bestehender und mit Petrolen
durchtränkter Holzstoß angezündet und dem ι
igen Feuer durch das mittelst flüssiger Kohlen⸗
äure geschleuderte Wasser in 1 Minuten die
Bewalt genommen.
a ctitee inem Zweifel, daß die Di—
vendung von flüssiger Kohlensänre nach der
Raydt'schen Methode für Feuerlöschzwecke eine
bedeutende Zukunft hat. Obgleich der ganze
Apparat, welcher in Anwendung kam, als ein
provisorischer zu bezeichnen ist, so war doch die
dandhabung eine sehr einfache und sichere; be—
sonders ist hervorzuheben, daß der Druck bis
zum letzten Tropfen Wasser immer ein gleich—
mäßiger blieb.
Die Aufgabe der Kon⸗
struktion und Anwendung
zon sog. Extinkteuren in
zroßen Verhältnissen ist
hier gelöst, sowohl betreffs
transportabler wie stabiler
Apparate; letztere können
nötigenfalls in ganz be—
deutender Größe herge—
stellt werden, da auch bei
solchen unter Anwendung
der flüssigen Kohlensäure
ein ganz beliebiger Druck
erzielt und erhalten wer—
den kann.
Der Hauptvorteil der
beschriebenen Methode liegt
darin, daß man bei aus—
brechendem Feuer ohne jede
Vorbereitung sofort über
einen beliebig großen Druck
und ein äußerst wirksames
Löschmittel verfügt, wel—
ches mit sehr geringer Be—
dienungsmannschaft leicht
und sicher gehandhabt wer—
den kann. Von hervor—
ragender Bedeutung ist
dies besonders für Theater
und sonstige große Etablissements, welche großer
Feuersgefahr ausgesetzt sind, sowie auch für
Schiffe, namentlich aber für alle größeren
Fabriketablissements, Bahnhöfe ꝛe.
Viele große Theater-, Farik- und Schiffs—
zrände können bei rechtzeitiger Anwendung
Paondt'scher Löschnvparate nermieden merden. 4

Zeit unverändert. Zu einer Füllung des Wasser⸗
essels wird etwa die Hälfte einer Flaschen—
üllung verbraucht; es reicht also der Inhalt
der im Apparate befindlichen 2 Flaschen, welche
tets gefüllt gehalten, bezw. wenn eutleert, durch
zefüllte ersezt werden können, für etwa 3 bis
4 Füllungen des Wasserkessels.
Die Auswechselung der entleerten Flaschen
gegen gefüllte ist sehr leicht und in ganz kurzer
Zeit zu machen. Zum Transporte haben die
Flaschen eine aufgeschraubteschmiedeeiserne Kappe,
welche das Absperrventil, womit jede Flasche
versehen ist, vollständig schützt. Das Wasser in
dem gefüllten Kessel hat keine Berührung mit
der Luft, und das bis auf den Boden des
dessels reichende Ausströmungsrohr ist oben
offen, und kann dort auch noch, wenn man will,
zurch einen leicht zu entfernenden Propfen ge—
chlossen werden. Das Wasser kann daher weder
berdunsten, noch verderben und bedarf so lange,
wie nicht gebraucht, keiner Erneuerung.
Bei einem Versuche vor der Feuerwehr zu
Dortmund wurde der Schlauch an den etwa
20 M. hohen Steigerturm hinaufgezogen und
stieg von der Oberkante des letzteren auf das
sommando „Wasser“ nach wenigen Sekunden
ein hoher Wasserstrahl empor, ohne andere Ar
beit als die leichte Drehung des Absperrventils
Der durchaus ungefährliche Apparat ist stets
zu sofortiger Indehrauchnahme fertig. Man

Eisenbahn⸗Fracht-Verkehr.
Frachtberechnung für zerlegte Maschinen.
Die Fracht für Maschinen, welche, ganz oder
»orwiegend aus Eisen oder Stahl bestehend, in
hre einzelnen Teile zerlegt zum Transport auf⸗
—0
nein nach den für Maschinenteile aus Eisen
»der Stahl geltenden Bestimmungen zu den
Sätzen des Spezialtarifs 1 bezw. a2 berechnet.
Saarkohlenverkehr nach der Pfalz.
Am 15. November d. J. erschien zum Kohlen—
tarif Nr. 1 vom 1. April 1878 decr VIl. Nach⸗
trag, welcher Frachtsätze für die Stationen an
der neu eröffneten pfälzischen Bahnstrecke Kaisers—
lautern — Lauterecken enthält. — Preis 5 Pfg.
Güterverkehr mit der Pfalzbahn.
Am 1. Januar 1884 treten die in den Heften
Jbis Vdes Tarifs vom 1. April 1881 fuͤr den
Büterverkehr mit Stationen der pfälzischen
Fisenbahnen im rheinisch-westfälisch-südwest—
deutschen Nerhande enthaltenen Frachtsötze für
            
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